PHARAOH: Wir sind einfach keine schnelle Band

Mit ihren bisherigen vier Alben haben PHARAOH sich eine solide Fanbasis im Underground erspielt. Kritikerlieblinge waren die vier schon immer irgendwie, zu viel mehr hat es leider, auch mangels Live-Präsenz nie gereicht. Und dann lässt man die Fans auch noch neun Jahre auf ein neues Album warten. Immerhin wurden wir mit “The Powers That Be” voll und ganz entschädigt – das fünfte Album von PHARAOH ist ein heißer Kandidat für die diesjährige Pole Position. Zweimal hatte ich bereits das Vergnügen den sympathischen und intelligenten Gitarristen Matt Johnsen telefonisch interviewen zu dürfen, dieses Mal fand das Interview per Mail statt. Aber wie die beiden Male zuvor antwortete Matt sehr ausführlich zum Status der Band, dem neuen Album, Musik an sich sowie Politik und Gesellschaft. 


Hey Matt! Wie geht es dir?

Mir geht es soweit gut. Ich schlage mich durchs Leben wie jeder andere.

So… Neun Jahre Alter… Was zur Hölle war los bei euch?

Unser letztes Album “Bury The Light” war so erfolgreich, dass wir alle umgehend Millionäre geworden sind und du weißt ja, wie das ist. Ziemlich bald mussten wir erstmal herausfinden, auf welcher seiner Privatinseln Tim sich versteckt, Kerns davon überzeugen, dass Anwesen des Gurus zu verlassen, dem er in der jeweiligen Woche gerade folgt oder Rettungsmissionen zum Amazonas schicken um Chris Black aus einer weiteren Treibsandgrube rauszuziehen, was alarmierend oft passiert, seit er diese abenteuerliche Suche nach der sagenumwobenen, verlorenen BATHORY 7″ begonnen hat, die ich für einen Mythos halte.

Was mich angeht, ich habe größtenteils in einem reizabschirmenden Tank, gefüllt mit Delphinmilch entspannt. Wie du sehr deutlich an den neuen Promofotos sehen kannst, spricht das Ergebnis für sich – du hättest sicher nicht geraten, dass ich schon 74 bin, oder? Als Neil Youngs Verlustfreier Streamingdienst Pono 2016 dicht gemacht hat, war es vorbei mit dem schnellen Geld und in weniger als einem Jahr hatten wir alle unsere Royalties verprasst und hatten das Gefühl, ein weiteres Album machen zu müssen, sofern wir unseren verschwenderischen Lebensstil beibehalten wollten.

“Wir sind einfach keine schnelle Band” – Matt Johnsen hat ein realistisches Bild von PHARAOH


2018 habt ihr sogar einen eurer raren Facebook-Posts gemacht, in dem es hieß, das Album würde im Jahr darauf veröffentlicht werden. Das hat ja irgendwie nicht geklappt. Ich hätte ja gedacht, wenn man so eine Ankündigung macht, sind die Aufnahmen größtenteils erledigt. Wie weit wart ihr denn damals?

Das Album war mehr oder weniger fertig geschrieben, es gab Demoaufnahmen der Instrumente und Chris Black wollte gerade anfangen das Schlagzeug aufzunehmen. Wir hatten einen guten Plan! Es ist nur nicht ganz so gelaufen wie geplant und alles hat ein bißchen länger gedauert als erwartet. Es gab einen Moment, da war ich sicher, dass wir bis Ende 2019 mit den Aufnahmen fertig sein könnten, ich erinnere mich aber auch an den Moment, in dem ich wusste, dass das nicht passieren würde (Anmerkung des Verfassers: Silvester 2019?). Und hätte es die Pandemie nicht gegeben, wären wir vielleicht ein Jahr früher fertig gewesen.

Oder vielleicht auch nicht! Wir sind einfach keine schnelle Band, unser Budget ist winzig und wir leben nicht nah beieinander. Alles bei PHARAOH ist schwierig und das Leben kam einfach dazwischen. Ich würde sagen, dass ich nicht vor 2018 damit angefangen habe selber zu denken, dass wir zu lange brauchen. Bis dahin fühlt es sich einfach an wie eine “etwas länger als sonst”-Pause zwischen zwei Alben. Danach habe ich mich gefühlt, als ob ich auf den countdown einer Zeitbombe starren würde.

Nicht, dass es einen großen Unterschied machen würde, aber hat Corona den Prozess ebenfalls verlangsamt?

Ja. Wir hatten die ersten fünf oder sechs Gesangsaufnahmen fertig, als die Lockdowns kamen und haben dann drei oder vier Monate lang nichts mehr getan. Normalerweise schreiben wir die Gesangsmelodien und Texte nicht vor den Aufnahmen und das fiel mir dann teilweise auf die Füße. Ich glaube, ich habe auch noch an den Gitarrensoli gearbeitet. Außerdem bin ich derjenige, der die komplette Produktion verwaltet, wie ein Zirkusdirektor. Es war manchmal erdrückend.

Wie sind denn die Aufnahmen abgelaufen? Habt ihr euch mit der Band getroffen oder hat jeder seinen Kram aufgenommen und Matt Crooks hat dann alles zusammengeworfen?

Normalerweise nehmen wir in Matt’s Studio in Virgina auf, mit Ausnahme des Gesang, den wir bei mir zuhause aufnehmen. Dieses Mal haben wir aber überhaupt nichts mit ihm aufgenommen. Chris hat das Schlagzeug in seinem home studio aufgenommen. Wir wussten, dass das funktionieren würde, weil er diverse HIGH SPIRITS-Alben auf diese Art aufgenommen hat. Danach habe ich alles weitere bei mir zuhause aufgenommen. Danach haben wir alle Spuren an Crooks geschickt, der die Gitarren re-amped und abgemischt hat.

