SMOULDER: Epic Canadian steel!

Mit “Times Of Obscene Evil And Wild Daring” haben SMOULDER eines der Epic Metal-Highlights des Jahres abgeliefert. Das alleine war schon Grund genug, mal bei den Kanadiern anzuklopfen. Die ganze Band antwortete auf unsere Fragen und entpuppte sich als sympathischer Haufen, den neben der Hingabe zur Musik auch eine klare und offen kommunizierte Meinung zu politischen und gesellschaftlichen Fragen auszeichnet. 

Hey Leute! Wie geht es euch und was ist gerade so los bei SMOULDER?

Vincent: Uns geht es gut, danke! Momentan arbeiten wir an einigen Songs und bereiten uns auf die Aufnahmen zu unserer nächsten Veröffentlichung im März vor. Außerdem arbeiten wir gerade an den letzten Details für eine kurze Tour im späteren Verlauf des Jahres.

Vielen Dank für “Times Of Obscene Evil And Wild Daring”, ein echtes Epic Doom Meisterwerk. Beim Hören musste ich an Bands wie ETERNAL CHAMPION, SLOUGH FEG oder DAWN OF WINTER denken. Welche Bands würdet Ihr als Haupteinfluss für SMOULDER bezeichnen?

Vincent: Wir freuen uns, dass dir das Album gefällt. Als Sarah und ich 2013 mit SMOULDER angefangen haben hat uns unsere gemeinsame Liebe für REVEREND BIZARRE, CANDLEMASS und THE GATES OF SLUMBER inspiriert und zusammengebracht. Außerdem haben wir das Debüt von MAGIC CIRCLE geradezu religiös verehrt. US-Bands wie SLOUGH FEG, SOLITUDE AETURNUS, BROCAS HELM und MANILLA ROAD sind definitiv ein großer Einfluss für uns, zusammen mit den deutschen Power Metal-Meistern BLIND GUARDIAN.

Das Cover von “Times Of Obscene Evil And Wild Daring” – von dem ich nebenbei bemerkt unbedingt ein Shirt brauche – hat mich sofort an klassische Fantasy-Romane und Rollenspielbücher erinnert. Sind alle in der Band Fantasy-Fans?

Vincent: Auf jeden Fall. Fast alle unsere Songs sind von Fantasy-Literatur beeinflusst. Das Cover selbst stammt ursprünglich von einem Taschenbuch namens “The Well Of Shiuan” (Anmerkung des Verfassers: Auf deutsch “Der Quell von Shiuan”, allerdings mit anderem Cover erschienen). Allerdings handelt zugegebenermaßen keiner der Songs auf dem Album von diesem Buch.

Welche Bücher und Filme zählt ihr, neben denen, dir Ihr in euren Texten offensichtlich behandelt, zu euren Favoriten?

Vincent: Ich habe es in letzter Zeit sehr genossen Sachen von Barrington J Bayley, Frank Herbert, und kürzlich Fritz Lieber zu lesen. Ich habe definitiv ein paar Ideen, die von ihnen beeinflusst sind. Was Filme angeht: Ich denke nicht, dass ich einen absoluten Lieblingsfilm habe aber “Deathstalker” ist definitiv mein Favorit wenn es um Sword & Sorcery geht.

Sarah: “The Swordwoman” ist definitiv mein Favorit, dicht gefolgt von “Jirel of Joiry”. Außerdem würde ich die “His Dark Materials”-Reihe empfehlen. “Oryx & Crake” von Margaret Atwood, so ziemlich alles an dystopischer Science Fiction. Und was Filme angeht: “The Devil’s Sword”, “The Sorceress”, “Dragonslayer”, und “Hundra”.

Wie seid Ihr mit Michael Whelan in Kontakt gekommen?

Vincent: Wir haben per Email über seine Homepage Kontakt zu ihm aufgenommen. Nach einigen Monaten hatten wir uns dann auf einen Deal geeinigt um sein Artwork für unser Albumcover zu lizensieren.

Hat er euch etwas zum neuen CIRITH UNGOL-Album erzählt?

