SUMMER BREEZE 2022: Der Festivalbericht

Drei Jahre ohne Open Air, drei Jahre ohne SUMMER BREEZE. Nach den entfallen Jahrgängen 2020 und 2021 kehrt das zweitgrößte Metal-Festival Deutschlands zum 25. Jubiläum zurück. “Stronger than ever” lautet das Motto nach der Zwangspause – eine Ansage, die mehr sein will als ein bloßes Lippenbekenntnis. Wie harmonisch und familär jedoch die Rückkehr letzten Endes ausgefallen ist, hat aber selbst uns überrascht.

Summer Breeze 2022 – Navigation

Dienstag, 16. August 2022

Voodoo Kiss | Crack Up | Apophis | Fleshcrawl | End Of Green

Mittwoch, 17. August 2022

Blasmusik Illenschwang | Siamese | Pallbearer | Caliban | Feuerschwanz | Testament | Our Promise | Paradise Lost | Svalbard | Fleshgod Apocalypse | Nyrst

Donnerstag, 18. August 2022

Warkings | Dangerface | Darkest Hour | Ghostkid | Gutalax | Seasons In Black | Misery Index | Beast In Black | Omnium Gatherum | Necrotted | Death Angel | Electric Callboy | Cannibal Corpse | Arch Enemy | Dagoba |
Der Weg einer Freiheit | Dark Tranquillity

Freitag, 19. August 2022

Bloodywood | Lorna Shore | Comeback Kid | Landmvrks | Orden Ogan | Alestorm | Jinjer | Insomnium | Amorphis

Samstag, 20. August 2022

Infected Rain | Nekrogoblikon | Brainstorm | Fiddler’s Green | Dark Funeral |
Bury Tomorrow | Blind Guardian | Heaven Shall Burn | Hypocrisy | Cypecore | Hammer King

Fazit | Impressionen

Dienstag, 16. August 2022

Als wir im Jahr 2019 nach unserer Festival-Pause davon berichteten, dass sich die Rückkehr auf das SUMMER BREEZE OPEN AIR trotz mancher Änderung seltsam vertraut anfühlte, hätten wir im Leben nicht erwartet, für die Folgeausgabe auf die gleichen Worte zurückzugreifen. Doch nach der Zwangsabstinenz – die Situation ist ja hinlänglich bekannt – ist es für uns abermals wie ein Nach-Hause-Kommen, als wir an einem heißen Dienstagnachmittag unser Auto auf dem Acker parken und die Zeltstangen sortieren.

Aber es gibt nach der ganzen Misere der letzten Monate auch eine weitere positive Randnotiz: Nach drei Jahren ohne Festival kehrt das SUMMER BREEZE im Jubiläumsjahr zurück: 25 Jahre oder ein Vierteljahrhundert darf gemeinsam gefeiert werden – aus gegebenem Anlass mit einem vierten Tag vollen Programms sowie einer Retro-Show am heutigen Vortag: „The Roots of Summer Breeze“.

“The Roots of Summer Breeze”: ein musikalischer Rückblick in brütender Hitze

 

Hierfür haben die Veranstalter tief in der eigenen Historie gegraben und ein Line-Up zusammengetragen, welches seit den Anfangstagen des Events tief mit dem SUMMER BREEZE verbunden ist: Die Dienstags-Headliner END OF GREEN waren schon 1999 mit dabei, während APOPHIS sowie Geschäftsführer Achim Ostertags Heavy Metal / Hard Rock-Kapelle VOODOO KISS bereits bei der Erstauflage im Jahr 1997 das Top-Billing stellten. Letztere haben sich primär für diesen Anlass reformiert und sogar ein komplettes Studioalbums eingespielt, so dass das Sonderprogramm gebührend eröffnet werden kann.

Auch deshalb beeilen wir uns, bei knapp 28°C unter wolkenlosem Himmel rechtzeitig das Party- und Verpflegungsareal auf dem Campingplatz zu erreichen, wo die Sause ab 17:00 Uhr beginnen soll. Dabei passieren wir eine schon jetzt verblüffend lange Menschenschlange vor dem offiziellen Merchandise-Stand, wo man offenbar der brütenden Hitze noch zu trotzen weiß. An der “Ficken Party Stage” angekommen, sieht das schon ein wenig anders aus: Vor der kleinen Bühne eine dicht gedrängte Menschentraube, wo die Aufbaut gnädigerweise zumindest etwas Schatten spendet. Rings herum locken zahlreiche Essens- und Getränkestände, die neben kulinarischen Köstlichkeiten auch ein weiteres rares Gut im Angebot haben: ein paar Quadratmeter ohne direkte Sonneneinstrahlung.


VOODOO KISS

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Wir wählen allerdings erstmal den Platz ganz vorne, wo VOODOO KISS bereits in den Startlöchern stehen. Bevor das Quartett – heute außerdem mit Verstärkung in Form von Sängerin Steffi Stuber (MISSION IN BLACK) – nach dem Intro jedoch loslegen kann, muss erst noch der Bass eingestöpselt werden. Ein sympathischer Fauxpas, der mit Humor aufgenommen wird und der – sind wir ehrlich – nach 22 Jahren ohne Live-Auftritt durchaus passieren darf. Zumal die Band ansonsten wirklich nichts anbrennen lässt: Der Opener „The Beauty And The Beast“ beschert der Band und dem Festival unmittelbar den ersten Moshpit, während sich alsbald sogar erste Crowdsurfer nach vorne tragen lassen.

Sänger Gerrit Mutz ist ob dieses Anblicks sicherlich nicht der Einzige, dem die Freude ins Gesicht geschrieben steht. Selbst dem sonst so stoischen Festival-Organisator Achim Ostertag am Schlagzeug entweicht zwischen Songs wie „Bat An Eye“ oder „Nice Guys“ das eine oder andere Lächeln. Uns ergeht es diesbezüglich nicht viel anders, denn Mutz und Stuber harmonieren nicht nur stimmlich am Mikro, sondern funktionieren auch auf der Bühne wie eine Einheit. Ersterer mit Humor und Selbstironie, die Sängerin mit natürlicher Ausstrahlung und Charme.

VOODOO KISS machen von Anfang bis Ende Laune

Dass daher aus der eigentlich angesetzten halben Stunde am Ende doch ein 40-minütiges Set wurde, will beim besten Willen niemand kritisieren. Nicht etwa, weil es ja auch Vorteile haben muss, den Chef-Veranstalter in den eigenen Reihen zu haben, sondern weil der Auftritt von Anfang bis zum Rausschmeißer „Thousand Steps Of Goodbye“ Laune macht – und mit einem regelrechten Paukenschlag endet. Sängerin Steffi wird am Ende des Sets vor der ausgelassenen Menge die Frage aller Fragen gestellt. Die Anspannung war groß, der elektrisierende Jubelschrei aus dem Publikum ob der Antwort noch größer.

VOODOO KISS Setlist

1. The Beauty And The Beast
2. The Killer
3. Nice Guys
4. The Prisoner
5. Bat An Eye
6. The Eagle in the Sky
7. No Time
8. Thousand Steps of Goodbye

Fotogalerie: VOODOO KISS


CRACK UP

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Der Zeitplan mag eine Viertelstunde ins Hintertreffen geraten sein, doch auf den Brettern heißt es weiterhin Bodenblech: CRACK UP, die ihrerseits den ersten Auftritt seit 20 Jahren absolvieren, zeigen sich auf den ersten Blick vielleicht etwas statisch, aber dafür nicht minder motiviert. Obwohl der Death’n’Roll der Combo anfangs mit dem leicht matschigen Mix zu kämpfen hat, wird es schnell richtig schweißtreibend, wenn Material wie „Selling Out“ oder „So Far No Good“ locker aus dem Handgelenk geschüttelt wird – muss man der fehlenden Routine zum Trotz auch erstmal so schaffen.

Das Ende des halbstündigen Sets kommt daher auch schneller als erwartet, wobei sich CRACK UP für „Money Will Roll Right In“ doch noch eine Überraschung aufgehoben haben: Mit gleich zwei Gastsängern bügelt die Formation nochmals gepflegt über unsere Visagen, wobei DISBELIEF-Frontmann Jaggers markant-kehlige Stimme besonders eindringlich nachhallt.

Fotogalerie: CRACK UP


APOPHIS

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Wenn schon mit den ersten Klängen die Fäuste nach oben gehen, dann weiß man, dass eigentlich nichts mehr schief gehen kann. Mit ihrem melodisch angehauchten Death Metal treffen die Lokalmatadoren APOPHIS offensichtlich einen Nerv und das nicht nur, weil sie schon auf dem allerersten SUMMER BREEZE OPEN AIR die Fahne hochgehalten haben. Aktuelles Material wie „Temptations“ oder der Banger „The End Of The Path“ kommt nämlich genauso gut an wie das deutschsprachige „Ein Meer Aus Tränen“ aus den 90ern.

Auch wir verfolgen daher das kurzweilige Set mit Spaß und Freude, wobei wir uns in der zweiten Hälfte ein gemütliches Plätzchen auf dem weitläufigen Areal suchen, um abseits der unermüdlichen Menschentraube vor der Bühne das atmosphärische Finale des Rausschmeißers „Excess“ in Ruhe zu genießen.

Fotogalerie: APOPHIS


FLESHCRAWL

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Falls wir die Zeichen richtig deuten, dann will das Publikum mehr Death Metal – und den soll es gegen halb Neun auch bekommen. Nachdem es das Schicksal mit FLESHCRAWL – ebenfalls eine regionale Institution – in den vergangenen Monaten alles andere als gut gemeint hatte, deutet zumindest dieser Abend für die Band in eine rosigere Zukunft. Auf der Bühne erinnert derweil ein großes Banner an den 2021 verstorbenen Sänger Sven Groß, dem das Quintett später noch einen Song widmen soll.

