CRIPPLED BLACK PHOENIX: Sceaduhelm

Ein makabres Schattentheater: CRIPPLED BLACK PHOENIX vermengen die Düsternis von „Ellengaest“ mit der Epik von „Banefyre“. „Sceaduhelm“ ist der nächste logische Schritt für die britische Band.

Ganz schön was los im Schatten. Hierhin haben sich CRIPPLED BLACK PHOENIX zurückgezogen, um sich mal wieder neu zu sortieren. Immerhin steckt der ewige Wandel seit über 20 Jahren tief in der DNA der britischen Band. Justin Greaves und einige seiner treuen Gefährt*innen lassen auf das farbenprächtige wie überbordende Musical „Banefyre“ ein schwarzes Stück Blei folgen, das aber trotz allem ziemlich cineastisch bleibt. Da ist es fast schon überfällig, dass sich CRIPPLED BLACK PHOENIX nun selbst ein Label verpassen: Willkommen in der dunklen Welt des Macabre Rock.

Und so beginnt das Album: Das Instrumentalstück „One Man Wall Of Death“ – nebenbei bemerkt ein Anwärter auf den Songtitel des Jahres – startet mit comichaften Samples und einem tonnenschweren Riff, bevor die Düsternis, durchzogen langsam einsickert, begleitet von diesen bizarren Dialogfetzen nach Art von Hammer-Filmen der 1960er und einem krachenden Noise-Crescendo. Die Samples sind es auch, die CRIPPLED BLACK PHOENIX durch das Album hindurch ziehen und die das bizarre Theater zusammenhalten. Und der Vorhang, der hier gelüftet wird, lässt auf der Bühne allerhand wilde Charaktere, respektive Songs tanzen.

Laute und krachende Songs sind auf „Sceaduhelm“ in der Unterzahl: CRIPPLED BLACK PHOENIX fokussieren sich auf Melancholie.

Atmosphärisch und todtraurig ist das alles, cool und doch mit der ungebremsten Kraft des Rock And Roll. Ein wenig so, als wäre die Schwärze von „Ellengaest“ zurückgekehrt. „Sceaduhelm“ ist dabei kompakter und weniger verkopft als sein Vorgänger. Greaves schenkt sich die Dienste eines Frontmannes in diesen Songs, mit Joel Segerstedt hat es offensichtlich nicht dauerhaft funktioniert. Neben ihm sind vor allem Sängerin und Lyrikerin Belinda Kordic, Lucy Marshall an den Tasten, Gitarrist Andy Taylor und Wes Wasley am Bass zu hören. In dieser Besetzung entsteht gleich zu Beginn der krachende Hit „Ravenettes“, das dreckig wie die eingängigen Stücke vom Nebenprojekt JOHNNY THE BOY ist, aber auch etwas Extravaganz atmen.t

Die lauten, angriffslustigen Songs sind in der Unterzahl, und doch ist der beste Song des Albums sehr wuchtig. CRIPPLED BLACK PHOENIX haben mit der unglaublichen Gothrock/Post Punk-Nummer „Vampire Grave“ bei der Ryan Patterson (FOTOCRIME) wieder zu hören ist, ein unverschämt sexy und cooles Stück auf „Sceaduhelm“. Zumeist gibt es melancholische, düstere Songs zu hören, wie das tieftraurige „Things Start Falling Apart“ mit Sänger Justin Storms, dessen Uptempo-Finale etwas zu abrupt kommt, oder auch „Under The Eye“, auf dem Belinda Kordic so gut wie noch nie singt – beschwörend, todtraurig und voller Größe.

CRIPPLED BLACK PHOENIX große stilistische Varianz und gleichzeitige Stimmigkeit lassen „Sceaduhelm“ wie im Flug vergehen.

„Colder And Colder“ verdient seinen Titel zurecht. Mit Wave-Gitarren, pumpendem Bass und dem unterkühlten Gesang von Justin Storms lässt dieses Stück einen Schauer über den Rücken laufen, das leise „Tired To The Bone“ ergänzt das perfekt, gewürzt mit etwas innerem Frieden. „No Epitaph – The Precipice“ mit Americana-Flair und Ryan Pattersons tiefem Gesang, hat einen sensationell coolen Refrain und entwickelt sich zu einem kraftvollen Song, der am Ende die Post Rock-Dynamik aus CRIPPLED BLACK PHOENIX’ Vergangenheit aufleben lässt. Wenn am Ende mit dem beinahe doomigen, von erhabenen Harmonien überlagerten „Beautiful Destroyer“ das Album seinen tristen Schlusspunkt findet, wirkt es gar nicht so, als wären bereits 66 Minuten vergangen.

„Sceaduhelm“ gelingt ein Kunststück: Trotz großer stilistischer Varianz, zwischen todtraurigen, in sich gekehrten Songs und lauten, brachialen Stücken fließen die zwölf Songs ineinander über und erschaffen ein Album, das facettenreich wie geschlossen wirkt. Das geschieht einerseits durch die generell düstere Ausrichtung der Songs, aber auch durch den Sound, der durch das Drumming, die Gitarren und Iver Sandøys Mix gut zusammengehalten wird. Dreieinhalb Jahre nach „Banefyre“ hat Justin Graves ein beeindruckend vielseitiges doch kompaktes Album geschaffen, das nur in der Mitte mit „Hollows End“ und „Dropout“ einen kleinen Einbruch hat. „Sceaduhelm“ berührt mit seinen melancholischen Songs und reißt mit den lauten Stücken mit, und es feiert die vielen Facetten einer oftmals unterschätzten Band – mit Songs wie diesen müssen sich CRIPPLED BLACK PHOENIX definitiv nicht im Schatten verstecken.

Wertung: 10 von 12 Schattenspiele

VÖ: 17. April 2026

Spielzeit: 66:20

Line-Up:
Justin Greaves – Guitars, Drums, Melotron, Synths Samples
Wes Wasley – Bass
Lucy Marshall – Piano, Synth, Hammond
Belinda Kordic – Vocals
Justin Storms – Vocals
Ryan Patterson – Vocals
Rene Misje – Guitar
Andy Taylor – Guitar
Iver Sandøy – Percussion
Robin Tow – Percussion

Label: Season Of Mist

CRIPPLED BLACK PHOENIX „Sceaduhelm“ Tracklist:

1. One Man Wall Of Death
2. Ravenettes (Official Video bei Youtube) 
3. Things Start Falling apart
4. No Epitaph / The Precipice
5. The Void
6. Hollows End
7. Dropout
8. Vampire Grave (Official Audio bei Youtube) 
9. Colder And Colder (Official Audio bei Youtube) 
10. Under The Eye
11. Tired To The Bone
12. Beautiful Destroyer

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