FROM ASHES TO NEW: Interview zu „Reflections“ und der aktuellen Europa-Tour

Aktuell ist die Nu-Metal-Band FROM ASHES TO NEW auf Europa-Tour zum neuen Album „Reflections“, das am 17. April erscheint. Wir haben beim Köln-Stopp der Tour mit Lead-Sänger Danny Case über die Entstehung des Albums, das Reflektieren über die eigenen Schattenseiten und seine Verbundenheit zu Deutschland und den deutschen Fans gesprochen.

Danke, dass du dir die Zeit nimmst, mit uns zu sprechen. Ihr seid jetzt fast mit der Hälfte der Europa-Tour durch. Wie kommen die neuen Songs bisher bei euren Fans an?

DANNY: Es ist unglaublich! Uns ist tatsächlich aufgefallen, dass die Leute die neuen Songs bei den Konzerten am lautesten mitsingen, was ziemlich verrückt ist. Wir wussten nicht, ob die Leute diese Songs genauso gut kennen würden wie die älteren Songs. Aber die ersten drei Konzerte, die wir gespielt haben, waren einfach der Wahnsinn! Es gab Momente, in denen ich dachte: Ich singe jetzt einfach nicht mehr. Die Fans kennen die Texte und ich lasse sie einfach machen. Es ist unglaublich, vor allem in Deutschland. Vielleicht bin ich da ein bisschen voreingenommen, weil ich in der Schule fünf Jahre lang Deutsch gelernt habe und schon immer nach Deutschland kommen wollte, aber ich habe einfach das Gefühl, dass sie die besten Fans der ganzen Welt haben. Die Konzerte in Deutschland waren einfach großartig und ich bin sehr dankbar, dass ich hierherkommen und vor so tollen Fans spielen darf. Heute ist unser letzter Abend in Deutschland und es ist das bisher größte Konzert und ich bin sehr gespannt.

Was hat dir denn bisher am besten an Deutschland gefallen?

DANNY: Wir wussten, dass wir in Deutschland eine große Fanbase haben, aber wir waren absolut nicht darauf vorbereitet, dass unsere Shows innerhalb von fünf Minuten ausverkauft sein würden. Als wir das gehört haben, haben wir uns gedacht „Wow, das ist verrückt!“ Wir haben uns direkt nach Möglichkeiten erkundigt, die Shows in größere Venues zu verlegen. In Hamburg hat das leider nicht geklappt, aber das coolste daran war, dass die 500 Leute, die diese Tickets ergattern konnten, die größten Fans der Band waren. Es war also eine sehr vollgepackte Show mit eingefleischten Fans. Und dann passierte dasselbe hier in Köln, wo wir eine kleinere Venue hatten, die auch innerhalb von 3 oder 5 Minuten ausverkauft war. Hier konnten wir zum Glück auf diese Venue (Live Music Hall, Köln) ausweichen, in die glaube ich ca. 1.400 Leute reinpassen…und auch hier waren die Tickets bereits nach einem Tag komplett ausverkauft, was für uns komplett verrückt ist. Ich habe einfach das Gefühl, dass Rap und Pop in Amerika mehr zum kulturellen Mainstream geworden sind und ich glaube, dass Rock und Metal in Deutschland im Mainstream immer noch eine große Präsenz haben. Und so scheint es einfach, als gäbe es bei den deutschen Fans und in der deutschen Kultur eine größere Leidenschaft für diese Musik. Und weil wir seit 10 Jahren nicht mehr hier waren, sind die Fans einfach total aus dem Häuschen. Es ist ein unglaubliches Gefühl, das zu erleben, weißt du, wenn wir auf die Bühne gehen und ich sie alle über meine In-Ear-Monitore hören kann, die ich brauche, um die Show zu hören. Ich kann sie über all das hinweg hören. Und es ist einfach verrückt.

Ich bekomme schon beim Zuhören Gänsehaut, das muss sich wirklich gut für euch anfühlen.

DANNY: Das tut es, es ist einfach unglaublich. Wir haben uns gestern Abend im Bus schon darüber unterhalten, dass wir es nicht erwarten können wiederzukommen. Wir wollen das richtig groß aufziehen, beim nächsten Mal können wir dann auch unsere Crew mitbringen und eine größere Produktion auf die Beine stellen, und wir werden einfach immer wiederkommen und das Ganze immer größer machen und das können wir alles nur wegen unserer Fans.