Dessen Fußstapfen füllt nun der mächtig klingende Borisz Sarafutgyinov, dessen größter Fan an diesem Abend wohl hinter dem Mischpult Platz genommen hat: Im Vergleich zu den dominanten Vocals gehen die ansonsten herrlich morbide tönenden Gitarren etwas unter. Das trübt das Hörvergnügen ein wenig, nicht aber den Einsatz der Fanschar vor der Party Stage: Als Sarafutgyinov vor „Flesh Bloody Flesh“ einen Circlepit fordert, wird dieser Wunsch natürlich umgehend erfüllt. Wenig später stürzt während „Embraced By Evil“ gar der erste Metalhead im aufblasbaren T-Rex-Kostüm ins Getümmel, um seine Runden zu drehen – ein Sonderlob von der Bühne aus ist da garantiert.

FLESHCRAWL präsentieren ihre gesamte musikalische Bandbreite

Zwischen dem herrlich dreckigen „Lost In A Grave“ aus den Neunzigern und dem fast schon melodischen „Beneath A Dying Sun“ zeigen FLESHCRAWL auf diese Weise mit der langsam sinkenden Sonne im Rücken ihre gesamte musikalische Bandbreite, bevor wir zum Abschluss noch einmal den Becher heben und des viel zu früh verschiedenen Ex-Frontmanns gedenken. Mächtig und herzerwärmend zugleich.

Fotogalerie: FLESHCRAWL


END OF GREEN

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Kurz vor Showbeginn wagen wir uns doch wieder etwas weiter nach vorne, wo eine teils schon merklich alkoholisierte Schar ungeduldig auf den Headliner des Abends wartet und dabei die Musiker auf der Bühne bereits beim Aufbau ihrer Backline abfeiert. END OF GREEN indes scheinen der zusätzlichen Aufmerksamkeit nicht abgeneigt, indem sie ihren Soundcheck unter Ruf und Jubel regelrecht zelebrieren. Dass der Übergang zur eigentlichen Show dann recht unvermittelt folgt, passt irgendwie ins Konzept: Bodenständig und fan-nah zeigt sich die Stuttgarter Band, die mit dem eröffnenden KYUSS-Cover „Green Machine“ unmittelbar für Bewegung auf dem Areal sorgt.

Der eher stoisch-ruhigen Art von Sänger Michelle Darkness, den wir die folgenden 75 Minuten eigentlich nie ohne Zigarette in der Hand erblicken, stehen derweil seine umso ekstatischer agierenden Bandkollegen entgegen. Es fliegen Haare, Dreadlocks und aus der Menge auch mal ein Schuh (!?) über die Bühne, während die kratzige und doch tief berührende Stimme des Frontmanns unter die Haut geht.

END OF GREEN sorgen für ein stimmungsgeladenes Ende des Festivals im Festival

Rockigen Tracks wie „Dead City Lights” oder “Killhoney”, bei dem zum Ende hin sogar laut mitgesungen wird, und langsameren Stücken à la „Hurter“, „Tie Me A Rope…While You’re Calling My Name“ sowie dem intensiven „Carpathian Gravedancer“ drückt Darkness gleichermaßen seinen Stempel auf, interpretiert manch gesungene Zeile gar auf neue Weise. Das unverwüstliche „Death In Veins“ erweitern END OF GREEN darüber hinaus durch ein paar Zeilen des NINE INCH NAILS-Klassikers „Hurt“.

Dabei wird die Band nach jedem Song derart lautstark abgefeiert, dass wir die verschmitzte Ankündigung Michelle Darkness‘, ab sofort nur noch die „Ficken Stage“ zu bespielen, gut nachvollziehen können. Mit „Cure My Pain“ und „Like A Stranger“ beschließen die Lokalhelden bald darauf ihr abwechslungsreiches Set aus starken Songs und etwas seltsamen Ansagen, welche wir aber der allgemein gegenwärtigen Euphorie zuschreiben möchten. Dennoch ein schönes Ende für dieses kleine und doch irgendwie ganz besondere Festival im Festival.

END OF GREEN Setlist – ca. 75 Minuten

1. Green Machine
2. Dead City Lights
3. Demons
4. Hurter
5. Carpathian Gravedancer
6. Under The Sway
7. Goodnight Insomnia
8. Killhoney
9. Tie Me A Rope…While You’re Calling My Name
10. Drink Myself To Sleep
11. Death In Veins
12. Cure My Pain
13. Like A Stranger

Fotogalerie: END OF GREEN


Mittwoch, 17. August 2022

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Mittwochmorgen: Die Sonne scheint. Etwas Zeit haben wir am ersten offiziellen Festivaltag, denn die Tore öffnen erst gegen halb Zwei, Programmbeginn ist um 15 Uhr. Wir nutzen den Vormittag also zur Entspannung, zum Austausch und zur Programmplanung, denn mit 130 Bands auf vier Bühnen fährt das SUMMER BREEZE erneut ein dicht gepacktes Line-Up auf. Was sehen wir an? Wo können wir zumindest ein paar Minuten vorbeischauen? Und welche Überschneidungen werden uns die Tränen in die Augen treiben? Allesamt Fragen, die sich uns und den rund 45.000 anderen Besuchern – so die offizielle Angabe der Veranstalter – stellen werden.

Dabei hat das SUMMER BREEZE trotz seines mannigfaltigen musikalischen Aufgebots einen ganz großen Pluspunkt auf der Haben-Seite, welcher dem Stress entgegenwirkt: das großzügig angelegte Festival-Areal selbst, das vom Einlass bis zur Hauptbühne auf der anderen Seite leicht abfällt und so an der höchsten Stelle einen wunderbaren Blick über das gesamte Gelände beschert. In der Tat ist es an manchen Punkten des sogenannten T-Squares jenseits der Einlasspforten sogar möglich, alle drei Bühnen des Infields auf einmal im Blick zu behalten. Trotz größerer Menschenmassen zu Stoßzeiten bleibt das Festival also übersichtlich und vor allem familiär – eine echte Wohltat, ganz egal ob wir nun eine der zahlreichen Shows verfolgen oder schlicht eine der drei Shoppinggassen entlangbummeln möchten.


BLASMUSIK ILLENSCHWANG

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Womit wir ja schon beim Stichwort wären: Ganz familiär beginnt das SUMMER BREEZE seit vielen Jahren mit dem Auftritt der BLASMUSIK ILLENSCHWANG, die sich selbstverständlich genauso sehr auf die Rückkehr des Festivals gefreut hat wie wir. Und wie sehr die Truppe den gemeinschaftlichen Aspekt des Events über die Jahre verinnerlicht hat, lässt sie uns deshalb direkt zum Auftakt wissen: „Grüß Gott, ihr Freunde, von nah und fern“, verkündet Dirigent und Sänger Günther Harich an eine überaus stattliche Zuschauerzahl gerichtet.

Selbige dankt es nicht nur mit euphorischem Applaus, sondern vollem Körpereinsatz: Es sind noch keine zehn Minuten vergangen, als sich die erste Polonaise durch die Menge schiebt, wohingegen in den vorderen Reihen bereits fleißig auf dem Erdboden gerudert wird. All jenen liefert Harich mit seinem Gespann alsbald weiteres Futter in Form der „Fischerin vom Bodensee“ – und wer nicht rudern will, der muss beim Singen eben schunkeln; anders als wir Bierzelt-Banausen ist das Groß der Festivalbesucher nämlich überaus textsicher. Asche auf unsere Häupter, wir geloben beim nächsten Mal Besserung!

Fotogalerie: BLASMUSIK ILLENSCHWANG


SIAMESE

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Eigentlich hatten wir SIAMESE nicht wirklich auf dem Schirm; zu glatt und zu poliert empfanden wir die Dänen vorab auf Platte. Was das Quartett – Violinist Christian Hjort Lauritzen übernimmt für den erkrankten Andreas Krüger heute die Gitarre – aber heute in geschrumpfter Besetzung abliefert, ist eine vor Kraft strotzende Performance, die mit dem gestriegelten Konservensound nur noch am Rande zu tun hat.

Vielmehr fischen SIAMESE mit ihrem rastlosen Auftreten und den groovenden Riff-Attacken schon mit dem Opener „Give In“ im modernen Metalcore. Screams und Shouts wechseln sich mit Klargesang ab, bevor irgendwann im zweiten Songdrittel natürlich der obligatorische Breakdown lauert. Dasselbe Spiel zieht sich auch durch „Home“, während die Band im poppigen „B.A.N.A.N.A.S.“ auf stimmliche Unterstützung aus dem Publikum hoffen darf. Fronter Mirza führt dabei humorvoll und teils in deutscher Sprache durch das Set, wobei er zwischendurch seine Liebe zum trashy Free-TV der 90er offenbart. Die Lacher haben SIAMESE dadurch schnell auf ihrer Seite und die Besucher des SUMMER BREEZE schlussendlich auch: Weil das Material live deutlich mehr Punch hat als auf CD, gibt es vor der überdachten Wera Tool Rebel Stage schon am Nachmittag die erste Wall of Death zu bestaunen. Warum also nicht immer so?

Fotogalerie: SIAMESE


PALLBEARER

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Zwischen dem kraftvoll-modernen Sound von eben und dem melancholischen Doom Metal PALLBEARERs liegen zwar nur zwei Minuten Fußweg, aber musikalische Welten. Mit langen Instrumentalpassagen, klagenden Melodien und zwischendurch immer wieder schleppenden Zwischenparts bringt man ein Festivalpublikum nachmittags um kurz vor Fünf natürlich nur schwer in Wallung. PALLBEARER spielen also bei strahlendem Sonnenschein quasi mit Handicap, da die triste und doch vereinnahmende Atmosphäre ihrer Songs in diesem Ambiente nie so tiefgreifende Wirkung entfalten kann wie in den späten Abendstunden.

