LORNA SHORE: Immortal

LORNA SHORE: Immortal

Es waren zuletzt nicht die einfachsten Wochen für LORNA SHORE. Kurz vor dem Release ihres dritten Albums „Immortal“ gab die Band aus New Jersey die sofortige Trennung von Säger CJ McCreery bekannt. Die von der Band nicht weiter kommunizierten und kommentierten Gründe werden wohl die Gerüchte um sexuelle und gesellschaftspolitische Verfehlungen des Sängers gewesen sein. Dabei ist CJ McCreery (Ex-SIGNS OF THE SWARM) erst 2018 zur Band gestoßen, nachdem Tom Barber zu CHELSEA GRIN abgewandert war.

Während die Band nun erneut auf der Suche nach einem neuen Sänger ist, um u.a. die Europatournee mit DECAPITATED in Angriff nehmen zu können, vertreiben sich Fans die Zeit mit dem neuen Album „Immortal“. Und es gibt wohl einen weit unangenehmeren Zeitvertreib.

LORNA SHORE wirken wie CRADLE OF FILTH des Deathcores

Vorab gesagt, LORNA SHORE wirken wie CRADLE OF FILTH oder DIMMU BORGIR des Deathcores. Die US-Amerikaner verbinden geschickt symfonische Arrangements und Bombast mit massiven Breakdowns und einer ordentlichen Portion Death und sogar Black Metal. Gut möglich, dass auf manchen Hörer die Mixtur auf „Immortal“ überladen wirkt, doch ich persönlich habe meinen Spaß daran. Das fängt bereits beim eröffnenden Titeltrack „Immortal“ an, der eine feine Balance zwischen Härte und Melodie findet. Weiterhin kommt auch die Atmosphäre nicht zu kurz. Ebenfalls mit viel Melodie ausgestattet ist „Obsession“, wobei hier überraschend hohe (Post-Black Metal) Töne zum Einsatz kommen. Den symfonischen Anteil halten LORNA SHORE beinahe durchgehend hoch, wobei manche Songs wie „Hollow Sentence“ mehr davon Gebrauch machen und andere wie das trägere und düstere „Darkest Spawn“ wieder weniger.

„Immortal“ setzt Deathcore-Kerndisziplinen treffend um

Kompositorisch hervorzuheben sind mitunter auch die Songs, wo die Deathcore-Kerndisziplinen treffend umgesetzt werden. So vermittelt „This Is Hell“ mit seinen extremen Breakdowns entgegen seinem Titel ein kaltes Gefühl und hat eine überaus harte Wirkung. Spätestens dann ist es auch an der Zeit, lobende Worte für die Musiker über zu haben. Insbesondere Gitarrist Adam De Micco zeigt ein besonderes Talent fürs Komponieren und setzt seine Ideen sehr gut um. Auch das Schlagzeug-Spiel von Austin Archey weiß zu gefallen.

LORNA SHORE sorgen mit „Immortal“ für das erste 2020er-Highlight

Bleibt zuletzt noch der Gesang. Tja, Verfehlungen und Tatbestände hin und her – singen kann CJ McCreery. Vor allem bringt der stark tätowierte Mittzwanziger eine ungeheure Wut und Kraft mit seiner Stimme zur Geltung. Das geht unter die Haut. Hinzu kommt ein gewisses diabolisches Element, das den Vocals innewohnt. Auch ist der Variantenreichtum gegeben. Grabestiefe Growls, galliges Geschrei und die verbitterten Töne dazwischen. Das hat schon Klasse – insbesondere weil man aus den Songs auch die gewisse theatralische Dramatik herauszuhören vermag. Dennoch, auch CJ McCreery wird zu ersetzen sein. Selbst wenn „Immortal“ ein Stück weit die spezielle Handschrift des ausgeschiedenen Sängers trägt, so werden LORNA SHORE weiterhin imstande sein, solch opulente und dichte Alben wie das jetzige abzuliefern. Für mich das erste Highlight in diesem noch jungen Jahr.

Veröffentlichungstermin: 31.01.2020

Spielzeit: 45:00 Min.

Line-Up:
CJ McCreery – Gesang
Adam De Micco – Gitarre
Austin Archey – Schlagzeug
Andrew O´Connor – Gitarre

Label: Century Media Records

Produziert von Josh Schroeder @ Random Awesome Studios, Midland (Michigan)

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/LornaShore

LORNA SHORE „Immortal“ Tracklist

01. Immortal (06:53) (Video bei YouTube)
02. Death Portrait (05:09) (Video bei YouTube)
03. This Is Hell (05:22) (Video bei YouTube)
04. Hollow Sentence (03:51)
05. Warpath Of Disease (04:02)
06. Misery System (03:54)
07. Obsession (03:42)
08. King Ov Deception (03:54) (Audio bei YouTube)
09. Darkest Spawn (04:34) (Video bei YouTube)
10. Relentless Torment (04:24)

Christian Wögerbauer
Christian ist seit 2005 unser Vertreter der Österreicher Metalszene, rezensiert gern im Bereich Symphonic Metal, Doom, Melodic Death und auffallend gern Bands mit Sängerin. Genres: Symphonic Metal, Gothic Metal, Melodic Death Metal, Doom.