Vincent: Dazu hat er geschwiegen, aber wenn die letzte Single “Witches Game” ein Anhaltspunkt ist, wird das neue Album massiv!

„“The White Goddess“ von ATLANTEAN KODEX ist in meinen Augen perfekt“ – SMOULDER wissen was gut ist

Welches Epic Metal-Album hat euch in letzter Zeit am meisten beeindruckt?

Collin: In den letzten Jahren ist eine Tonne an großartigen Epic Metal-Alben erschienen. Es ist eine wirklich aufregende Zeit für das Genre mit einer Menge Bands, welche die Fackel weiter tragen! Mein definitiver Favorit der letzten zehn Jahre ist auf jeden Fall “The White Goddess” von ATLANTEAN KODEX. Das Album ist in meinen Augen perfekt und mir fällt kein einziges, seitdem veröffentlichtes Metal-Album ein, welches “The White Goddess” übertrifft. Einige weitere Favoriten der letzten Zeit sind “The Armor Of Ire” von ETERNAL CHAMPION, “Hellfriends” von DEMON BITCH, “East Of Sun” von GATEKEEPER, “Destiny Calls” von CHEVALIER, “Dungeon Crawler” von LEGENDRY sowie “God Of The Deep Unleashed” von WRATHBLADE um mal nur ein paar zu nennen. Weitere neue Bands, die man im Auge behalten sollte sind THRONE OF IRON, SERPENT RIDER, BY FIRE AND SWORD und STYGIAN CROWN.

Der Opener “llian Of Garathorm” erinnert mich stark an “I Am The Hammer” von ETERNAL CHAMPION. Da gibt es auch diese Textzeile “Faith calls… the eternal champion”. Ist das neben dem Bezug auf Moorcock auch ein kleiner Winker in Richtung ETERNAL CHAMPION?

Collin: Auch wenn wir alle große Fans von ETERNAL CHAMPION sind, geht es bei dieser Zeile ausschließlich um Michael Moorcock. Kevin und ich haben die Musik für dieses Stück schon lange Zeit bevor wir bei SMOULDER eingestiegen sind geschrieben, hatten aber keinen Text dafür. Als wir mit Shawn und Sarah zusammen gekommen sind haben wir darüber gesprochen einen Song über Moorcocks Geschichte “The Champion Of Garathorm” zu machen und wir waren der Meinung, dass dieser Song perfekt passt.

Sarah: Ich mag die Geschichte wirklich sehr und nachdem ich das Stück gehört hatte, kam der Text ziemlich schnell zustande. Ich wollte einen Song über den Eternal Champion, aber nicht in der üblichen, jedem bekannten Version welche Elric der Drachenprinz ist. Ilian hat da perfekt gepasst. Lustigerweise habe ich die Gemeinsamkeiten zu ETERNAL CHAMPION erst überhaupt nicht bemerkt, bis der Song fertig war. Letztendlich fand ich es ziemlich witzig. Wir lieben die Band und haben mit Arthur Rizk (Drummer von ETERNAL CHAMPION und Produzent) zusammengearbeitet, sie haben uns also natürlich bewusst und unbewusst beeinflusst.

Die Bücher von Michael Moorcock sind mir bisher noch nicht bekannt, auch wenn ich natürlich bemerkt habe, dass viele Metal-Bands von seinem Werk beeinflusst wurden. Was würdet ihr sagen ist so faszinierend an seinen Büchern und mit welchen sollte man als Neueinsteiger starten?

Collin: Das faszinierende an Moorcock´s Werk ist seine grandiose Fähigkeit Welten zu erschaffen und die Atmosphäre. Seine Werke überschreiten die Grenzen von Fantasy und Science Fiction und erschaffen ein gewaltiges, in höchstem Maße fesselndes Universum, bleiben dabei aber sehr prägnant ohne zu sehr abzuschweifen. Seine Charaktere sind deutlich weniger eindeutig, was ihre Motivation und moralische Einstellung angeht als die anderer sehr bekannter Fantasy-Autoren wie zum Beispiel Tolkien, dessen Werk ich ebenfalls sehr schätze. Das ist eine erfrischende Abweichung von den üblichen Klischees. Was Empfehlungen angeht, so würde ich mit der Elric-Reihe starten und von dort aus weitermachen. Es ist sein bekanntestes Werk und vermutlich dass, zu dem man am einfachsten Zugang findet.

