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SANGUISUGABOGG: Tortured Whole

Nein, ich bin nicht auf der Tastatur ausgerutscht, die Band heißt wirklich so: SANGUISUGABOGG. SANGUISUGA ist lateinisch für Blutegel. Der Gründer hat seinen Nachnamen angehängt – BOGG bedeutet im Slang aber auch salopp Scheißhaus. Also ein “Blutsaugendes Klo”. Der Name ist auf jeden Fall Programm und demonstriert überaus bildlich, was für ein erquickender Haufen Gülle auf den geneigten Hörer einprasselt – im guten Sinn natürlich.

Die Blutsaugstühle aus Ohio bringen nach ihrer 2019er EP „Pornographic Seizures“ mit „Tortured Whole“ ihre erstes Full-Length Debüt an den Start. Das Scheibchen kommt auf 34 Minuten unterteilt in elf Einzeldarbietungen, wobei zwei rein instrumenteller Natur sind.

“Tortured Whole” ist ein asoziales Meisterwerk

Mit „Tortured Whole“ hat – um das vorwegzunehmen – ein richtig schön asoziales, stumpfes, räudiges und wunderschönes Fuck-You-Album das Toilettenlicht der Welt erblickt. Cover, Bandlogo und auch lyrische Titel wie „Dick Filet“ oder „Menstrual Envy“ legen die Vermutung nahe, es handle sich hierbei um ein ganz ordinäres Stück Goregrind. Ist es aber nur zum Teil, denn ordinär ist es durch und durch, allerdings brodelt die Jauche hier langsam im Kessel und nicht im gorigen Schnellkochtopf. Old-School-Death-Metal trifft es nur zum Teil, die Beschreibung aus der Promo „langsamer Neandertaler-like Death Metal“ kommt der Sache schon sehr nahe.  Ich bin gleichermaßen tiefst betrübt und überglücklich, dass mir keine Texte vorliegen. Der Sound ist amtlich runtergestimmt – wie sich das für das Metier gehört – und das Schlagzeug klappert in den Höhen ein wenig im Vordergrund. Erdig ist der Sound auf jeden Fall – transparent aber nicht überproduziert, das ist auch gut so.

Stumpf ist Trumpf!

Bei allem stumpfen Geholze und den ewig ausgelutschten Themen, muss man dennoch eins ganz klar attestieren: Verdammt, ist das ein geiler Scheiß (lol)! „Tortured Whole“ macht einfach von vorne bis hinten Laune: Es groovt, rotzt, spuckt Galle und Toilettensteine um sich und bei aller Primitivität ist doch eine Handschrift zu erkennen. Wer schon immer mal wissen möchte, wie man mit monströsen fleischfressenden Riesenpenissen umzugehen hat oder was Putin mit Marihuana zu tun hat, dem sei der Konsum der vorab auf YouTube veröffentlichen Videoclips zu „Menstrual Envy“ und „Dead As Shit“ ans Herz gelegt. Einzelne Songs hervorzuheben ist zwecklos, dieses Stück Höhlenkunst möchte am Stück genossen werden. Nur so können sich auch die Interludes „Pornographic“ und „Interlube“ erst richtig entfalten. Die komplette Scheibe besteht aus so viel Augenzwinkern, dass ich einen epileptischen Anfall erleide.

Innovation sucht man vergeblich – Scheiße noch eins, das will hier auch niemand – Genre-Fans können blind zugreifen. Ganz großes spaßiges bekacktes Tennis hier!

VÖ.: 26.03.2021

Label: Century Media Records

Lineup:
Cameron Boggs: Guitar
Cody Davidson: Drums
Devin Swank: Vocals
Ced Davis: Bass

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SANGUISUGABOGG: “Tortured Whole” Tracklist

01. Menstrual Envy (Video auf YouTube)
02. Gored In The Chest (Video auf YouTube)
03. Dragged By A Truck
04. Pornographic
05. Dead As Shit (Video auf YouTube)
06. Tortured Whole
07. Interlube
08. Dick Filet
09. Urinary Ichor010. Posthumous Compersion
11. Felching Filth