Jahresrückblick 2018 von agony&ecstasy

Selten ist mir die Zusammenstellung der Top 10-Alben so schwer gefallen, wie dieses Jahr. Und das lag einzig und allein an der großen Auswahl möglicher Kandidaten. Ja, 2018 war meiner Meinung nach ein verdammt starkes Jahr für Heavy Metal. Und auch wenn meine Nummer eins schon sehr früh im Jahr feststand, wurde es gegen Ende noch mal eng, so dass ich letztendlich drei Alben in dieser Liste habe, die alle die Spitzenposition verdient hätten. Aber wie heißt es so schön? Es kann nur einen geben!

solstice-White-Horse-Hill-coverSOLSTICE: „White Horse Hill
Nach dem „To Sol A Thane“-Demo aus dem letzten Jahr war ja schon klar, dass SOLSTICE etwas ganz großes in der Hinterhand haben. Dass sie es aber tatsächlich schaffen würden, qualitativ mit ihrem letzten Album, „New Dark Age“ mindestens mitzuhalten, damit hätte wohl kaum jemand gerechnet. Ergreifender, authentischer und besser kann man Epic Metal nicht spielen, es sei denn man heißt ATLANTEAN KODEX. Dann vielleicht. So aber bleibt „White Horse Hill“ mein Album des Jahres 2018. Ein Manifest der Sturheit und Unbeugsamkeit, ein Manifest für den Heavy Metal! Bleibt zu hoffen, dass die Band tatsächlich so schnell nachlegt wie versprochen und nicht wieder zwanzig Jahre ins Land ziehen lässt.

WITHERFALL: „A Prelude To Sorrow
Fast hätten WITHERFALL es mit ihrem zweiten Album noch geschafft, sich in meinem Poll an die Spitze zu setzen, was das zweite Mal in Folge nach dem letztjährigen Debüt „Nocturnes And Requiems“ gewesen wäre. Das die Amis sich dann doch noch SOLSTICE geschlagen geben mussten, macht „A Prelude To Sorrow“ natürlich kein bisschen schlechter und in jedem anderen Jahr wäre die Spitzenposition wohl gebucht gewesen. Der Ehrenpreis für den Song des Jahres geht für „Vintage“ definitiv an WITHERFALL – eine unglaubliche Gefühlsachterbahn. Das gilt letztendlich aber für das ganze Album, welches ein unglaublich intensives Werk einer hochtalentierten Band ist. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht.

CHAPEL-OF-DISEASE-and-as-We-Have-SeenCHAPEL OF DISEASE: „…and as We Have Seen the Storm, We Have Embraced the Eye
Und noch ein Album, welches eigentlich auch den Platz an der Spitze verdient hätte. Nachdem der Promo-Download da war habe ich erstmal fast nichts anderes mehr gehört, so sehr hat mich das dritte Album der Kölner gefangen genommen. Folgerichtig landet diese grandiose Melange aus Death Metal und Classic Rock auf dem Treppchen. CHAPEL OF DISEASE liefern hier all das, was VENENUM mir letztes Jahr nicht in der erhofften Form gegeben haben. Dazu noch das grandiose Konzert zum Jahresabschluss. Als Kölner muss man einfach stolz auf diese Truppe sein!

JUDAS PRIEST: „Firepower
„Firepower“ dürfte so ziemlich meine meist gehörte Scheibe dieses Jahr sein. Seit dem Release findet das Album immer wieder seinen Weg zurück in meine Playlist. Ich hätte nie im Leben gedacht, dass die Band im Winter ihrer Karriere noch mal ein dermaßen mitreißendes Album zustande bekommt. Vielleicht hätte man das Album auch um zwei Songs kürzen können, letztendlich macht „Firepower“ aber einfach von vorne bis hinten Spaß. Wenn dies das letzte Album der Band sein sollte, dann ist es ein mehr als würdiger Abschied.

MOTORJESUS: „Race To Ressurection
Es hat mal wieder ordentlich im Line Up der Motorpropheten gerappelt aber Chris und Andy haben sich nicht beirren lassen, den Kahn auf Kurs gehalten und erneut eine geile Heavy Rock-Platte rausgehauen. Ein paar neue Ideen, ansonsten schön ihrem Trademark-Sound treu geblieben. Das reicht bei einer meiner allerliebsten Bands problemlos um mich zu begeistern. Mehr dazu könnt Ihr auch in meinem Interview mit Chris lesen: MOTORJESUS: Support your local Rumpelkapelle!

