RUYNOR
Den Auftakt zum Konzertspektakel machten RUYNOR. Das Trio aus Geislingen mischt Hardrock, Metal und Punkrock, ein bisschen wie damals in den 80ern, als die Grenzen zwischen Punk, Glam Rock und Hair Metal spätestens im Club Whiskey a Go Go verschwammen. Ein bisschen wurde die Stuttgarter Fritz-Elsas-Straße zum Sunset Strip, an der Gürtelschlaufe von Sänger und Gitarrist Twisted-Felix Ruyn wehte ein Tuch, die Ärmel am T-Shirt hatte er großzügig rausgeschnitten, auf dem Kopf trug er Bandana plus Baseball-Cap. Bassist Dome Ruyn setzte auf Hemd, weit aufgeknöpft plus dicke Halskette versteht sich, und Cowboy-Boots. Auch Drummer Sammy Sin Ruyn lief im Tanktop plus enger Jeans auf, ihm war außerdem gar ein längeres Drumsolo vergönnt, bei dem er sich als absolut fleißiger Arbeiter an den Kesseln präsentierte. Sieht man heute ja auch nicht mehr so oft und wenn, sind die Bands schon seit ein paar Jahrzehnten dabei.

Dank einiger Die Hard-Fans in den ersten Reihen war die Stimmung vom ersten Song an gut. Sympathisch auch die Ansage nach der ersten Handvoll Songs. „N’abend, wir sind RUYNOR. Wer kennt uns hier überhaupt?“ Das Bandmotto „TRIGGA TRIGGA PENG !!!“ präsentierte ein Kuttenträger mit Schweinemaske, wahrscheinlich gibt’s dazu eine gute Geschichte, die aber nicht erzählt wurde. Geredet wurde ohnehin wenig und die Werbung des Drummers für das neue Album „Metal To The Punk“ ging etwas unter, da sein Mikro nicht ging. Deshalb hier der Nachtrag: Die Platte kommt am 25. September raus, die erste Single am 26. Juni. Viele Worte verloren RUYNOR nicht, die Band präsentierte stattdessen eine Choreografie de Rockstarposen, da wurden Bass und Gitarre im Takt geschwenkt, die Zungen rausgestreckt, mehr Grimassen geschnitten als Akkorde angeschlagen und Bassist Dome Ruyn verbrachte gut ein Drittel der Stagetime auf der Monitorbox und animierte das Publikum.

Durchaus unterhaltsam, auf Dauer schlichen sich dann aber doch ein paar Längen und nicht überhörbare Spielfehler ein, so energiegeladen die Songs und motiviert das Stageacting der Band auch waren. Aber: Es gehört Mut dazu, für eine dermaßen berühmt-berüchtigte Liveband wie THE NEPTUNE POWER FEDERATION den Opener zu machen – und RUYNOR mischten den Keilerkeller ordentlich auf. Die Zugabenrufe hatte sich die Band redlich erarbeitet und zur Freude der Fans gab’s auch nochmal zwei Songs als Extra obendrauf.
Setlist RUYNOR

Bilder-Gallerie RUYNOR

















THE NEPTUNE POWER FEDERATION
Das Besondere bei den Konzerten im schwarzen Keiler ist, dass man wirklich ganz nah dran ist an den Bands, die Bühne ist nach drei Seiten hin offen und gerade mal 30 Zentimeter hoch. Beste Voraussetzungen, um mit THE NEPTUNE POWER FEDERATION auf Tuchfühlung zu gehen. Das ist wörtlich gemeint, denn Sängerin Screaming Loz Sutch teilt ihren Trank ebenso mit dem Publikum wie äußerst stilvoll servierte Snacks, verteilt Stirnküsse und Segnungen. Die Band – übrigens zum letzten Mal mit Gitarrist Inverted CruciFox auf Tour, er wird die Band verlassen – könnte es mit einer so außergewöhnlichen Frontfrau live recht ruhig auf der Bühne einrichten, denn auf sie schaut ohnehin kaum jemand.