Irgendwie hat dieses komplizierte System funktioniert denn ich denke, dass es unser klanglich bestes Album bisher ist. Das liegt aber vermutlich mehr an Matt’s Verbesserung als Mischer als an meinen oder Chris’ Fähigkeiten als Aufnahmetechniker. Oder es lag daran, dass er den Mix in Ruhe zu Hause erledigen konnte, ohne den Atem von uns im Nacken zu spüren.

Dabei herausgekommen ist euer bisher technischstes und aggressivstes Album. Würdest du da zustimmen und habt ihr bewusst härteres Zeug geschrieben?

Ich würde nicht sagen, dass das Album generell technischer oder aggressiver ist aber der Titeltrack ist definitiv eine der härtesten und technischsten Kompositionen, die wir bisher aufgenommen haben. Und als Opener setzt er natürlich die Stimmung für das gesamte Album. Aber es ist definitiv wahr, dass unsere Alben mit der Zeit immer progressiver geworden sind. Es ist nicht so, dass wir versuchen würden, eine Prog-Band zu sein aber ich höre eine Menge anspruchsvoller Musik und das ist es, was mich inspiriert. Außerdem sind alle von uns fest entschlossen, dass wir uns mit PHARAOH nicht übermäßig wiederholen. In der Theorie, so mutmaße ich mal, könnte uns das zu einem einfacheren, stromlinienförmigeren Sound führen, wie du es bei vielen von Chris Black’s anderen Bands sehen kannst. Allerdings interessiert simpel mich einfach nicht.

“Ich bin direkt von “Kill Em All” zu “Punishment For Decadence” gekommen” . Matt Johnsen hat es nicht so mit simpler Musik

Ich vermute mal, dass du eine Menge Tech Thrash gehört hast, also du Teile der Songs geschrieben hast, richtig?

Ich bin so gegen 1988/1989 zum Metal gekommen, als Thrash gerade ganz oben war. Ich bin direkt von “Kill Em All” zu “Punishment For Decadence” (CORONER) gekommen. WATCHTOWER, REALM, TOXIK, FORBIDDEN, TARGET – das sind die Bands die mir wirklich gefallen. Und ich schreibe halt die meisten Riffs für PHARAOH. Ich mag auch den visionären Jazz/Fusion Kram der frühen und mittleren Siebziger, angefangen bei “Bitches Brew” von MILES DAVIS. Außerdem bin ich ein besessen von Zeuhl, was heißt: Jede Band die wie MAGMA klingt ist mein Freund. Diese Art von Musik inspiriert mich dazu bei unseren Arrangements kreativ zu werden und Überraschung zu einem der Eckpfeiler unserer musikalischen Ziele zu machen. Die Herausforderung ist es, all diesen abgefahrenen Kram zu etwas zu verarbeiten, das noch als US Power Metal erkennbar ist, denn das ist die Musik, die PHARAOH spielen.

Ich habe kritische Stimmen zum Sound von “The Powers That Be” gelesen, speziell, was das Schlagzeug angeht. Ich habe sogar von jemandem gelesen, der nicht glauben wollte, dass die Aufnahmen mit einem normalen, mikrophonierten Schlagzeug erfolgt sind. Auch wenn ich die ganze Diskussion darüber ziemlich übertrieben finde – kannst du uns sagen, wir Chris das Schlagzeug aufgenommen hat?

Ja, das ist total verrückt und wie ich finde sehr aussagekräftig über den Scharfsinn der Metal-Experten. Jeder, der echte Erfahrung damit hat, mit programmierten oder gesampleten Drums zu arbeiten, würde beispielsweise sofort erkennen, dass Chris’ Hi Hats echt sind. Es ist nahezu unmöglich, bei den Becken irgendwelche Nuancen glaubhaft nachzuahmen, wenn man Schlagzeug programmiert. Und Chris ist diesmal echt wie ein Irrer auf die Becken losgegangen. Also ja, Chris hat ein echtes, akustisches Schlagzeug mit Mikrofonen aufgenommen.

Ich glaube bei die Toms sind mit Samples unterfüttert aber das sind Samples, die Chris selber aufgenommen hat, keine aus irgendeiner kommerziellen Datenbank, und die nur dazu gemischt wurden um die mikrofonierten live Toms etwas fetter zu machen. Die Kick sowie die Snare sind in keiner Weise bearbeitet/ersetzt (Matt benutzt hier das Wort “replaced”)! Meiner Meinung nach ist das mit Abstand das beste Drumming von Chris auf allen Alben, die er bisher gemacht hat und ich finde den Schlagzeusound super. Aber das ist vermutlich nicht das Problem, nicht wahr? Epic Metal ist momentan der heiße Scheiss in der Trad Metal-Szene und alles, was nicht nach MANILLA ROAD klingt, wird jemals gut klingen ha ha! Und ich sage das mit allem Respekt vor MANILLA ROAD!

Nur zur Sicherheit: Ich persönlich finde den Sound von “The Powers That Be” vollkommen ok und passend zu eurem Stil. Eine rohe, unpolierte, proberaumartige Produktion wäre für euch einfach unpassend. Und Chris Blacks Schlagzeugspiel ist einfach herausragend!

