Jahresrückblick 2021 von Otto Flake

2021 war ein fulminantes Death-Metal-Jahr mit einigen wirklich rasanten Releases. Nichtsdestotrotz mogeln sich auch ein paar genrefremde Platten in mein Best-of-2021. In keiner bestimmten Reihenfolge:

THE CROWN: Royal Destroyer

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The Crown liefern einfach seit ihrem Debüt im Jahr 1995 konsequent hochwertiges Schwedenmaterial. Auch wenn mich der Vorgänger “Cobra Speed Venom” ein wenig mehr begeistert hat, wird hier in gewohnter Death-Thrash-Rotz’n’-Roll-Manier der Kittel gebügelt.

WITCH VOMIT: “Abhorrent Rapture”

Wo WITCH VOMIT drauf steht, ist auch WITCH VOMIT drin. Gnadenlos bösartiger Death Metal aus dem tiefsten Abgrund, dabei aber dennoch verspielt und abwechslungsreich. Die Stimme klingt entsprechend.

IMPURE WILHELMINA: Antidote

Ein wahres Highlight für mich. Die Schweizer mäandern irgendwo in der Schnittmenge aus KATATONIA und MOONSPELL. Die Songs sind geradezu hypnotisierend und bauen massive Spannungsbögen auf, die sich oft in purer Raserei entladen. Absoluter Anspieltipp ist “Dismantle”!

AARA: Triade I : Eos

Wie unser Captain ganz trefflich in seinem ausführlichen Review anmerkt: AARA lassen Adrenalin durch den Körper rauschen. Rasende Passagen treffen auf hypnotische Versatzstücke, die einen einfach nur in den Bann ziehen und nicht mehr loslassen. Mein Black-Metal-Highlight 2021!

TEMPLE OF DREAD: Hades Unleashed

Moin Moin, ihr Lachse – so oder ähnlich muss man sich bei den Ostfriesen wohl begrüßen, denn da wird amtlich old-schoolig der Lachs gebürstet, dass es sich geschuppt hat. Death-Thrash der Extraklasse!

EMPYRIUM: Über den Sternen

EMPYRIUM haben es tatsächlich geschafft mit “Über den Sternen” eine Melange ihrer bisherigen Schaffensphasen aufzunehmen. Großes mystisches Kino.

SANGUISUGABOGG: Tortured Whole

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Ganz weit vorne im Fäkalschlamm einer Dixiegrube suhlen sich die Stuhlblutegel von SANGUISUGABOGG und lassen mit ihrem Caveman-Death-Metal keinen Stein auf dem anderen. Groovig primitiv wird hier nicht nur die Gore-Metal-Szene amtlich durch den Plumpsklokakao gezogen.

CEREBRAL ROT: Excretion of Mortality

Das Cover weckt einfach Emotionen: Damals nach meinem ersten Taco mit echter Salsa sahen meine Innereien bestimmt ähnlich aus. CEREBRAL ROT nagen sich wie eine Kanalratte durch rostige Rohrsysteme und hinterlassen mächtig Eindruck. Nicht nur in den Organen.

MEGATON SWORD: Blood Hails Steel – Steel Hails Fire

Die Griechen spielen – wen wundert es bei dem Titel – natürlich epischen Heavy-Trve-Power-Metal. Der ist zwar inhaltlich und lyrisch unter ferner liefen, nichtsdestotrotz aber durchaus unterhaltsam, wenn man sich hier durch die Epen näselt. Gänsehautgarantie zum Mitsingen.

BEWITCHER: Cursed Be Thy Kingdom

Ihr kennt das? Ihr hört nur den ersten Ton und wollt direkt eine Kanne Gerstentunke in euren Feinkostkeller gießen und euch amtlich einen in die Galeere rudern? BEWITCHER und ihr Blackened Thrash&Roll schaffen das bei mir. Gute Laune zum bösen Spiel sozusagen.

RIVERS OF NIHIL: The Work

Die Amerikaner haben nach ihrem letzten saustarken Output “Where Only Owls Know My Name” nochmals eine Schippe auf ihren Berg aus Technical Progressive Death Metal draufgepackt. Die Kompositionen sind noch packender, intensiver, progressiver und doch auf den Punkt. Man darf gespannt sein, was in den nächsten Jahren von den Jungs noch geliefert wird.

