PHARAOH: Bass spielende Schlagzeuger und zufällige Star Wars-Melodien

Mit ihrem dritten Album "Be Gone" haben PHARAOH nach dem großartigen Vorgänger "The Longest Night" erneut ein herausragendes, melodisches US Power Metal-Album veröffentlicht. Außerdem bestritt die Band dieses Jahr auf dem KEEP IT TRUE X ihren ersten Live-Auftritt überhaupt. Es gab also genug Gründe, sich mal eingehend mit Gitarrist Matt Johnsen zu unterhalten.

Mit ihrem dritten Album Be Gone haben PHARAOH nach dem großartigen Vorgänger The Longest Night erneut ein herausragendes, melodisches US Power Metal-Album veröffentlicht. Außerdem bestritt die Band dieses Jahr auf dem KEEP IT TRUE X ihren ersten Live-Auftritt überhaupt. Es gab also genug Gründe, sich mal eingehend mit Gitarrist Matt Johnsen zu unterhalten.

 

 

PHARAOH existieren jetzt schon fast ein Jahrzehnt. Die Band hat als Projekt angefangen. Als was würdest du PHARAOH heute bezeichnen? Eine Band, ein Projekt oder etwas dazwischen?

PHARAOH sind definitiv insofern eine richtige Band, als dass wir seit dem Beginn dieselbe Besetzung haben und wirklich gut als Einheit zusammenarbeiten. Wir haben jetzt schon ein paar Alben veröffentlicht und auch zusammen gespielt. Wir werden wohl niemals die Art von Band sein, die monatelang tourt oder so. Andererseits ist PHARAOH für mindestens drei von uns die kreative Hauptbeschäftigung. Es gibt nur einen von uns, der noch viel Zeit mit anderen Projekten verbringt und das ist unser Schlagzeuger Chris Black. Man könnte also sagen, dass es für ihn eine Art Projekt ist, auch wenn diese Band die meiste Aufmerksamkeit erhält. Also sind vielleicht eher die anderen Bands ein Nebenprojekt zu PHARAOH. Für mich fühlen sich PHARAOH auf jeden Fall wie eine Band an.

 

Ist es wahr, dass ihr Tim Aymar das erste mal NACH dem Release von The Longest Night getroffen habt?

 

Das trifft auf mich nicht zu, ich habe Tim bereits zuvor getroffen. Wir haben damals ein paar Songs für eine IRON MAIDEN-Compilation zusammengestellt und da habe ich mich mit ihm getroffen, auch später wegen dem Bandphoto. Das war einige Zeit – ungefähr zwei oder drei Jahre – vor dem Release von After The Fire. Die anderen hatten ihn da aber noch nicht getroffen. Wir nehmen alle Sachen einzeln auf und normalerweise sind die anderen Leute nicht da, wenn jemand etwas aufnimmt. Aber es ist mein Job den Überblick über die Sachen zu behalten. Die anderen waren also nicht da, als Tim aufgenommen hat. Ich hatte eine Menge mit ihm zu tun als After The Fire raus kam. Etwa anderthalb Jahre nach der Veröffentlichung von After The Fire haben wir dann einen Vertrag für The Longest Night unterschrieben und das war der Zeitpunkt, als wir alle zusammengefunden haben. Das ist sicher etwas anders als bei den meisten anderen Bands.

 

Probt ihr denn regelmäßig?

 

Nein, wir proben nie. Wir haben als komplett Band etwa eine Woche vor unserem Auftritt in Deutschland geprobt, aber ansonsten noch nie. Vor dem ersten Album haben die beiden Chrisses, also Chris Black und Chris Kerns und ich uns an zwei Wochenenden getroffen, um an einigen Sachen zu arbeiten. Im Juli 2004 habe ich mich noch mal mit Chris Black getroffen, um an einigen Songs für The Longest Night zu werkeln. Aber wir haben noch nie alle in einem Raum zusammen an Songmaterial gearbeitet oder so.

 

Vor ein paar Wochen habt ihr auf dem KEEP IT TRUE X euren ersten Auftritt überhaupt gespielt.

 

Ich habe seit Mitte der Neunziger, als ich mit Freunden auf dem College in einer Coverband gespielt habe, nicht mehr mit einer Band auf der Bühne gestanden. Ich denke mal, dass alle anderen etwas mehr Bühnenerfahrung in der letzten Zeit hatten. Chris Black spielt regelmäßig mit seiner Band SUPERCHRIST. Tim hat seit vier oder fünf Jahren keinen Gig mehr gespielt. Er hat noch eine andere Band namens VICIOUS CYCLE in Pittsburgh, mit der er einige Gigs absolviert hatte. Es ist für die meisten von uns also schon eine Weile her.

 

Warum hat es so lange gedauert mit PHARAOH live aufzutreten?

 

Es ist einfach zu schwer zu organisieren. Wenn wir Songs schreiben oder aufnehmen, können wir uns die Songs auf CD oder mp3 schicken. Das können wir über große Entfernung tun, aber wenn man proben will, um sich sicher zu fühlen wenn man live spielen möchte, sollte man natürlich zusammen sein. Fakt ist aber, dass Tim etwa tausend Meilen südlich von mir in Florida lebt und Chris Black etwa tausend Meilen nördlich von mir in Michigan. Lediglich Chris Kerns lebt nur ein paar Stunden Fahrt von mit entfernt. Wir sind also geographisch nicht wirklich zentriert. Um alle zusammen zu bekommen, müssen wir Leute einfliegen, die müssen sich von ihren Jobs frei nehmen. Das ist nicht so wie bei einer normalen Band, wo alle in derselben Stadt leben und man sich Mittwochs nach der Arbeit zum Proben trifft. Es war ein monumentaler Aufwand, alle Leute zusammen zu bekommen. Da war also die logistische Komponente auf der einen Seite. Andererseits sind wir alle schon etwas älter und machen diese Musik als Hobby. Und eine Sache die uns wichtig ist, ist, dass wir kein Geld verlieren wollen. Viele, vor allem junge Bands sind bereit nur ein Erdnußbutter-Sandwich am Tag zu essen und beschissene Jobs anzunehmen, um nur genug Geld zu haben, um Sprit für den Tourbus zu bekommen. Das ist nicht wirklich das, was wir machen wollen. Wir wollen gute Musik machen, wir haben nichts dagegen live zu spielen, wir wollen es nur nicht tun, wenn es sich für uns nachteilig auswirkt. So kann man diesen speziellen Haufen Jungs nicht glücklich machen. So wie es ist sind wir sehr glücklich. Wir machen Alben, sind mit denen sehr zufrieden und bekommen auch entsprechend Aufmerksamkeit dafür. Das reicht, um uns zufrieden zu stellen. Aber wenn weiter Angebote für Festivals und ähnliche Sachen kommen, bei denen wir nicht zweitausend Dollar zusammenkratzen müssen, um über den Teich zu fliegen, werden wir das berücksichtigen, denn wir haben es definitiv genossen live zu spielen. Ich denke, dass wir etwas wirklich Interessantes auf die Bühne bringen würden.