Sag ich doch! Wir versuchen mit PHARAOH einzigartig zu klingen. Wir mögen den modernen Power Metal-Sound nicht aber wir wollen auch nicht so klingen, als wären wir gerade mit einer Zeitmaschine aus den Achtzigern gekommen. Wir versuchen unseren eigenen, speziellen Sound zu erschaffen und wir tun das mit wenig Know How und noch weniger Geld ha ha! Am Ende des Mix der letzten beiden Alben war das beste, was ich sagen konnte “Das ist gut genug” aber dieses Mal, vielleicht zum ersten Mal konnte ich sagen “Das ist gut”.

PHARAOH von links nach rechts: Tim Aymar, Chris Black, Chris Kerns, Matt Johnsen


Wenn ihr auf einer Insel stranden würdet, ohne Chance auf baldige Rettung – wen aus der Band würdet Ihr als erstes essen?

Tim. Er ist der älteste, er hat einige gesundheitliche Probleme, die ihm sowieso zum Verhängnis werden könnten und er wiegt am meisten, hält also am längsten vor. Er und ich sind allerdings auch die einzigen in der Band, die eine Passion für das Kochen haben, ich würde also sein Wissen was Gewürze und so angeht verlieren. Aber ich denke, das würde ich hinbekommen. Davon abgesehen ist es eh unwahrscheinlich, dass wir auf dieser Insel Zugriff auf hochwertige Gewürze hätten.

Tim hatte vor einigen Jahren wohl einige ernsthafte gesundheitliche Probleme. Ich erinnere mich, dass er auf seinem Facebook-Profil einen Link zu einer GoFundMe Spendensammlung stehen. Auf seinem Profilbild sah er auch nicht sehr gut aus. Ich hoffe, es geht ihm jetzt wieder gut?

Ja, Tim hatte eine harte Zeit. Du hast sicher Geschichten über die sadistische Unzulänglichkeit des amerikanischen Gesundheitssystems gehört aber Tim hat sie durchlebt. Es ist nicht so, dass Tims Krankheiten unbedingt schlimmer sind als die von jedem anderen, es ist der mangelnde Zugang zu medizinischer Versorgung. Und die Tatsache, dass man aus Mangel an Geld immer kranker und Kranker wird, ist ein schneller Weg zu ernsthaften mentalen Problemen. Es geht im jetzt besser, viel besser – aber Überleben in den Staaten ist immer provisorisch. Er ist vermutlich nur ein oder zwei Unglücksfälle vom völligen Ruin entfernt und er lebt dieses Leben seit Jahrzehnten. Das ist weder gut für den Körper, noch für das Hirn. Die USA können wirklich ein unbarmherziges Drecksloch sein.

Seine Stimme ist definitiv in guter Form. Ich glaube nicht, dass er sowas wie “Waiting To Drown” schonmal gemacht hat. Ein ungewöhnlicher Song für PHARAOH aber ein großartiger! Ich musste an JOHNNY CASH und NICK CAVE denken.

Das sind genau die Künstler, an die ich ebenfalls gedacht habe. Das ganze war sowas wie ein Unfall. Kerns hat die Musik für den Song geschrieben, uns aber keinerlei Orientierung gegeben, was Melodien und Text angeht. Allerdings hat Tim Kerns´ Arbeitstitel für den Song übernommen und zum endgültigen Titel gemacht. Wir hatten keine Ahnung, wie erfolgreich dieser Song werden könnte bis Tim mit dem Gesang fertig war. Das ist definitiv etwas neues von Ihm und etwas neues für PHARAOH. Ich mag keine Metal-Balladen und wir haben es bisher vermieden, welche auf unsere Alben zu packen aber das hier klingt nicht wie “Silent Lucidity” oder “Nothing Else Matters”. Wie du schon sagtest, es ist eher wie ein alter country oder folk song. Es ist außerdem ein schönes Stück zum durchatmen, so wie es zwischen zwei intensiven und harten Songs platziert ist.

“Oft weiß ich nicht, an welchen Stellen meiner Songs Tim singen wird” – Songwriting ala PHARAOH

Abgesehen von Tims Gesang ist es dein Gitarrenspiel, welches PHARAOH so einzigartig macht. Ich erkenne deine Art zu spielen sofort. Was würdest du sagen, machst du anders, als der durchschnittliche Power Metal-Gitarrist?

Ich schreibe Riffs? Ha ha ha, ich mache nur ein bisschen Spaß. Viel zu viele Power Metal-Gitarristen sind damit zufrieden im Refrain einfach nur Power Chords rauszuhauen und die Strophen sind genauso simpel, lediglich mit Sechzehntel Noten. Ich versuche jedes einzelne Riff für sich selbst interessant zu machen und ich schreibe meine Songs so, dass sie auch instrumental interessant und fesselnd sind. Tatsächlich weiß ich oft nicht, an welchen Stellen meiner Songs Tim singen wird, auch wenn ich üblicherweise schon Riffs der Strophe, dem Refrain, der Bridge und so weiter zuordne. Das heißt aber noch lange nicht, dass Tim (oder Chris, oder wer auch immer die Gesangsmelodien schreibt) sich an meine Zuordnungen hält. Speziell Tim hat diese Angewohnheit über Riffs zu singen, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie mit Gesang funktionieren.