Sei’s drum, selbst wenn vor dem ersten Wellenbrecher noch Platz sein mag, spielerisch und gesanglich lässt das Quartett nichts anbrennen. Mit gutem Sound im Rücken konzentrieren sich die Musiker heute anlässlich des zehnjährigen Jubiläums voll und ganz auf ihr Album „Sorrow And Extinction“ (2012), das uns schon mit dem eröffnenden „Foreigner“ durch Höhen und Tiefen und noch mehr Tiefen führt. Ein schöner, unaufgeregter Auftritt, bei dem zuvorderst die Musik im Rampenlicht steht – gerne wären wir bis zum Schluss geblieben, hätten wir nicht auch noch einen Termin an der Mainstage.

Fotogalerie: PALLBEARER


CALIBAN

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Auf dem weitläufigen Areal vor der Hauptbühne – auch unter dem klangvollen Spitznamen „Battlefield“ bekannt – ist dann auch die erste große Änderung zum 25-Jährigen kaum zu übersehen. Während man der T-Stage zum Geburtstag einen zweiten Bildschirm spendiert hat, umgeben zwei riesige Videotafeln die neue Main Stage auf kompletter Höhe. Zugestanden, ein Hingucker ist die sonst spartanische Aufbaut im Vergleich zu ihrem Vorgänger kaum, doch die gigantischen Videotafeln ermöglichen selbst aus der Maximaldistanz noch ein ansprechendes Seherlebnis.

Kurzum, wir wollen bereits nach fünf Minuten nicht mehr darauf verzichten, obwohl wir uns für CALIBAN doch ein ganzes Stück näher ans Geschehen wagen. Die Metalcore-Institution dreht nämlich vom ersten Takt an richtig auf, obwohl auch sie in Unterzahl anreisen musste und zu alledem mit einigen Unannehmlichkeiten konfrontiert wird: Bassist Marco liegt im Krankenhaus, Sänger Andi klagt über ein Leiden am Knöchel und dann fällt im Opener „Dein R3.ich“ auch noch ständig das Mikro aus.

Eine Stunde lang geben Band und Fans Vollgas

Letzten Endes aber alles doch nur halb so wild: Mit dem Ersatzkabel für Dörner kommt auch die erste Wall of Death zur Hit-Single „Paralyzed“, während aus dem Epizentrum mehr und mehr Staub aufsteigt. Die Schuldigen sind schnell gefunden: Der Circle Pit ersetzt quasi die Nebelmaschine; angestachelt durch den Frontmann persönlich legt sich so alsbald ein rotbrauner Schleier über die Hauptbühne.

Eine Stunde lang geben Band und Fans auf diese Weise Vollgas: Es wird während „Intoxicated“ mitgesprungen, zu „Davy Jones“ gerudert und während „We Are The Many“ auf Tuchfühlung gegangen: Dörner selbst wagt sich währenddessen ins Publikum, wo er sich von zahlreichen Händen durch die vorderen Reihen tragen lässt. Allein „Ascent Of The Blessed“ fehlt live der nötige Drive und wird so neben dem unnötigen RAMMSTEIN-Cover „Sonne“ zum kleinen Fleck auf der sonst weißen Weste CALIBANs.

CALIBAN Setlist – ca. 60 Minuten

1. Dein R3.ich
2. Paralyzed
3. Inferno
4. VirUS
5. We Are The Many
6. Intoxicated
7. Davy Jones
8. Sonne
9. Dystopia
10. Ich Blute Für Dich
11. Ascent Of The Blessed
12. Memorial

Fotogalerie: CALIBAN


FEUERSCHWANZ

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Wir sind uns ziemlich sicher: Vor rund 15 bis 20 Jahren hätten wir FEUERSCHWANZ und ihren heutigen Mix aus Mittelalter Rock und Power Metal wohl vergöttert. Doch war die Combo damals noch als primäre Spaßband unterwegs, haben wir uns wiederum heutzutage zu sehr von Band und Genre entfernt. Was aber nicht heißen soll, dass es gerade auf der Hauptbühne nichts zu sehen gibt. Im Gegenteil, es wird während des Openers „Memento Mori“ sogar richtig heiß, als überall auf der Bühne Flammen emporschießen.

Dazwischen turnen die sechs Musiker:innen scheinbar unermüdlich umher, wobei uns besonders Geigerin Johannas ansteckendes Dauergrinsen fasziniert. Das Frontgespann aus Hauptmann und Prinz ergänzt sich derweil stimmlich hervorragend; und das nicht nur, weil letzterer immer wieder ein paar eindrucksvolle Falsett-Screams zum Besten gibt. Die Stimmung vor der Bühne ist dementsprechend freudig und ausgelassen: Nicht nur beim „Schubsetanz“ oder dem kraftvollen „Im Rausch der Barbarei“ herrscht viel Bewegung in den vorderen Reihen, auch die feurige POWERWOLF-Hommage „Ultima Nocte“ weiß – den Vorbildern getreu – das Publikum miteinzubeziehen.

An Spaß und Spielfreude fehlt es bei FEUERSCHWANZ keineswegs

An Spaß und Spielfreude mangelt es am frühen Abend folglich kaum – und halten sich irgendwo doch ein paar müde Knochen versteckt, so geben zumindest die FEUERSCHWANZschen Background-Tänzerinnen ihr bestes, auch diese in Bewegung zu versetzen. Alles in allem eine packende Show also, aber anno 2022 schlicht nicht mehr unsere Baustelle, weshalb wir schlussendlich doch vorzeitig in Richtung T-Stage aufbrechen.

Fotogalerie: FEUERSCHWANZ


TESTAMENT

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2019 noch auf der Hauptbühne bespielen TESTAMENT nämlich dieses Jahr die T-Stage, wo sie zur Prime-Time um Acht direkt einen Orkan heraufbeschwören. „Rise Up“ ist natürlich per se schon ein kraftvoller Auftakt, doch wie motiviert und aufgedreht die Mannen dabei über die Bühne wirbeln, lässt uns schon einmal kräftig schlucken – als wäre die Band gerade erst in ihren Zwanzigern.

Klar ist schon nach einem Song, dass bei den Thrash-Veteranen noch lange nicht Schluss ist: Drummer Dave Lombardo hält die Band zusammen, während Sänger Chuck Billy die Hörerschaft mit seinem mächtigen Organ plättet – allein der Sound der T-Stage ist am heutigen Tag allgemein etwas zu laut, weshalb wir es trotz Gehörschutz nicht allzu lange in den vorderen Regionen aushalten.

Im Großen und Ganzen beschränken sich TESTAMENT heute auf die üblichen Klassiker

Macht aber nichts, die Urgewalt TESTAMENTs reicht bis in die hinteren Regionen des T-Squares, wo sich die zahlreichen Metalheads an einem Klassiker nach dem anderen erfreuen dürfen. Der Haken an der Sache: Vom aktuellen Werk „Titans Of Creation“ (2020) gibt es beispielsiwese „WWIII“, im Großen und Ganzen beschränkt sich die Band aber auf die üblichen Klassiker: „Into The Pit“, „Over The Wall“, „Practice What You Preach“, „D.N.R.“, „First Strike Is Deadly“ – auch beim letzten Mal in Dinkelsbühl sah das Set nur unwesentlich anders aus. Dem Treiben im Pit tut dies derweil ganz und gar keinen Abbruch. Vielmehr ist Chuck Billy mit seinem Publikum hörbar zufrieden, als selbiges die geforderte Wall of Death während „Into The Pit“ anstandslos umsetzt.

Fotogalerie: TESTAMENT


OUR PROMISE

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Wer schon immer wissen wollte, wie wahre und ungetrübte Freude aussieht, sollte nun besonders gut aufpassen. Dass die Modern Metalcore-Band OUR PROMISE absolut überwältigt ist, auf dem zweitgrößten Metal-Festival Deutschlands auftreten zu dürfen, ist auf den ersten Blick zu erkennen. Auch die Aufregung ist der sympathischen Formation anzusehen, die mit zwei Sängern und jeder Menge Bühnenakrobatik das aufgestaute Adrenalin zu kanalisieren sucht.

Dass der Sound anfangs nicht so recht mitspielen will, ist bedauerlich, doch kein Sargnagel für die engagierte Performance. Schon bei „Stay Away“ kommen die zunächst viel zu leisen Clean-Vocals deutlich besser durch, wodurch auch das Publikum vor der überdachten Rebel Stage ziemlich bald Betriebstemperatur erreicht und den Anweisungen des Front-Gespanns folgt, etwa gemeinsam zu springen oder bei „The Worst“ die Arme im Takt wiegen zu lassen. Am Ende der knackigen Show steht jedenfalls eine überglückliche Band vor uns, der wir kleinere Wackler im Gesang allein deshalb schon verzeihen möchten, weil hier für die Beteiligten offensichtlich ein kleiner Traum wahr geworden ist. Schön!

Fotogalerie: OUR PROMISE


PARADISE LOST

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Wir können die Gelegenheiten schon gar nicht mehr aufzählen, wie oft uns PARADISE LOST im Vorfeld als eher maue Live-Band angekündigt wurde. Und auch wenn wir selbst diesbezüglich nicht vorbehaltlos zustimmen würden, so können wir die Kritik zumindest nachvollziehen: Denn mit der recht statischen sowie unaufgeregten Performance der Musiker muss man eben zurechtkommen. Im Prinzip sind PARADISE LOST live gelebtes Understatement und liefern genau das, was auf dem Billing steht: die Band und ihre Songs. Nicht mehr und nicht weniger.

Das ist dank des guten Sounds und der mittlerweile eingefallenen Dunkelheit in Dinkelsbühl allerdings nicht unbedingt das Schlechteste. Der Opener „Enchantment“ bereitet uns dementsprechend auf das vor, was folgen mag: ein bunter Querschnitt verschiedenster Schaffensperioden, wobei das aktuelle Werk „Obsidian“ (2019) immerhin mit zwei Tracks bedacht wird. Überhaupt lassen die Briten vornehmlich die Musik sprechen: Lediglich zur Halbzeit bittet Nick Holmes um ein frisch gezapftes Bier, was ihm letztlich auch unter Applaus aus dem Publikum bereitgestellt wird.