Mit “Bastard Steel” habt Ihr auch einen Song über Jon Snow aus “A Song Of Ice And Fire” / “Game Of Thrones”. Bevorzugt Ihr die Bücher oder die Serie und was haltet Ihr vom Ende der Serie?

Collin: Ich bevorzuge definitiv die Bücher aber die Serie war größtenteils ebenfalls super, vor allem die ersten Staffeln. Das Ende hat mich gleichzeitig zufrieden gestellt und enttäuscht. Alles ergab Sinn aber ich war darüber enttäuscht, dass die ganzen Überlieferungen und Hintergründe, welche die Show aufgebaut hat am Ende ohne viel Bedeutung waren. Letztendlich fand ich das Ende antiklimaktisch.

„Ein Album über weibliche Helden sollte schicht als Album über Helden erachtet werden“


Nach dem epischen Opener folgt die zermalmende Epic Doom-Hymne “The Sword Woman”, ein weiteres Stück über eine Kriegerin. Ich halte es für eine gute Sache, die Metal-Szene mit einigen Songs über starke weibliche Protagonisten zu bereichern. Die Szene, speziell im Epic Metal ist immer noch eine ziemliche Männerdomäne. War es eure Intention, vielleicht eine Art Identifikationsmöglichkeit für weibliche Metalheads zu schaffen?

Sarah: Meine Texte handeln von Charakteren mit denen ich mich identifiziere und deren Geschichten mich fesseln. Sie wurden nicht unbedingt geschrieben um Bezugspunkte für weibliche Metalheads zu schaffen, sondern um Bezugspunkte für Metal-Fans zu schaffen, die auf Fantasy stehen und mehr über Charaktere hören möchten, die vielen von Ihnen vielleicht noch unbekannt sind. Viele dieser Songs handeln von Frauen aber wenn ich das Geschlecht geändert hätte und die meisten Songs von obskuren Männern handeln wäre das nicht als auffällig erachtet worden. Als lebenslanger Metal- und Fantasy-Fan finde ich es merkwürdig über diesen Zwiespalt nachzudenken. Das einzige relevante Wort, welches mir dazu einfällt ist Normalisierung. Ich würde mir wünschen, dass die Teilhabe von Frauen soweit normalisiert wäre, dass ein Album über weibliche Helden schlicht als ein Album über Helden erachtet werden würde.

Frauen sind über die Jahre in der Metal-Szene sichtbarer geworden, sei es als Musikerinnen oder Fans. Aber der Großteil der Protagonisten ist immer noch männlich. Vor einigen Monaten habe ich einen sehr guten Artikel von Charlotte Wessels (DELAIN) über Frauen in der Metal-Szene und Feminismus im generellen gelesen. Es war eine gute Erinnerung daran, wie viel Arbeit sowohl in der Gesamtgesellschaft als auch in der Metal-Szene noch vor uns liegt.

Sarah: Davon ausgehend, dass die Fortpflanzungsrechte von Frauen weltweit unter Beschuss stehen, die weltweiten Führer ihre Sexualverbrechen stolz unter den Teppich kehren und der Hauptgrund für Gewalt gegen Frauen deren Partner sind, würde ich sagen, dass wir aus gesellschaftlicher Sicht noch einen sehr weiten Weg vor uns haben, was Frauenrechte angeht. Diese Probleme spiegeln sich in der Metal-Szene wider. Es sind inzwischen auf jeden Fall mehr Frauen in angesehenen Metal-Bands aktiv, was großartig ist. Aber solange es nicht so normal ist, dass wir gar nicht erst über Geschlechterrollen als Konstrukte reden müssen haben wir noch Arbeit zu erledigen.