 

Ihr würdet also nicht wie Joey DeMayo für den Metal sterben?

 

Nicht wirklich, ich will vor allem sicher nicht für den Metal hungern. Ich denke, dass auch Joey DeMayo nicht für den Metal sterben will. Er ist ja auch absolut nicht in der Position dafür, ha ha ha.

 

Wie hat es sich angefühlt zum ersten Mal mit der Band auf der Bühne zu stehen?

 

Es war fantastisch und es hat ganz schön an den Nerven gezerrt. Die meisten Bands spielen ihren ersten Auftritt vor ein paar Leuten in einer runtergekommenen Bar und wir spielen vor tausend wirklich beinharten Fans aus Deutschland. Das war etwas erschreckend, aber andererseits waren die Fans wirklich wahnsinnig und haben uns sehr willkommen geheißen. Einfach nur auf der Bühne zu sein und diese Musik mit den Jungs live zu spielen war aufregend. Wir hatten wirklich eine gute Zeit. Niemand würde wohl sagen, dass der Auftritt perfekt war, eher weit davon entfernt, aber wir haben einen guten Job gemacht. Für den ersten Gig war es okay und wir würden das gerne wiederholen und besser machen.

 

PHARAOH
 Macht auch am Bass eine gute Figur – PHARAOH-Drummer Chris Black

Warum hat euer Original-Drummer Chris Black es nicht zum Auftritt geschafft?

 

Chris Black war da. Das ist etwas verwirrend. Unser Bassist Chris Kerns konnte aus beruflichen und familiären Gründen nicht kommen. Also brauchten wir einen Bassisten. Ich habe ja schon erwähnt, dass unser Drummer Chris Black auch noch bei SUPERCHRIST spielt. Dort spielt er Bass und singt, also fühlt er sich wohl dabei, Bass zu spielen. Er dachte, dass es einfacher für ihn wäre, sich schnell die Bass-Parts drauf zu schaffen. Wenn du Gitarre spielst, kannst du auch in einer kleinen Wohnung üben solange du willst, ohne dass es jemanden stört, aber wenn du als Drummer kein großes Haus oder einen Proberaum hast, in dem du dein Drumkit aufbauen kannst, hast du halt Pech gehabt. Und das war halt mehr oder weniger die Situation in der Chris Black sich befand. Also wollte er Bass spielen und dann haben wir uns entschieden nach einem Schlagzeuger zu suchen, der die Zeit investieren konnte, die Parts zu üben. Wir haben dann Hunter Ginn gefragt, der in einer großartigen Band namens CANVAS SOLARIS spielt. Er wollte das auch machen, aber in letzter Sekunde ist ihm was dazwischen gekommen, also hat Chris Black einen alten Freund angerufen, den er seit zehn Jahren oder so nicht gesehen hatte, und hat ihn gefragt. Sein Name ist Scott Haskin und er wohnt glücklicherweise nur etwa eine dreiviertel Stunde Fahrt von mir entfernt. Also haben wir uns zwei Monate vor dem Auftritt ein oder zweimal die Woche getroffen und das Rhythmus-Grundgerüst ausgearbeitet. Als wir dann für die letzte Probe zusammen gekommen sind, hatten wir immerhin zwei Leute auf den üblichen Positionen. Das hat super geklappt, Scott ist wirklich ein unglaublicher Schlagzeuger. Ich wage mal zu sagen, dass er der beste Musiker auf der Bühne war. Er unterrichtet Schlagzeug und Gitarre hauptberuflich. Es war echt merkwürdig mit ihm zu spielen, denn er hatte alle Drumparts von Chris Black aufgeschrieben und hatte diese Drum-Transcriptions auf einem Ständer und spielte sie genau nach. Er ist auch ein wirklich cooler Typ und hat die ganze Aktion zu einer problemlosen Sache gemacht. Ich weiß aber nicht, ob dies das Line-up ist, mit dem wir in Zukunft auftreten werden, denn wir würden gerne mit dem tatsächlichen Line-Up auftreten. Wahrscheinlich plus Mat Crooks weil PHARAOH mit einer Gitarre einfach schrecklich klingen. Das kommt aber alles auf die Umstände an, wenn die entsprechende Show stattfindet.

 

Welche Bands hast du dir auf dem KEEP IT TRUE X angesehen und welche haben dir am besten gefallen?

 

Was ich am meisten bedauere ist, dass ich nicht genug Konzerte gesehen habe. Wir mussten Interviews machen, üben, und so weiter. Ich habe aber ein paar Bands gesehen und was mir am meisten gefallen hat waren OMEN. Und zwar hauptsächlich weil ich von denen überhaupt nichts erwartet habe, denn die neuen Sachen der reformierten OMEN aus den letzten zehn Jahren klingen einfach furchtbar. Ich denke, dass die Sache mit dem Last-Minute Ersatz-Sänger der Band den nötigen Tritt in den Arsch verpasst hat, denn der Kerl war fantastisch und die Setlist war unglaublich. JAG PANZER waren großartig aber das sind sie immer. Ich habe sie ein paar Mal gesehen und es ist schwieriger sich noch so zu begeistern, wenn man eine Band zehn oder zwölf Mal gesehen hat. TITAN FORCE waren cool zu sehen. Harry ist natürlich unglaublich, TITAN FORCE als Band sind nicht so stark wie JAG PANZER, aber es war trotzdem eine interessante Sache. Ich war wirklich traurig nur zwei oder drei Songs von HEATHEN gesehen zu haben, denn die waren großartig! Ich wünschte, ich hätte mehr davon gesehen. MANILLA ROAD habe ich auch gesehen, die waren wirklich gut. Die hatte ich schon mal früher gesehen, aber diesmal waren sie noch besser. Ich bin kein großer Fan der Band, habe ein paar Alben, aber es ist schwer sie anzuhören. Auf der Bühne sind sie aber fantastisch, sie haben wirklich einen exzellenten Auftritt hingelegt. Von HELSTAR habe ich ein bisschen was gesehen. Sie waren gut aber Remnants Of War ist nicht mein Lieblingsalbum von HELSTAR und ich habe ihnen daher nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt und stattdessen mit ein paar Leuten gesprochen, die ich auf dem Festival getroffen habe. Ich habe auch noch ein paar andere Bands gesehen aber immer nur ein paar Songs. Ich hätte wirklich gerne mehr von CRESCENT SHIELD gesehen aber wir haben uns gerade aufgewärmt als sie gespielt haben, also habe ich nur anderthalb Songs vom Bühnenrand aus gesehen. Jede Band, die ich gesehen habe, hat einen großartigen Auftritt hingelegt und jeder Sänger war fantastisch. Es war also eine ziemlich großartige Erfahrung, ich hatte wirklich viel Spaß. Ich würde gerne noch mal wiederkommen, nicht als Musiker sondern als Zuschauer. Einfach Bier trinken und Bands sehen.