Das ist sehr schön zu hören! Jetzt aber mal zu eurem neuen Album: Mir ist beim Hören der ersten Songs, die ihr bereits veröffentlicht habt, aufgefallen, dass die Songs vor allem im Vergleich zu eurem vorherigen Album „Blackout“ irgendwie intensiver klingen. War das eine bewusste Intention von euch, und habt ihr diese Intensität auch beim Schreiben und Aufnehmen des Albums gespürt?

DANNY: Ja, ich glaube sowohl die Musik als auch die Songtexte sind intensiver. Wir wollten unbedingt ein Album aufnehmen, das noch besser werden sollte als „Blackout“. Und die Arbeit an dem Album war sehr intensiv. Wir hatten eine ganze Reihe von Songs, an denen wir gearbeitet und Demos aufgenommen hatten, die wir am Ende weggeworfen haben, weil wir dachten: Das ist einfach nicht gut genug. Die Musik hat uns einfach nicht genug bewegt und wir haben uns gedacht, wenn wir die Musik nicht fühlen, werden unsere Fans das auch nicht. Deshalb haben wir uns gesagt, wir müssen unsere Studio-Zeit verdoppeln, wir müssen da nochmal rein, um an besserem Material und neuen Songs zu arbeiten. Und dadurch war der Entstehungsprozess des Albums wirklich sehr intensiv. Die Musik, die Texte, der ganze Prozess – alles war sehr intensiv. Ich glaube, das kommt in der Musik auch rüber und ich denke, es ist gut, dass wir das so gemacht haben.

Auf jeden Fall! Es hört sich an, als hättet ihr euch selber sehr hohe Standards gesetzt und wenn man sich ansieht, wie die Resonanz bisher war, scheint es, als hätte sich das gelohnt.

DANNY: Ja, absolut.

Gibt es Künstler, von denen ihr euch für dieses Album oder auch generell für eure Musik inspirieren lassen habt?

DANNY: Ich glaube, wir lassen uns von allem inspirieren, was wir hören. Es gibt viele Bands, die in letzter Zeit echt tolle Sachen gemacht haben, und ich glaube, uns haben einige der neueren Sachen, wie zum Beispiel von Architects oder Bad Omens, richtig gut gefallen und das kann definitiv eine Rolle dabei spielen, wie man schreibt, weil die Dinge, die man hört, einen beeinflussen. Aber wir versuchen wirklich einfach auf das zu schauen, was wir gemacht haben, und darauf aufzubauen, um uns zu verbessern und weiterzuentwickeln. Und das war sozusagen der zentrale Fokus des ganzen Albums.

War die Arbeit an diesem Album – bzw. auch an Alben im allgemeinen – für euch eher ein persönlicher Prozess oder zieht ihr gerne auch Leute außerhalb der Band hinzu, um euch Ratschläge und Meinungen von außen einzuholen?

DANNY: Was das Schreiben und Aufnehmen angeht, versuchen wir, das Ganze ziemlich unter uns zu behalten. Wir sind ein sehr eng verbundenes Team. Es sind also im Grunde nur wir und unser Produzent, der mit uns zusammenarbeitet. Wir beziehen andere Leute mit ein, wenn wir gerade dabei sind, Songs als Singles auszuwählen, wo wir dann so sagen: „Hör dir diesen Song an, hör dir jenen Song an“, und fragen: „Was denkst du, gefällt dir dieser Song besser? Oder gefällt dir der andere Song besser?“ Wir holen dann Leute aus unserem engsten Kreis dazu, ob das nun super enge Freunde oder Ehepartner oder Geschwister sind, wir zeigen ihnen kleine Ausschnitte und sie sagen dann: „Der Song gefällt mir wirklich gut.“ Wenn wir sehen, dass vielen Leuten dieser oder jener Song gefällt, kann das immer hilfreich sein. Aber was den Aufnahmeprozess und den Schreibprozess angeht, ist das eine sehr geschlossene Sache, nur wir. Und sonst niemand.

Das kann ich gut nachvollziehen, aber es ist wahrscheinlich hilfreich, dann später im Prozess Meinungen von Leuten einzuholen, die nicht unbedingt Musiker sind und einen anderen Blick auf die Musik haben.