Aber ja, ich sehe es als meine Aufgabe als Gitarrist in einer Metal-Band Riffs zu schreiben und ich denke, dass dies eine aussterbende Kunst ist. Und es ist definitiv nicht einfach, heutzutage noch viele originelle Riffs zu schreiben. Metal ist ALT und der Katalog ist groß, die meisten Ideen wurden also bereits erkundet. Ich habe eine handvoll Techniken die ich nutze um aus den Riffs, die ich spontan komponiere etwas unerwartetes zu machen. Ich schreibe außerdem sehr rhythmisch. Ich entwickle regelmäßig Riffs, indem ich mir versuche vorzustellen, welcher Drumbeat am besten zu einem existierenden Riff passt und dann die Noten auf Gitarre suche, die zu diesem Beat passen. Ich bin als Gitarrist größtenteils Autodidakt und ich habe nicht gelernt, indem ich Songs anderer Bands geübt habe sondern indem ich eigene geschrieben habe. Ich vermute, dass dieser unübliche Weg, auf dem ich gelernt habe zu spielen anders klingende Musik hervorbringt. Wer weiß das schon?

Ein weiterer Song der hervorsticht ist “Freedom”. Neben all diesen komplexen und technischen Songs, fällt dieser simple Rocker auf. Ich muss zugeben, dass ich beim ersten Hören meine Probleme mit dem Song hatte, ich fand ihn einfach zu simpel für PHARAOH. Inzwischen ist der Song aber gewachsen und gefällt mir.

Chris Black hat wie du weißt eine Menge Bands, die eine Menge Stile abdecken. Und wenn er Songs schreibt, ist es manchmal nicht klar, zu welcher Band das jeweilige Stück am besten passt. “Freedom” ist ein Song, den er ohne bestimmtes Projekt im Hinterkopf geschrieben hat. Und als es fertig war, schien es so, dass die einzige Band, die dem Song gerecht werden könnte PHARAOH wären, also haben wir ihn aufgenommen. Es gab einen Moment, an dem wir den Song nicht auf das Album nehmen wollten, aber ich denke wir hatten auf jedem Album mindestens einen ähnlichen Song und dieser simple, rockende vibe ist etwas, dass ein PHARAOH-Album einfach braucht. Es ist offensichtlich eine RUNNING WILD-Hommage aber das ist ok für mich, denn ich liebe RUNNING WILD!

Es scheint auch der einzige Song mit einem eher positiven Text zu sein. Der Großteil der Texte auf “The Powers That Be” ist ziemlich düster. Aber dieser Song und vielleicht noch “Will We Rise” scheinen kurze Hoffnungsschimmer zu sein.

“Will We Rise” ist ziemlich hoffnungslos, wenn du mich fragst! Der Song handelt davon, dein ganzes Leben lang nur zu arbeiten und zu sterben ohne was davon gehabt zu haben. Es ist ein antikapitalistischer Song. Aber ja, es ist ein düsteres Album, es entstand in düsteren Zeiten. Immerhin beschäftigen wir uns mit der Welt, in der wir leben – etwas, das erschreckend selten geworden ist im heutigen Metal.

Natürlich seid ihr der Tradition treu geblieben, dass es auf jedem PHARAOH-Album Gast-Gitarristen gibt. Dofka war zu erwarten, da er ja euer regelmäßiger Gast ist. Wie seid ihr denn in Kontakt mit Dan Mongrain von VOIVOD getreten? Das übliche “Dude, ich bin in dieser Band von der du noch nie gehört hast, willst du auf unserem Album spielen?”-Telefonat?

Sowas in der Art, ja. Wir hatten in der Vergangenheit neben Dofka Chris Poland, Mark Reale und Mike Flyntz sowie Mike Wead als Gäste und diese waren allesamt unsere erste Wahl und wir hatten keine Probleme mit ihnen in Kontakt zu treten und ein paar Leads zu bekommen. (Matts Geschichte zu Mike Reale und Mike Flyntz klang damals allerdings nicht ganz so problemlos – Anmerkung des Verfassers). Ich vermute mal, wir hatten einfach Glück, denn dieses Mal haben wir eine Liste potentieller Gäste gemacht und haben es einfach nicht geschafft von jemandem eine Zusagen zu bekommen.

Letztendlich, als uns die Zeit so langsam davon lief, haben einige Metal-Musiker, unter Ihnen Dan, eine dieser Quarantäne-Coversong-Kollaborationen gemacht, von denen es recht viele gab. Und das war es, was mich auf den Gedanken brachte, Dan zu kontaktieren. Ich bin ein großer Fan von ihm, seit das erste MARTYR-Album (“Hopeless Hopes” von 1997 – Anmerkung des Verfassers) erschienen ist aber ich hätte ihn den anderen Jungs wohl nicht vorgeschlagen, wenn wir nicht unter Zeitdruck gestanden hätten. Ich weiß, dass Kerns MARTYR ebenfalls liebt aber Tim hat sicher noch nie von ihnen gehört und wenn ich Chris gefragt hätte, hätte er vermutlich gesagt “Was, die belgische Band?”. (ich nehme an Matt meint die Niederländer, zumindest hab ich keine belgischen MARTYR gefunden – Anmerkung des Verfassers). Aber die Zeit lief uns davon und ich dachte, es würde einfach werden Dan zu bekommen, da ein anderer Musiker in diesem Cover-Video Colin Marston von BEHOLD THE ARCTOPUS und GORGUTS war und ich ihn seit Jahrzehnten kenne. Ich habe ihn also kontaktiert, damit er uns vorstellt.

Unglücklicherweise hatte er allerdings nie direkt mit Dan kommuniziert. Moderne Technik, hm? Ich musste also auf Dan’s Homepage gehen und ihm über das Kontaktformular schreiben wie irgendeine Nervensäge. Aber ob du es glaubst oder nicht, sechs Tage später hatte ich ein vollständiges Gastsolo in meinem Besitz. Es war großartig mit Dan zu arbeiten, hauptsächlich weil wir viel Spaß dabei hatten uns gegenseitig jede Menge Bands zu empfehlen während wir hin und her mailten. Er hat dieses Solo einfach ohne jegliche Vorgaben rausgehauen und es war großartig. Ich habe also nicht viel dazu beigetragen, dieses Lead auf das Album zu bringen aber immerhin habe ich Dan auf ein wenig verranzten Post Punk gestoßen, den er vorher noch nicht kannte und wir haben zusammen für OBLIVEON geschwärmt. Ich könnte also nicht glücklicher damit sein, wie alles gelaufen ist.