 

Ich hätte nichts dagegen PHARAOH noch mal zu sehen.

 

Wer weiß, das würden wir sicher nicht ablehnen. Ich hatte so viel Spaß, ich würde gerne einfach noch mal als Fan wieder kommen. Was mir sehr gefallen hat war, dass das Festival nicht so riesengroß ist. Es ist schon erschreckend, ihr habt in Deutschland diese ganzen Mega-Festival mit zehntausenden Fans, Camping und dem ganzen Kram, aber ich mag die kleineren intimen Festivals wie das KEEP IT TRUE lieber.

 

Als ich euch auf der Bühne gesehen habe, ist mir eine Sache aufgefallen: Tim hat sich die Haare abgeschnitten. Was zum Teufel hat ihn denn da geritten?

 

Weißt du, das ist echt witzig. Seit wir in der Band sind hat Tim sich die Haare schon dreimal abgeschnitten und es wächst immer wieder so schnell nach. Das macht mich echt fertig. Meine Haare sind zwar relativ lang, aber ich habe sie auch nicht mehr geschnitten seit ich dreizehn bin und es wächst jetzt nicht mehr weiter. Bei ihm wächst das Haar von Kurzhaarschnitt bis zur Mitte seines Rückens innerhalb von zwei Jahren. Er hat sich die Haare aus demselben Grund geschnitten aus dem das wohl jeder macht, um einen Job zu bekommen. Mit PHARAOH kann man leider nicht die Rechnungen bezahlen. Das ist eigentlich immer der Grund, wegen dem er sich die Haare schneidet. Er sucht einen neuen Job, findet einen und fühlt sich dort wohl. Dann lässt er seine Haare wieder wachsen. Dann wir der irgendwann gefeuert oder kündigt und es wird Zeit für einen neuen Job, so dass er sich wieder die Haare schneiden muss. Die Show fand halt gerade nach so einem Zeitpunkt statt. Als wir zum Proben zusammen kamen, hatte er die kurzen Haare vielleicht für gerade einen Monat. Bei der Probe machte er dann einen Witz darüber, sich einen Mohawk zu schneiden und Chris Black war sofort begeistert, also haben sie das gemacht. Das war echt witzig. Mit seinem normalen Haarschnitt sieht er ein bisschen aus wie Elvis, der Mohawk ist also definitiv zu bevorzugen. Wir werden sehen, wenn wir das nächste Mal spielen hat er vielleicht wieder lange Haare. Chris Black vielleicht auch, er hatte bis vor zwei Monaten auch noch lange Haare. Was soll ich sagen, ich kann diese Poser nicht erklären, ha ha ha.

 

PHARAOH werden häufig als progressive Power Metal-Band bezeichnet. Ich finde nicht, dass die Bezeichnung progressiv wirklich zu euch passt. Wie denkst du darüber, würdest du PHARAOH als progressive Band bezeichnen?

 

Absolut nicht. Ich denke für eine Power Metal-Band bringen wir schon eine Menge verschiedene Elemente, die man sonst nicht hört, was vielleicht eine progressive Tendenz im weitesten Sinne ist. Ich höre persönlich eine Menge progressive Musik, viel Prog Metal und Prog Rock, aber das ist nicht das, worum es bei PHARAOH geht. Nach der geläufigen Definition von Progressive Metal müssten wir lange Songs mit vielen verschiedenen Parts schreiben und so weiter. Das ist nicht was wir machen, wir versuchen eingängige Songs zu schreiben. Ich denke, dass die Arrangements auf unserem aktuellen Album deutlich komplizierter sind als früher. Ich kann irgendwie verstehen, dass diese Label in manchen Reviews auftaucht. Wenn man bestimmte Sounds spielt, löst das bei Leuten bestimmte Assoziationen aus. Bei Speak To Me haben wir diese cleanen Gitarren, die an QUEENSRYCHE erinnern sollen. QUEENSRYCHE sind eine Prog Metal-Band und schon hast du die Verbindung. Ich denke, dass es schon recht weit her geholt ist, PHARAOH als progressive Band zu bezeichnen.

 

Wer schreibt bei euch den Hauptteil der Musik und der Texte?

 

Das ist eines der bemerkenswerten Dinge bei PHARAOH. Wir schreiben alle an den Songs und Lyrics. Wenn du alle Credits zusammen rechnen würdest, hätte ich wohl etwas mehr als alle anderen, aber nicht wirklich viel. Jeder bei uns schreibt Songs, Gesangmelodien und Texte, wodurch wir einen sehr unterschiedlichen Sound von Song zu Song haben. Jeder Song hat einen anderen Charakter, weil der Ursprung der jeweiligen Komposition von einem anderen Musiker stammt. Wir schreiben auch viele Songs zusammen, was man wohl nicht unbedingt erwarten würde, weil wir so weit voneinander entfernt wohnen. Wenn ich Songs schreibe, dann schreibe ich normalerweise die komplette Musik voll arrangiert und schicke den Song dann an Tim, damit er einen Gesangspart schreibt. Ich habe schon im Kopf, welcher Teil die Strophe und welche der Refrain ist, was meistens ziemlich offensichtlich ist, denn für die Strophe willst du einen etwas einfacheren Part, für den Refrain wird es intensiver. Tim macht dann mit dem Song was immer er will, was meistens nicht das ist, woran ich gedacht habe. Dadurch, dass man diese beiden völlig unterschiedlichen Ideen zu diesem Song kombiniert, bekommt man letztendlich eine dritte Version. Zu Cover Your Eyes And Pray hat zum Beispiel Chris Kerns die Musik geschrieben, Tim die Gesangsmeldodie und ich den Text. Bei Speak To Me habe ich die Musik, Tim die Gesangmelodie und Chris Black den Text geschrieben. Bei einigen Songs haben Chris und Tim bei den Texten zusammen gearbeitet, bei einigen Songs haben Tim und ich diese Aufgabe übernommen. Wirklich jeder trägt also zu gleichen Teilen zum Songwriting bei. Was nicht so oft vorkommt ist, dass Tim das Riff eines Songs schreibt. Es gibt da einen solchen Song, den wir aber nicht auf das Album genommen haben. Den werden wir noch auf einer EP oder so veröffentlichen. Es ist ein wirklich cooler Song und der progressivste, den wir je geschrieben haben, aber er passte einfach nicht zur Stimmung des Albums.