 

satan-cruel-magic-coverSATAN: „Cruel Magic
Der Hattrick für die Briten. Seit der Reunion macht diese Band einfach alles richtig. Drei Alben, drei Volltreffer. So energiegeladen und spielfreudig klingt so manche vierzig Jahre jüngere Truppe nicht und das gilt auch und vor allem live. Es ist wirklich selten, dass eine Band aus den Achtzigern es in der heutigen Zeit noch schafft, Alben zu veröffentlichen, die mit den alten Werken der Band nicht nur mithalten können, sondern diese nach Meinung vieler Fans sogar übertreffen. SATAN sind eine dieser Ausnahmen und in dieser Form kann man nur hoffen, dass die Herren noch eine Weile am Ball bleiben. Ich hoffe sehr, es zur in Kürze anstehenden Tour zu schaffen um die neuen Songs auch live zu hören.

SULPHUR AEON: „The Scythe Of Cosmic Chaossulphur-aeon-the-scythe-cosmic-chaos
Und noch mal ein Hattrick. SULPHUR AEON haben das Kunststück geschafft drei makellose Death Metal-Monolithen nacheinander abzuliefern. Der alles zermalmende, epische Death Metal von SULPHUR AEON ist auch international nahezu konkurrenzlos. So intensiv, es presst einem die Luft aus den Lungen. Zusammen mit CHAPEL OF DISEASE die aktuelle Speerspitze des deutschen Death Metals und auch live eine absolute Macht.

 

LORD VIGO: „Six Must Dielord-vigo-six-must-die-cover
Bei einer Band aus der Pfalz spare ich mir die Fußball-Analogien lieber, das macht mich als Fan des FC Kaiserslautern nur depressiv. Apropos depressiv – ne, die Überleitung ist mir jetzt echt zu blöd. Mit ihrem kauzigen Mix aus Epic und Doom Metal treffen LORD VIGO genau meinen Geschmack und der dreizehn Minuten lange Titelsong ist einfach nur überragend.

 

PRIMORDIAL-Exile-amongst-the-ruins-coverPRIMORDIAL: „Exile Among The Ruins
Nicht ganz so stark wie die Highlights der Iren aber das ist jammern auf hohem Niveau. Schlecht oder auch nur mittelmäßig können PRIMORDIAL doch gar nicht, dazu steht die Band viel zu sehr hinter dem was sie tun. Und mit „To Hell Or The Hangman“ haben die Iren sich mal richtig was getraut und damit einen echten Hit abgeliefert.Bei einigen Kompositionen hätten PRIMORDIAL vielleicht etwas besser auf den Punkt kommen können, letztendlich ist „Exile Among The Ruins“ aber trotzdem ein weiteres kämpferisches, emotionales und mitreißendes Werk einer der eigenständigsten Bands der Szene.

DAUTHA: „Brethren Of The Black Soil“
Der dritte Hattrick, diesmal für Van Records, die doch tatsächlich ganze drei Alben in meiner Top Ten des Jahres 2018 untergebracht haben. Da sieht man, wie hoch die Qualität der Bands des Aachener Labels ist. Sicher nicht alles für jedermann, aber in jedem Fall etwas besonderes. So auch DAUTHA, die mich mit ihrem „murky medieval doom“ in ihren Bann gezogen haben.

 

Nicht unerwähnt bleiben dürfen auch die ebenfalls starken Alben von Bands wie ALICE IN CHAINSSEPTAGON, FIFTH ANGEL, VISIGOTH, MONSTROSITY, SACRAL RAGE, REVOCATION, THEM, DAWN OF WINTER, BRAINSTORM, TRAITOR, REDEMPTION, IMMORTAL, RIOT, ORPHANED LAND, NECROS CHRISTOS, TRIBULATION oder AT THE GATES. Bei einigen wenigen der genannten führte wohl lediglich der Mangel an Zeit und entsprechend unzureichender Beschäftigung mit dem Album dazu, dass sie nicht in der obigen Liste auftauchen. Beim Rest war es einfach die noch stärkere „Konkurrenz“.

 

Das selbstbetitelte Debüt von WE ARE SENTINELS war echt schwer zu ertragen. Schade, dass ein so begnadeter Sänger wie Mat Barlow sich für dermaßen uninspirierte Fahrstuhlmusik hergibt. Auch das Abkacken von MEMORIAM hat mich arg entäuscht, war das Debüt „For The Fallen“ doch zumindest noch ein solider Einstand so ist der Nachfolger „The Silent Vigil“ ein halbgarer Schnellschuss. Am besten einfach auflösen, bevor der Ruf endgültig den Bach runter geht.