Ein SMOULDER-Song muss den Wurzeln des Heavy Metal treu bleiben – Kevin Hester – Foto: (c) Wayne William Archibald

 

Eure Songs reichen von schnellen Stücken wie “Bastard Steel” über Epen wie “Ilian Of Garathorm” bis zu purem Doom wie dem Abschlusstrack “The Black Gods Kiss”. Wer schreibt welche Songs und wie sieht euer Songwriting-Prozess generell aus?

Kevin: “Illian” und “Bastard Steel” wurden von Collin und mir geschrieben. Diese zwei Songs stammen eigentlich von einem anderen Projekt, welches aber nie ins Rollen gekommen ist und wurden vor einigen Jahren geschrieben. Sarah und Vincent haben den Rest der Musik geschrieben, einschließlich zweier Songs vom Demo. Sarah ist hauptsächlich für das Schreiben der Texte verantwortlich, Vincent und Collin haben allerdings ebenfalls etwas beigesteuert. Bisher wurden alle unsere Songs mithilfe von Kompositions-Software geschrieben, weil wir nicht alle in derselben Stadt leben und daher nicht den Luxus haben, einfach zusammen zu kommen und einen Song organisch zu jammen und auszuarbeiten. Manchmal geben wir Riffs oder Songteile an andere Bandmitglieder um Hilfe bei der Fertigstellung zu haben, falls jemand gerade in kreativer Hinsicht gegen die Wand fährt. Insgesamt funktioniert unser Songwriting-Sytem gut und wäre ohne das Internet und social media nicht möglich.

Habt ihr beim Schreiben für ein Album eine gewisse Mischung an Songs im Blick oder könnte es auch möglich sein, dass das nächste SMOULDER-Album beispielsweise ein reines Doom-Album wird?

Kevin: Wir mögen ein wenig Abwechslung im Songwriting, denn das macht unsere Veröffentlichungen interessanter. Unsere nächste Veröffentlichung wird wie unser Debüt eine Mischung aus schnellen und langsamen Songs enthalten. Wir sind allerdings offen dafür, Dinge zu ändern. Ich würde für die Zukunft weder ein pures Doom-Album noch ein pures Power Metal-Album ausschließen.

Welche Grenzen gibt es für einen SMOULDER-Song? Könntet ihr euch vorstellen einen Thrash-Song zu schreiben oder growls zu verwenden? Metal meets post punk scheint momentan ja ziemlich hip zu sein.

Kevin: Die einzige Beschränkung, die ich mir vorstellen könnte ist, dass der Song den Wurzeln des Metal treu bleiben muss. Wir haben das Gefühl, dass in vielen modernen Sub-Genres die Vision, welche die Vorväter des Metal im Sinn hatten verloren gegangen ist. Wir wollen sicher sein, diese Vision niemals aus den Augen zu verlieren. Davon abgesehen sind wir ziemlich offen für Experimente beim Songwriting. Wir haben schon mit der Idee gespielt mehr akustische, unverzerrte Gitarrenparts zu verwenden als auch möglicherweise Synthies einzusetzen um unseren Sound zu bereichern. Nichts ist völlig ausgeschlossen solange unsere Musik echt bleibt.

Wer liebt keine zweistimmigen Leadgitarren – Gute Frage, Kevin!

Mir gefällt insbesondere die Gitarrenarbeit auf “Times Of Obscene Evil And Wild Daring”. Die Soli und Harmonien sind einfach großartig und tragen eine Menge zur Atmosphäre der Songs bei. Sie hören sich so an, als ob ihr euch beim schreiben wirklich Gedanken gemacht habt anstatt einfach mal ein Solo hier oder da hin zu klatschen. Die Soli und Harmonien erzählen ihren eigenen Teil der Geschichte, falls das irgendwie Sinn für euch ergibt.

Kevin: Die meisten Leadgitarren-Parts stammen von Vincent und Collin. Die beiden haben wirklich gute Arbeit geleistet, Melodien zu schreiben, welche die Riffs, die unter Ihnen liegen hervorheben. Wir bevorzugen unseren Songs einen natürlichen Fluss zu geben anstatt Sie überkompliziert zu machen, indem wir leads an Stellen packen, an dene sie nichts zu suchen haben. In Zukunft würden wir gerne mehr zweistimmige Gitarrenharmonien einsetzen, denn wer liebt keine zweistimmigen Leadgitarren?