 

Ist das der Song Ten Years?

 

Nein, das ist ein anderer Song, der von Chris Black geschrieben wurde und von vorneherein für eine EP geplant war. Als wir ins Studio gegangen sind um das Album aufzunehmen, hatten wir eine Menge Material, und wir wollten auch noch ein paar Coversongs aufnehmen, also haben wir uns gedacht scheiss drauf, wir machen ein Album und eine EP. Wir haben sechzehn Songs aufgenommen und es sind ja nur neun auf dem Album. Ten Years wird also der Titeltrack einer EP sein, die wahrscheinlich später in diesem Jahr erscheinen wird. Eigentlich wollten wir sie Anfang nächsten Jahres veröffentlichen, aber die Verkaufszahlen von Be Gone sind speziell in Deutschland sehr gut und Enrique, unser Labelboss, würde die Gunst der Stunde gerne nutzen und die EP noch vor Ende des Jahres veröffentlichen.

 

PHARAOH
PHARAOH v.l.n.r.: Matt Johnsen (g), Tim Aymar (v), Chris Kerns (b), Chris Black (d) 

Sind die eure Texte purer Fantasy-Kram oder gibt es auch eine persönliche Komponente?

 

Ich würde sagen, dass wir generell relative wenig Fantasy-Texte haben. Nichts in der Tradition von Dungeons & Dragons oder im BLIND GUARDIAN-Stil. Viele Songs, die ich schreibe, haben zwar einen Fantasy-Touch, es geht aber eigentlich nicht wirklich um Fantasy-Themen, sondern haben einen aktuellen politischen Bezug. Einige Sachen sind pure Fantasy. Der Song No Remains handelt zum Beispiel von der Welt nach einer globalen Hungerkatastrophe. Das einzige was noch zum Essen da ist, sind die Leichen der Leute, die verhungert sind. Strikt gesehen ist der Text zu Buried At Sea, bei dem es um eine Flut, die die ganze Erde überflutet und alle Leute tötet, auch fantastisch, wenn auch nicht im traditionellen, eskapistischen Tolkien-Stil. Der Text sollte im übertragenden Sinne gelesen werden. Wir schreiben über alle möglichen Sachen. Tim schreibt häufig sehr persönliche Texte. Meine Songs sind häufig sehr politisch, aber ich will keine Texte schreiben wie George Bush ist ein Vollidiot, denn in zehn Jahren interessiert das keinen mehr. Die meisten Leute hören sich PHARAOH einfach an, leben in anderen Ländern und kümmern sich einen Scheiß darum, wer Condoleza Rice ist. Die Grundaussage ist meistens, dass der Typ der uns regiert ein Arschgesicht ist. Wenn du es generell genug machst, passt es eigentlich immer. Ab und zu bekommt man mal einen guten Staatsführer, aber es ist immer wieder auch schon der nächste schlechte um die Ecke.

 

Der Refrain von No Remains erinnert mich sehr stark an BLIND GUARDIAN. Besonders der Gesang von Tim, aber auch die Gitarrneparts. Das klingt wie BLIND GUARDIAN, als sie noch gute Musik gespielt haben.

 

Chris Black hat die Melodien und den Text dazu geschrieben und er ist ein großer BLIND GUARDIAN-Fan. Ich bin ebenfalls ein großer Fan. Ich bin mir sicher, dass das ein unbewusster Einfluss war. Es ist natürlich unmöglich, die Ähnlichkeit dieses Songs zu BLIND GUARDIAN nicht zu bemerken und damit habe ich auch kein Problem, denn BLIND GUARDIAN waren eine großartige Band. Jetzt sind sie nicht mehr so toll, wenn also jemand diesen Sound weiterführt, ist das ja keine so schlechte Sache. Der Großteil der Riffs des Songs ist relativ alt. Ich habe mehr als die Hälfte des Songs geschrieben, bevor das erste PHARAOH-Album raus kam. Ich hatte diese Riffs, habe aber keinen vernünftigen Song daraus machen können. Die Strophe, der Chorus und der Pre-Chorus bestehen also alle aus alten Riffs. Das war einer der letzten Songs, die ich für das Album geschrieben habe. Ich hatte plötzlich einen Kreativitätsschub und den kompletten Song fertig gestellt. Es ist also eine Mischung aus alt und neu und es ist nur angemessen, dass man hier einen unserer Einflüsse heraus hört. Wir haben die Band 1997 gegründet. Da waren BLIND GUARDIAN so ziemlich auf ihrem Höhepunkt. Sie hatten Imaginations From The Other Side veröffentlicht und haben ein oder zwei Jahre später Nightfall In Middle-Earth, welches mein Lieblingsalbum der Band ist, veröffentlicht. Es ist also kein Zufall, dass man diese Einflüsse aus diesem Song heraus hört.

 

Kennst du SAVAGE CIRCUS, die Band, die vom Ex-BLIND GUARDIAN-Drummer gegründet wurde?

