HORN: Apokalyps 1618

„Daudswiärk“, das 2024er Album von HORN, wäre damals fast mein Album des Jahres geworden, so großartig fand ich die Mischung aus westfälischer Finsternis, eingängigen Melodien und spannenden Sprachspielereien damals. Ja, ich war das ganze Jahr über dann richtig HORNy und habe mir auch die Vorgänger „Turm am Hang“, „Mohngang“ und schließlich auch „Verzet“ reingezogen wie nichts Gutes. Klar, dass die Ankündigung von „Apokalyps 1618“ mich ganz wuschig hat werden lassen. Zurecht?

Beim Sound jedenfalls hat Sänger Niklas (auch bei SPERE und CROSS VAULT aktiv), um dessen Soloprojekt es sich ja hier handelt, keine Abstriche gemacht und im Studio E bei Markus Stock erneut das ganz große Bass-Gewitter aufgefahren. Ja, fetter kann schwarzer Pagan Metal eigentlich nicht klingen, auch die Gitarren haben einen perfekt passenden Klang spendiert bekommen, was insofern nochmal bemerkenswert ist, als dass Niklas sich mit einem zweiten Gitarristen verstärkt hat, der etwas mehr Disharmonie in die Stücke bringt.

Disharmonie? Ist ja nun eigentlich gar nicht so mein Ding, und so ist es vielleicht deshalb kein Wunder, dass manche Songs des neuen Albums ein bisschen an mir vorbei rauschen („Naud“ und „Ergot“ z.B.) – sie krachen zwar schön, aber es mangelt an Katharsis. Oder fehlt ihnen das Zwingende, Besondere, das gewisse Etwas? Bin ich vielleicht einfach der Musik von HORN überdrüssig geworden? Nein: Neulich habe ich „Daudswiärk“ nochmal gehört und war genauso angetan wie vor zwei Jahren.

„Apokalyps 1618“ bietet zwei spannende Gäste am Mikro

Dass HORN es weiterhin können, beweisen z.B. der Titeltrack (genau so muss man Sprache einsetzen, als zusätzliches Rhythmusinstrument quasi, ganz groß!) und das abwechslungsreiche und herrlich finstere „Am Abgrund steht der Junker“, das, so der Künstler auf Social Media, ein Plädoyer für gute Herrschaft sein soll. Na ja, hm, was soll das, sage ich da als guter alter Herrschaftsverächter, aber ich will mal nicht so sein.

Jenes Stück aber ist leider das einzige auf dem Album, auf dem wir Niklas‘ melodischen Lead-Gesang hören, und das finde ich bei so einem begnadeten Sänger dann doch ein wenig schade. Die Gäste am klaren Gesang können sich jedoch hören lassen (und sind angenehm kontrastreich ausgewählt): Kein Geringerer als „Meister Cagliostro“ (ATTIC) darf das epische Mittelstück „Barhout“ mit seinem edlen Timbre dominieren, und am Ende darf Markus Stock bzw. Schwadorf vom Mischpult ans Mikro wechseln und mit „At Our Bleakest“ nicht nur das einzige englischsprachige Stück des Albums singen, sondern dabei auch wohlig an seine Bands EMPYRIUM und SUN OF THE SLEEPLESS, aber durchaus auch an Pete Steele erinnern.

Kein Höhepunkt der Diskographie

Interessant dabei: Wie schon auf „Daudswiärk“ recyclet Niklas mit dem letzten Song des Albums ein älteres Stück von einer seiner Bands – „Landrake“ war eine neue Version eines Songs von LATITUDE EGRESS, und „At Our Bleakest“ stammt ursprünglich vom Debütalbum von CROSS VAULT; beide Songs sind 2014 erschienen.

Nichtsdestotrotz bleibt der alleinige Höhepunkt von „Apokalyps 1618“ für mich der Titeltrack, alle anderen Stücke sind zwar schön und gut und tanztauglich, aber irgendwie auch nicht mehr, und so muss ich leider feststellen: Alle Trademarks sind da, der Sound ist brilliant, der Anspruch enorm (allein das aufwändige, an Hieronymus Bosch erinnernde Cover von Haus-Maler Timon Kokott wäre eine LP-Anschaffung wert), aber emotional packt mich die „Apokalyps 1618“ einfach nicht so sehr wie die meisten seiner Vorgänger.

Spielzeit: 46:18 Min.

Veröffentlichungsdatum: 05.06.2026

Label: Northern Silence

HORN „Apokalyps 1618“ Tracklist

1. Apokalyps 1618 (Audio bei Bandcamp)
2. Die Ahren gleich als mit dem Huf (Audio bei Bandcamp)
3. Naud
4. Barhout
5. Am Abgrund steht der Junker
6. Hiofan mahnt
7. Ergot
8. At our bleakest