Nochmal zurück zu Dofka: Jemand, den ich über Facebook kenne hat kürzlich gefragt, wann das PSYCHO SCREAM-Demo endlich mal einen ordentlichen Release bekommt. Weißt du da irgendwas drüber?

Ich weiß viel zu viel darüber… Ich nerve Jim seit Jahren, dass er den Kram endlich wiederveröffentlichen soll und er sagt immer wieder, dass er es machen will und tut es dann doch nicht. Aber ich denke, der Fluch ist endlich gebrochen denn er scheint es nun wirklich demnächst zu tun. Als erstes wird es einen Rerelease der BRICK MISTRESS-Sachen geben. Das war die Band, in der er war, bevor er sein Soloprojekt gestartet hat. Danach bekommen wir dann hoffentlich endlich einen ordentlichen Release von “Virtual Insanity”. Es gibt eine Menge Material, viel mehr als die sechs Songs vom Demo und ich denke er wird vermutlich alles davon veröffentlichen. Die Leute werden überrascht sein! Meiner Meinung nach ist “Virtual Insanity” eines der besten Metal-Demos aller Zeiten. Die ganze Band war killer und die Songs waren großartig. Dadurch habe ich Tim´s Stimme zum ersten Mal gehört und es wird für mich immer zu den Grundlagen gehören.

Ich würde wirklich gerne mal ein Projekt von dir und Ulle (ex-LANFEAR, SEPTAGON, THEM) hören. Ich weiß ja, dass ihr euch kennt und einige musikalische Interessen teilt. Habt ihr jemals darüber gesprochen, etwas zusammen zu machen?

Nicht konkret, nein. Ich bin etwas zögerlich dabei Nebenprojekte anzufangen, weil ich befürchte, dass dies den Output von PHARAOH noch mehr verlangsamt. Aber PHARAOH wird es nicht ewig geben und es gibt etwa ein Dutzend Typen, mit dene ich gerne mal was machen würde. Ulle ist defintiv einer davon. Er ist einer der coolsten Typen die ich kenne, talentiert und hat natürliche einen sehr guten Geschmack, was Metal angeht, von seiner fragwürdigen Liebe für kitschigen AOR mal abgesehen.

Was hälst du von SEPTAGON und THEM? Ich persönlich mag beide Bands sehr.

Beide sind großartig! Ich habe ein Solo auf dem ersten THEM-Album gespielt. Sie sind eine sehr talentierte Band aber auch unterhaltsam auf eine Art, wie man sie bei viel zu wenigen neueren Metalbands findet. Live sind sie ebenfalls großartig. Und trotz der oberflächlichen Ähnlichkeiten zu KING DIAMOND haben sie musikalisch, ungeachtet des Gesangs, nicht viel mit dem KING zu tun. Die Band ist ein Mordsspaß!

SEPTAGON sind großartig weil sie eine der wenigen Retro-Thrash-Bands sind, die sich an den melodischen Bands wie HEATHEN, FORBIDDDEN oder HOLY TERROR orientiert. All die anderen neuen Thrash-Bands klingen nach SLAYER, EXODUS, TESTAMENT und vielleicht frühen KREATOR oder schlimmer, D.R.I.. Crossover ist scheisse. Wir brauchen mehr Bands wie SEPTAGON und SACRAL RAGE.

Ihr wart die erste Band auf Cruz Del Sur, euer Debüt war die erste Veröffentlichung des Labels. Was sind deine Top 5-Alben auf Cruz Del Sur die nicht von euch sind?

Wow, das ist eine schwere Frage! Enrico hat eine Tonne von Klassiker-Alben veröffentlicht. Ich beschränke es mal auf ein Album pro Band aber selbst das ist schwer. Die beiden SACRAL RAGE Alben auf Cruz Del Sur sind zum Beispiel beide gleich großartig. Also los:

1. HAMMERS OF MISFORTUNE: “The August Engine
2. WHILE HEAVEN WEPT: “Vast Oceans Lachrymose
3. SACRAL RAGE: ” Illusions in Infinite Void”
4. SLOUGH FEG: “Atavism
5. ARGUS: Beyond the Martyrs

Außerdem erwähnenswert: WALPYRGUS: “Walpyrgus Nights”, DARKEST ERA: “Severance” und SEPTAGON: “Apocalyptic Rhymes”.

Welcher ist dein liebster Dinosaurier?

Generell habe ich wirklich Ehrfurcht vor den super großen wie dem Brontosaurus aber da bin ich nicht mehr auf dem Laufenden. Es gibt da ja ein paar die um den Titel des größten Dinos kämpfen, teilweise nur auf Basis eines einzigen Überschenkelknochens oder so. Um aber mal einen spezifischen zu wählen gehe ich in eine komplett andere Richtung und wähle den Ankylosaurus. Den fand ich schon immer cool aber er ist warum auch immer der Lieblings-Dinosaurier meines Sohnes. Das ist gut genug für mich!

Wir haben damals ein Interview gemacht, als die Kandidaten der Demokraten Hillary Clinton und Barrack Obama um die Präsidentschaftskandidatur gekämpft haben. Damals sagtest du “Ich denke es ist unmöglich, dass wir einen noch schlechteren Präsidenten als George Bush kriegen werden”. Möchtest du mit Blick auf die letzten paar Jahre bei dieser Aussage bleiben?