 

Ja, die spielen diesen Stil wirklich gut. Allerdings spielen Sie den Sound von BLIND GUARDIAN, kurz bevor ich die Band wirklich mochte. Sie decken grob gesagt die Zeit zwischen Tales From The Twilight World und Somewhere Far Beyond ab, die speedige, thrashige Phase. Ich liebe Somwhere Far Beyond wirklich, aber Tales From The Twilight World ist mir eine Nummer zu simpel. Das Album hat ein paar wirklich gute Songs, aber das Drummings ist zum Beispiel wirklich langweilig. Es ist für mich einfach nicht das beste BLIND GUARDIAN-Album. Was SAVAGE CIRCUS fehlt sind einfach die fast schon progressiven Sachen, die BLIND GUARDIAN mit Imaginations From The Other Side eingebracht haben. Ich denke, dass das mit vielen Metal-Bands passiert, die ihren Sound von einfachem Metal zu komplexerer Musik entwickeln. Hansi hat QUEEN sicher geliebt als BLIND GUARDIAN ihr erstes Album aufgenommen haben. Aber es hat vier oder fünf Alben gebraucht, bis er diese Einflüsse verarbeiten konnte. Und dann hat er es zu weit getrieben, bis keine gesunde Balance mehr da war und er zu viel Schrott und zu wenig von dem Metal, der die Band anfangs so gut gemacht hat, eingebracht hat. Zu SAVAGE CIRCUS, das ist eine gute Band, ich wünschte, sie wären ein wenig abenteuerlustiger. Es kümmert mich auch nicht, wenn Sie weiterhin exakt nach BLIND GUARDIAN klingen, aber ich hoffe, dass sie auf dem nächsten Album vielleicht ein wenig weiter auf den Pfad des BLIND GUARDIAN-Sounds zurückkehren, als dort, wo sie ihn verlassen haben.

 

Ich denke, dass wird wohl passieren weil Thomen nicht mehr in der Band ist.

 

Aber die Band spielt soweit ich weiß ja noch, ich denke nicht dass sie sich aufgelöst haben.

 

Nein, das nicht. Die Band ist immer noch aktiv aber ich denke, dass das nächste Album nicht so sehr nach BLIND GUARDIAN klingen wird, weil Thomen ja nicht mehr in der Band ist.

 

Mal sehen. Der Sänger ist ja auch bei PERSUADER und die sind doch ziemlich von BLIND GUARDIAN beeinflusst, es gibt also immer noch einen starken BLIND GUARDIAN-Einfluss in der Band. Was die Band ausmacht ist, dass sie eine Lücke getroffen haben: BLIND GUARDIAN für Leute, die von BLIND GUARDIAN genervt sind, ha ha ha. Sie sollten sich also nicht all zu weit davon weg bewegen, denn was wäre sonst der Sinn dieser Band, außer vielleicht, einer Gelegenheit für Jens und Piet zusammen zu arbeiten. SAVAGE CIRCUS haben eine Nischen-Funktion, sie sind eine BLIND GUARDIAN-Kopie und solange sie das weiter machen, wird es ihnen gut gehen, aber wenn Sie sich zu sehr weiter entwickeln, werden die Fans schnell die Geduld mit ihnen verlieren.

 

Bist du ein großer Science Fiction-Fan, speziell von Star Wars?

 

Ich bin ein Science Fiction-Fan. Ich würde mich nicht als totalen Star Wars-Verrückten bezeichnen, aber so wie fast jeder Junge in Amerika damit aufgewachsen ist, habe auch ich die Filme gesehen, als sie raus gekommen sind. Ich war noch ein ziemlich kleines Kind als der erste raus gekommen ist, aber mein Vater hat mich mit ins Kino gekommen. Ich war also wohl irgendein Arsch, der hinten herum geschrieen hat, während ältere, fettere Nerds sauer geworden sind. Ich habe auch viel Science Fiction gelesen. Viele der Klassiker wie Isaac Assimov oder Ray Bradbury. Aber es dominiert meinen Geschmack nicht, was Bücher und Filme angeht, auch wenn ich die Sachen wirklich gerne lese. Ich schätze mal, dass ich wohl von allen in der Band am meisten mit Science Fiction beschäftige.

 

Ich frage wegen diesem einen Gitarrenlead in Red Honor.

 

Ja, ich wusste, dass das jetzt kommt. Du bist tatsächlich die erste Person, die das erwähnt. Als ich das Demo aufgenommen habe, hab ich sofort gemerkt, dass es nach Star Wars klingt. Der Witz ist aber, dass das ein totaler Zufall ist, dass du da die Star Wars-Melodie hörst. Was du da hörst sind drei Gitarren von denen keine, wenn du sie dir einzeln anhörst, diese Melodie spielt. Was ich versucht habe war ein Experiment. Ich habe drei verschiedene Melodien geschrieben, die zu keiner Zeit die selben Noten spielen. Als ich dann das ganze aufgenommen habe ist mir aufgefallen, dass das ganze ziemlich nach dem Star Wars-Theme klingt. Aber es klang cool, also hab ich mir gedacht scheiß drauf, John Williams wird mich nicht verklagen, und ich habe es so gelassen. Es war also keine geplante Hommage an Star Wars, aber mir ist klar, dass es ziemlich nach Star Wars klingt. Es ist halt eine eingängige Melodie, also verklag mich doch. Wenn du auf dem nächsten Album hörst, das sich den Imperial March spiele (summt die Melodie nach) haben wir ein Problem, aber momentan denke ich, dass das noch in Ordnung geht.

 

PHARAOH
Mag George Bush nicht, dafür aber Star Wars – Matt Johnsen

Jim Dofka war wieder als Gastmusiker beteiligt, wie schon bei den vorherigen beiden Alben. Ist er immer noch nur ein Gastmusiker oder könnte er zukünftig als permanenter zweiter Gitarrist einsteigen, eventuell auch live?

 

Wir haben darüber nachgedacht Jim als zweiten Gitarristen mit zum KEEP IT TRUE zu nehmen, aber Tim und er haben eine etwas schwierige Vergangenheit. Sie waren zusammen in einer Band, die sich nicht wirklich friedlich aufgelöst hat. Ich würde nicht sagen, dass sie sich hassen. Ich denke nicht, dass diese alte Geschichte noch so sehr an ihnen nagt. Aber ich habe mir gedacht, dass es sicher zu Spannungen kommen würde und darüber wollte ich mir nicht auch noch Gedanken machen. Es war schon schwer genug alle Leute zusammen zu bekommen, da wollte ich mir nicht auch noch darüber Gedanken machen, dass die beiden sich gegenseitig wahnsinnig machen und das Ganze eine Woche vorher zu einem Haufen Scheiße wird. Deswegen haben wir ihn da nicht berücksichtigt. Er ist natürlich ein fantastischer Gitarrist, viel, viel besser als ich. Er wäre wirklich großartig gewesen, aber dieser eine Gig war nicht die richtige Gelegenheit, um diese Beziehung weiter zu entwickeln. Was unser Studio-Line Up angeht denke ich, dass wir mit einem Gitarristen gut dran sind. Das ist das Line Up, mit dem wir uns wohl fühlen. Jim sieht Band-Musik deutlich anders als ich. Er denkt daran, im Proberaum zusammen zu sitzen und zu jammen, und das ist einfach nicht die Arbeitsweise von PHARAOH. Ich bin mir also nicht so sicher wie gut sich unsere kreativen Stile vertragen würden. Ich weiß auch gar nicht, ob er Interesse daran hätte an etwas mitzuarbeiten, was für ihn eher Projektcharakter hat. Ich würde mich einfach mal gerne mit ihm zusammensetzen und einfach nur Riffs schreiben und schauen was passiert. Er ist ein verdammt starker Gitarrist und ein großartiger Songwriter, er schafft es nur einfach nicht, mal was zu veröffentlichen. Aber wer weiß, vielleicht wird dies ja das Jahr von Dofka und er bekommt endlich ein neues Album raus.

