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Musikvideo des Monats: September 2010

Veröffentlicht: 08.10.2010 um 12:08 von Schaffi



Leicht verspätet suchen wir einmal mehr das Musikvideo des Monats. Der September 2010 bot eine breit gefächerte Auswahl an Musikclips aus so ziemlich jedem Genre, die hohe Qualität des Vormonats konnte insgesamt jedoch nicht erreicht werden. Trotz einer ganzen Reihe von namhaften Bands gab es wenig Aufregendes, zwei Skandalclips und eigentlich nur zwei richtig gute Videos. Aber schauen wir uns die Auswahl einfach mal näher an.

THE ACACIA STRAIN machen diesmal den Anfang. "The Hills Have Eyes" ist hinsichtlich der Performance-Ausschnitte einerseits schon ein wenig prollig geraten, hat allerdings mehr als nur das zu bieten. Die Handlung abseits der spielenden Band ist sicherlich nicht eindeutig festgelegt, könnte jedoch auf die Anziehungskraft von Verbotenem anspielen - deshalb auch das Teenie-Girl. Das wäre zumindest weitaus kritischer als das stumpfe und rohe "Boundless" von INSIDIOUS DISEASE. Die Death Metal-Band präsentiert uns einen gut gemachten Clip über einen Familienvater, der in seiner Freizeit zum Serienmörder avanciert. Der Haken an der Sache ist jedoch, dass das Video relativ unreflektiert daher kommt und die Gewaltorgie ziemlich unkommentiert stehen lässt. Da fehlt Fingerspitzengefühl. Über das langweilige Tourvideo "Take The Devil In Me" von LEAVES´ EYES legen wir genauso den Mantel des Schweigens wie über das nur schwer zu ertragende "Hark The Herald" von der zweifelhaft lustigen "Heraldic Metal"-Band JALDABOATH. Da sind doch IMMORTAL viel amüsanter, denn bis auf die besseren Produktionsstandards hat sich bei "All Shall Fall" nichts im Vergleich zu ihren Klassikern geändert. Da wird immer noch mit grimmigem Blick posiert bis zum Umfallen.

ELVENKING filmen sich dagegen dabei, wie sie einen Weg entlang laufen. Und weil das allein zu langweilig wäre, spielt die Band in "The Cabal" ihren Song noch inmitten eines Felshaufens, wo im Übrigen auch eine blondhaarige Dame allerlei Verrenkungen anstellt. Geht noch so als Durchschnitt durch. Die LETZTE INSTANZ hat mit "Schau in mein Gesicht" da schon mehr auf Lager. Ein klassischer Seefahrer-Clip nimmt sich den komplizierten zwischenmenschlichen Beziehungen an, während "Time Bomb" von METHODS OF MAYHEM einen modernen Ansatz mit Verweise auf Reizüberflutung und Irrenanstalt wählt. GRAVE DIGGER melden sich dagegen mit "Highland Farewell" etwas traditioneller zurück. Die tragische Geschichte eines entführten Jungen in den Highlands ist nett gemeint, reißt aber keine Bäume aus. Dafür zelebrieren sich DIMMU BORGIR in "Gateways" fünf Minuten lang selbst, was angesichts der exzentrischen Kostüme allerdings manchmal für einige Fragezeichen über den Köpfen sorgen dürfte. Am besten gefällt mir persönlich ja die Badewanne mit Milch, die in Zeitlupe besonders gut zur Geltung kommt.

Angesichts der schieren Fülle an namhaften Bands, die sich im September mit einem Video zurückgemeldet haben, muss ich mich im Folgenden allerdings gezwungenermaßen auf die wirklich guten beschränken, um nicht den Rahmen völlig zu sprengen. Zunächst jedoch noch ein paar Ausfälle im Schnelldurchlauf: Von HALFORD gibt es in "Made Of Metal" ein lächerlich schlechtes CGI-Nascar-Rennen, SONIC SYNDICATE wollen in "Turn It Up" mit Koks, Alkohol, Splatter und Silikontitten gewaltsam einen Skandal erzwingen und CRADLE OF FILTH fällt in "Forgive Me Father (I Have Sinned)" auch nichts mehr ein.