Mit dieser Vorhersage wahr ich wohl etwas voreilig. Obwohl – Trump war zwar vermutlich schlechter für die amerikanische Demokratie, ist vermutlich die dümmste und abscheulichste Person, die dieses Amt je bekleidet hat und von der Korruption fangen wir gar nicht erst an – aber ich wäre nicht sicher, dass er schlimmer für die Welt war als George Bush. Die Kriege in Afghanistan und im Irak sowie der Krieg gegen den Terrorismus sind Katastrophen, welche, was die Todeszahlen angeht die schlimmsten von Trumps diversen Katastrophen in den Schatten stellen. Die Republikaner sind ein rassistischer Todeskult, der von den unmoralischen Reichen als Waffe genutzt wird. Und sie werden vermutlich nie wieder einen Kandidaten finden, der wenigstens so halbwegs akzeptabel wie George Bush war.

“The Powers That Be” – das bisher politischste Album der Band

 

PHARAOH haben schon immer politische Themen in subtiler und impliziter Art aufgegriffen. “The Powers That Be” fühlt sich für mich wie euer bisher politischstes Album an. Würdest du da zustimmen?

Absolut! Es war hart beim Songwriting während der Pandemie auf fröhliche Gedanken zu kommen. “The Powers That Be” handelt von den bösen Kräften in unseren Regierungen und den Leuten hinter ihnen.

Wie ich von dir weiß ist Tim ein Libertärer, daher ist es nicht schwer zu erraten, das bestimmte Texte zumindest teilweise von ihm sind.

Tims politische Einstellung ist irgendwie unergründlich. Ich wäre mir nicht so sicher, ob er noch so libertär ist, wie er es mal war. Aber das ist eine übliche Entwicklung bei Libertären, sobald sie plötzlich mal auf die Hilfe von Fremden angewiesen sind. Aber ja, das sind Tims Texte ha ha ha. Vor ein paar Alben hat er der Sonne mit der Faust gedroht, es gibt also wirklich keine Macht, der Tim sich nicht entgegenstellen würde.

“Will We Rise” scheint so etwas wie ein Weckruf zu sein. Komm aus deiner Komfortzone, du musst handeln, wenn du willst das Dinge sich zum besseren verändern.

Ich habe den Text während des Lockdowns geschrieben. Es war tatsächlich der letzte, den wir für das Album fertiggestellt haben. Ich habe Monate damit verbracht den Text zu überarbeiten und ihm den letzten Schliff zu geben da ich das erste Mal in meinem Leben das Gefühl hatte, dass ein signifikanter Teil der Bevölkerung die Gelegenheit hatte sich Gedanken über die Notwendigkeit des ganzen bullshit zu machen, dem wir uns täglich unterwerfen. So viel Leid an den Arbeitsplätzen hat sich als völlig unnötig und bewusst auferlegt erwiesen. Auf der Arbeit, zu Hause, auf der Straße. So sollten Menschen nicht leben, tun wir also was dagegen?

Es gibt da auch eine Textstelle, die man explizit auf die Pandemie beziehen könnte aber auch auf die immer mehr gespaltene Gesellschaft.

Covid19 scheint fast schon speziell dazu designed worden sein, die Uneinigkeiten in unserer Gesellschaft aufzuzeigen.

“Lost In The Waves” könnte von Flüchtlingen handeln die vor Krieg, Terror und Armut fliehen und versuchen einen Platz zu finden, an dem sie ein besseres Leben führen können. Tausende von ihnen ertrinken im Mittelmeer, was die Schande Europas ist. Wir können und müssen besser handeln als wir es momentan tun.

Chris Black hat den Text geschrieben und ich denke immer noch darüber nach, was er bedeutet. Ich könnte ihn wohl einfach fragen. Die syrische Flüchtlingskrise ist verdammt deprimierend und ja, Europa und vor allem die USA sollten hier mehr tun aber Amerika hat jegliche humanitäre Autorität die es mal hatte abgelegt. Die Welt sollte mehr vom Mut und Anstand zeigen, den Merkel 2015 gezeigt hat. Ich würde mich nicht als besonders vertraut mit deutscher Politik bezeichnen aber ihre Führung bei der Integration von Flüchtlingen ist konkurrenzlos in unserer modernen Welt und dafür respektiere ich sie.

Da ich viel zu viel Zeit gebraucht habe um dieses Interview fertig zu bekommen, wurde der Songtitel auf andere Weise zu einer bitteren Realität in der Nähe meines Wohnortes. Aufgrund massiver Regenfälle kam es hier zu Überflutungen die ganze Dörfer und Städte zerstört haben. Viele haben ihr Leben in diesen Wellen verloren als die Natur uns einen Vorgeschmack auf das gab, was in den nächsten Jahrzehnten kommt.

Die Bilder der Überflutungen in Deutschland die ich gesehen habe waren schrecklich. Ich habe gehört, dass Leichen von Kindern aus Bäumen geborgen wurden. Der Horror einer Flut ist eine grauenhafte Vorstellung. Mein Tipp wäre, dass Chris den Song geschrieben hat um über den Klimawandel zu reden, denn letztendlich geht es um Menschen die in der Gegenwart ihr Leben verlieren um einen Vertrag zu ehren, der von lange verstorbenen Vorfahren entworfen und unterschrieben wurde, die nur allzu gern die Zukunft ihrer Kinder für Reichtum versetzt haben.