 

Bei Dark New Life gibt es Gastsoli von Mark Reale und Mike Flyntz von RIOT. Wie seid ihr mit den beiden in Kontakt gekommen?

Das war nicht so einfach wie du denkst. Ich dachte, es wäre kein Problem, da ich ein guter Freund von John Macaluso bin, der ja bei ARK, YNGWIE MALMSTEEN, POWERMAD, STARBREAKER, und einer Tonne anderer Bands gespielt hat. Er ist aus New York, hat auch mal bei TNT gespielt und war auch mal eine zeitlang bei RIOT. Er hat den Großteil der Drums auf The Brethren Of The Long House eingespielt. Er lebt in New York, sie leben in New York, ich dachte also, dass die sicher noch befreundet sind. Es war ursprünglich die Idee von Chris Black die Jungs anzusprechen. Er ist ein totaler RIOT-Fan. Ich liebe die Band auch, aber nicht so sehr wie Chris Black. Er fragte also, was ich davon halten würde die RIOT-Jungs zu holen und ich meinte, dass das kein Problem wäre. Also habe ich John angerufen und ihn gebeten mich mit Mark zusammen zu bringen, aber er meinte nur, dass er keinen Kontakt mehr hat. Er hat mir also die Nummer von Mike DiMeo gegeben, der vor Kurzem bei RIOT ausgestiegen war und zu MASTERPLAN gegangen war. Ich dachte aber, dass das ja sicher ein sauberer Split war, weil RIOT nicht viel machen. Also hab ich ihn angerufen und er meinte nur, dass er nicht mehr bei RIOT ist. Ich dachte mir nur: Verdammt, das weiß ich, gib mir einfach nur die verdammte Nummer. Aber das wollte ich natürlich nicht sagen. Das mit Mike DiMeo hat also auch nicht funktioniert. Mein nächster Versuch war Ron Jarzombek, mit dem ich ebenfalls befreundet bin. Der spielt bei SPASTIC INK mit Pete Perez zusammen, der wiederum bei RIOT spielte. Ich habe also Ron angerufen und ihn gebeten, mir Pete´s Email-Adresse zu geben, worauf Jon meinte, dass er sich nicht mal sicher sei, ob Pete weiß, wie man einen Computer benutzt. Also hat er mir Pete´s Telefonnummer gegeben. Als ich diese angerufen habe, war die Nummer abgemeldet. Da stand ich also ohne RIOT. Langsam kann es zu dem Zeitpunkt, an dem die ganze Sache fertig sein sollte und mir gingen so langsam die Ideen aus. Also bin ich zurück zu John Macaluso gegangen und habe ihn gebeten, dass er mir unbedingt helfen muss. Er meinte nur, dass er zufällig gerade beim VAN HALEN-Konzert Mike Flyntz getroffen hat und er ihm seine Rufnummer gegeben hat. Also habe ich ihn angerufen und meinte, dass ich in dieser Band spiele von der er noch nie gehört hat, und wir ihn total cool finden und ob er nicht ein paar Soli auf unserem Album spielen möchte. Er hat zurück gerufen und wollte sich das mal anhören, also hab ich ihm ein paar CDs geschickt und er mochte es. Also haben die beiden ein Wochenende im Studio gebucht, wir haben ihnen ein par hundert Dollar geschickt um das zu bezahlen und das war´s. Ich habe also nicht wirklich mit ihnen zusammengearbeitet oder sie gesehen. Ich habe nur mit ihm gesprochen und ihm erklärt, dass wir den Teil extra für sie geschrieben haben und sie einfach spielen sollen, was sie möchten. Eigentlich war das Ganze als Dreifach-Solopart geplant. Erst ein Solo von einem der RIOT-Jungs, dann ein Solo von mir, das sich auch schon aufgenommen hatte und dann ein Solo des zweiten RIOT-Gitarristen. Aber ich habe ihnen mein Solo nicht geschickt und die beiden haben dann einfach einen Harmony-Part dazwischen geschoben, der auch ziemlich cool klang. Ich werde also wohl noch ein Riff zu diesem Solo schreiben müssen für einen zukünftigen Song. So sind wir an die beiden ran gekommen. Es hat etwas gedauert, aber letztendlich haben wir sie bekommen. Es ist eine spaßige Tradition diese Gast-Solisten zu finden für unsere Alben. Wir haben schon ein paar Namen für das nächste Album im Kopf, aber das werde ich dir noch nicht verraten.

 

Ihr habt erneut mit Matt Crook aufgenommen, der ja auch die zweite Gitarre bei eurem Auftritt auf dem KEEP IT TRUE X übernommen hat. Er scheint also mehr für euch zu sein, als nur der Produzent.