Das Album scheint sich ganz gut zu verkaufen. Ihr musstet die LP bereits nachpressen lassen, da sie ausverkauft war und einige Leute sie zu hohen Preisen bei Discogs verkauft haben. Die CDs waren soweit ich weiß auch eine Weile ausverkauft. hat euch der Erfolg von “Times Of Obscene Evil And Wild Daring” überrascht?

Kevin: Wir sind von den enthusiastischen Reaktionen der Metal-Szene auf unser Album begeistert. Wir haben erwartet, dass sich das Album besser verkaufen wird als unser Demo aber nicht in dem Maße, was wir bisher erreicht haben. Wir haben bis heute konsistente Verkäufe, was heißt, dass immer mehr und mehr Menschen auf die Band aufmerksam werden. Ein großer Beitrag zu unserem Erfolg ist unsere Partnerschaft mit Cruz Del Sur. Die Ankündigung, dass wir bei Ihnen unterschreiben würden hat eine Menge Hype um unser Album ausgelöst, was zu den Verkaufszahlen geführt hat, die wir in den letzten Monaten erreicht haben.

“Times Of Obscene Evil And Wild Daring” wurde auch auf Kassette veröffentlicht. Ich finde es persönlich eher merkwürdig, dass die Kassette gerade eine Art Revival erlebt. Ich meine klar, ich habe es auch geliebt Kassetten-Sampler für meine Freunde oder mich zu erstellen aber seien wir mal ehrlich: Kassetten sind unpraktisch und für mich gibt es keinen Grund, der für sie spricht. Wie steht ihr zu Kassetten?

Sarah: Wir lieben Kassetten und finden die Ablehnung die ihnen entgegen schlägt absurd. Alles, was Bands in einem überfluteten Markt hilft Musik in einem günstigen Format zu verkaufen, welches verhältnismäßig günstig verschickt werden kann ist eine gute Sache. Und die Fans mögen sie offensichtlich, wir werden also weiterhin welche machen. Sowohl ich als auch unser Gitarrist Vincent sammeln schon seit über einer Dekade Kassetten und ein Großteil unserer Beziehung fußt darauf, dass wir uns gegenseitig Mix-Tapes gemacht haben. Als Kind habe ich andauernd Mix-Tapes mit Songs aus dem Radio gemacht und seitdem liebe ich das Format.

„Es ist deprimierend, dass die Ablehnung von Faschismus schon als politische Position gilt und nicht als Grundeinstellung.“ – Sarah Ann. Foto: (c) Wayne William Archibald

SMOULDER sind auf Facebook ziemlich aktiv. Was ich persönlich ziemlich cool finde ist, dass ihr öfter mal persönlichen Kram wie Bilder vom Pakete packen oder Bandempfehlungen posted und tatsächlich mit den Fans interagiert anstatt einfach nur Verlautbarungen ala “Neues Konzert hier”, “neues Video da”, “kauft unser Zeug ihr Schafe!” zu posten. Die CONCILIUM-EP war echt ein guter Tip!

Sarah: Teil der Community zu sein ist wichtig, wenn man in einer erfolgreichen Band ist. Wir existieren ja nicht im Vakuum und hatten eine Menge Glück, von unserer Szene unterstützt zu werden. Daher denken wir, dass es wichtig ist mit der Szene zu interagieren und dabei auch anderen Bands zu helfen. Außerdem sind wir der Meinung, dass jeder davon profitiert, wenn man Underground-Bands unterstützt. Es hilft allen, mehr Konzerte zu spielen und wichtige Bekanntschaften zu schließen, von denen alle profitieren.

Love Metal – hate Facism! – SMOULDER beziehen klar Stellung gegen braunen Müll!


