AYREON: Transitus [2CD]

AYREON: Transitus [2CD]

Also ich hab´s ja nicht so mit diesem symphonischen, theatralen Kram, erst recht wenn dann noch Happy Metal-Stimmung aufkommt. Daher sind auch viele AYREON-Sachen an mir vorbei gegangen, zu viele ähnliche Bands/Projekte haben mich immer abgeschreckt. Das hat sich mit den ersten Appetithappen für das neue Album „Transitus“ schnell geändert. Statt Science Fiction und Future-Storys geht der Niederländer nun andere, weitaus düstere Wege. Düster geht es zu, eine Story um das Leben, den Tod, mysteriöse Ereignisse im Jahre 1884. Hier ist eher Grusel- und Gothic-Stimmung angesagt, und das zieht sich wurderbar dunkel durch diese eben düstere Geschichte. Eigentlich war das Ganze als Filmprojekt angedacht, aber Corona-bedingt wurde doch auf ein musikalisches Werk umgeschwenkt.

AYREONs „Transitus“ kommt statt Film als Rock-Oper

Dass Projekt-Kopf Arjen Lucassen (BODINE, VENGEANCE) hierfür wieder ein Großaufgebot an starken Musikern am Mikro und an den Instrumenten aufweisen kann, das kennt man ja aus der Vergangenheit. Durch die Story führt uns niemand anderes als der britische Schauspieler Tom Baker, der in den 1970ern Star der von der BBC produzierten Kult-Fernsehserie „Dr. Who” war. Na dann gehen wir mal wieder auf Reisen in die Welt von „Transitus“.

Als sechsteilige Ouvertüre gibt es das lange „Fatum Horrificum“, das uns in die richtige Stimmung versetzt. Alles drumherum ausschalten und eintauchen ist angesagt. Ein düsterer Auftakt, eine Einweisung von Tom Baker, eine fette Portion PINK FLOYD mit schönem GILMOUR-Style-Solo, eine dicke Ladung Dramatik, eine Runde Metal-Oper, ein gelungener Auftakt. Dies alles wird natürlich immer mehr ausgebaut auf dem Album. „Daniel´s Descent Into Transitus“ kommt wie ein Stück schwedischer Doom/Dark Metal der 90er aus den Boxen gekrochen. Musical-Flair kommt auf bei „Listen To My Story“, „Two Worlds Now One“ bringt abermals PINK FLOYD ins Haus mit tollen Vocals.

Große Stimmen und starke Musiker erzählen die Geschichte von „Transitus“

Es wird auch mal ‚progressive gemetalt‘ bei „Talk Of The Town“ mit abermals starken Vocals, präsentiert mit irischem Flair wie auch später „Dump Piece Of Rock“. Dessen Vocals tragen viel 70er-Flair mit Vocals irgendwo zwischen QUEEN und THE SWEET. Beim wütenden „Get Out Now!“ erhebt lautstark DEE SNIDER (TWISTED SISTER) seine Rock’n’Roll-getränkte Stimme, aber egal wie cool er das macht, man hat durchaus das Gefühl, Arjen hätte sich hier auch gern den Schockrockmeister ALICE COOPER am Mikro gewünscht. Die Parts klingen wie auf dessen Leib geschnitten. JOE SATRIANI schiebt ein passend energisches Solo ein.

Die zweite CD empfängt uns mit energischem Metal, die aufgebrachte Meute an SängerInnen will ihr Opfer sterben sehen. Die Songs kriegen mehr Weite, werden noch theatraler, die Charaktäre der beteiligten Damen und Herren werden immer deutlicher. Mit „Lavinia´s Confession“ nimmt die Dramatik Fahrt auf, wieder mit doomigen Tunes, schön mal wieder die Stimme von AMANDA SOMERVILLE zu hören. Das bedrohliche „Inferno“ baut sich auf, „Your Story Is Over!“ fasst musikalisch nochmal alles zusammen. „Abby In Transitus“ kuschelt sich nochmal FLOYDig an mit abermals schönen Vocals von Cammie Gilbert (OCEANS OF SLUMBER). „The Great Beyond“ beendet die spannende Reise lautstark und greift auch nochmal einige Themen der Songs auf, ein stimmiger Showdown.