Die Ausbeute an Konzerten war auch dieses Jahr aus familiären Gründen eher schmal, dafür waren die besuchten Konzerte aber auch echte Highlights:

RAM, PORTRAIT und TRIAL am 21.02.2018 im Jungle Club, Köln
Ein letztes Mal Jungle Club (ehemals Werkstatt), bevor auch diese Konzert-Location nach dem ehrwürdigem Underground der Gentrifizierung in Ehrenfeld zum Opfer fiel. Das schwedische Metal-Triumvirat konnte 2017 mit drei starken neuen Alben auftrumpfen und ließ auch live nichts anbrennen. Insbesondere PORTRAIT spielten auf wie entfesselt. Ein wirklich sensationelles Package, bei dem mich lediglich störte, dass es am Merch keine Patches zu kaufen gab. Was soll denn der Quatsch?

 

MOTORJESUS und ANGEL DUST am 17. November 2018 im JUZ Andernach
Endlich wieder MOTORJESUS! Nachdem ich die Band viel zu lange nicht mehr live gesehen habe, konnte ich mich gleich von den Qualitäten des neuen Line Ups überzeugen. Und die neuen machten tatsächlich ordentlich Stimung auf der Bühne. Musikalisch war sowieso wie immer alles im Lot – MOTORJESUS können live mit ihren Heavy Rock-Granaten nur gewinnen. Dazu die, nach langer Pause endlich wieder aktiven ANGEL DUST, die kein bisschen eingerostet wirkten sondern ein grandioses Set voller Power Metal-Hymnen, insbesondere dem genialen „Bleed“. Welcome back!

 

SULPHUR AEON, CHAPEL OF DISEASE und NEKROVAULT am 22. Dezember 2018 im Club Volta, Köln


Die zwei großartigsten Death Metal-Bands aus Deutschland feiern die Veröffentlichung ihrer neuen Alben im sehr schönen, neuen Club Volta in Köln-Mülheim. Dazu mit NEKROVAULT ein vielversprechender Newcomer. CHAPEL OF DISEASE zeigten, dass sich das neue Material hervorragend macht und sich auch gut mit den Songs des Vorgängers zusammenfügt – SULPHUR AEON waren danach der totale Abriss! Eine einzige Macht!

 

Die Geburt unserer Tochter Greta. Dagegen verblasst alles andere. Jetzt sind wir zu viert 😀

Ebenfalls ein ziemliches Erlebnis war und ist allerdings mein neuer Job.

Und ja! Nach zwanzig Jahren holen meine Franzosen endlich wieder den Titel des Fußball-Weltmeisters!

Kein neues PSYCHOTIC WALTZ-Album. Hatte Devon doch versprochen 🙁 Aber vielleicht wird es ja dieses Jahr etwas!

Erneut kein ROCK HARD FESTIVAL – hoffentlich nächstes Jahr wieder. Langsam bekomme ich Sehnsucht nach meinem zweiten Wohnzimmer.

Deutschland bei der Fußball-Weltmeisterschaft. Völlig verdient ausgeschieden. Was danach seitens des DFB passierte ist einfach nur jämmerlich, der Umgang mit Özil eine Schande.

Der politische Diskurs wird nicht nur in Deutschland immer mehr zum Frontenkrieg. Nicht nur die extremen Ränder, nein auch die eigentlich gemäßigten schaffen es kaum noch vernünftig miteinander zu reden, zu diskutieren und zu streiten. Es geht nur noch darum, wer lauter schreit und es scheint keine Grenzen mehr zu geben, über was und auf welche Weise gesprochen und gehandelt wird. Es macht mir Angst zu sehen, wie fremdenfeindliche Standpunkte immer mehr in die Mitte der Gesellschaft rücken.

Nach dem für mich persönlich sehr schweren Jahr 2017 war auch 2018 trotz oben erwähnter Highlights ein anstrengendes Jahr. Eigentlich grenzt es an ein Wunder, dass ich noch so viel Zeit für vampster gefunden habe, was allerdings auch ganz klar auf Kosten sämtlicher anderer Hobbys ging. Aber das war und ist es wert, denn da Schreiben für vampster macht mir nach inzwischen über dreizehn Jahren immer noch verdammt viel Spaß, was natürlich zu einem großen Teil auch an den tollen Menschen hier im Team liegt. Danke euch allen, dass ihr seid, wie ihr seid!

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.