Ich mag den Text, den du für “Dying Sun” geschrieben hast sehr. Gehe ich recht in der Annahme, dass er von der Klimakatastrophe handelt, die jahrzehntelang ignoriert wurde und uns nun in den Arsch beißt?

Das ist eine valide Interpretation aber ich habe den Text geschrieben um eine deutlich persönlichere Geschichte zu erzählen. Der Titel und ein Teil Symbolik wurden von Jack Vance´s “Dying Eart” Romanen inspiriert, einer Reihe von Fantasy Romanen, die in den letzten Tagen des Lebens auf Erden spielen, wenn die Sonne rot geworden ist, in Erwartung ihres Erlöschens. Ich habe dieses Szenario genutzt um über Depression nachzudenken und die Art wie sie die Vergangenheit schöner und die Gegenwart und Zukunft hoffnungsloser erscheinen lässt. Die letzte Hälfte des Songs ist eine Art Zurückweisung der ersten Hälfte, da der Erzähler sich bemüht Wert und Bedeutung im Leben zu finden, selbst in einem welches vorbestimmt ist, ohne eine Pause vom Leid zu enden.

“Ride Us To Hell” könnte ein Song über die letzten vier Jahre sein, in denen Donald Trump Präsident war. Mir fällt es immer noch schwer zu verstehen, wie die Menschen auf ein solches Arschloch reinfallen konnten. Einen rassistischen, sexistischen, vulgären Typen der es irgendwie geschafft hat, Millionen von Menschen davon zu überzeugen, dass ein korrupter Milliardär der Retter der Arbeiterklasse sei.

Das ist genau das, was man herausliest aber der Text entstand vor seiner Präsidentschaft! Wenn das eine selbsterfüllende Prophezeiung war, schulde ich Chris Black den Arschtritt seines Lebens dafür ha ha ha. Es ist unglaublich, wie ein Song über einen Cartoon-mäßigen politischen Bösewicht letztendlich prophetisch wurde. Wir leben in einer ziemlich beschissenen Zeit. Und wo wir gerade von Prophezeiungen reden, geh mal zurück und lies den Text zu “The Wolves” von “Bury The Lights”. Ich hab den verdammten Nagel auf den Kopf getroffen.

Und was mich noch mehr schockiert ist, dass selbst jetzt noch so viele Menschen inklusive des Großteils der Republikaner hinter ihm zu stehen scheinen und selbst seine offensichtlichsten Lügen wie die gestohlene Wahl noch geglaubt und unterstützt haben.

Richtig. Und “Stop the Steal” wurde tatsächlich schon 2016 ausgeheckt. Es war der ursprüngliche Plan für seine damals noch scheinbar unvermeidliche Niederlage. Ich vermute Mal, sie haben keinen Sinn darin gesehen, einen dermaßen guten bösen Plan zu verschwenden. Es ist hart zu verarbeiten, dass Leute auf diese Scheisse reinfallen können. Ich weiß wirklich nicht, wie das passiert, denn ich denke, dass Leute, die so blöd sind es nicht durchs Leben schaffen würden, ohne bei Regen zu ersaufen wie der Truthahn aus der Legende.

Menschen sind wegen dieser Lügen gestorben als ein Mob von Irren, unter ihnen Jon Schaffer von ICED EARTH, das Kapitol gestürmt hat. Es mag in Deutschland (noch) nicht so extrem zugehen aber auch wir haben eine Menge Menschen, die entgegen aller Fakten und Trotz Beweisen, dass sie belogen werden, nahezu jeden Scheiss glauben, den ihnen bestimmte rechte Parteien und ähnliche Freaks erzählen. Das macht mir manchmal wirklich Angst…

Ja, es sind nicht nur die Vereinigten Staaten und es ist nicht nur Trump. Trump ist nur ein Symptom, Orban ist ein Symptom, Duda ist ein Symptom. Chodi ist ein Symptom. Reaktionäre Gier und Bigotterie sind die Krankheiten. Der Aufruhr am Kapitol war erschreckend und die Leichtfertigkeit mit der seine Sympathisanten im Kongress es auszublenden ist furchterregend. Schaffer ist mit einem blauen Auge davongekommen. Ich hoffe, er taucht nie wieder in unserer Szene auf.

Was hältst du von Biden und dem generellen Zustand der demokratischen Partei? Werden die Dinge wirklich besser bei den wichtigen Themen wie dem tiefgehenden Rassismus in der Gesellschaft und noch mehr der scheinbar unabwendbaren Klimakatastrophe?

Biden ist ein Institutionalist und hat als solcher nicht die Mittel, die es braucht um aufzuräumen. Zuviele der demokratischen Führer sind einfach zu alt, um nützlich zu sein. Sie haben keinerlei Bezug zu den echten Umständen und sind in vielen Fällen hoffnungslos von Konzernlobbyismus vereinnahmt. Aber selbst eine jüngere, progressivere demokratische Partei würde von den Strukturen unserer Regierung gelähmt, welche von Perücke tragenden Sklavenhaltern im Achtzehnten Jahrhundert entworfen wurde.

Rassismus ist einfach das, was in den USA Sache ist und das ist so weil es ein einfacher Weg ist die Unterschicht zu erhalten, die für das Funktionieren des Kapitalismus benötigt wird. Guillotinen wären hier die schnellste Heilung aber die Leute, die welche bauen könnten sind damit beschäftigt McMansions (Abwertender Begriff für billig und massenhaft produzierte große Villen -> https://en.wikipedia.org/wiki/McMansion – Anmerkung des Verfassers) für Finanzjongleure und mittlere Petrochemie-Manager zu errichten.