Tun die Herren aber nicht, im Gegenteil, besonders Drummer River Sticks ist ein Showman der alten Schule und wirbelt unablässig seine Drumsticks um die Finger. Im Keiler musste er zudem sein Schlagzeug zusammenhalten, offenbar lösten sich ständig Schrauben, so dass er praktisch im laufenden Betrieb das Snare-Fell nachspannen musste. War aber kein Problem, dass die Band bestens aufeinander eingespielt ist, zeigten die vielen kurzen Blicke, mit denen sie sich abstimmte, wenn die Frontfrau mal wieder außerhalb der Liturgie ihre weiß behandschuhten Finger segnend auf den Kopf eines Menschen legte.

In der kurzen Umbaupause wurden auch die liturgischen Geräte der The Imperial Priestess wie eine kleine Messingtrompete, ein bauchiges Glas mit einer trüben Flüssigkeit und einem Fächer, auf dem Bühnenrand abgelegt. Und dort blieben sie auch, was gar nicht mal so selbstverständlich ist, offenbar dachte niemand daran, sich hier ein Souvenir zu klauen. Zunächst betrat die Band die Bühne und bereitete mit „Electric Fairies“ als Intro den Boden für den großen Auftritt: Auf dem Haupt ein leuchtendes Headpiece zwischen Steampunk und Medusa, den Oberkörper in eine zottelige Fellweste gehüllt, die die Drähte, Schalter und Leitungen auf der Brust nur knapp verdecken konnte, der Unterkörper verborgen unter einem weit ausladenden Reifrock, schritt Screaming Loz Sutch zur Bühne, verteilte huldvoll erste Blicke und Berührungen. Ihr Kostüm, ihr Make-up, ihre Choreografie sind ebenso liebevoll zusammengesetzt wie die Songs der Band, die aus 70er, Psychedelic, Doom, Krautrock und irgendeiner geheimen Zutat, die alles amalgamiert, bestehen. Live sind die Stücke der Band weitaus zugänglicher und viel rockiger als die manchmal zerfahren-progressiv wirkenden Studioversionen.

THE NEPTUNE POWER FEDERATION live ist ein Erlebnis für alle Sinne, die Musik tritt fast ein wenig hinter der Show zurück, jedenfalls dann, wenn man direkt vor den MuskerInnen steht. Sicher, die nachleuchtenden Kontaktlinsen von Screaming Loz Sutch machen ihren Blick noch krasser, doch die Art, WIE sie dich anblickt, eine deiner Haarsträhnen langsam durch ihre Hand gleiten lässt und langsam ihren Kopf mit den leuchtenden Haufen aus Schlangen wegdreht, ist ein ziemlich eindrückliches Erlebnis. Dieser Magie wollte und konnte sich keiner in den ersten Reihen entziehen, eine schöne Geste des Keiler-Publikums war, dass die Plätze in der ersten Reihe immer wieder neu vergeben wurden. Zu den Requisiten am Bühnenrand gehörten auch Stoffblumen, die schon ziemlich ausgefransten Blüten wurden an diesem Abend allerdings nicht weiter strapaziert, denn ein Fan überreichte der Hohepriesterin einen Strauß mit roten Rosen. Ganz, ganz kurz zeigte sie ein echtes herzliches Lächeln, fand aber gleich in die Rolle zurück und dankte mit großer Geste.

THE NEPTUNE POWER FEDERATION sind das beste Beispiel dafür, dass es sich lohnt, Bands live zu erleben, auch wenn sie nicht täglich in der eigenen Playlist landen. Eine herausragende Sängerin, eine mitreißende Performance und ein ehrliches, völlig unprätentiöses Auftreten aller Musiker machten diesen Abend zu etwas Besonderem. Genau solche Konzerte bleiben in Erinnerung – und das ist es doch, worum es am Ende gehen sollte.
Setlist THE NEPTUNE POWER FEDERATION

Bilder-Gallerie THE NEPTUNE POWER FEDERATION





































