CONVERGE: Hum Of Hurt

CONVERGE, die Zweite 2026: „Hum Of Hurt“ ist stilistisch breiter aufgestellt als „Love Is Not Enough“, aber ist es auch besser?

Es gibt dieses Brummtonphänomen, dem schon einige Journalisten versucht haben auf den Grund zu gehen. Als Konzertbesucher existiert eher ein fiepender Ton in den Ohren des Autors, aber in der nächsten Umgebung kennt er tatsächlich ein paar Leute, die von dem Brummen heimgesucht werden, diesem geheimnisvollen Ton zwischen 30 und 40 Hertz. Was der Grund dafür ist? CONVERGE verkaufen das im Infoschreiben als kryptisch und mysteriös, aber die Antwort scheint so schwierig gar nicht zu sein, Stichwort: Tieftontinnitus. Eigentlich eine perfekte Ausgangslage für ein SUNN o)))-Album, aber dieses Thema schnappten sich doch CONVERGE als Aufhänger für ihr nunmehr zweites Album im Jahr 2026.

Es fällt dem Verfasser nach wie vor schwer zu glauben, aber ja, „Hum Of Hurt“ ist fast neun Jahre nach „The Dusk Is Us“ das zweite CONVERGE-Album in diesem Jahr. Aus einer großen Songwritingsession schälten sich somit zwei verschiedene Alben heraus. „Hum Of Hurt“ ist das langsamere der beiden Schwesternalben, das vertrackte, aber dadurch auch manchmal das wildere. „Hum Of Hurt“ mag mehr Songs Midtempo haben, aber die Variation, die die Band hier bringt, lässt das Album nicht langatmig oder austauschbar klingen, im Gegenteil. Gerade Kurt Ballou scheint große Freude an den neuen Riffs und Leads zu haben. Die Ideen sprudeln aus ihm geradezu heraus.

CONVERGE lassen sich auf „Hum Of Hurt“ vom Noiserock inspirieren und überführen diesen Sound organisch in den Bandkontext.

Und nein, langsam sind CONVERGE nicht durchgehend: Mit einem Gruß in Richtung „Jane Doe“ startet „Hum Of Hurt“ – der Opener „Slip The Nose“ steigert sich am Ende in eine kurze, grindige Richtung. Auch „I Won’t Let You Go“ bringt das Chaos wieder zurück. Die Neuaufnahme des bereits 2020 veröffentlichten Songs ist schlicht furios, die Energie stimmt dank entfesselter Riffs und treibendem Drumming, sowie starker Dynamik. Aber eigentlich steht etwas anderes im Vordergrund auf diesem Album. CONVERGEs Vorliebe für Noiserock wird immer wieder erlebbar. „Doom In Bloom“ ist so ein Song, der mit dissonanten Riffs und Leads und einer hypnotisch-pulsierenden Rhythmuseinheit Akzente setzt, und auch „Detonator“ und das düster brodelnde „Dream Debris“ zeigen CONVERGE in dieser Richtung. Dieser Stil steht der Band derart gut, dass es sich hierbei um die besten Songs beider Alben handelt, die sich ähnlich „You Fail Me“ in den Körper der Rezipienten schrauben.

Aber CONVERGE schaffen es auch, ihren ureigenen, metallischen Hardcore-Punk-Ansatz mit dieser Nuance Noiserock zu verbinden. Das Ergebnis ist rabiat: „It Only Gets Worse“ und „It’s Not Up To Us“ verführen dazu, Dinge kaputt zu hauen. Mit all seinen Facetten und seiner Energie, aber auch der Dynamik und all dem Abwechslungsreichtum ist „Hum Of Hurt“ nicht nur elektrisierend, sondern auch erschöpfend, im besten Sinne des Wortes. Die Songs gehen schnell ins Ohr, aber verglichen mit „Love Is Not Enough“ sind keine Hits darunter, die lange nachhallen. Es ist eben das unberechenbare, sprödere der Albumgeschwister.

„Hum Of Hurt“ hat weniger Hits, aber CONVERGE haben das Songwriting dennoch voll unter Kontrolle.

Die zehn Songs sind wie üblich ausgezeichnet produziert, die Band wirkt energiegeladen, siehe Ben Kollers Drumming, das selbst in den langsameren Momenten völlig entfesselt wirkt, und siehe Kurt Ballous Gitarrenarbeit. Aber auch Jacob Bannon, dessen Stimme in den letzten Jahren immer wieder Probleme machte, klingt hier wieder druckvoll und intensiv. Und diese Energie, diese Attitüde ist einen Hauch authentischer als auf „Love Is Not Enough“. „Hum Of Hurt“ hat also in allen Punkten etwas mehr Potenzial für Langzeitbeschäftigung, und das soll nicht heißen, dass sich „Love Is Not Enough“ abnutzt.

Somit können wir eigentlich sogar noch ein drittes CONVERGE-Album in diesen schwierigen Zeiten vertragen. „Hum Of Hurt“ bleibt trotz der komplexeren Momente stets nachvollziehbar und zugänglich. Hier zeigen CONVERGE, dass sie noch nicht gezähmt sind und dass noch Kreativität und Potenzial zur Entwicklung ihn ihnen steckt, ohne dass sie von ihrem Charakter verlieren. Und wer weiß, vielleicht hilft ein laut aufgedrehtes Album wie dieses auch gegen den fiesen Tieftontinnitus.

Wertung: 8 von 10 Vibrationsalarme

VÖ: 5. Juni 2026

Spielzeit: 33:34

Line-Up:
Jacob Bannon – Vocals
Kurt Ballou – Guitar, Backing Vocals
Nate Newton – Bass, Backing Vocals
Ben Koller – Drums

Label: Epitaph

CONVERGE „Hum Of Hurt“ Tracklist:

1. Slip The Noose
2. Doom in Bloom (Official Video bei Youtube) 
3. It Only Gets Worse
4. Detonator
5. I Won’t Let You Go
6. It’s Not Up To Us
7. Dream Debris
8. It Used To Matter
9. Hum Of Hurt (Official Video bei Youtube) 
10. Nothing Is Over

Mehr im Netz:

https://www.convergecult.com
https://convergecult.bandcamp.com/
https://www.youtube.com/@ConvergeOfficial
https://www.facebook.com/converge/
https://www.instagram.com/converge/
https://x.com/Convergecult