Tanzt im Napalm-Death-Shirt auf Techno-Parties. Trifft beim Karaoke keinen Ton. Mehr Moll im CD-Regal als Donald Trump Dollars auf dem Bankkonto. Hauptberuflich als Journalist und Dozent unterwegs.
Electronicore wird erwachsen: I SEE STARS finden zu einer neuen Reife – ausgerechnet, indem sie den Anteil artifizieller Sounds hochschrauben und sich hemmungslos an Autotune, Breakbeats und Effekten bedienen. Das Ergebnis ist spannend und trotz mancher poppiger Melodien weit entfernt vom Metalcore-Einheitsbrei.
Krampfhaft auf Hit und Erfolg getrimmt: der ZDF-Fernsehgartenmetal der Blechritter FEUERSCHWANZ will hörbar in die Charts. Dafür gibt’s milliardenfach wiederholte Refrains, herrlich naive Lyrics und sehr kalkulierte Songs. Was dabei auf der Strecke bleibt: die Leichtigkeit und Unbekümmertheit, die früher ihren Charme ausmachten. Ohrwürmer – zu Hilf! – gibt es natürlich trotzdem reichlich.
ADORNED GRAVES, Deutschlands bestgehütetes Geheimnis in Sachen epischer Metal, zelebrieren ihr zehnjähriges Jubiläum mit einer starken 5-Track-EP. Diesmal huldigen sie ihren musikalischen Wurzeln. Die Songs sind eingängiger und verneigen sich hörbar vor den 80er Jahren – kommen aber dennoch im gewohnt majestätischen Purpurgewand daher.
Spielen THE FLOWER KINGS Progressive oder doch eher Regressive Rock? Die trotzigen Referenzen auf den Prog der späten 60er und frühen 70er sind auch auf ihrem mittlerweile 17. Album unüberhörbar. Doch wer genauer hinhört, erkennt: Eigentlich ist das Jazz-Rock – einer, der die süßesten Harmonien neben kontrollierte Solokaskaden stellt. Das kann nerven. Und ist doch: schön. Und eigen.
Bei den Österreichern GARISH, der vielleicht besten Indierock-Band für Kenner, klingt selbst die Wut noch sanft. Ihre hängenden Gärten zwischen Piano-Ballade, Alt-Pop, Bar-Jazz und Americana sind so schön und selten, dass man sie unter Naturschutz stellen will.
CHEMICIDE machen auf „Violence Prevails“ nur deshalb Gefangene, um ihnen eine ordentliche Dosis Oldschool-Brutalo-Thrash ins Ohr zu spritzen. So giftig, aggressiv und räudig hört man Thrash heute nur noch selten. Den Abrissbagger hat die Band aus dem Fuhrpark von DEMOLITION HAMMER geliehen, aber auch Crustpunk ist eine Referenz.
Nach dem tragischen Ableben von Gitarrist David Andersson fühlt sich 'Give Us The Moon' wie eine Wiedergeburt an. Mit Refrains, die tief in Schokoguss getaucht sind, besticht das Album durch liebevolle Details, Groove und geschmackvolles Keyboard-Spiel. THE NIGHT FLIGHT ORCHESTRA melden sich zurück auf dem AOR-Thron.
Der ungarische Multiinstrumentalist und Weltenbummler Tamás Kátai ist ein Magier. Das beweist er auch auf seinem jüngsten Werk. Black Metal, Prog, Folk, fiebrige Synthies, Rummelmusik, das alles kommt hier zusammen. Auf stringente, zuweilen atemberaubende Art und Weise.
Keine Lust auf Plüsch: HOUSE OF LORDS, einstiges Flaggschiff des Melodic Rock, verzichten auf ihrem zwölften Album größtenteils auf Balladen und liefern flotten, groovenden Hardrock. Die Speedboot-Version steht den ehemaligen Edelrittern gut zu Gesicht.
Die Stuttgarterin Anna Illenberger alias KITZ erschafft aus der Improvisation heraus Popminitiaturen von radikaler Schönheit und Zärtlichkeit. Reduziert, emotional, manchmal verstörend und herausfordernd: aber ein aufwühlendes Erlebnis.
Gibt es das perfekte Death-Metal-Album? BLOOD INCANTATION sagen „Ja“. Die Band klingt auf Absolute Elswhere, als würde sie von einem schwarzen Loch verschlungen – nur um als glitzernde, sternenstaubbedeckte Magier wieder hervorzutreten. Death Metal, Prog Rock und Ambient fließen hier nicht nur zusammen – sie breiten sich aus, wachsen und erschaffen eine neue musikalische Dimension.
„Gods of Metal“ prangt auf dem Cover, aber wir alle wissen, was das hier ist: Schlager pur, wie ihn nur Powermetal-Bands spielen können. Der Sangriaeimer mit den Kotzbröckchen. Eine gar nicht mal so gelungene Täuschung, Jungs! Auch wenn das alles gut gemacht ist. Gibt es ein richtiges Hören im Falschen?
MAVERICK liefern mit „Silver Tongue“ ein Hardrock-Album auf sehr hohem Niveau. Geile Stimme, knackige Riffs, Hooks und Leidenschaft: Mehr braucht es nicht, um dem E-Bike-fahrenden Kunstlederjacken-Rebellen mit aufgesprühtem Airbrush-Totenkopf auf dem Rücken ein geiles Fahrtgefühl zu geben.
Deutschlands Progmetal-Könige VANDEN PLAS bieten auch auf ihrem jüngsten Album ein Vexierspiel auf höchstem Niveau: Komplexe Strukturen treffen auf umschmeichelnde Hooks, markante Riffs und viel Bombast - hat die Band jemals so heavy geklungen?
"Can We Please Have Fun?" ist das mittlerweile neunte Studioalbum der KINGS OF LEON betitelt. Können wir bitte Spaß haben? Ja, keine Ahnung. Das neue Album wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet. Es ist nicht Arena Rock, es ist nicht Garage, es ist nicht Indie - Es ist zuweilen so abgehangen wie ein schwülwarmer Tag an einem schlammigen See, wo kein Baum Schatten spendet. Schlecht ist es dennoch nicht, stellenweise sogar richtig gut, auch wenn es neben Licht auch Schatten gibt.
Die progressiven Fragilitäts- und Überwältigungs-Rocker MIDAS FALL um Frontfrau Elisabeth Heaton liefern auch auf ihrem fünften Album Momente großer emotionaler Intensität. Ein Sog aus ätherisch-schönem Gesang, flirrenden Rhythmen und wallenden Gitarren, der einen tief ins Unterbewusstsein zieht - dorthin, wo die eigenen Monster, Ängste und Träume lauern.
Das finnische Ein-Mann-Projekt NOTIO bietet auf seinem zweiten Album eine interessante Mischung aus Alternative, modernem Progressive Metal und nordisch-heroischem Pomp, wenn auch in einer recht schroffen Version. Hier treffen SYSTEM OF A DOWN auf flirrende Progressive-Gitarren und Breitwand-Keyboards. Es ist gleichwohl ein Sound, auf den man sich einlassen muss.
STRIKER sind die Auferstehung des 80s-Metal in seiner schönsten Form. Hier gibt es die Hooks in Überdosis, die geilsten mehrstimmigen Gitarren und Gesänge, die frischsten Grooves, die größte Party. Wem bei diesen Klängen keine wallende Fönfrisur wächst, der spürt in seiner Spandexhose nichts mehr.