LORNA SHORE: …And I Return To Nothingness [EP]

Mit dem neuen Stimmkünstler Will Ramos am Mikrofon lehnen sich LORNA SHORE auf “…And I Return To Nothingness” weiter in Richtung Black Metal und bestechen dabei mit ungemein starker Melodieführung.

Es wäre einfach gewesen, das Handtuch zu werfen. Als sich LORNA SHORE Anfang 2020 kurz vor Veröffentlichung des Albums „Immortal“ von Sänger CJ McCreery trennten, hatte das etwas von einem KO-Schlag kurz vor der Glocke. Die Anschuldigungen sexueller und gesellschaftspolitischer Verfehlungen gegen den geschassten Frontmann waren genau die Schlagzeilen, die Künstler im Rahmen ihrer PR-Kampagne nicht in der Presse lesen möchten. Doch anstatt aufzugeben, nutzte man die folgende Auszeit während der Pandemie, um sich neu zu sortieren: Mit Will Ramos hat man passenden Ersatz gefunden und tritt nun mit der EP „…And I Return To Nothingness“ die klassische Flucht nach vorne an.

Und was für eine Reaktion es ist: Ramos entpuppt sich schnell als wahrer Stimmkünstler, der so ziemlich jeden erdenklichen Ton von Geröchel über markerschütterndes Grunzen bis hin zu dämonisch klirrenden Screams aus den Lungen pressen kann. Demonstrieren kann er das in drei Stücken, die LORNA SHORE so gefestigt wie selbstbewusst zeigen. „To The Hellfire“ beginnt mit einer einzelnen Akustikgitarre, bevor kurz darauf die Hölle losbricht: Hier hören wir die Deathcore-Wurzeln der US-Amerikaner noch besonders deutlich, wenn der symphonisch untermalte Blast-Beat-Teppich immer wieder von kurzen, aber hart treffenden Breakdowns ausgebremst wird.

LORNA SHORE bestechen mit ungemein starker Melodieführung

Grundsätzlich aber zeigt sich „…And I Return To Nothingness“ mit deutlich erkennbarem Hang zum Black Metal: Das furiose Drumming, die gellenden Screams, die schneidenden Gitarren und die opulenten Symphonic-Arrangements im Hintergrund sprechen eine deutliche Sprache. Dieses Fundament mischen LORNA SHORE in „Of The Abyss“ mit theatralischen Chören und aufpeitschendem, technischen Melodic Death-Metal, wobei insbesondere die starke Melodieführung auffällt, die uns schon im ersten Aufeinandertreffen zu packen weiß.

Diesen Spagat vollführt auch der abschließende Titeltrack, welcher die zahlreichen Tempowechsel jedoch ein Stück weit natürlicher in den Songaufbau integriert und so den Fokus noch stärker auf die tragende Melodielinie legt. Es ist ein furioser Abschluss einer knackigen EP, die für unseren Geschmack zwar weniger steril hätte produziert sein dürfen, sich ansonsten allerdings keinerlei Blöße gibt. Das Handtuch werfen wäre Anfang 2020 sicherlich der einfachere Weg gewesen. Dass es hingegen nicht der Bessere gewesen wäre, steht spätestens mit „…And I Return To Nothingsness“ außer Frage.

Veröffentlichungstermin: 13.08.2021

Spielzeit: 18:01

Line-Up

Will Ramos – Vocals
Adam De Micco – Guitars
Andrew O’Connor – Guitars
Austin Archey – Drums

Produziert von Josh Schroeder

Label: Century Media

Homepage: https://lornashorestore.com/
Facebook: https://www.facebook.com/LornaShore

LORNA SHORE “…And I Return To Nothingness” Tracklist

1. To The Hellfire (Video bei YouTube)
2. Of The Abyss
3. …And I Return To Nothingness (Video bei YouTube)