Wer sich schon mal mit Depressionen rumschlagen musste, kennt die graue Wolke über dem Haupt, die nicht weichen will. Kennt die Schwere, die wie Blei auf den Schultern liegt, die Hoffnungslosigkeit, die selbst den schönsten Frühlingstag aschgrau erscheinen lässt. DOODSWENS haben, wie nicht wenige andere ihres Genres ein Album darüber geschrieben, in diesem Mindset zu leben. Allerdings geht es der Black Metal-Band nicht darum, sich dem Tod hinzugeben, wie es viele der fragwürdigen DSBM-Bands tun, sondern neben ihm zu existieren. Oder, wie es in dieser Fantasy-Serie mit der schlechten achten Staffel hieß: „Wer ist unser Gott?“ – „Der Tod.“ – „Und wie lautet unser Gebet?“ – „Nicht heute.“ Okay, mehr Pathos in einer Rezension unterzubringen ist schwer möglich, angesichts eines Albums wie „Doodswens“ aber ausnahmsweise vertretbar.
„Doodswens“ ist ein transformatives Album, mit dem die Band eine ursprüngliche Kraft entstehen lässt.
Die niederländische Band, deren Name übersetzt „Todeswunsch“ bedeutet, lässt auf den ersten Blick auf ein anderes Mindset schließen. DOODSWENS widerstehen aber und fokussieren sich darauf, so zu leben, dass es egal ist, ob morgen schon der Tod wartet, weil das Leben völlig ausgekostet wurde. Das ist spürbar in der Energie, die in den Songs liegt. Bandleaderin, Sängerin und Drummerin I. drischt und schreit voller Inbrunst, die Riffs von P. (OSSAERT, DÖDSRIT) sind primitiv aber im allergrößten Fall absolut treffsicher. Die Art des Black Metals, den DOODSWENS spielen, ist völlig frei von Innovationen und reiht sich zwischen zeitgenössischen Bands wie ASAGRAUM und CULTUS PROFANO ein, die ihrerseits der Schule der zweiten Welle (denke DARKTHRONE) aus einer zeitgemäßeren und auch weiblicheren Perspektive Tribut zollen, natürlich nicht im Sinne von Symphonic Metal mit wallenden Kleidern, sondern mit einer ursprünglichen, schwefelig-pechschwarzen Aura.
Das Ergebnis ist unvergleichlich kraftvoll und direkt: Auch wenn die Songs mal über sechs Minuten dauern, repetitive Langeweile gibt es keine auf diesem Album. Egal ob es kompakte, punkige und leicht thrashige Black Metal-Songs („Verrot“, „Devil’s Stone“, „Vlaamse Vloek“) sind, oder ob die DOODSWENS etwas atmosphärischer und langsam vorgehen („She Carries The Curse“), fast immer schafft es das Trio, dass die Musik wirklich berührt und unter die Haut geht. Dabei sind die Songs so gut geschrieben, dass es schnell klick macht. Besonders trifft das auf „These Wounds Never Healed“ zu, das sich nach einem schleppenden Start erst in eine epische Richtung entwickelt und dann an Geschwindigkeit gewinnt.
DOODSWENS pusten den Staub vom Black Metal der zweiten Welle: „Doodswens“ ist ein frisches und fast schon kathartisches Album.
„Doodswens“ ist völlig unoriginell und somit wird es die Zeit zeigen müssen, ob dieses Album auch langfristig begeistern kann. Immerhin sind die Songs gespickt mit erstklassigen Riffs, soliden Arrangements und einer starken Gesangsperformance. Zwar sind nicht alle Songs auf gleichbleibend hohem Niveau, Ausfälle gibt es aber keine. Und verglichen mit so mancher schlecht gealterten Genregröße ist hier noch Feuer und Leidenschaft zu spüren. Die Energie, mit der sich DOODSWENS trotzig der grauen Wolke entgegenstellen, ist bemerkenswert. Nicht zuletzt deshalb ist ihr zweites Album ein sehr kraftvolles, beinahe kathartisches Werk, das laut gehört werden will und bei gewissen Personengruppen besondere Resonanz finden wird – bei denjenigen, die sich der grauen Wolke eben nicht hingeben wollen, egal wie dicht sie über dem Haupt schwebt. Starkes Album!
Wertung: 5,5 von 7 Wunschzettel
VÖ: 17. April 2026
Spielzeit: 37:30
Line-Up:
I. – Drums, Vocals
R. – Bass
P. – Guitar
Label: Svart Records
DOODSWENS „Doodswens“ Tracklist:
1. Driven By Death (Official Video bei Youtube)
2. Verrot
3. The Black Flame (Official Video bei Youtube)
4. These Wounds Never Healed
5. She Carries The Curse
6. Devil’s Stone
7. Vlaamse Vloek
DOODSWENS „Doodswens“ Full Album Stream bei Youtube
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