Auf eurer Bandcamp-Seite steht das Statement “Love Metal – hate Facism” und in einem Interview habt ihr gesagt, dass die Metal-Szene eurer Meinung nach ein Problem mit Nazi-Verstehern hat. Danke, dass Ihr dazu Stellung bezieht! Ich habe diesen ganzen “Egal, was die Typen in der Band so sagen, Hauptsache die Musik ist gut” oder “Politik hat im Metal nichts zu tun” bullshit so satt… Metal stand immer für Freiheit aber auch Gleichheit – wir sind alle Brüder und Schwestern, egal wo wir geboren wurden, wie wir aussehen oder wen wir lieben. Heutzutage haben rechte Ideologien und Organisationen wieder verstärkten Zulauf und viele Leute missbrauchen die Meinungsfreiheit dafür,  Hass gegen Minderheiten zu schüren. Daher nochmals Danke dafür, dass ihr hier klare Kante zeigt.

Sarah: Es ist deprimierend, dass die Ablehnung von Faschismus schon als politische Position gilt und nicht als Grundeinstellung. Schweigen hilft nur den Unterdrückern also vertreten wir hier geradeheraus unsere Meinung. Das Argument, dass Metal unpolitisch sein sollte ignoriert die Tatsache, dass Metal seit seiner Entstehung schon immer politisch war. BLACK SABBATH sind gegen Krieg, IRON MAIDEN haben den Kolonialismus kritisiert, JUDAS PRIEST unterstützt LQBTQ-Menschen. Wenn man sich den extremen Metal anschaut, sieht man Bands wie NAPALM DEATH oder CARCASS, die gegen Sexismus, Großkonzerne oder für Tierrechte Stellung bezogen haben. Jeder, der etwas anderes behauptet hat sich offensichtlich nicht mit der Geschichte des Heavy Metal auseinandergesetzt.

Ihr habt sogar Geld an eine Organisation gespendet, die Migranten dabei hilft, in Kanada heimisch zu werden. Und was mich am meisten überrascht hat war, dass euch auf Facebook unter dem entsprechenden Post niemand als Gutmensch, Schneeflöckchen oder sonstwas bezeichnet hat. In Deutschland wären die Rechtsaußen-Trolle vermutlich sofort zur Stelle gewesen.

Sarah: Wir sind sehr darum bemüht uns in unserer Gemeinde einzubringen und sind sehr offen, was unsere Überzeugungen angeht. Ich vermute mal, dass wir einen Shitstorm zu dem Zeitpunkt der Spende dadurch vermieden haben, dass die meisten Leute, die sich von einer solchen, völlig normalen Geste provoziert fühlen könnten, durch unsere offene Verurteilung von Faschismus sowie unsere explizit weiblichen Ausrichtung schon vorher von uns Abstand genommen haben. Empathie zu haben und sich in der Gemeinde zu engagieren ist nichts, worüber wir mit Trollen diskutieren, das ist, wer wir sind und wofür wir stehen!

Wo wir schon beim heißen Thema Politik sind, warum machen wir nicht gleich weiter? Euer Premierminister Justin Trudeau macht den Eindruck eines sehr souveränen und liberalen Staatschefs. Ich fand es großartig, als er Flüchtlinge in Kanada willkommen geheißen hat, direkt nachdem der orangehaarige Affe von südlich der Grenze twitterte, dass die USA keine Flüchtlinge aufnehmen würden. Er schrieb, dass Vielfalt die Stärke Kanadas ist. Ich wünschte mehr Politiker in Europa hätten diese Einstellung.

Adam: Kanadas Vielfalt ist definitiv ein Teil von Toronto, der Stadt aus der wir stammen. Ich kann einfach nicht verstehen, wie jemand auf die Idee kommt, dass Vielfalt etwas schlechtes wäre. Ich wurde damit erzogen, dass Toleranz und Akzeptanz universelle, kanadische Werte sind, ein Teil unserer Identität und einer der Gründe für das Stereotyp des progressiven und höflichen Kanadiers.

