SLOUGH FEG: Atavism

SLOUGH FEG: Atavism

Drei Jahre, nachdem das Kult-Quartett aus San Francisco mit Traveller einen Ausflug in Science Fiction-Gefilde wagte, meldet man sich endlich mit einem neuen Album und beschnittenem Bandnamen zurück. Dass Atavism ein Schritt zurück zu den Frühwerken der Band ist, wird bereits durch das Cover-Artwork auf wunderbare Weise verdeutlicht. Was könnte diese Entwicklung zurück zu den Wurzeln besser symbolisieren als die Darstellung von Urmenschen in einer Höhle? Diese Rückbesinnung zeigt sich sowohl in der Produktion als auch in der Musik. Erste ist sehr roh ausgefallen – leider aber auch wenig druckvoll, wie es auf den ersten beiden Alben der Fall war. Musikalisch geht man ebenfalls wieder ungestümer zu Werke, und der Anteil an folkigen Melodien ist wieder etwas gestiegen. Doch das Cover hat natürlich auch einen Bezug zum textlichen Konzept, bei dem es um einen Urmenschen geht, der mit den Gegebenheiten der modernen Welt konfrontiert wird.

Musikalisch bekommt man auf Atavism also in nicht einmal vierzig Minuten genau das, was man von SLOUGH FEG erwartet: kauzigen, wilden 80er-Metal, geprägt durch keltische Melodien und einen starken Einfluss der ganz frühen IRON MAIDEN, aber auch durch die charismatische Stimme des Mike Scalzi – technisch kein Großer, aber der raue Gesang klingt originell und passt perfekt zur Musik der Amerikaner. Da treffen eigenwillige Gitarrenriffs auf mitreißende Gitarrenharmonien, Bassist Adrian Maestas lässt eine coole Basslinie nach der anderen vom Stapel, lässt sich nicht durch die Gitarrenriffs einengen, und Schlagzeuger Greg Haa macht von sämtlichen Bestandteilen seines Drumkits ausgiebig Gebrauch und begeistert mit energiegeladenem und detailreichen Spiel.

Auffällig ist, dass sich SLOUGH FEG auf ihrem fünften Album noch weniger um Konventionen scheren, als sie es schon in der Vergangenheit taten. Viele der dreizehn Stücke sind gerade mal ein oder zwei Minuten lang, oft rein instrumental gehalten, und sind streng genommen nur Songfragmente. Denkt man in gängigen Mustern, muss man zu dem Schluss kommen, dass solche Fragmente noch weiter ausgearbeitet werden müssten zu vollwertigen Songs. Kaum hat einen das einprägsame Riff von Agnostic Grunt gepackt, hat mit High Season V auch schon das nächste Stück angefangen. Dieses wiederum geht umgehend in den genialen Starport Blues über, bei dem ganz neue stimmliche Facetten von Scalzi offenbart werden. Sicher, man hätte die Vielzahl an Ideen, die auf Atavism verbraten werden, jeweils zu richtigen Songs ausarbeiten können, anstatt diese nur anzureißen. Doch im Albumkontext funktionieren diese Songfragmente erstaunlich gut. SLOUGH FEG haben eine Vorliebe für fließende Übergänge entwickelt, und so merkt man oft gar nicht, dass ein neues Lied begonnen hat, vielmehr wirkt Atavism wie ein großes, schlüssiges Gesamtwerk.

Down Among The Deadmen, bei dem der Spagat zwischen einem druckvollen und rauen, altmodischen Sound perfekt gemeistert wurde, bleibt zwar unerreicht, auch kompositorisch. Das ändert jedoch nichts daran, das Atavism ein wirklich starkes, vor Spielfreude strotzendes Album ist, an dem Fans von Bands wie MANILLA ROAD oder BROCAS HELM ihre helle Freude haben werden.

Veröffentlichungstermin: 23.05.2005

Spielzeit: 38:05 Min.

Line-Up:
Mike Scalzi – Gitarre und Gesang

Greg Haa – Schlagzeug

John Cobbett – Gitarre

Adrian Maestas – Bass
Label: Cruz Del Sur Music

Hompage: http://www.slough-feg.com

Email-Adresse der Band: sloughfeg@slough-feg.com

Tracklist:
1. Robustus

2. I Will Kill You/You Will Die

3. Portcullis

4. Hiberno-Latin Invasion

5. Climax Of A Generation

6. Atavism

7. Emaeus The Swineherd

8. Curse Of Athena

9. Agnostic Grunt

10. High Season V

11. Starport Blues

12. Man Out Of Time

13. Agony Slalom

14. Atavism II