PAUL GILBERT: Werewolves Of Portland

PAUL GILBERT braucht man Gitarrenfreaks wohl kaum vorstellen. Egal ob mit den Speedfreaks RACER X oder den Hitlieferanten MR. BIG, vor allem Mitte 80er bis Mitte 90er stand der Gitarrist mit ganz vorn in der Riege der Guitar Heroes. Warum, das belegt er auch heute noch mit seinem nunmehr 16. Soloalbum. Und das im wörtlichen Sinne, das Album wurde ganz allein von Mr. GILBERT eingespielt und zusammen mit Kevin Hahn im Opal Studio in Portland produziert.

PAUL GILBERT präsentiert sich auch auf “Werewolves Of Portland” als Guitar Hero

Feierlich werden wir ins Album eingeladen, halleluja! Dann geht die bunte Reise los. GILBERT wedelt mit Leads um uns die schon in einem Song mehr bieten als viele Bands auf dem ganzen Album. Der Song dreht und wendet sich, mal knurrig, mal melodiös, mal energisch, mal erzählerisch. Als Gitarrist reicht ein Song, und das Album hat schon gewonnen. Ach ja, halleluja! Wenn “My Godness” seiner Frau gewidmet ist, dann muss Mrs. Gilbert eine coole Lady sein. Aberwitzig der Titelsong, der ein nicht weniger witziges Video verpaßt bekommen hat. Eine Verbeugung Richtung RUSH, eine fette Blueseinlage, sägendes Geschreddern, Picking ala AL DI MEOLA, klasse! Was hier in einem Song verbraten wird, das ist faszinierend und bei aller Schredderei nie überzogen oder gar zu kopflastig. Pure Spielfreude zieht sich hörbar durch das gesammte Album. Als Zuhörer freut man sich, dabei sein zu dürfen. Dass kein Sänger dabei sein darf, das stört hier nicht einen Moment.

Mit musikalischem Statement über Kuchen braucht man keinen Sänger

So ein eindringliches musikalisches Statement über Kuchen wie bei “Argument About Pie” gibt es sicher nicht oft. Wenn sich die Melodie erhaben öffnet, dann riecht man geradezu den faszinierenden Duft einer Bäckerei, wie man ihn als Kind empfunden hat. Die Leads hingegen sind so scharf, dass sie den Kuchen gleich in gefällige Stücke schneiden können. Als Sahnehäubchen eine Portion 80er Classic-Rock, lecker! Ein Groovemonster wie “I Wanna Cry (Even Though I Ain’t Sad)” lädt zum Abzappeln ein, Mr. GILBERT verbeugt sich im schmissigen Boogie mit passenden Leads vor GARY MOORE und BILLY GIBBONS, ebenso beim Schlusstrack “(You Would Not Be Able to Handle) What I Handle Everyday “. “A Thunderous Ovation Shook The Columns” kommt mit so viel Spät 80er Classic Rock, es hätte mit Gesang von Eric Martin auch super zu MR. BIG gepaßt, bekommt zum Ende hin eine ordentliche Portion Southern Rock-Leads.

Pflichtkauf wenn man auf fantastisch gemachte rockige Instrumentalmusik steht

Abwechslung wird hier groß geschrieben. Und dies nicht mit einem Song so, den anderen so und noch einen mit was anderem. PAUL GILBERT packt alles kunterbunt in jedem Song zusammen, begeistert mit kurzen rasanten Shreddereinlagen, entzückt mit eingängigen Melodien, coolen Classic Rock-Parts, packt hier und da ein sicher gewolltes Zitat anderer Kollegen rein. Alles in sich ist stimmig und unterhaltsam, sowohl das ganze Album als auch jeder Song für sich. Zumindest als Musiker vermisst man nicht einen Moment irgendwelche Vocals, zumal GILBERT auch am Bass gern man ordentlich abliefert. Wer mit diesem Gitarrengedudelkram nichts anfangen kann, der ist eh schon zu anderen Reviews gewandert. Wer hingegen auf fantastisch gemachte rockige Instrumentalmusik steht und z.B. kürzlich das neue MARTY FRIEDMAN-Album abgefeiert hat, der hat mit “Werewolves Of Portland” einen Pflichtkauf.

Veröffentlicht am 04.06.2021

Spielzeit: 47:46 Min.

Lineup:
Paul Gilbert – Guitar, Bass, Drums, Keyboards

Label: Mascot Label Group

Homepage: http://www.paulgilbert.com

Mehr im Web: https://www.facebook.com/paulgilbertmusic

Die Tracklist von “Werewolves Of Portland”:

1. Hello North Dakota!
2. My Goodness
3. Werewolves of Portland (Video bei YouTube)
4. Professorship at The Leningrad Conservatory
5. Argument About Pie (Video bei YouTube)
6. Meaningful
7. I Wanna Cry (Even Though I Ain’t Sad)
8. A Thunderous Ovation Shook The Columns
9. Problem-Solving People
10. (You Would Not Be Able to Handle) What I Handle Everyday