Mit “Ghosts” setzen PARADISE LOST einen starken Schlusspunkt

Ansonsten beschränken sich die kurzen Ansagen meist auf die einzelnen Songtitel, die natürlich gespickt von Klassikern sind: „One Second“, „Forever Failure“, „Eternal“ und „Say Just Words“. Einzig auf „No Hope In Sight“ müssen die Fans heute Abend verzichten. Weil PARADISE LOST mit fünf Minuten Verspätung begonnen haben, müssen sie zum Ende einen Song aus dem Set streichen – die Wahl viel zugunsten der „Obsidian“-Single „Ghosts“ aus, welche aber immerhin einen starken Schlusspunkt setzen kann.

PARADISE LOST Setlist – ca. 55 Minuten

1. Enchantment
2. Forsaken
3. Blood And Chaos
4. Forever Failure
5. Faith Divides Us – Death Unites Us
6. Eternal
7. One Second
8. The Enemy
9. As I Die
10. The Last Time
11. Say Just Words
12. Ghosts

Fotogalerie: PARADISE LOST


SVALBARD

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Falls es dem diesjährigen SUMMER BREEZE – neben etwas mehr Black Metal vielleicht – an einer Sache fehlt, dann wäre das unserer Ansicht nach eine zusätzliche Ladung Post Metal. Dieses Loch können SVALBARD auf der Rebel Stage zwar nicht füllen, der furiose Mix der Briten aus (Post) Hardcore, Blackgaze und etwas Post Rock wirkt allerdings zu später Stunde nicht minder intensiv. Die ganze Wucht der „Wall of Sound“ trifft auch bei den Briten ins Schwarze, während sich Gitarristin und Sängerin Serena Cherry die Vocals mit ihrem Kollegen Liam Phelan teilt.

SVALBARD agieren dabei so leidenschaftlich und engagiert, dass wir uns dem Sog dieses audiovisuellen Mahlstroms nur schwerlich entziehen können. Ehrlich gesagt wollen wir das ja auch gar nicht, denn die Passion, mit der uns das Quartett gerade überfährt, ist ungemein erfrischend. Die hysterischen Screams, die nur selten von ruhigen Parts und Clean-Vocals unterbrochen werden, sind so einschüchternd wie eindringlich, wohingegen das wilde und manchmal entrückte Soundbild bis tief ins Mark vordringt.

SVALBARD vergessen auch ihr älteres Material nicht

Mit Tracks à la „Click Bait” und “The Currency Of Beauty”, deren Hintergründe Serena mit kurzen und direkten Ansagen erläutert, konzentriert sich die Formation hauptsächlich auf ihr aktuelles Werk „When I Die, Will I Get Better?“ (2020), zückt mit „Disparity“ und „Grayscale“ allerdings auch älteres Material. Für Letztgenanntes bittet Cherry schließlich um Feuerzeuge und Smartphone-Leuchten, was angesichts der heftigen Sounderuptionen ein schönes, jedoch leicht kurioses Bild vor der Bühne zeichnet.

Fotogalerie: SVALBARD


FLESHGOD APOCALYPSE

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Eine nicht minder eindrucksvolle Szenerie erwartet uns direkt im Anschluss auf der T-Stage, wo rechts des Drumsets bereits der imposante Flügel Francesco Ferrinis von der bevorstehenden Symbiose kündet: FLESHGOD APOCALYPSE verschmelzen Death Metal mit Klassik und setzen dabei ihr Konzept auch visuell ansprechend um. Zwar muss die Band aus gesundheitlichen Gründen auf Lead-Gitarrist Fabio Bartoletti verzichten, doch mit einer stilecht kostümierten Puppe samt Gitarrenattrappe hat man für den linken Bühnenrand hoffentlich adäquaten Ersatz gefunden: Falsche Noten oder Unsauberkeiten gibt es heute zumindest keine, scherzt Frontmann Francesco Paoli.

Zu kämpfen haben wir deshalb nur mit der erneut sehr lauten Anlage der T-Stage, wodurch zu Beginn der dynamischen Show Metal-Instrumentarium und orchestraler Bombast zu sehr ineinanderfließen. Nach dem matschigen „The Violation“ gerät der Klang bei „Healing Through War“ glücklicherweise schnell differenziert genug, um neben den zahlreichen Audiospuren mit Sängerin Veronica Bordacchini auch den Neuzugang im festen Line-Up deutlich wahrnehmen zu können. Deren Operngesang verleiht Stücken wie „Monnalisa“ oder „The Fool“ eine zusätzliche theatralische Ebene, was den ohnehin dramatischen Arrangements live sehr gut zu Gesicht steht.

FLESHGOD APOCALYPSE sind opulent, mächtig und dramatisch

Dementsprechend ist der kurze Ausflug Paolis in den Fotograben eigentlich nicht nötig, um die Menge vor der Bühne anzustacheln – der Pit würde sich wohl auch ohne sein Zutun wie von Geisterhand weiterdrehen. Kurzweilig, mächtig und dramatisch – falls uns morgen Früh der Tinnitus grüßt, wissen wir, an wen wir uns zu wenden haben.

Fotogalerie: FLESHGOD APOCALYPSE


NYRST

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Das Timing könnte nicht besser sein: Als um halb eins an der Rebel Stage die Lichter erlöschen und fünf in Nebel gehüllte Gestalten die Bretter betreten, lässt der Wettergott doch noch ein kleines Ausrufezeichen da. Urplötzlich zieht ein kühler Wind auf; das Banner der isländischen Black-Metal-Band NYRST flattert im Wind, während wir uns vereinzelt Regentropfen aus dem Gesicht wischen.

Die Atmosphäre also passt zum dunklen, tiefblau gehaltenen Bühnenbild, vor dem Sänger Snæbjörn in schwarzer, zerrissener Robe alle Blicke auf sich zieht. Geradezu geisterhaft und andersweltlich bewegt sich der Frontmann hinter seinem Mikrofon, nur selten blitzen die weißen Augen unter der dunklen Kapuze hervor. Den langen Songaufbau des Openers „Æðri Verur“ nutzen NYRST, um jede Sekunde der unheiligen Atmosphäre auszukosten: Der Kehlkopfgesang steigert nur die Erwartungshaltung, bis dann Dinkelsbühl schließlich inmitten von Blast Beats, frostigen Screams und nicht minder eisigen Gitarren schon im August den Wintereinbruch zu vermelden hat. Dass wir am Ende im Tausch leicht durchnässt zum Zelt zurückkehren müssen, nehmen wir für diesen stimmigen Schlusspunkt des ersten offiziellen Festivaltages gerne in Kauf.


Donnerstag, 18. August 2022

 

Tag drei in Dinkelsbühl, doch das Wetter hält. Über Nacht hat es ein wenig geregnet, aber nun blitzt doch hin und wieder die Sonne durch die trügerische Wolkendecke. Also besser den Regenponcho einpacken, denn es wird ein langer Tag – eine Pause auf dem Campingplatz ist uns angesichts des vollgepackten Tagesprogramms wahrscheinlich nicht vergönnt. ARCH ENEMY führen heute mit dem neuen Album “Deceivers” (2022) im Gepäck das Billing an, davor versprechen ELECTRIC CALLBOY mit ihrem partytauglichen Electronic Metalcore ein volles Battlefield. Uns zieht es zunächst aber in Richtung T-Stage, wo ein ganz anderes Spektakel den Donnerstag eröffnen soll.


WARKINGS

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Brot und Spiele: Vier historische Krieger haben sich angekündigt, um den Frühaufstehern unter den Festivalbesuchern ein wenig Geschichtsunterricht zu erteilen. Auf der Bühne künden bereits goldene Schilde und stilvolle Banner von der bevorstehenden Schlacht, welche gemeinsam mit dem Publikum geführt werden soll. In weiser Voraussicht hat der eine oder andere Metalhead bereits sein aufblasbares Schwert gezückt, als WARKINGS mit „The Last Battle“ in ihr kurzweiliges Set starten.

Die erste Überraschung folgt dann auf dem Fuß: Bevor die ersten Takte von „Spartacus“ verklungen sind, stürmt mit Morgana ein besonderer Gast auf die Bühne. Die Sängerin unterstützt Frontmann und Bandkopf Tribune am Mikro, steuert neben absolut formidablen Growls auch ein wenig Klargesang bei. Bei „Hephaistos“ wiederum entzündet der namengebende Feuergott höchstpersönlich ein paar Feuerschalen, bevor er der Meute vor sich stolz seinen Hammer präsentiert.

WARKINGS erobern das SUMMER BREEZE OPEN AIR

Von so viel Männlichkeit geblendet bricht auch der letzte Widerstand zu Füßen der Band: In „Battle Cry“ übt daraufhin die komplette Meute ihren Schlachtruf, um sich wenig später in „We Are The Fire“ in einen kleinen Circle Pit zu stürzen. Mit dem Live-Hit „Sparta“ und der erneuten Rückendeckung Morganas wagen WARKINGS schließlich den entscheidenden Vorstoß, um die Schlacht für sich zu entscheiden. Mission erfüllt: Rauch steigt vor der T-Stage empor, nachdem die Band im finalen „Gladiator“ ihren Siegesbanner inmitten des Publikums errichten ließ.