ARCHSPIRE: Bleed The Future

Arch, Am Arch, ARCHSPIRE. Das Feuerwerk, das die Kanadier hier abfeuern, wäre bei uns schon vor zehn Jahren wegen extremster Feinstaubbelastung verboten worden. Mit unmenschlicher Präzision und der Geschwindigkeit eines Fregattvogels im Sturmtief knüppeln sich die Jungs hier auf höchstem Niveau durch dieses Brett von Album. Trotz aller Spielereien wird man aber als Hörer nicht abgehängt – wobei es natürlich gelogen wäre zu sagen, dass es nicht ein wenig fordernd ist, die Lauscher der Schallmauer länger als 20min am Stück entgegenzustrecken.

ENDSEEKER: Mount Carcass

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Die Hamburger haben sich nach ihrem letzten Output “The Harvest” auch noch einmal ganz ordentlich im Songwriting steigern können. So ist es kein Wunder, dass “Mount Carcass” nebst wunderbarem Titel die reifsten Kompositionen bislang zeigt. Old-School-Swedish-Death-Metal-Jünger mit Fable für große Melodie werden hier gänzlich abgeholt.

AEON: God Ends Here

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Rabenschwarz präsentieren die Schweden ihren amerikanisch geprägten Death Metal der geneigten Hörerschaft. Dichte Riffmonster, pechklebender Groove und Ritualrhythmik dominieren den druckvollen, erdigen Sound gepaart mit einem wahrlich diabolischen Organ. MORBID ANGEL wären stolz auf so ein Album.

BOTTOMLESS: Bottomless

Zu guter letzt eine Neuentdeckung: Ganz im Geiste von SAINT VITUS und REVEREND BIZARRE wird hier in der reinsten Form des klassischen Doom die Schicksalskelle gen Himmel gereckt. Die Italiener veröffentlichen ein saustarkes Debüt, das sich nicht hinter den Originalen verstecken muss und deftig Laune verbreitet.

Alles in allem sind mir nur wenige Gurken untergekommen. Die Stammbands haben alle geliefert, mit nur wenigen Ausnahmen. Diese da wären:

DORNENREICH: Du wilde Liebe sei


Ich war wirklich früher großer Fan, insbesondere der lyrischen Perspektive der Musik – unabhängig von der Rohheit oder eben dem Gegenteil davon in der akustischen Ausprägung. Den Kauf bereue ich richtig, denn das Material erinnert mich eigentlich an eine auf der Maulfeile lärmende pseudointellektuelle Version von RAMMSTEIN für Neofolk-Norberts und überschreitet im Sekundentakt die Grenze zum Kitsch.

CARCASS: Torn Arteries


Obwohl von Presse und Fans gefeiert, werde ich mit diesem Werk einfach nicht warm. Nicht dass ich es nicht versucht hätte. Es bleibt bei mir persönlich einfach nichts hängen – was ich sehr bedauerlich finde, aber viel zu poliert und unspektakulär poltert Song nach Song aus den Boxen.

So viel gab’s da ja nicht 😀 Daher waren die beiden Veranstaltung für mich absolute Höhepunkte, nämlich einerseits “SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH” im ausverkauften 7-er-Club Mannheim und die PartySan Herbstoffensive in Weimar. Dort hat mir vor allem REVEL IN FLESH amtlich die Kauleiste poliert – der Rest der Veranstaltung ist ein wenig gerstentrübe 😀

Highlights des Jahres waren neben den wenigen Live-Events vor allem die Wochenenden in der Natur, wie beispielsweise ein famoses Wanderwochenende im Harzgebirge im Spätsommer.

Zur Lage der Nation braucht man retrospektiv zu 2021 eigentlich nichts mehr sagen. Inkompetenz trifft es ziemlich exakt. Enttäuscht bin ich von allen, die sich im Zuge der Pandemie radikalisieren und weder dialog- noch vernunftfähig sind. Ausserdem war ich nicht amüsiert, dass das PartySan das zweite Jahr in Folge nicht stattgefunden hat.

2021 war für mich persönlich ein ziemlich bewegtes Jahr. Neue Verantwortung im Beruf, Verantwortung als Cat-Dad, Einstieg bei Vampster im Februar, gefühlt alle 14 Tage irgendein anderes gesundheitliches Dilemma. Etymologisch bedeutet eine Katastrophe den Wendepunkt einer abstürzenden Kurve. Wenn 2021 eine Katastrophe war, dann geht es 2022 nur aufwärts.