 

Matt ist einfach ein wirklich guter Freund von mir. Ich kenne ihn schon seit Jahren. Er war mal in einer Band namens DIVISION, die ich früher vier oder fünf Mal im Jahr gesehen habe. Die haben in diesem Club in Virginia gespielt, den ich öfters besucht habe. Bei einem dieser Konzerte habe ich mich mit Matt betrunken und es war gerade an der Zeit, als PHARAOH das zweite Album aufgenommen haben und Matt Crook sich gerade ein Studio aufgebaut hat. Er meinte, dass wir unbedingt bei ihm aufnehmen sollten und als ich ihn gefragt habe, was er haben will, meinte er, dass wir schauen sollen, was wir für ein Budget haben und er würde es für diesen Preis machen. Tja, mit diesem schlechten Handel muss er jetzt für den Rest seines Lebens klarkommen. Wenn ein neues PHARAOH-Album ansteht sagt uns Enrique, wie viel er uns geben will, wir sagen ihm, dass er uns etwas mehr geben soll, er stimmt zu und dann geben wir alles Matt. Wir machen alles mit ihm und müssen uns nicht darum kümmern, wie viele Stunden die Aufnahmen brauchen. Wir machen solange, bis wir fertig sind. Es ist wirklich gut mit ihm zu arbeiten und er ist ein netter Kerl. Wir kommen alle gut mit ihm aus, wir mussten also nicht lange nachdenken, als wir ihn gefragt haben, ob er die zweite Gitarre übernehmen will.  Ich habe ihm die Parts, die er lernen musste gemailt und er hat sie sich drauf gepackt. Das lief wirklich gut, also kann es gut sein, dass er auch zukünftig bei uns auf der Bühne steht.

 

Kannst du dir vorstellen, für das nächste Album mit einem anderen Produzenten zu arbeiten?

 

Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Es fällt mir schwer zu glauben, dass wir mit jemand anderem ein gut klingendes PHARAOH-Album aufnehmen könnten. Das liegt daran, dass wir ziemlich langsam sind und auch ziemlich anstrengend sein können. Jeder andere, der das Equipment und die Erfahrung hat, die Matt hat, würde uns deutlich mehr kosten als Enrique uns geben würde. Be Gone hat weniger Zeit gebraucht als die letzten beiden Alben, aber es waren immer noch vier oder fünf Monate konstante Arbeit und diese Arbeit mit einem guten Produzenten kostet eine Tonne Geld. Es hätte sicherlich seine Vorteile mit einem anderen Produzenten zusammen zu arbeiten, einem anderen paar Ohren, aber ich halte es nicht für praktikabel. Außerdem mag ich Matt´s Arbeit. Seine Fähigkeiten als Produzent hat sich mit unseren Fähigkeiten als Songwriter entwickelt. Wir entwickeln uns zusammen und wir haben einen bestimmten Sound, nicht nur was unsere Musik, sondern auch was den Sound angeht, wenn alles gemixt ist. Und das verdanken wir komplett Matt. Ich denke, dass ist einfach ein System das funktioniert und momentan denken wir nicht darüber nach dies zu ändern.

 

Auf deinem Profil auf der PHARAOH-Homepage gibt es ein Statement gegen Rassismus. Auch euer Sänger Tim Aymar hat die Homepage METALHEADS AGAINST RACISM verlinkt. Denkst du, dass es wichtig ist, gegen Rassismus einzutreten?

 

Absolut! Die vereinigten Staaten haben natürlich eine schwierige Historie was Rassismus angeht. Es ist ein merkwürdiges Phänomen, dass es einerseits große Fortschritte im Kampf gegen solche Intoleranz gibt, andererseits viele Leute aber in alte Verhaltensmuster zurückfallen. Sie brüllen zwar keine rassistischen Parolen auf den Straßen, versuchen aber mit einer softeren Art von Rassismus davon zu kommen. Diese ganze Diskussion über Immigranten ist doch lächerlich. Ich weiß, das passiert überall, auch in Europa. Aber die USA ist ein Land von Immigranten, das ist der Punkt. Diese ganzen Leute, die sich über Mexikaner beschweren, haben wahrscheinlich Großeltern, die aus Irland oder sonst woher gekommen sind. Auch wenn ich denke, dass wir uns generell zu einer weniger rassistischen Gesellschaft entwickeln, wird der Rassismus sich auf immer kleinere Unterschiede fokussiert. Es ist nicht so, dass ich mich auf einem Kreuzzug gegen Rassismus befinde, aber ich unterbinde Rassismus wenn ich ihm begegne. Das größte Problem, was wir haben können ist, wenn die Leute Rassismus im Stillen tolerieren. So macht man nur Rückschritte und die Dinge verschlechtern sich. Als fühlendes menschliches Wesen muss es doch das natürlichste der Welt sein, dass man nicht rassistisch sein darf. Das sollte man eigentlich gar nicht erst sagen müssen, aber leider muss man eben doch tun.

 

Ich teile deine Meinung absolut. Es gibt keinen Platz für Rassismus, weder in der Metal-Szene noch sonst wo.

 

Exakt!

 

PHARAOH
Veröffentlichen dieses Jahr vorraussichtlich noch eine EP – PHARAOH

Ich wollte dich eigentlich fragen, ob du dir auch vorstellen könntest, einen politischen Songtext zu schreiben oder ob du so etwas lieber von PHARAOH trennen willst, aber diese Frage hast du ja schon beantwortet. Viele Musiker reden sich ja damit raus, dass sie sich nicht mit Politik beschäftigen.

 

Das ist diese merkwürdige Ergebenheit zur Autorität. Nach dem Motto Ich bin ein Musiker, was verstehe ich schon von Politik. Was glauben diese Leute eigentlich, wie schlau Politiker sind? Die Leute, die die Welt beherrschen sind doch keine Genies mit speziellem Training. Die müssen sich mit Problemen befassen, die jeden betreffen. Ich denke, wenn man nach dem Motto lebt, Politik den Politikern und Musik den Musikern zu überlassen, ist das genau die Einstellung, die die Leute dazu bringt, unglaubliche Idioten zu wählen. Wenn die Leute mehr politische Musik hören würden, hätten wir vielleicht nicht diesen Haufen von Dummköpfen an der Macht. Weiß ich alle Details eines jeden Politikers zum mittleren Osten? Nein! Weiß ich genug um eine konstruktive Meinung äußern zu können? Ja, tue ich. Hör sie dir an oder lass es sein, es ist mir egal. Aber die Einstellung, dass es einfach nicht wert ist, darüber zu reden, will mir nicht in den Kopf. Andererseits will man natürlich nicht predigen. Du willst deine Musik ja nicht datieren. Viel politische Musik aus den Sechzigern hat auch heute noch Bestand. Aber es gab auch jede Menge Musik, die sich mit dieser oder jener Person aus den Sechzigern beschäftigte. Und diese Texte haben heute keine Relevanz mehr. Wenn ich also meine politischen Texte schreibe, verfasse ich sie spezifisch genug, um sie auf die Leute zu beziehen, die heute an der Macht sind, man kann sie aber auch auf jemand anderen beziehen, wenn man will.