WARKINGS Setlist – ca. 40 Minuten

1. The Last Battle
2. Spartacus
3. Maximus
4. Hephaistos
5. Battle Cry
6. We Are The Fire
7. Fight
8. Sparta
9. Gladiator

Fotogalerie: WARKINGS


DANGERFACE

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Viel Zeit haben wir nicht, um uns von DANGERFACE auf der nahegelegenen Tool Rebel Stage zu überzeugen: Eigentlich sind wir auf dem Weg in Richtung Hauptbühne, lassen uns dann allerdings doch ein paar Minuten abringen. Das hat sich die engagierte Band auch verdient, die in Shorts und mit viel Attitüde über die kleine Bühne fegt. Musikalisch erinnert der explosive Cocktail an eine Mischung aus rotzigem Hardcore Punk und KVELERTAK, etwas Rock’n’Roll inklusive. Kurzzeitig verirren sich gar ein paar Twin Leads in das mitreißende Gebräu, das sich beizeiten wie eine Adrenalin-Injektion mitten ins Herz anfühlt. Am liebsten würden wir direkt in den Pit stürzen, müssen aber dann vor unserem Zeitplan kapitulieren. Aufgeschoben ist ja glücklicherweise nicht aufgehoben – wir behalten die Norweger im Auge!

Fotogalerie: DANGERFACE


DARKEST HOUR

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Mittlerweile ist es doch richtig warm geworden, weshalb DARKEST HOUR bei strahlendem Sonnenschein in ihr Set starten dürfen. Da die US-Amerikaner derzeit das 15-jährige Jubiläum ihres Albums „Deliver Us“ (2007) feiern, spielen sie dieses während ihrer aktuellen Europatour in voller Länge. Weil die Zeit dafür auf dem SUMMER BREEZE nicht ganz ausreicht, gibt es heute allerdings nur eine handverlesene Auswahl zu hören: Der Albumhit „DEMON(S)“ folgt bereits auf den Opener „Doomsayer (The Beginning Of The End)“, wo die Melodic-Death-Metal-Einflüsse der Oldschool-Metalcore-Band relativ gut zum Tragen kommen.

Leider spielt während des kompletten Sets für uns der Sound nicht so recht mit. Entweder waren die 15 Minuten Changeover zu knapp bemessen oder wir haben mit unserem Platz links der Hauptbühne einfach Pech gehabt, denn die rechte (Lead-)Gitarre dringt kaum zu uns durch. Das vermiest uns ein wenig den Spaß am sonst starken Album, weil Songs wie „A Paradox With Flies – The Light“ dadurch etwas matschig klingen. Immerhin lässt sich der Aktivposten im Zentrum davon nicht die Laune verderben, sondern startet zum thrashigen „Stand And Receive Your Judgment“ einen wunderbaren Circle Pit, während sich Gitarrist Mike Schleibaum nach vorne in den Graben begibt. Zum Ende gönnen uns DARKEST HOUR mit dem Doppel „With A Thousand Words To Say But One” sowie “The Sadist Nation” dann doch zwei Tracks anderer Schöpfungsphasen, die nochmal ordentlich Radau in der leider zur Mittagszeit etwas dünnen Zuschauerschaft stiften.

DARKEST HOUR Setlist – ca. 40 Minuten

1. Doomsayer (The Beginning Of The End)
2. DEMON(S)
3. An Ethereal Drain
4. A Paradox With Flies – The Light
5. Stand And Receive Your Judgment
6. Full Imperial Collapse
7. Deliver Us
8. With A Thousand Words To Say But One
9. The Sadist Nation

Fotogalerie: DARKEST HOUR


GHOSTKID

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Es dauert nicht lange und das Areal vor der Main Stage ist kaum mehr wiederzuerkennen: Ein vornehmlich junges Publikum strömt in den Bereich zwischen Bühne und erstem Wellenbrecher. Der Grund ist schnell erklärt: GHOSTKID ist das Projekt des ehemaligen ELECTRIC CALLBOY-Frontmanns Sushi, der nun zwischen modernem Metalcore und Modern Metal eine recht düstere Schiene fährt.

Das unterstreichen Sänger und Band durch ihre gänzlich schwarz gehaltenen Outfits samt Kriegsbemalung. „Edgy“ würde man das heutzutage auch nennen, das Konzept aber funktioniert, wie man unschwer erkennen kann. Auf Kommando springt das begeisterte Publikum nämlich schon früh aus der Hocke und überhaupt ist die Stimmung auf Anhieb richtig gut. Sympathiepunkte sammelt Sushi derweil für seinen Shoutout in Richtung DARKEST HOUR – eine Band, mit der er groß geworden sei, wie er uns wissen lässt.

Im Live-Kontext wirkt das Material des GHOSTKID-Debüts durchaus ansteckend

Sein eigenes Material wie „Start A Fight“, „Crown” oder “Drty“ ist derweil eher groove- denn gitarrenorientiert, was im Live-Kontext aber durchaus ansteckend wirkt. Etwas irritierend empfinden wir derweil die dominanten Backing-Tracks beim Klargesang, welche die Live-Vocals ein Stück weit überwältigen. Dennoch auch dank der formidabler Screams ein runder Auftritt für das Zielpublikum, dem wir den Spaß vor der Bühne auch gerne gönnen.

Fotogalerie: GHOSTKID


GUTALAX

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Wir folgen in der Zwischenzeit einem ganz anderen Ulk: Das Klobürsten-Aufkommen auf dem Festivalgelände war bereits am Vormittag etwas irritierend. Den Grund dafür finden wir nun an der T-Stage. Wir fragen uns schon, wie denn der Tech Rider der Tschechen von GUTALAX aussehen muss: Rund um das Schlagzeug türmen sich neben den obligatorischen Wasserflaschen nämlich die Klopapierrollen.

Warum? Das erfahren wir kurz darauf, denn als GUTALAX in ihren Saubermänner-Outfits die Bretter stürmen, bricht vor der Bühne die Hölle los. Zahllose Klobürsten werden in die Höhe gereckt, es fliegt Toilettenpapier en masse durch die Luft und aufblasbare Gegenstände von Delfinen, Kackhaufen, Bananen bis hin zu Gummipuppen werden den Musikern wie Opfergaben dargeboten.

GUTALAX live zu sehen ist faszinierend und verstörend zugleich

Keine Frage, das ist so faszinierend wie verstörend zugleich, insbesondere weil noch vor zwei Jahren zu Beginn der Pandemie ein derartig leichtfertiger Umgang mit den kostbaren Hygieneutensilien ein Frevel sondergleichen gewesen wäre. Der Haken an der ganzen Sache? So gut der Witz anfangs sein mag, nach rund fünf Minuten ist er auserzählt. Und ob der Song, den GUTALAX gerade performen, nun „Fart Fart Away“ oder „Robocock“ heißt, am Grundkonzept der „Gore ‘n’ Roll“-Band ändert sich nichts: Der Gesang klingt wie eine Mischung aus Kröte und sterbendem Schwein, wohingegen instrumental eigentlich auch nur Sparflamme vorherrscht. Dass man mit Fäkalhumor und Klobürsten aber dennoch eine so treue Fangemeinde um sich scharen kann, ringt uns dann schon wieder Respekt ab.

Fotogalerie: GUTALAX


SEASONS IN BLACK

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Wir sind uns durchaus bewusst, dass SEASONS IN BLACK bei den meisten Besuchern wahrscheinlich unter dem Radar fliegen werden, für uns aber ist das Quintett aus dem Bayerischen Wald insgeheim ein kleines Highlight. Der Grund ist schnell genannt: Nostalgie. Also alle Karten auf den Tisch: Wir verbinden schlicht eine aufregende Zeit mit dem Gespann, als wir sie vor rund 17 Jahren als Teenager das erste Mal auf einem kleinen lokalen Festival erst live erlebt und im Anschluss die „Deadtime Stories“-Platte (2004) auf Klassenfahrt rauf und runter gehört hatten.

Zurück in der Gegenwart zeigt sich die Band genau so, wie wir sie in Erinnerung behalten haben. Okay, wir alle sind ein wenig älter geworden, aber die grundehrliche, bodenständige Art von Sänger Luck ist immer noch die gleiche. Zwischen den groove-betonten und von flächigen Keyboards untermalten Songs macht der Frontmann und Bassist keinen Hehl aus seiner Freude und seiner Herkunft. „Versteht’s ihr boarisch?“, ist eine seiner ersten Fragen an das gut aufgelegte Publikum.

SEASONS IN BLACK nehmen kein Blatt vor den Mund

Die Resonanz ist genauso eindeutig wie nach Lucks klaren Worten in Richtung Wladimir Putin und dessen Kriegstreiberei: Dabei zieht er Parallelen zu George W. Bush, dem SEASONS IN BLACK damals ihren Song „Hiroshima Sun“ gewidmet haben – „Bush ist weg, aber ein Riesenarschloch ist immer noch da!“, mahnt der Bandkopf und erntet dafür tosenden Applaus. „Von Macht besessen zerstört ihr die Welt“, lautet eine der zentralen Zeilen des Tracks, der uns daran erinnert, wie schrecklich aktuell selbst ein rund zwanzig Jahre alter Song auch heute noch sein kann. Die Brücke schlagen SEASONS IN BLACK derweil selbst durch die passende blau-gelbe Farbgebung der Bühnenbeleuchtung.

Fakt ist, dass die fünf Musiker auch im Jahr 2022 noch etwas zu sagen haben, obwohl das letzte Album nun schon einige Jahre zurückliegt. Dass man trotzdem auf dem SUMMER BREEZE spielen darf, lässt sich derweil leicht erklären: Die sympathische Band bringt nicht nur mit Klassikern der Marke „Borderline My Sunshine“ die anwesenden Zuhörer auf ihre Seite, sondern ebenso durch ein gesundes Maß Authentizität. Auch deshalb hebt man zum Ende der Show nochmals gemeinsam das Glas, um auf diesen gemeinsamen Nachmittag anzustoßen. Prost!