DANNY: Ja, manchmal kommen wir beim Schreiben der Songs an einen Punkt, an dem wir schon total ausgebrannt sind, weil wir sie ständig hören. Wir hören sie tausende Male, bevor alle anderen sie hören. Und meine Frau hat mir das tatsächlich auch vor kurzem gesagt. Sie meinte nur: „Weißt du, ich verstehe mittlerweile, warum du deine eigene Musik jetzt nicht mehr hörst“, weil sie denselben Song jetzt schon tausende und abertausende Male gehört hat, sei es der Refrain von „Die for You“ oder was auch immer. Sie sagte: „Ja, ich habe das Gefühl, diesen Song selbst schon eine Millionen Mal gehört zu haben.“ Die Songs werden uns einfach irgendwann überdrüssig und das Verrückteste daran ist, dass sie noch nicht einmal veröffentlicht sind. Also ja, es hilft manchmal, Meinungen von außen einzuholen, weil wir manchmal wirklich übersättigt davon sind, denselben Song ständig zu hören.

Mir ist aufgefallen, dass in den bisherigen Songs des Albums viele Metaphern und Bezüge rund um die Hölle, den Teufel und Dämonen auftauchen. Woher kam die Inspiration dafür und warum haben euch diese Motive und Themen besonders angesprochen?

DANNY: Ich glaube das ist tatsächlich einfach so passiert und dass uns das damals gar nicht so richtig aufgefallen ist. Wir haben einfach über das Leben geschrieben, über die Höhen und Tiefen, die guten und die schlechten Zeiten und da gibt es einfach sehr viele Dinge, die auf so etwas wie ein Fegefeuer hindeuten, wo es so ist, als würde man versuchen, einen besseren Ort zu erreichen, und manchmal wird man wieder nach unten gezogen, und das passiert im Leben andauernd. Ich glaube diese Texte sind einfach nur die natürliche Konsequenz von Dingen, die wir alle durchgemacht haben und die wir zu der Zeit gefühlt und über die wir geschrieben haben. Ich finde es im Nachhinein betrachtet schon verrückt, dass wir nicht unbedingt einen strengen Plan hatten, aber letztendlich heißt das Album „Reflections“ und steht dafür, den Blick nach innen zu wenden, an sich selbst zu arbeiten und über das eigene Leben zu reflektieren. Und da es um die Höhen und Tiefen im Leben geht, hat sich der Kreis wirklich geschlossen. All das Zeug über Himmel, Hölle und Fegefeuer ist einfach so passiert und ich glaube nicht, dass es besser hätte laufen können.

Wo wir gerade von diesem Thema sprechen, also von dieser Versuchung, sich in seinen dunklen Gedanken und Gewohnheiten zu verlieren, was ja auch in diesen Songs ein ziemlich großes Thema ist. Ich glaube, das ist etwas, womit sich viele Leute identifizieren können. Bekommt du viel Feedback von Fans, die sagen, dass diese Songs sie berühren, und wie fühlt sich das für dich an?

DANNY: Ja, solches Feedback bekommen wir sehr häufig. Ich glaube, das liegt daran, dass wir alle viel mehr gemeinsam haben, als uns bewusst ist. Weißt du, ich glaube, viele Menschen haben das Gefühl, dass sie nirgendwo reinpassen oder dass sie nicht zu der Welt dazugehören, weil sie sich allein fühlen. Und ich glaube, dass das, was wir über all diese Dinge schreiben, einfach zeigt, dass es vielen Menschen ganz ähnlich geht oder dass sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Es ist also wirklich cool, so ein Feedback von Menschen aus aller Welt zu bekommen. Wir hatten gerade erst gestern und heute Leute, die uns erzählt haben, dass unsere Musik ihr Leben gerettet hat, was eines der coolsten Dinge ist, die man uns als Künstler sagen kann, denn das bedeutet, dass die Wirkung einfach unglaublich ist. Und es ist wirklich cool, eine solche Bedeutung im Leben von jemandem zu haben.

Vor allem auch von Leuten, die man kaum oder gar nicht kennt, das muss sich wirklich besonders anfühlen. Für viele Künstler sind das Touren und das Bereisen all dieser verschiedenen Städte auf der ganzen Welt oft eine Quelle für neue Ideen und Inspiration. Ich weiß, dass ihr wahrscheinlich noch eine Weile lang damit beschäftigt sein werdet, mit diesem Album auf Tour zu gehen, weil es zu diesem Zeitpunkt ja noch gar nicht erschienen ist, aber hast du schon Ideen, Pläne oder vielleicht sogar Wünsche für die Zukunft der Band?