Was den Klimawandel angeht, denke ich nicht, dass es eine Nation auf Erden gibt, die bereit ist die nötigen Opfer zu bringen, die nötig wären um die Katastrophe aufzuhalten. In der Hinsicht sind wir gefickt und unsere einzige Hoffnung ist irgendeine unvorstellbare technische Innovation.

Einige Songs haben wohl persönlichere Texte. “Waiting To Drown” könnte als Text über Depressionen oder ähnliche Krankheiten gelesen werden. Der Text ist von Tim, ist er autobiographisch?

Der Text ist von Tim und ja, er ist vermutlich zumindest teilweise autobiographisch. Ich bin ziemlich sicher, dass er “Zusammenfluss” (confluence) in seinem Vokabular hat, denn er lebt in Pittsburgh, wo die Flüsse Allegheny und Monongahela zusammenfließen. Der Song ist ziemlich trostlos. Der Cousin meiner Frau, dem wir sehr nahe standen, hat sich letzte Woche das Leben genommen. Ich habe daher eine Menge über die fruchtbare Macht der Verzweiflung nachgedacht. Holt euch Hilfe, Leute!

“When The World Was Mine”… Leben in der Vergangenheit, festhalten an besseren, lange vergangenen Zeiten?

Ich lese das wortwörtlich – es handelt von jemandem der lieber träumen als leben würde. Jetzt wo ich darüber nachdenke, könnte man es fast als Vorläufer zu “Dying Sun” verstehen, welches kurz darauf folgt.

“Ich konzentriere mich jetzt darauf für das neue Album zu schreiben” – Ob das nächste PHARAOH-Album noch vor dem Ende physischer Tonträger erscheinen wird?

Kommen wir mal zu was leichterem. Welche Alben haben dieses Jahr bisher den größten Eindruck bei dir hinterlassen?

Mein Album des Jahres bisher ist vermutlich “Ne Plus Ultra” von TERRA ODIUM. Das ist quasi die Vereinigung von SPIRAL ARCHITECT und MANITOU (die norwegischen, nicht die schäbigen Finnen) mit Steve DiGiorgio dazu geworfen. Es ist ein tiefgründiges und umwerfendes Album. Das lange erwartete neue Album von CANVAS SOLARIS heißt “Crhomosphere” und ist großartig, möglicherweise ihr bestes bisher. Völlig genial. Es kam einiges an starkem technischen Thrash raus in letzter Zeit, das beste davon ist wohl “Animate/Isolate” von OBSOLETE allerdings haben SIDEREAN und TERMINALIST hervorragende EPs produziert. Ich bin schockiert, wie gut das neue RAVEN-Album ist. Scheinbar war es Joa Hasslevander, der die Band die ganze Zeit ausgebremst hat. Wer hätte es gedacht? Für mich ist “Metal City” ihr bestes Album seit “Architect Of Fear aus dem Jahr 1991, welches mein liebstes RAVEN-Album ist – nehmt das, NWOBHM-Nerds! BOLT THROWERK-Klone haben gerade einen Moment und ich bin dabei! CHAINSWORD aus Polen haben ein starkes Album namens “Blightmarch” veröffentlicht, welches den “Warmaster”-Vibe wirklich gut einfängt. Es gibt ein neues !T.O.O.H.!-Album aber das ist keine Band, die man sich anhört um eine gute Zeit zu haben ha ha.

Und nun zu etwas völlig anderem. Ich bin ein großer Fan von LAURA MVULA und sie hat endlich ein neues Album draußen, welches auf den Namen “Pink Noise” hört. Das ist eine Mischung aus Synthies, 80er R&B wie BILLY OCEAN oder WHITNEY HOUSTON, verarbeitet durch ihre charakteristische, poppige Empfindsamkeit. Ein tolles Album! Ansonsten kaufe ich eine Menge alten Jazz und obsucre Metal-Wiederveröffentlichungen weil ich schon alles besitze, das nicht obskur ist. Ich meine, scheisse, die PARADOXX EP wurde tatsächlich wiederveröffentlicht! Wenn die es können, dann schaffen PSYCHO SCREAM das auch ha ha!

Was sind eure nächsten Pläne mit PHARAOH? Ich vermute mal, wir werden weiterhin keine Welttournee bekommen, selbst wenn die verdammte Pandemie endlich unter Kontrolle ist?

Ich würde sehr gerne live spielen und ich würde sehr gerne in Europa touren. Ich habe keine Ahnung ob wir es tun werden. Das hängt nicht an mir, glaub es oder nicht. Ich wäre aber überrascht, wenn wir nicht wenigstens ein paar Festivals spielen würden. Ich konzentriere mich jetzt darauf für das neue Album zu schreiben, denn ich befürchte, wenn wir nicht sofort anfangen werden wir es niemals fertig bekommen. “The Powers That Be” wird schwer zu toppen, ich versuche das Songwriting also aus neuen Blickwinkeln zu betrachten in der Hoffnungen, durch methodische Änderungen Inspiration zu finden. Wünsch mir Glück!

Das war es, du hast das Ende des Interviews erreicht. Danke für deine Zeit und noch mehr für die Musik! Die letzten Worte sind dir.

Danke für dein fortwährendes Interesse! Während die Jahre verstrichen habe ich mir immer gedacht, dass PAHARAOH eine Undergroundband sind und wenn wir endlich ein Album draußen haben, kümmert es niemanden, wie lange es gedauert hat. Und ich realisiere jetzt, dass es dumm war das zu denken. Ich weiß die Beharrlichkeit all jener zu schätzen die am Ball geblieben sind. Hoffentlich schaffen wir sechs Alben zusammen!