Fotogalerie: SEASONS IN BLACK


MISERY INDEX

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Die Intensität bis zum Anschlag drehen direkt im Anschluss MISERY INDEX, deren Death Metal auch dank der Hardcore- und Grind-Anleihen so packend wie frisch klingt. Mit ein Grund, weshalb der Pit bei „Manufacturing Greed“ keine Gnade kennt, nachdem wir zuvor in „New Salem“ wie gebannt auf Adam Jarvis hinter seinem Drumkit fixiert waren. Überhaupt erscheint uns die Band heute gut eingespielt und dabei nicht minder gnadenlos. Dass wir dennoch nach einer Viertelstunde vorzeitig aufbrechen müssen, möge die Band uns hoffentlich verzeihen – wir bereuen es im Nachhinein noch immer.

Fotogalerie: MISERY INDEX


BEAST IN BLACK

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Ein gesundes Maß an Kitsch kann ja durchaus spaßig sein, BEAST IN BLACK aber überspannen den Bogen heute ordentlich. Wir meinen damit nicht einmal die seltsame Bass-Gitarre mit Teufelsbüste oder die immergleichen 4/4-Takte und Synth-Dudeleien, sondern das regelrecht einstudierte wie aufgesetzt Stage-Acting der Band. Nicht eine Bewegung wirkt in diesen ersten Minuten spontan, stattdessen treffen sich die beiden Gitarristen regelmäßig auf halbem Weg, um synchron ihre Instrumente nach oben zu reißen oder irgendwelche übertriebenen Rockstar-Posen einzunehmen.

Immerhin – und das müssen wir den Musikern lassen – haben sie augenscheinlich Spaß dabei. Allen voran Drummer Atte Palonkangas grinst das komplette Set über von einem Ohr zum anderen; ein schönes Detail, wo er ja spielerisch bei Songs wie „Moonlight Rendezvous“, „One Night In Tokyo“ oder „From Hell With Love“ nicht wirklich gefordert ist. Die Fangemeinde der Modern Power Metal-Band geht trotzdem steil, indem sie wahlweise hüpft, klatscht, tanzt oder die Haare fliegen lässt.

Der Gesang geht heute manchmal etwas unter

Und doch springt der Funke bei uns nicht wirklich über, da das Mikro von Ausnahmesänger Yannis Papadopoulos im Mix etwas zu leise geraten ist und die allzu simplen Songstrukturen im Endeffekt zu wenig Fleisch auf den Rippen haben. Was sollen wir sagen? Wir haben’s versucht.

Fotogalerie: BEAST IN BLACK


OMNIUM GATHERUM

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Was während des live gespielten Intros „Emergence“ sofort positiv auffällt, ist der glasklare Sound, welcher die T-Stage ab dem heutigen Tag auszeichnen soll. Davon profitieren OMNIUM GATHERUM umso mehr, weil ihre feinen Melodien, wie sie das Material vom aktuellen Album „Origin“ (2021) enthält, so besonders gut zur Geltung kommen. Neben der Einleitung bekommen wir mit „Prime“, dem wunderbaren „Reckoning“ sowie „Paragon“ drei weitere aktuelle Stücke serviert. Der sporadische Klargesang in Letztgenanntem mag vielleicht nicht immer ganz perfekt sein, als Kontrast zu Jukka Pelkonens tiefen und voluminösen Growls bringen sie aber exakt die richtige Würze in den gereiften Melodic Death Metal.

Überhaupt zeichnen sich die Kompositionen der Band durch ein hohes Maß an Harmonie aus, was „Frontiers“ oder das getragene „The Unknowing“ auch live zum Erlebnis macht: Nicht umsonst schütteln die vorderen Reihen nahezu synchron das Haupthaar. Mit gelebter Spielfreude und einer natürlich sympathischen Art wickeln OMNIUM GATHERUM letztlich nicht nur uns um den Finger, was das SUMMER BREEZE in „New Dynamic“ zunächst mit einem Circle Pit honoriert, bevor in „Skyline“ zum Abschluss noch einmal kräftig auf und ab gesprungen wird. Da vergessen wir für den Moment sogar gerne das attraktive Alternativprogramm auf der Hauptbühne, wo FINNTROLL – das Verrät uns ein Blick den Hügel hinab – gerade einer stattlichen Zuschauerschaft einheizen.

OMNIUM GATHERUM Setlist

1. Emergence
2. Prime
3. Frontiers
4. Paragon
5. The Unknowing
6. Gods Go First
7. Reckoning
8. New Dynamic
9. Skyline

Fotogalerie: OMNIUM GATHERUM


NECROTTED

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Noch am Frühstückstisch führten wir ein überaus interessantes Gespräch über Stil und Auftreten im Metal. Die These unseres Zeltnachbarn: Auch die Ästhetik sei neben der Musik selbst integraler Bestandteil eines Genres. Es müsse eben alles zusammenpassen, sonst falle es ihm schwerer, sich mit einer Band anzufreunden. Für uns also ein glücklicher Zufall, dass mit NECROTTED eines der genannten Beispiele schon heute auf der Bühne steht.

Die angesprochene Diskrepanz können wir verstehen. Den Death Metal, welchen sich die Abtsgmünder auf die Fahnen geschrieben haben, flankieren sie doch mit einer Ästhetik, wie wir sie aus dem Deathcore gewohnt sind: Shorts, Tank Top, plakative Gesten und musikalisch sogar mal einen Breakdown. Als störend empfinden wir diese ineinanderfließenden Genre-Grenzen derweil nicht – dafür sind wir wohl dieser Tage nicht mehr Gatekeeper genug. Was zählt, ist die Musik – und die kommt an: Die zahlreichen Blast Beats wie in „Unity Front“ werden aus dem Publikum mit der Frank Mullenschen (ex-SUFFOCATION) „Chop“-Geste erwidert, sofern denn in den vorderen Regionen mal Zeit ist, kurz stillzuhalten. Die Daumenschrauben lösen NECROTTED folglich erst ganz zum Schluss, als es auf der Bühne den zweiten Heiratsantrag des Festivals gibt. Wenn das mal nicht Death Metal ist!

Fotogalerie: NECROTTED


DEATH ANGEL

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Gestern gab es TESTAMENT, heute schickt uns die Bay Area mit DEATH ANGEL eine Formation von ebenfalls gutem Ruf. Wirklich vertraut sind wir mit dem Werk der US-Amerikaner bislang nicht, weshalb wir eher spontan für ein paar Minuten reinhören wollen. Der Elan der Thrash-Combo ist auf Anhieb eindrucksvoll, auch weil „Mistress of Pain“ mit Geschwindigkeit und Schneid direkt nach vorne geht. Die teils schrillen Screams von Mark Osegueda wiederum sind für unsere Ohren anfangs gewöhnungsbedürftig, ringen uns aber dennoch Respekt ab. Die groovenden „Seemingly Endless Time“ sowie „Voracious Souls“ animieren im Gegenzug zum leidenschaftlichen Haareschütteln – und sollten diese fehlen, dann bleibt ja immer noch der Griff zur Luftgitarre, um die zahlreichen Soli entsprechend zu würdigen.

Fotogalerie: DEATH ANGEL


ELECTRIC CALLBOY

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Wenn ELECTRIC CALLBOY während der Pandemie eines bewiesen haben, dann einen zielsicheren und erfrischenden Sinn für Humor, der sie vom viralen Überraschungsgag bis auf die größten Bühnen Deutschlands getragen hat. Dass dieses selbstironische und durchaus tanzbare Erfolgsrezept aus Metalcore, elektronischen Einsprengseln und Dancefloor-Anleihen wie geschaffen für die Open-Air-Saison ist, versteht sich von selbst.

Deshalb ist es vor der Main Stage entsprechend kuschelig und eng geworden, als um zehn nach Sieben die ersten Töne der Erfolgssingle „Pump It“ ertönen. In ihren Retro-Trainingsjacken und Perücken ruft das Gespann ihren millionenfach geklickten Videoclip in Erinnerung, bevor aus dem gesamten Areal eine einzige Partyzone wird. Untermalt von abwechslungsreichen Visuals auf der LED-Tafel und unter einem Regen aus Luftschlangen gibt es schon bald kein Halten mehr, woraufhin das Sextett nach dem ausgelassenen „My Own Summer“ die falschen Haare zur Seite legt, ohne jedoch die Zügel loszulassen.

ELECTRIC CALLBOY brechen Crowdsurfing-Rekorde

„The Scene“ wird von einem Strom aus Crowdsurfern begleitet – am Ende des Gigs sollen es nicht weniger als 1768 Stück sein, wie die Festivalsecurity der „Grabenschlampen“ im Nachgang via Social Media bekannt geben wird -, wohingegen in “Castrop Spandau” die beiden Fronter Nico und Kevin erst lässig über die Bühne tänzeln und sich dann zu einem spontanen Kuss hinreißen lassen. All das geschieht freilich unter frenetischem Beifall der Menge, welche in „MC Thunder II (Dancing Like A Ninja)“ in einer epischen Wall of Death kollidiert, während der LED-Screen ein dynamisches Schwertduell im Animestil zeigt.

Was erst so fulminant begonnen hat, verliert jedoch nach rund einem Drittel zusehends an Tempo. ELECTRIC CALLBOY verlieren sich mehr und mehr in endlosen Ansagen und ausgedehnten Zuschauer-Kommandos („Spaceman“), weshalb in der zweiten Hälfte auf nahezu jeden Track eine lange Pause folgt. Das mag manchmal für kurzweilige Unterhaltung sorgen, wenn etwa Niko und Kevin vor der Pop-Punk-Nummer „Fckboi“ ein paar Kondome an die Menge ausgeben, erreicht seinen traurigen Tiefpunkt aber mit einem erzwungenen und letztlich sinnlosen Gastauftritt des in Kutte gekleideten Sebastian Pufpaff („TV Total“). Der Gag: Er trägt neonfarbene Schuhe – auf einem Festival, wo tagtäglich Jesus-Imitate Kreuze schleppen, Einhörner, Männer in Borat-Tangas oder Bananen-Kostümen umherlaufen und eine Toilettenbürste an manchen Tagen als essentielles Accessoire gilt. Der Deutsche Comedy Preis wartet schon, wir hingegen brechen in der Zwischenzeit auf, um uns gepflegt den Kopf freipusten zu lassen.