AYREON bietet mit „Transitus“ großes Kino ohne Kitschfaktor

Die etwas ausgelutschte Bezeichnung „Großes Kino“ passt hier auf „Transitus“ ohne wenn und aber. Die Storyline ist nicht sehr überraschend, aber stimmig und interessant. Musikalisch ist hier alles auf höchstem Level, ohne dass sich irgendwer in den Vordergrund schiebt. Das gilt ebenso für die durchgehend starken Sänger und Sängerinnen, die mit großen Stimmen die Helden der Geschichte erfolgreich zum Leben erwecken. Nur hier und da kommt ein „weniger wäre mehr“-Gedanke auf, werden die Vocals doch mal überzogen. Für sich allein mag auch mancher Song/Part nicht recht zünden, im Gesamtbild findet er aber seinen stimmigen Platz. Mit ähnlichen, durchaus gern mal arg kitschigen Projekten, braucht sich „Transitus“ nicht vergleichen lassen. All die Befürchtungen, die sich bei mir anfangs breitgemacht haben, hat Arjen Lucassen erfolgreich ins Jenseits befördert.

„Transitus“ ist ein großes Werk, aber nichts fürs Autoradio oder nebenher beim Schwätzchen

In sich ist „Transitus“ ein großes Werk, und so muss man da auch ran gehen. Im Feierabendverkehr im Autoradio oder nebenher beim Schwätzchen über die kleinen und großen Dramen des Alltags findet die Geschichte keinen Raum, sich zu entfalten. Lässt man sich voll drauf ein und taucht ein in die Storyline, dann kriegt einen diese unterhaltsame Rock-Oper. Die sicher noch mehr Spaß macht, wenn man sie im 28-seitigen Comic-Buch aus der Feder des chilenischen Zeichners Felix Vega begleitet. Dieses findet man im Earbook und der Vinyl-Edition von „Transitus“.

Gestern noch hat Arjen Lucassen das neue Album „Transitus“ in einem Video vorgestellt.

Veröffentlicht am 25.09.2020

Spielzeit: 84:21 Min.

Lineup:
Vocals, Guitars, Bass, Keyboards: Arjen Lucassen

Vocalists
The Storyteller: Tom Baker
Daniel: Tommy Karevik (KAMELOT)
Abby: Cammie Gilbert (OCEANS OF SLUMBER)
Henry: Paul Manzi (ARENA, THE SWEET)
Lavinia: AMANDA SOMERVILLE
Abraham: Johanne James (THRESHOLD)
The Angel Of Death: Simone Simons (EPICA)
The Statue: Michael Mills (TOEHIDER)
The Father: DEE SNIDER (TWISTED SISTER)
Fury/Servant/Villager: Marcela Bovio (MAYAN)
Fury/Servant/Villager: Calorine Westendorp (THE CHARM THE FURY)
Villager: Dan J. Pierson, Jan Willem Ketelaers, Lisette Van Den Berg, Marjan Welman, Will Shaw. Wilmer Waarbroek
Chor: Hellscore
Soprano: Dianne Van Giersbergen

Instrumentalists
Hammond, Piano, Fender Rhodes: Joost Van Den Broek (STAR ONE, AFTER FOREVER)
Drums: Juan Van Emmerloot
Violin: Ben Mathot
All Flutes: Jeroen Goossens
Cello: Jurriaan Westerveld
Horn: Alex Thyssen
Lead Guitar On „Get Out Now!“: JOE SATRIANI
Lead Guitar On „Message From Beyond“: MARTY FRIEDMAN (MEGADETH, CACOPHONY, HAWAII)
Hurdy Gurdy: Patty Gurdy
Trumpet, Trombone: Thomas Cochrane

Label: Music Theories Recordings

Homepage: https://www.arjenlucassen.com

Mehr im Web: https://www.facebook.com/ArjenLucassenOfficial

Die Tracklist von „Transitus“:

CD1
01. Fatum Horrificum (A: Graveyard, B: 1884, C: Daniel And Abby, D: Fatum, E: Why?!, F: Guilty)
02. Daniel´s Descent Into Transitus
03. Listen To My Story
04. Two Worlds Now One
05. Talk Of The Town (Video bei youtube)
06. Old Friend
07. Dump Piece Of Rock
08. Get Out! Now! (Video bei youtube)
09. Seven Days, Seven Nights

CD2
01.Condemned Without A Trial
02. Daniel´s Funeral
03. Hopelessly Slipping Away (Video bei youtube)
04. This Human Equation (Video bei youtube)
05. Henry´s Plot
06. Message From Beyond
07. Daniel´s Vision
08. She Is Innocent
09. Lavinia´s Confession
10. Inferno
11. Your Story Is Over!
12. Abby In Transitus
13. The Great Beyond

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.