DANNY: Wir wollen nach dieser Tour auf jeden Fall viel mehr ins Ausland reisen. Es war jetzt schon so unglaublich, also haben wir vor entweder gegen Ende diesen Jahres wiederzukommen, und wenn nicht, dann im kommenden Sommer, um auf allen europäischen Festivals zu spielen, mehr Headliner-Shows in Europa zu geben und vielleicht einige der Orte zu besuchen, die wir dieses Mal nicht besuchen konnten. Wir wollen das Ganze wirklich einfach weltweit ausbauen. Wir haben uns bisher so sehr auf die USA konzentriert und darauf, Touren zu machen, bei denen wir andere Bands unterstützt und vor anderen Leuten gespielt haben, dass wir jetzt wirklich das Gefühl haben, es ist an der Zeit, uns so weit wie möglich zu verzweigen, um zu zeigen, wie groß diese Fangemeinde und diese Familie wirklich ist, denn ich glaube, die Leute fangen langsam an zu begreifen: „Wow, diese From Ashes To New Band ist tatsächlich ziemlich groß.“ Und das ist ein cooles Gefühl. Und jetzt denken wir: Okay, wir müssen uns so weit wie möglich ausbreiten und an so viele Orte wie möglich gehen. Deshalb spielen wir dieses Jahr keine Headliner-Touren. Von jetzt an wird es diese sehr großen Tourneen als Support für größere Bands geben, und dann werden es, glaube ich, internationale Shows sein, und dann kommen wir ins Jahr 2027. Ich glaube, das ist nächstes Jahr, ich verliere fast den Überblick über die Jahre. Und dann wird unsere erste Headliner-Tour erst 2027 stattfinden, und dann kommen wir hoffentlich wieder nach Europa. Hoffentlich wieder. Und es ist so, dass wir überall sein werden, und genau das ist der Sinn der Sache.

Das hört sich ziemlich gut an. Ich habe noch eine letzte Frage: Wenn neue Musik veröffentlicht wird, müssen ja leider oft ältere Songs von der Setlist weichen. Welchen eurer älteren Songs würdest du gerne so lange wie möglich auf der Setlist behalten?

DANNY: Wir touren im Sommer mit Shinedown und haben bei dieser Tour nur 30 Minuten für unser Set und da wird es wirklich schwer, sich zu entscheiden. Und ich denke einer der Songs, die gestrichen werden und bei dem ich mir denke „Mann, es ist echt schade, dass wir ihn weglassen müssen, aber wir haben keine andere Wahl“, wird „Heartache“ sein. Wir haben nur Zeit für vielleicht acht Songs und das auch nur, wenn wir uns wirklich ranhalten und direkt wenn ein Song endet mit dem nächsten weitermachen und da passt Heartache dann leider nicht mehr rein. Denn wir müssen natürlich die neuen Songs spielen und wir müssen unsere großen Songs spielen, so wie „Barely Breathing“ und „Panic“ und „Through It All“ und selbst das sind ja schon drei Songs, also ist es wirklich schwierig. Wir spielen etwa vier Songs vom neuen Album und dann müssen wir diese drei Songs spielen. Das lässt vielleicht einen Platz übrig und das war’s. Also wenn wir eine kürzere Setlist spielen, gibt es definitiv vieles, was wir gerne auf der Setlist behalten würden, was wir aber nicht können. Aber „Heartache“ ist definitiv einer dieser Songs, der bei einer so kurzen Setlist gestrichen wird, und bei dem ich mir denke „Mensch, das ist echt schade!“

„Heartache“ ist wirklich ein guter Song, ich mag ihn auch sehr, deshalb kann ich das gut nachvollziehen. Jetzt bin ich aber erst mal gespannt auf eure Show heute Abend und darauf, wie laut die Fans in Köln heute sein werden. Danke, dass du dir die Zeit für ein Interview mit uns genommen hast.

DANNY: Das wird großartig, ich weiß, dass es großartig wird, deshalb kann ich es kaum erwarten!

FROM ASHES TO NEW – Live Music Hall, Köln – 11.04.2026 – Konzertfotos