 

Wie ich ebenfalls auf deinem Profil lesen konnte, bist du nicht unbedingt ein großer Freund von George Bush, was nicht weiter verwunderlich ist, denn immerhin hat ihn die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung nicht gewählt. Zwei Mal.

 

Mehr als die Hälfte.

 

Dieses Problem wird sich bald selbst lösen aber denkst du, dass es wirklich besser wird mit wem auch immer als zukünftigen Präsidenten?

 

Ja, ich denke, dass es unmöglich ist, dass wir einen noch schlechteren Präsidenten als George Bush bekommen könnten. Wir haben drei Möglichkeiten, wir haben John McCain, Barack Obama oder Hillary Clinton (das Interview fand Anfang Mai statt). Ich bin kein großer Fan von John McCain, aber immerhin ist er gegen Folter. Ich verstehe überhaupt nicht, wie es zu einer Diskussion für oder gegen Folter kommen konnte. Ich dachte, diese Angelegenheit hätten wir vor langer Zeit geklärt.

 

Vor einigen Jahrhunderten…

 

Genau! Ich denke nicht, dass McCain ein all zu guter Präsident wäre, aber er wäre auf jeden Fall nicht annähernd so schlimm wie George Bush. Denn wenigstens gäbe es keinen Dick Cheney. George Bush ist doch nur ein Dummkopf, der von sehr bösen Menschen umgeben ist, die ihn dazu bringen, diese bösartigen Dinge zu tun. Ich denke nicht, dass John McCain diese Probleme haben wird. Aber ich hoffe, dass McCain nicht gewinnt, sondern Barack Obama und dann hätten wir einen wirklich guten Präsidenten.

 

Ich hätte gedacht, dass die Amerikaner nach der Bush-Ära dermaßen die Schnauze voll haben von den Republikanern, dass die Demokraten diese Wahl sicher gewinnen. Nun sind sie damit beschäftigt sich selbst zu bekämpfen, so dass McCain der lachende Dritte sein könnte.

 

Ja, das ist wahr. Die Demokraten sind gut darin zu verlieren. Aber ich denke, dass das ganze Theater um Clinton oder Obama irrelevant sein wird, sobald ein Kandidat feststeht, was unausweichlich ist. Und wenn diese Person Kopf an Kopf gegen McCain antritt, wird dieser ziemlich schwach aussehen. Ich hoffe immer noch, dass das alles so funktioniert, aber ich würde mich nicht wundern, wenn die amerikanische Bevölkerung es wieder versauen würde. Aber ich bin nicht verantwortlich, ich wähle die Guten.

 

Unter der Amtszeit von George Bush und den Terroranschlägen scheint der Rassismus in Amerika, speziell gegenüber Arabern, deutlich angestiegen zu sein.

 

Ja, das stimmt. Es ist echt merkwürdig, die Leute beschweren sich über political correctness hier in den USA, ich weiß nicht ob das in Deutschland auch so ein Thema ist. Und dann hast du da diese Karikaturen von Arabern, die einfach nur widerlich sind. Die sind nicht anders als jene von schwarzen Leuten von vor hundert Jahren. Ich verstehe einfach nicht, wie man so etwas tolerieren kann. Man würde ja auch keine Karikaturen von großnasigen, Geld raffenden Juden tolerieren, weil es ein widerlicher Stereotyp ist. Und jede Karikatur eines Arabers ist ein bärtiger Mann mit einem stinkenden Turban. Das macht mich wahnsinnig. Es ist deutlich einfacher eine Bevölkerung zu regieren, die verängstigt ist, als eine, die es nicht ist.

 

Ich muss das jetzt leider etwas abkürzen weil ich zurück zur Arbeit muss.

 

Okay, wie viel Zeit hab ich noch?

 

Na ja, wenn du noch ein oder zwei Abschlussfragen hast.

 

Ich habe gehört, dass du zum BANG YOUR HEAD kommen willst um dir die Reunion-Show von SECRECY anzusehen.

 

Das habe ich vor, ja. Ich bin ziemlich heiß auf SECRECY.

 

Plant ihr in nächster Zeit eine Europatour mit PHARAOH?

 

Nein, ich denke nicht, dass wir da etwas in Planung haben. Wir haben gerade einen Gig in den Staaten bestätigt. Es ist eine Art kleines Festival, das von unserem Label gesponsert wird. Da sind wir BIBLE OF THE DEVIL, SLOUGH FEG, ICARUS WITCH, TROUBLE und noch ein paar Bands auf dem Billing. Wenn wir das gemacht haben, werden wir uns erst mal mit unserem Privatleben beschäftigen. Eine Tour würde voraussetzen, dass wir alle Urlaub bekommen und genug Geld haben. Wenn wir in Europa touren, wird es wohl Anfang nächsten Jahres sein. Wir müssen auf jeden Fall noch diese EP fertig machen und veröffentlichen.

 

Ich habe deine CD-Liste auf deiner Homepage gesehen und konnte es nicht fassen, dass jemand aus den USA im Besitz von zwei ONKEL TOM-CDs und dem RANDALICA-Album Knast, Tod Oder Rock´n Roll ist. Wie zur Hölle ist das passiert?

Ich bin in wirklich großer SODOM-Fan. Damals, in den frühen Zeiten des Metal im Internet, in den frühen Neunzigern, habe ich die erste SODOM-Fanpage erstellt und das einige Jahre gemacht, bis ich dafür keine Zeit mehr hatte. Das war auch die Zeit, als es mit PHARAOH so richtig losging. Dadurch hatte ich die Gelegenheit Tom Angelripper zu treffen, was eine wirklich tolle Erfahrung war. Ich habe immer gedacht, dass er ein cooler Typ ist. Ich mag die Musik von SODOM und habe mich dann halt von dort weiter vorgearbeitet zu ONKEL TOM. Die RANDALICA-CD habe ich nicht speziell gesucht. Ich hab sie mal gekauft, als ich in Europa unterwegs war. Ich wusste natürlich, wer da involviert ist und die CD war relativ billig. Aber die ONKEL TOM-CDs habe ich tatsächlich gesucht. Ich habe schon einige ziemlich blöde Sachen in meiner Sammlung. Ich habe auch diese DEZPERADOZ-Scheibe, auf der Tom Angelripper auch mitgewirkt hat. Ich habe allen möglichen Schrott, ich kann nichts dran ändern, ich bin ein verrückter Sammler und ich liebe Heavy Metal.

Bildnachweis:
Bandfotos (c) Cruz Del Sur Records
Live-Fotos (c) vampster.com / Andreas Fischer