Dafür überrascht die Rock-Band THE SCENIC mit ihrem poppigen "Uh Oh", denn die Story über einen Mittzwanziger, der mithilfe eines (imaginären) Freunds im Maskottchenanzug aus der steifen Realität ausbrechen will, ist überraschend konsequent inszeniert. Mühe haben sich weiterhin THE SLEEPING gegeben. "Young Vibes... Don´t Run Away From Me" deutet in eine Richtung, lässt zeitgleich aber ein paar Hintertüren offen. So ambivalent ist "The Promise" von IN THIS MOMENT zwar nicht, aber dafür harmoniert das Sängerpärchen ausgesprochen gut miteinander und hübsch anzusehen ist der Clip auch noch. Herrlich selbstironisch ist dagegen "Warrior´s Heart" von THAUROROD. Die Melodic Metal-Band schickt einen Wikinger durch schneebedeckte Landschaften, nur um es am Ende doch ganz anders kommen zu lassen als man erwartet hätte. Das kontroverseste Video haben im September jedoch CEPHALIC CARNAGE veröffentlicht. "Ohrwurm" ist nichts für Zartbesaitete. Splatter, Blut, Sex und die explizite Darstellung von Geschlechtsorganen vermengen sich zu einem ungewöhnlichen Video, das durch die stilvolle Kameraführung allerdings nicht zu plakativ wirkt. Über den Wert derartiger Kunst lässt sich sicherlich prima streiten, die Altersabfrage, die dem Video im Internet vorhergeht, hat jedenfalls durchaus seine Berechtigung.

#5 | KAMELOT - The Great Pandemonium

Eigentlich ist das ja gar kein außergewöhnliches Video. Das Teil ist am Greenscreen entstanden und man sieht die Band hauptsächlich wie sie ihr Programm runterzockt, wieso also die Platzierung? Nun, zum einen ist "The Great Pandemonium" technisch absolut sauber und wird nicht von miserablen Effekten zerstört und zum anderen passt die düstere Atmosphäre hervorragend zum Song. KAMELOT haben quasi ein visuelles Abziehbild ihres Songs geschaffen, das zugleich majestätisch, bedrohlich und vor allem böse ist.


#4 | BRING ME THE HORIZON - It Never Ends

Technisch wahrscheinlich das Gegenteil des vorherigen Videos, denn die Computereffekte in "It Never Ends" sind ausgesprochen schlecht. Das lässt sich aber verschmerzen wenn man die Hommage an alte Horrorfilme in den Vordergrund rückt. Sänger Oli Sykes liegt in einem Krankenwagen, der vor einer Horde blutrünstiger Vampire flieht. Das war´s im Prinzip zwar schon, aber mir gefällt die Vorstellung, dass die Blutsauger eine Metapher für die gierige und rücksichtslose Teenie-Fanschar von BRING ME THE HORIZON ist. Ha ha.


#3 | KORN - Let The Guilt Go

KORN verwenden in "Let The Guilt Go" ein altbekanntes Konzept: Die Wandlung des Mauerblümchens zum sexy Vamp. Richtig gut wird das Video aber erst, weil man sich munter bei den Teenie-Horrorstreifen der 90er bedient: Die ungeliebte Streberin wird von Aliens entführt, entwickelt nach ihrer Rückkehr seltsame Kräfte und wird schließlich zum männermordenden Biest. Das ist irgendwo zwischen "Faculty" und "Jennifer´s Body" und auf jeden Fall einen Blick wert.


#2 | SKELETONWITCH - Bringers Of Death

Eine Horde Zombies bzw. Mutanten befreit die Band aus den Fängen von Stoffmaskottchen, woraufhin eine knallharte Verfolgungsjagd entsteht mit eine actiongeladenen Showdown am Ende. Klingt abgedreht? Ist es auch, aber zeitgleich so gut inszeniert und mit so viel Spaß realisiert, dass man das Ergebnis einfach mögen muss.


#1 | MONSTER MAGNET - Gods And Punks

"Gods And Punks" begleitet einen abgehalfterten Ex-Superbösewicht bei seinem trostlosen Alltag. Der obdachlose Ex-Schurke ertränkt seine Vergangenheit in Alkohol und muss sich sogar der Erniedrigung ergeben, auf großzügige Mitmenschen angewiesen zu sein. Viele gibt es davon nicht, denn sein Schicksal interessiert in der heutigen Welt kaum noch jemanden. Sogar die Jugend erlaubt sich seine Späße mit ihm...mit fatalen Folgen. Erfrischend anders und absolut gelungen und demzufolge zu Recht auf Position #1.
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