WALTER TROUT: Ride

Auch wenn WALTER TROUT schon vor zwei Jahren mit seinem letzten Album „Ordinary Madness“ sein Leid klagte über die C-Pandemie und was sie mit vielen gemacht hat, gibt der nunmehr auch schon 71 Jahre reife Bluesman nicht auf. Auch sein neues, bereits 30. Album „Ride“ zeigt die Spuren auf, welche die üble Zeit mitbrachte. Man ging mit Maske ins Studio, alle waren geimpft und getestet. TROUT passt auf, auch oder gerade weil er seine Lebertransplantation 2014 zum Glück gut überstanden hatte. Zudem bietet seine harte Kindheit und sein wildes Leben genug Stoff für seine Lyrics. Er erzählt aus seinem Leben, gern von der letzten Zeit seiner auch schon langen Karriere, die in den frühen 70ern und richtig ab 1980 bei CANNED HEAT losging, später bei JOHN MAYALL´s BLUESBREAKERS, gefolgt von zahllosen Soloalben. Auch privat wird der aus New Jersey stammende Mann nicht müde, hat seine Koffer in der letzten Stätte in Kalifornien gepackt und ist mit seiner Familie nach Dänemark gezogen. Dass er wohl nicht die treibende Kraft war, erzählt uns ein Song des Albums. Das hielt ihn aber nicht davon ab, abermals eben in jenes Haus in Huntington Beach/Kalifornien zurückzukehren und die Songs für das Album zu schreiben.

WALTER TROUT erzählt auch auf „Ride“ wieder Geschichten aus seinem Leben

Überhaupt ist es schön, ihm zuzuhören, seinen Geschichten, die sich durch sein ganzes Leben bewegen. Wer ein auch schon längeres Leben gelebt hat, der findet sich hier und da selbst wider.  “Dieses Album ist offensichtlich das, was ich geistig und emotional durchgemacht habe”, sagt TROUT. “Alles, was ich tat war,, es auszudrücken. Ich habe viel Zeit damit verbracht, zu weinen, weil ich mich in meinem emotionalen Kern vergraben habe. Ich möchte, dass meine Songs eine Art von Wahrheit enthalten.” Äh nein, keine Angst, auf „Ride“ wird nicht nur melancholisch die Blues-Tränendrüse gedrückt! WALTER TROUT ist und bleibt ein Rocker, aber mit ganz viel Blues im Blut.

WALTER TROUT rockt kraftvoll auf „Ride“ und verbreitet schöne bluesige Melancholie

Das mit dem Rock im Blues legt TROUT dann gleich mal vor, „Ghosts“ kommt kraftvoll und cool daher, bringt ein paar Southern-Vibes mit. Der Titelsong kommt mit Aufbruchsstimmung daher, erinnert fast an einen locker-flockigen BOB SEGER-Song. Ein Song, der als Gedicht begann und von der Lokomotive erzählt, die jede Nacht an Walters Elternhaus vorbeiratterte und ihn dazu verleitete, in die Freiheit zu fliehen. “Der Song handelt davon, wie es sich anfühlte, im Bett zu liegen und davon zu träumen, mit diesem Zug zu entkommen.” Kein Bluesman ohne Ballade, „Follow You Back Home“ ist wunderschön, sentimental, man schunkelt sofort verträumt mit. Später wird uns „Waiting For The Dawn“ entzücken, hier wird man auch mal an GARY MOORE denken. Zum Abschluss wird es nochmal persönlich und nachdenklich mit „Destiny“.

Die Bluesballaden laden zum Schunkeln und Träumen ein

Aber laut kann TROUT eben auch, mal knarzig rockend wie bei „So Many Sad Goodbyes“, fröhliche Boogie-Schunkler wie „High Is Low“, Zeit mal wieder die BLUES BROTHERS rauszuziehen. „Better Days Ahead“ bekommt eine fette Portion HENDRIX, „The Fertile Soil“ wunderschöne Southern-Vibes mit Verbeugung vor der ALLMAN BROTHERS BAND. „I Worry Too Much“ tritt energisch Popo, „Leave It All Behind“ lässt einen mit dem Staubwedel ausgelassen durchs Haus tänzeln. „Hey Mama“ geht wieder zurück zur traumatischen Vergangenheit mit seinem Stiefvater.“Ich bin nicht sauer auf meine Mutter und ich liebe die Erinnerung an sie”, sagt Walter, “aber meine Frau sagt: ‘Deine Mutter hätte wahrscheinlich mehr tun können, um dich vor deinem Stiefvater zu schützen’. Ja, vielleicht hätte sie das tun können. Aber im Nachhinein ist es leicht, das zu sagen.” Das TROUT so offen von seinem Leben erzählt, bringt ihn dem Zuhörer näher. Ein echter Kumpeltyp statt schillernder Rockstar.

WALTER TROUT liefert auf „Ride“ eine bunte, abwechslungsreiche Palette Blues Rock

Ähnlich bunt bleibt es, WALTER TROUT versucht dabei nicht, uns seinen eigenen Sound aufzudrücken. Er rockt sich durch allerlei Ecken den Blues-Rock und bringt das mit der Souveränität eines gestanden Veteranen, der er ja nun mal ist. Die alten Helden respektieren ihn, die junge Blues-Generation liebt ihn. Allein schon, weil er sich nicht so sehr im Rampenlicht aalt wie einige Megaseller des Blues Rock. Die Songs kommen ohne Schnickschnack auf den Punkt, er liefert feurige bis herrlich gefühlvolle Soli ab, die zum genauen Hinhören einladen. Und TROUT beeindruckt durch variablem Gesang, der mal wild, mal herrlich gereift, mal ergreifend klingt. Seine Kollegen liefern ihm die Plattform dafür, machen einen coolen Job, auch die Produktion von Eric Corne kommt angenehm kraftvoll aber ehrlich und nicht überzogen.

So macht das ganze Album schlichtweg Spaß. Als Blues Rocker kommt man an „Ride“ nicht vorbei und bekommt eine tolle Vollbedienung. Und warnt die Nachbarn! Das Album möchte laut gehört werden! Oder gern auch live, die Oktober-Tourdaten von WALTER TROUT findet ihr in dieser News.

Veröffentlicht am 19.08.2022

Spielzeit: 52:18 Min.

Lineup:
Walter Trout – Vocals, Guitars, Harmonica, Mandolin
Teddy Andreadis – Hammond Organ, Piano, Wurlitzer, Clavinet, Fender Rhodes, Congas
Michael Leasure – Drums
Jamie Hunting – Bass
Eric Corne – Backing Vocals, Tambourine, Shaker, Production
Eric Gorfain – Violine, Viola (3)
Thomas Ross Johansen – Backing Vocals (3)
Anthony Grisham – Rhythm Guitar (10)
Aaron Liddard – Saxophon (10)

Label: Provogue/Mascot

Homepage: http://www.waltertrout.com

Mehr im Web: http://www.facebook.com/waltertroutband

Die Tracklist von “Ride”:

1. Ghosts (Audio bei YouTube)
2. Ride (Video bei YouTube)
3. Follow You Back Home
4. So Many Sad Goodbyes
5. High Is Low
6. Waiting For The Dawn (Video bei YouTube)
7. Better Days Ahead
8. The Fertile Soil
9. I Worry Too Much
10. Leave It All Behind
11. Hey Mama
12. Destiny