Als Erwachsener habe ich realisiert, dass wir diesem Ideal nicht immer gerecht werden. Rassismus, Sexismus, Homophobie und so weiter existieren auch hier immer noch und ich wünschte wir würden mehr als nur Lippenbekenntnisse abgeben, um zur Versöhnung mit den Ureinwohnern beizutragen, für vergangene Verbrechen wie die Residential Schools (Anmerkung des Verfassers: Schulen, in denen die indigene Bevölkerung Kanadas umerzogen werden sollte. Link zu Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Residential_School) Selbst heute noch haben einige First Nation-Gemeinden noch keinen Zugang zu fließendem Trinkwasser und ich denke wirklich, dass wir hier mehr tun müssen.

Justin Trudeau ist auf jeden Fall höflicher als die Welle von Populisten, die aktuell die Welt überschwemmen und dafür bin ich dankbar. Aber die Regierung, der er vorsteht hat trotzdem eine Menge Skandale und unsere Ökobilanz als Nation ist ziemlich erbärmlich.

„Das niederschmetternde Grauen, welches ich fühle, wenn ich über den Zustand der Welt nachdenke ist letztendlich einer der Gründe, weswegen Doom Metal mich so anspricht.“ – Adam Blake. Foto: (c) Wayne William Archibald

 

Kanada scheint zwischen dem französischen und englischen Teil gespalten zu sein, es gibt Leute, welche die Unabhängigkeit des französischen Teils fordern. Ist das ein Thema, welches die Gesellschaft in Kanada spaltet und wie ist eure Einstellung dazu?

Adam: Das ist sicherlich ein Problem hier. Mitte der Neunziger hat Quebec ein Refereundum darüber abgehalten, ob man ein Teil von Kanada bleiben möchte oder nicht. Letztendlich hat man sich entschieden zu bleiben. Ich persönlich denke, dass wir zusammen stärker sind und dafür sind wir dankbar. Wir würden es vermissen, für Konzerte oder Festivals frei nach Montreal reisen zu können. Es ist eine schöne Stadt mit einer großartigen Metal-Szene.

Bands wie FORTERESSE unterstützen die Separation. Sie nennen sich selbst patriotisch, sagen andererseits aber auch von sich, politisch eher links zu stehen. Wie sind die Typen drauf?

Adam: Wir können nicht für FORTERESSE sprechen, ich werde also nur sagen, dass sie eine großartige Performance hingelegt haben, als sie vor einigen Jahren mit MONARQUE, DELETERE und einigen anderen Bands aus Quebec in Toronto gespielt haben. Generell haben die Separatisten die aufrichtige Sorge, dass die kanadische Landesregierung das Überleben der französischen Sprache und Kultur nicht als Priorität sieht. Es ist möglich, seine eigene Kultur und sein Erbe zu lieben ohne andere zu hassen. Aber leider gehen diese Dinge natürlich unangenehm oft Hand in Hand. Es gab vor einigen Jahren einen Anschlag mit Schusswaffen auf eine Moschee in Quebec-City, was klar gezeigt hat, dass Kanada nicht immun gegen rassistische Gewalt ist.

Alles in allem wünschte ich, dass wir diese Dinge, die ich als belanglose Fixierungen sehe, beiseite schieben und uns auf die wirklichen heraufziehenden Probleme wie die Klimakrise, die jeden einzelnen von uns betrifft, konzentrieren könnten. Leider scheint es so, dass dies die Spannungen zwischen den Menschen noch verschärfen wird, denn Dürren und extreme Wetterereignisse schaffen mehr Flüchtlinge und Entschuldigungen für Tyrannei. Das niederschmetternde Grauen, welches ich fühle, wenn ich über den Zustand der Welt nachdenke ist letztendlich einer der Gründe, weswegen Doom Metal mich so anspricht.

„Es gibt in jedem Genre großartige kanadische Bands“ – das haben wir auch schon gemerkt, SMOULDER sind eine davon!


Zurück zu fröhlicheren Themen. Die kanadische Metal-Szene scheint momentan zu explodieren. Ich entdecke eine großartige Band nach der anderen, seien es TRAVELER, TOMB MOLD, METALIAN, OUTRE TOMBE, GATEKEEPER oder Ihr. Wie seht Ihr das als Teil der kanadischen Szene?