ELECTRIC CALLBOY Setlist – ca. 75 Minuten

1. Pump It
2. My Own Summer
3. Hate/Love
4. The Scene
5. Castrop Spandau
6. Supernova
7. MC Thunder II: Dancing Like A Ninja
8. Back In The Bizz
9. Best Day
10. Hypa Hypa
11. Crystals
12. Fckboi
13. Spaceman
14. MC Thunder
15. We Got The Moves

Fotogalerie: ELECTRIC CALLBOY


CANNIBAL CORPSE

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Klar, der Name CANNIBAL CORPSE ist in gewissen Kreisen fast schon legendär. Wie groß die Resonanz auf den Auftritt der Death-Metal-Veteranen sein würde, hätten wir vorab indes nicht gedacht. Bis weit nach hinten in Richtung Rebel Stage ist das Areal gefüllt mit Schaulustigen, Interessierten und vor allem treuen Fans der US-Amerikaner. Allen genannten Gruppen knallt die Band zur Begrüßung mit „Scourge Of Iron“ eine solche Dampfwalze vor den Latz, dass man manchen Besucher im Anschluss wohl vom Ackerboden kratzen muss.

Zu danken haben wir neben Corpsegrinders mächtigem Organ auch dem druckvollen, aber recht gut ausdifferenzierten Mix, welcher des kompromisslosen Songmaterials würdig ist. Mit dem Titeltrack des aktuellen Werks „Inhumane Harvest“ fliegen kurz darauf die Haarbüschel durch den Abendhimmel, doch so formvollendet wie der Frontmann selbst den Propeller inszeniert, schafft es vor der T-Stage niemand. Doch ist das keine Schande, wenn man gleichzeitig darauf achten muss, dass einem CANNIBAL CORPSE mit „Evisceration Plague“ nicht direkt den kompletten Schädel abschrauben. Eine Machtdemonstration, die uns deutlich vor Augen führt, wer im US-Death Metal die Hosen anhat.

Fotogalerie: CANNIBAL CORPSE


ARCH ENEMY

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Für ARCH ENEMY läuft es seit einigen Jahren ja ganz gut: Mit jedem neuen Album fallen weitere Rekorde, während analog die prall gefüllten Hallen Tour für Tour größer zu werden scheinen. Das kommt nicht von ungefähr, sondern hat Konzept: Mastermind Michael Amott hat das Erfolgsrezept für seine Melodic Death Metal-Band entschlüsselt und schreibt – auch mit dem neuen Album „Deceivers“ (2022) – Musik für die großen Bühnen. Erlauben können sich das ARCH ENEMY auch, weil sie neben geballter instrumentaler Expertise eine Frontfrau von Weltformat in ihren Reihen zählen. Den Headliner-Status der internationalen Combo zweifelt folglich niemand an, zumal selbst die Schauwerte stimmen.

Im Hintergrund hängen parallel zueinander fünf längliche Banner, welche die unterschiedlichen Masken und Visagen des „Deceivers“-Artworks zieren. Davor das beachtliche Drumset Daniel Erlandssons und eine Reihe moderner Scheinwerfer. Die Vorfreude aber flaut schnell ab, als ARCH ENEMY wenig später mit „The World Is Yours“ loslegen: Nicht dass der Song schlecht wäre, jedoch scheinen sich die wirklichen Neuerungen trotz Albumrelease auf das Setdesign zu beschränken.

ARCH ENEMY haben offenbar Angst vor Veränderung

Die Befürchtungen sollen sich bestätigen: Natürlich hat das Quintett mit dem thrashigen „Deceiver, Deceiver“, der catchy Hit-Single „House Of Mirrors“ oder dem einzigen Track mit Klargesang „Handshake With Hell“ eine Handvoll neuer Songs im Gepäck. Der Rest setzt sich allerdings genauso zusammen wie vor der Pandemie, als man anno 2019 auf Festival-Tour gegangen war. In der zweiten Hälfte haben sich Amott & Co. nicht einmal die Mühe gemacht, die Songreihenfolge umzukrempeln: „First Day In Hell“, „Saturnine“ vom Band, „As The Pages Burn“, „No Gods, No Masters“ usw.

Das schmälert unseren Spaß insofern, als dass es genau jenen Sachverhalt deutlich macht, der ARCH ENEMY immer wieder vorgeworfen wird: die Angst, auch nur ein klein wenig Risiko einzugehen. Und aus diesem Grund wird diese Headliner-Show letzten Endes auch zur Routine. Musikalisch und technisch zwar perfekt, aber eben routiniert. Jedes Solo, jede Bewegung und jede Interaktion wirkt einstudiert: Während „My Apocalypse“ sowie „No Gods, No Masters“ wird gesprungen, bei „As The Pages Burn“ schwenkt die unermüdliche und immer aktive Alissa White-Gluz eine Flagge mit dem Bandsymbol und im schleppenden Banger „First Day In Hell“ erhellen gigantische Flammensäulen auf dem Bühnendach den Nachthimmel.

Der risikoarmen Show fehlt der Wow-Effekt

Eindrucksvoll, aber wie alles an diesem Auftritt viel zu vertraut. Dabei mögen wir den Großteil der dargebotenen Tracks eigentlich – es fehlt uns schlicht der Wow-Effekt. ARCH ENEMY seien vornehmlich Dienstleister hieß es mal kritisch aus unserem Umfeld – dieser Auftritt ist der beste Beleg. Eine knappe Viertelstunde Zugabeblock füllt das Gespann mit dem kurzen Intro „Snow Burn“ und dem obligatorischen „Nemesis“ – das Outro „Fields Of Desolation“ ziehen die Musiker anschließend so sehr in die Länge, dass wir bereits vor der Rebel Stage stehen, ehe die letzten Töne verklungen sind.

ARCH ENEMY Setlist

1. The World Is Yours
2. Deceiver, Deceiver
3. Ravenous
4. War Eternal
5. In The Eye Of The Storm
6. House Of Mirrors
7. My Apocalypse
8. The Eagle Flies Alone
9. Handshake With Hell
10. Dead Eyes See No Future
11. The Watcher
12. First Day In Hell
13. As The Pages Burn
14. No Gods, No Masters
15. We Will Rise
—————————————
16. Snow Bound
17. Nemesis
18. Fields Of Desolation (Outro)


DAGOBA

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Selbst der Regen, welcher während des Headliners allmählich eingesetzt hat, bringt seine Vorteile. Gegen halb Zwölf suchen bereits zahlreiche Besucher Schutz unter dem Dach der Rebel Stage – für DAGOBA ein netter Nebeneffekt, der ihnen quasi „volles Haus“ beschert. Und obwohl wir langsam die Müdigkeit in den Knochen verspüren, sammeln wir für die Franzosen gerne nochmal alle Kraftreserven. Der moderne Death Metal wirkt zu später Sekunde dank Groove und unermüdlichem Doublebass-Gewitter geradezu revitalisierend. Headbangen zu „Sunfall“ oder blaue Flecken im Pit während „The Last Crossing“ – die Songs der aktuellen Studioplatte „By Night“ (2022) überzeugen.

Kein Wunder, DAGOBA machen schließlich selbst vor, wie es geht: Sänger Shawter trainiert wie seine Kollegen fleißig die Nackenmuskulatur, bevor er die Absperrung im Graben erklimmt, um selbst ein wenig Schweiß und Regenwasser zu atmen. Damit gerechnet haben wir nicht – massiv ist das Gastspiel des Quartetts dennoch und unsere Müdigkeit im Anschluss dankenswerterweise wie weggeblasen.

Fotogalerie: DAGOBA


DER WEG EINER FREIHEIT

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Es grüßt uns ein schönes Ambiente zur Geisterstunde: In violetten Tönen erstrahlt der ausgeleuchtete Waldrand hinter der T-Stage, auf welcher DER WEG EINER FREIHEIT gerade in ihr Set starten. Ohne Intro, einfach nur mit dem mitreißenden „Morgen“ vom letztjährigen Album „Noktvrn“ (2021). Es ist ein vergleichsweise heftiger Auftakt der Post Black Metal-Formation, welcher allerdings einen hypnotischen Sog entwickelt. Der Soundmix ist entsprechend dicht und intensiv, lediglich die Vocals könnten ein wenig mehr Präsenz vertragen.

Filigraner zeigt sich dagegen der Beginn von „Repulsion“ – ein Track, der mit Clean Vocals und umsichtigem Arrangement langsam an uns herankriecht. Das hat schon etwas Ominös-Faszinierendes an sich und führt uns vor Augen, wie gut diese Band ihr Konzept auf die Live-Bühne zu transportieren weiß. Deshalb kostet es uns einige Überwindung die letzten Momente nicht voll und ganz auszukosten: Wir marschieren schweren Herzens zur Hauptbühne, wo unser Festivaltag mit einem indiskutablen Highlight enden soll.

Fotogalerie: DER WEG EINER FREIHEIT


DARK TRANQUILLITY

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Der Prestige-Slot um ein Uhr nachts ist eigentlich ziemlich undankbar: Zwar ist es dunkel, insbesondere bei Regen hält sich der Andrang an der Main Stage allerdings in Grenzen. Problemlos finden wir auf dem teils verwaisten Areal selbst Minuten vor Showbeginn noch Logenplätze, wenn man so will. Das ist bitter, denn die Auftritte DARK TRANQUILLITYs auf dem SUMMER BREEZE bleiben gemeinhin in bester Erinnerung – und selbst wenn sich die Situation in der nächsten Viertelstunde noch deutlich bessern soll, haben die Göteborger Melodeath-Urgesteine schlicht eine größere Zuschauerschaft verdient.

