WALTER TROUT: Konzertbericht – Bluesgarage, Isernhagen – 06.10.2022

WALTER TROUT auf Tour, da braucht man nicht lange überlegen. Seit den späten 60ern in Jersey unterwegs, nach dem Umzug ist lebhaftere Los Angeles, Shows mit u.a. JOHN LEE HOOKER, Durchbruch mit CANNED HEAT Anfang der 80er, dann bei JOHN MAYALL´S BLUESBREAKERS, gefolgt von einer bewegten Solokarriere. In der kultigen Bluesgarage in Isernhagen war TROUT auch schon öfters zu Gast, ich auch. Nur heute nicht, es gibt keine Gästeliste. Garagenboss Henry bleibt gewohnt entspannt, „geh erst mal rein und mach was du immer tust“. Äh ja, die besondere Atmosphäre des Clubs genießen und auf die Band warten. Alles klärt sich, Andrew, Gitarrist und Tour-Mädchen für alles freut sich über Besuch. Gut gefüllt ist dann auch die Bluesgarage, von den Zuschauer-Einbrüchen bei vielen anderen Konzerten ist hier nichts zu sehen. Das Durchschnittsalter ist Genrebedingt eher höher gelegt, der angebotene Barhocker wird erst skeptisch, dann doch dankbar angenommen.

WALTER TROUT ist wieder zu Gast in der Bluesgarage Isernhagen

Los geht es erst mal mit dem BOB DIDDLEY-Oldie „I Can Tell“ vom 94er TROAT Album „Tellin’ Stories“. Alle Musiker wirken noch recht konzentriert, Coronapause, der erste Song beim ersten Gig der Tour, verständlich. Das Publikum schaut sich die Band an, die Band das Publikum, und alle wissen schnell, das wird ein toller Abend. Man schaut dem Bluesmeister auf die Finger, freut sich über die sympathischen Musiker auf der Bühne und fängt direkt an mitzuwippen. „Bomp A Bomp“ kenne ich nicht, macht Spaß, die Band spielt sich frei. Bei „Wanna Dance“ vom 2020er Album „Ordinary Madness“ kommt auch Andrew Elt auf die Bühne, unterstützt wie später immer mal wieder an der Gitarre und bei den Backing Vocals. Interessant, wie die Herren den Song druckvoll präsentieren und Trout dazu langsam und nachdenklich singt. Aber es wird heute immer wieder begeistern, wie viel Emotionen der Mann beim singen vermitteln kann.

Die Songs vom aktuellen Album „Ride“ gibt es erstmals live

Das auch beim wunderschönen melancholischen Blues „Waiting For The Dawn“ vom aktuellen Album „Ride“. Auch immer wieder schön, wie Trout mit seinen Soli Geschichten erzählt. Dann wird gerockt mit dem Titeltrack vom neuen Album. Dem er natürlich Worte widmet, schließlich spielen sie all diese neuen Songs heute zum ersten Mal live. Und ja, begeistert erzählt er, dass das Coverfoto zu „Ride“ genau hier aufgenommen wurde, auf dem Parkplatz der Bluesgarage. Der Song geht zurück in die Zeit von TROUTs Kindheit, wo er immer Angst haben musste vor seinem gewalttätigen Vater und er immer davon träumte, sich auf einen der nahe dem Haus vorbeifahrenden Züge zu schwingen und abzuhauen. Entsprechend energisch kommt der Song und das folgende „Ghosts“. Die Band ist jetzt im Rausch, man weiß wirklich nicht, wem man zuschauen soll, weil es bei jedem Spaß macht.

Aber der Hausherr weiß dann wieder mit seinen unterhaltsamen Geschichten zu fesseln. So ist das halt mit Beziehungen, man weiß nie was kommt. Eheprobleme, Abstand zur Familie, Leben im Hotel, „Relationship shit happens“. Entsprechend melancholisch kommt das schöne „Follow You Back Home“. Dann geht es wieder voll nach vorn, das unfassbar cool dargebotene „I Worry Too Much“ bringt auch die letzten Stuhlsitzer im Wallung, überall wird gewippt, vor der Bühne ist es nun voll. Die Band nimmt das dankbar an, hat Spaß miteinander und an der Show, loslassen nach der trostlosen Coronazeit. Ich hab noch nie eine Band gesehen, wo sich die Musiker so oft gegenseitig anlächeln!

WALTER TROUT bringt seine total sympathische Band mit, die sichtlich Spaß miteinander hat

Und wieder weiß man nicht, wem man zuschauen soll. Klar, WALTER TROUT ist der Herr auf der Bühne, so herrlich normal ohne Stargehabe, Der ein Gitarrenspiel präsentiert, das man nur begeistert annehmen kann. Basser Johnny Griparic ist eine unfassbar coole Socke, er groovt und grinst und zockt einen sehr coolen Bass. Das tat der Schwede ja auch schon bei SLASH, der tollen BETH HART oder auch bei TOTO´s STEVE LUKATHER. Andrew Elt schleicht sich wieder auf die Bühne, liefert eine tolle zweite Gitarre, gemeinsam mit Johnny schöne Backings und taut auch immer mehr auf. Michael Leasure an den Drums ist allein beim Zuschauen klasse, total sympathisch und mit so viel Spaß dabei, erstaunlich fette Grooves abzuliefern. Der Mann aus Kalifornien ist auch schon mehr als 10 Jahre in der TROUT-Band. Aber auch mit EDGAR WINTER war er schon fleißig unterwegs. Bob Fridzema an den Keyboards sitzt gemütlich bei der heimeligen Stehlampe und bearbeitet seine Keyboards ebenso mit viel Leidenschaft, auch er genießt den Abend. Auch Bob ist ein alter Bekannter, spielte für die schottischen Bluesrocker KING KING, arbeitet mit der fantastischen SARI SCHORR und BERNIE MARSDEN (WHITESNAKE, UFO), war unterwegs mit JOE BONAMASSA.