Adam: Ich finde es großartig, dass wir hier so eine florierende Metal-Szene haben. Alle Bands die du genannt hast sind fantastisch. TOMB MOLD sind eine lokale Band von hier, so dass ich das Glück hatte sie einige Male in kleinen Läden zu sehen. Auch wenn wir in letzter Zeit einige gute Läden verloren haben ist Toronto immer noch jeden Tag der Woche voller Live-Musik. Ich habe gestern Abend eine Blues Band gesehen und habe für heute Abend eine Punk Show eingeplant. Ich freue mich darauf Gillian Carter zu sehen. Ich fühle mich wirklich sehr verwöhnt.

Welche anderen kanadischen Bands, die vielleicht etwas unter dem Radar fliegen, würdet Ihr empfehlen?

Adam: MANACLE sind unsere beste echte US Power/Speed Metal-Band. Ich liebe FREEWAYS für ihren THIN LIZZY-mäßigen Hard Rock und kann es kaum erwarten, mehr Material von ihnen zu bekommen. Ich freue mich sehr darauf diesen Monat mit BLOOD CEREMONY die Bühne zu teilen. Sie bringen seit Jahren fantastischen, doomigen Okkult Rock raus. ILMESTYS sind mein Favorit was rohen Black Metal/Punk angeht, EMBLEM was traditionellen Metal angeht, ADVERSARIAL, ANTEDILUVIAN und BEGRIME EXEMIOUS in Sachen Black und Death Metal, WAKE für Grindcore… Es gibt in jedem Genre großartige kanadische Bands. POSSESSED STEEL, STARLIGHT RITUAL, HÄXAN, VÖLUR, CHAINBREAKER, ROUGH SPELLS, CHTHEILIST, S.H.I.T., CRUEL BLOOM, QARAFA…

Können wir uns auf eine Europatour freuen? Ich fände es großartig SMOULDER live zu sehen, vielleicht zusammen mit GATEKEEPER oder europäischen Epic Metal-Bands wie SOLSTICE oder ATLANTEAN KODEX.

Adam: Wir arbeiten dran! Wir wurden bereits für das UP THE HAMMERS sowie das HEADBANGERS OPEN AIR gebucht und würden sehr gerne eine Tour um diese Termine herum spielen.

Arbeitet ihr schon an neuen Songs? Wann können wir mit neuer Musik von euch rechnen?

Adam: Definitiv! Die Frage macht mich nervös, denn ich habe bisher noch keine Songwriting-Credits für SMOULDER, habe aber jetzt einen Song geschrieben und möchte noch weitere schreiben. Ich hoffe ich kann den Standard, den der Rest der Band gesetzt hat, erreichen. Wir sind alle damit beschäftigt Songs zu schreiben und zu den Songs der anderen etwas beizutragen. Sobald wir genug Material zusammen haben werden wir ins Studio gehen um etwas neues aufzunehmen. Das sollte so gegen Ende des Jahres geschehen, so dass wir nächstes Jahr mindestens eine EP veröffentlichen.

Seit ich bei SMOULDER eingestiegen bin habe ich wieder angefangen Fantasy und Science Fiction zu lesen um Inspiration für Themen zu finden, die zur Band passen. Ich habe gerade Ursula Le Guin´s unglaublichen Roman “The Left Hand Of Darkness” (auf deutsch “Die Linke Hand der Dunkelheit”) gelesen und könnte mir gut vorstellen ein oder zwei Songs zu schreiben, die auf Gethen (Die Welt, in der die Handlung des Buches spielt) spielen. Wenn ich nur keinen regulären Job hätte und den ganzen Tag lesen und Musik schreiben könnte!

Das war es. Ihr habt das Ende des Interviews erreicht. Vielen Dank für eure Antworten und vor allem Danke für die großartige Musik! Die letzten Worte sind euch.

Danke für das Interview! Wir sehen euch alle 2020 in Griechenland, Deutschland, den USA und Kanada!

 

Bandfoto und Albumcover (c) SMOULDER
Live-Fotos (c) Wayne William Archibald

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.