Beirren lassen sich die Mannen um Sänger Mikael Stanne dadurch nicht: Solange er auf der Bühne steht, grinst der Frontmann ohnehin in jeder Situation wie ein Honigkuchenpferd. So auch dieses Mal, wo die Musiker sich zwischen erprobten Live-Hits wie „Final Resistance“ oder „Terminus (Where Death Is Most Alive)“ minutenlang feiern lassen, als hätte es ihnen die Sprache verschlagen.

DARK TRANQUILLITY eilen von einem Höhepunkt zum nächsten

Dank des glasklaren Sounds und der bandtypischen Videoprojektionen bringen DARK TRANQUILLITY auf diese Weise ihre aktuelle Headliner-Show im Kurzformat auf die Festivalbühne. Unterstützung bekommen die Schweden dabei auch heute von Gitarrist Joey Concepcion, welcher Jungvater Christopher Amott vertritt und sich mittlerweile perfekt ins Bandgefüge integriert hat. Zwischen aktuellen Stücken à la „Transient“ oder „Phantom Days“, bewährten Hits Marke „Atoma“ und unverwüstlichen Klassikern wie dem furiosen „The New Build“ oder dem geliebten Evergreen „ThereIn“ eilen DARK TRANQUILLITY von einem Höhepunkt zum nächsten. Der Wermutstropfen: Das Ende kommt für unseren Geschmack viel zu schnell, wir hätten gerne noch ein paar Nummern gehört – so wie immer eigentlich, wenn die Göteborger aufspielen.

DARK TRANQUILLITY Setlist

1. Identical To None
2. Transient
3. Monochromatic Stains
4. Forward Momentum
5. Terminus (Where Death Is Most Alive)
6. Final Resistance
7. Atoma
8. The New Build
9. Phantom Days
10. ThereIn
11. Lost To Apathy
12. Misery’s Crown


Freitag, 19. August 2022

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Nach den heißen Anfangstagen sieht der Wetterbericht am Freitag nicht ganz so rosig aus. Fast ganztägig Regen lauter die Vorhersage und obwohl die Wolkendecke für den Moment zu halten scheint, entscheiden wir uns schon am Morgen für die wasserdichten Socken. Bevor wir uns derweil auf das Infield wagen, noch ein kurzer Blick auf das Tagesprogramm: Vor allem der späte Abend bereitet uns Kopfzerbrechen – eine Überschneidung jagt die andere. Dass INSOMNIUM und AMORPHIS hintereinander, aber ohne Pause auf verschiedenen Bühnen spielen, ist ein Jammer. Dass sich Letztere zudem mit ANY GIVEN DAY überschneiden – zusätzliches Salz in unserer Wunde. Doch im Endeffekt sind das alles Fragen für später, zunächst einmal folgen wir der Menschenmasse vor die Hauptbühne, wo es für die Mittagszeit schon jetzt erstaunlich kuschelig ist.


BLOODYWOOD

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Das kommt nicht ganz unerwartet, obwohl BLOODYWOOD erst vor kurzem international so richtig von sich hören machten. Das neue Album „Rakshak“ (2022) verbindet groovenden Nu Metal mit indischen Folk-Elementen – live sicherlich eine Wucht. Davon können wir uns nur wenige Augenblicke später überzeugen, als die Band aus Neu-Delhi mit einer Urgewalt die Bühne stürmt, die selbst den schläfrigsten Festivalbesucher nun wachgerüttelt haben dürfte.

Auf den Brettern herrscht unablässig Bewegung, Trommler Sarthak Pahwa sorgt an der Dhol für die entsprechende Würze, während Shouter Jayant Bhadula und Rapper Raoul Kerr sich gegenseitig die Bälle zuspielen. Ein wenig ernüchternd ist, dass die Sitar lediglich als Backing Track mitläuft, dafür greift Gitarrist Karan Katiyar immer wieder selbst zur Flöte, um ein paar zusätzliche Klangfarben einzustreuen.

Die Resonanz auf BLOODYWOOD ist überwältigend

Bei so viel Groove und Energie fällt es natürlich schwer, bei Songs wie „BDSK.exe“ oder „Dana Dan“, deren politische und gesellschaftskritischen Inhalte Rapper Raoul jeweils vorab erläutert, stillzuhalten. Dementsprechend wirbelt der Circle Pit im abschließenden „Gaddaar“ eine stattliche Staubwolke auf, während rundherum begeistert mitgesprungen wird. Dass die Hitsingle – falls uns nicht alles täuscht – zuvor bereits den Auftritt eröffnet hatte, ist zwar kurios, tut der Stimmung während der zweiten Runde aber keinen Abbruch.

Fotogalerie: BLOODYWOOD


LORNA SHORE

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Das Glück scheint derzeit nicht mit LORNA SHORE zu sein. Schon wenige Tage zuvor in München kämpfte die Symphonic Deathcore-Band mit technischen Problemen und nun scheint sich das ganze Spiel zu wiederholen: Ganze sieben Minuten ist man in Verzug, als endlich die ersten Töne der brachialen Single „To The Hellfire“ erklingen. Was folgt, ist eine Wiederholung des Münchner Gigs abzüglich des blendenden Stroboskop-Gewitters: Es gibt die komplette EP „…And I Return To Nothingness“ (2021) am Stück zuzüglich der drei neuen Singles des kommenden Albums „Pain Remains“ (2022).

Kein Problem für uns, denn obschon das neue Material in gewisser Weise einem Rezept folgt, sind es allesamt gute Songs, die bei ebenso feinem Sound auch auf der Main Stage funktionieren sollten. Die Bestätigung folgt auf dem Fuß, denn im Pit herrscht unter Doublebass-Gewitter von den ersten Momenten an Hochbetrieb. Die massiven Breakdowns tragen natürlich ihren Teil dazu bei – wir würden uns nicht wundern, wenn ein paar der Schlaglöcher vor der Hauptbühne auf eben diese Minuten zurückgehen.

Frontmann Will Ramos zeigt sich stimmlich in Bestform

Wie dem auch sei, die Leute haben Spaß und das nicht nur, weil Fronter Will Ramos stimmlich in Bestform ist. Als sich zum Auftakt von „Sun // Eater“ der Pit öffnet, tanzt etwa ein furchtloser Fan in dessen Mitte den Macarena, nur um dann mit der restlichen Meute doch die eigenen Schrittzähler in die Höhe zu treiben. Garmin, Fitbit, Fossil und was man noch so Smartes am Handgelenk tragen kann, haben offensichtlich gut zu tun. Halten LORNA SHORE dieses Niveau, dann sehen wir sie wohl bald schon auf ihrer eigenen Headliner-Tour wieder.

LORNA SHORE Setlist

1. To The Hellfire
2. Of The Abyss
3. …And I Return To Nothingness
4. Sun // Eater
5. Cursed To Die
6. Into The Earth

Fotogalerie: LORNA SHORE


COMEBACK KID

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Ein klein wenig schlecht fühlen wir uns für COMEBACK KID schon, nachdem deren Intro „Calling In The Air Tonight“ verklungen ist. Denn nach den Menschenmassen bei den vorherigen Acts sieht es auf dem weitläufigen Areal vor der großen Bühne relativ leer aus. Der große Exodus nach BLOODYWOOD und LORNA SHORE bringt die Melodic Hardcore-Veteranen mit zwei Dekaden Erfahrung auf dem Buckel glücklicherweise nicht aus dem Konzept. Die Intensität wird mit dem eröffnenden „Heavy Steps“ vielmehr bis zum Anschlag gedreht: Aggressive Strophen und ein aufrüttelnder Refrain bringen die verbliebenen Zuschauer auf Touren.

Und doch: Vielleicht wäre die T-Stage rückblickend betrachtet doch das bessere Pflaster gewesen, wo sich die Menge einfach konzentrierter zusammengefunden hätte. Weil aber die Performance stimmt und Tracks à la „False Idols Fall“ live ohnehin zum Abrisskommando mutieren, haben Band und Publikum trotzdem ihren Spaß.

Fotogalerie: COMEBACK KID


LANDMVRKS

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Als wir auf der anderen Seite des Geländes ankommen, ist vor der T-Stage schon gut was los – trotz des Wetters, denn mit der Show von LANDMVRKS fallen auch die ersten Regentropfen. Dass es nach dem Opener ironischerweise direkt mit „Rainfall“ weitergeht, passt somit wie die Faust aufs Auge oder die Wall of Death zu dem recht gnadenlosen Track.

Eindimensional sind die Franzosen indes wirklich nicht, weshalb Sänger Florent in „Blistering“ erst ausgesprochen guten Klargesang auspackt, um wenig später in „Visage“ französischsprachigen Rap zum Besten zu geben. Keine Frage, mit ihren abwechslungsreichen Arrangements und Stilmitteln gehören LANDMVRKS derzeit zur Speerspitze des modernen Metalcore. Genau das ist trotz Nieselwetter an diesem Nachmittag zu spüren, wenn vor der Bühne die Massen springen, dann zum Circle Pit ansetzen und schließlich im starken „Self-Made Black Hole“ weitestgehend eigenständig das Tempo in der Mitte dirigieren. Hier greift schließlich auch Sänger Florent zur Gitarre und spendiert dem Track ein neues Outro. Von ein paar Wacklern im Backgroundgesang abgesehen ein packender Auftritt der Senkrechtstarter, die sich wohl langsam an die größeren Crowds gewöhnen sollten.

LANDMVRKS Setlist – ca. 40 Minuten

1. Lost In The Waves
2. Rainfall
3. Blistering
4. Death
5. Visage
6. Say No Word
7. Scars
8. Self-Made Black Hole
9. Fantasy

Fotogalerie: LANDMVRKS


ORDEN OGAN

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