Hier und jetzt bekommt er seinen „Bob´s Blues“, angelehnt anscheinend an RORY GALLAGHER´s „Bullfrog Blues“ und liefert richtig ab. Und auch die Kollegen steigen irgendwann wieder voll ein und lassen es laufen. Sagte ich schon, dass man sieht, wie viel Spaß die Herren auf der Bühne haben? TROUT plaudert wieder. Damals, 1991, als er bei einer Show in Dänemark diese Frau sah. Danach hat er 45 Minuten mit ihr geredet und ihr erklärt, dass sie mit ihm nach Kalifornien gehen soll. Sie würden heiraten und Kinder machen. Marie hat gesagt, er sei verrückt. Das ist nun über 30 Jahre her und sie sind immer noch verheiratet. Somit gehört der verträumte Kuschelsong „Destiny“ seiner Frau. Wieder ein Moment, wo man erkennt, wie wichtig Andrew Elt ist, mit zart begleitender Gitarre und schönen Backings mit Southern-Flair. TROUT begeistert wieder, wie er mit seiner ihn schon ewig begleitenden Stratocaster seine Geschichte erzählt. Hier sind es ein paar GILMOUR/FLOYD-Vibes, dort das klassische B.B. KING-Spiel, etwas HENDRIX – immer mal tauchen Blueskollegen auf, und trotzdem klingt alles nach WALTER TROUT.

WALTER TROUT erzählt viel von sich und seinen Songs

Der schaut auf die Uhr, „Prisoner Of A Dream“ wird anscheinend gestrichen. Walter erzählt von seiner dramatischen Erfahrung, als er 2014 Monatelang auf der Intensivstation einer Spezialklinik in Nebraska lag, weil er eine nicht behandelbare Lebererkrankung hatte und seine Uhr am ablaufen war. 60 Kilo abgenommen, im wirklich letzten Moment bekam er dann doch noch eine Lebertransplantation, finanziert von Spenden und mit eher ungewissem Ausgang. Und hier ist er nun, es hat funktioniert, er ist sehr dankbar. Und nimmt sich als Beispiel, warum es so wichtig ist, Organspender zu sein. Für seine Offenheit bekommt er fetten Applaus. Ob wir das auch kennen, dass manchmal alles Kacke ist und man sich einfach ins Auto setzen und abhauen möchte. Oh ja! Da kann ja nur das treibende „Leave It All Behind“ kommen. Es rockt, alles schunkelt, die Band lässt es wieder voll krachen. Auf und vor der Bühne ist wieder totaler Spaß angesagt. Es folgt eine ausgelassene Version des FLOYD LEE-Songs „Red Sun“, den TROUT auf seinem 2019er Cover-Album „Survivor Blues“ verewigt hat. Alle tänzeln fleißig mit, nach 90 Minuten ist erst mal Schluss.

WALTER TROUT in der Bluesgarage – eine toller Abend mit einer tollen Band

Nicht wirklich, die Band ist nach lautstarken Zugaberufen gleich wieder da. Es wird ein bisschen rumgealbert, dann gibt’s wieder mal einen Song für TROUTs Frau. „Marie´s Mood“ kommt langsam mit dezenten SANTANA-Vibes, alle schunkeln verträumt mit und genießen die melodischen Leads, die Dynamik des Songs, das FLOYDige Solo. Dann darf doch noch „Prisoner Of A Dream“ ran, der Titelsong des 1990er Albums rockt nochmal mit einer fetten Portion Southern Rock die Bluesgarage. Dann ist endgültig Schluss, in allen Gesichtern auf und vor der Bühne steht geschrieben, wie viel Spaß diese Show gemacht hat. Das bestätigt auch noch eine kleine Plauderei hier und da. WALTER TROUT hat wieder mal gezeigt, dass er ganz vorn steht bei den Großmeistern des Blues-Rock. Mag sein, dass sich manche Kollegen gern im Rampenlicht feiern lassen. WALTER TROUT zeigt sich bodenständig und dankbar, dass ihm die Fans schon so lange die Treue halten, in guten und auch reichlich schlechten Zeiten. Zudem schiebt er sich selten in den Vordergrund, er ist sich seiner starken Band sichtlich bewusst. Jeder auf der Bühne hat heute dazu beigetragen, dass man den ganzen aktuellen Mist um uns herum vergessen hat und einfach einen tollen Abend mit einer tollen Band genießen konnte.

Fotos: Frank Hellweg/vampster.com