BLACKMORE´S NIGHT: Esslingen, Burg, 25.7.2004

BLACKMORE´S NIGHT: Esslingen, Burg, 25.7.2004

Seit nunmehr sieben Jahren touren Ritchie Blackmore und Candice Night wie besessen durch Europas Schlösser und Burgen. Mittlerweile haben sich die beiden dadurch eine treue Fangemeinde erspielt, die nicht durch Tätowierungen und Bierbäuche auffällt sondern durch bunte Hüte und mittelalterliche Gewänder!

Natürlich gab es auch in Esslingen langhaarige Rocker und ganz normale Menschen im Publikum. Wie immer waren aber die ersten Reihen für kostümierte Zuschauer reserviert. Gegen 19:30 Uhr betrat ein Spielmann-Duo die Bühne und dudelte eine halbe Stunde lang mehr oder weniger altertümliches Liedgut, darunter amüsanterweise auch zwei Weisen, die BLACKMORE`S NIGHT bereits auf ihren Alben verarbeitet hatten (March The Heroes Home und Fires At Midnight).

Im Licht der untergehenden Sonne betraten schließlich BLACKMORE`S NIGHT die hübsch dekorierte Bühne. Ritchie Blackmore trug wie gewohnt schwarz und schlich mit grimmigem Gesicht auf seiner Bühnenhälfte umher. Im Gegensatz dazu strahlte vor ihm Candice Night einem blonden Engel gleich, während sie mit ihrer zauberhaften Stimme von längst vergangenen Zeiten sang.

Zusammen mit dem Rest der spielfreudigen Band präsentierten die beiden einen gelungenen Querschnitt ihrer bisherigen vier Alben. Der Schwerpunkt lag dabei auf dem aktuellen Werk Ghost of a Rose. Als erstes älteres Stück war Under a Violet Moon an der Reihe, das inzwischen getrost als Klassiker bezeichnet werden kann. Das verblassende Tageslicht passte zwar nicht so recht zur mystischen Stimmung des Songs, doch das hielt die wenigsten vom Mitsingen ab.

Wenig später war es schließlich dunkel genug für eine Reihe ruhigerer Lieder. In der Ansage zu Soldier of Fortune erzählte Candice zwischendurch von den Gerüchten, dass Ritchie vor BLACKMORE`S NIGHT bereits in ein paar anderen Bands gespielt hätte. Dieser schaute sie daraufhin ungläubig an und begann zur Erheiterung aller parallel das Riff von Perfect Strangers zu spielen. Weiterhin berichtete sie, wie sie in einem Hotel in Istanbul Joan Baez begegnet war und ihr gesagt hatte, dass sie ein großer Fan wäre und mit ihrer Band Diamonds and Rust aufgenommen hätte, worauf Joan Baez gemeint hätte: Nobody plays my music except JUDAS PRIEST!

Ritchie hielt sich eher im Hintergrund, hielt aber die musikalischen Fäden fest in der Hand. Mehr als einmal änderte er spontan das Programm, stimmte mitten in Home Again plötzlich ein Volkslied an und erweiterte Fires At Midnight einmal mehr um ein überlanges Solo. Überhaupt herrschte auf der Bühne eine sehr ausgelassene Stimmung.

Mit Once in a Million Years gab es einen exklusiven Vorgeschmack auf die anstehende Balladensammlung. Die Coverversion bewegte sich allerdings wie später auch Wind in the Willows hart an der Grenze zum Volksmusik-Genre. Es kann der Band natürlich egal sein, welche stilistische Richtung sie einschlägt. Mir persönlich gefallen aber nach wie vor die etwas düsteren Songs des Erstlings Shadow of the Moon am besten. Immerhin machten Fires at Midnight und Ghost of a Rose deutlich, dass BLACKMORE`S NIGHT noch immer mitreißende Stücke auf Lager haben, die auch entsprechend vom Publikum bejubelt wurden.

Danach kündigte Candice eine weitere Überraschung an. Die gelang dann auch, als der instrumentale Mondtanz plötzlich in Child in Time mündete. Selbst in gekürzter Form und ohne E-Gitarre funktionierte die Nummer noch und erntete entsprechend viel Applaus. Renaissance Faire und The Clock Ticks on verbreiteten anschließend wieder Renaissance-Atmosphäre im Innenhof der Esslinger Burg, ehe I Still Remember das reguläre Set beendete.

Für die Zugaben schnallte sich Ritchie dann seine E-Gitarre um und verwandelte das geniale Loreley kurzerhand in einen flotten Rocksong. Bei All for One sangen schließlich noch einmal alle Anwesenden mit. Zum Schluss gab es schließlich Beethovens Neunte, die nahtlos in die RAINBOW-Nummer Self Portrait überging.

Die Stimmung war zu diesem Zeitpunkt schon lange so großartig, dass das Fehlen von Shadow of the Moon, Play Minstrel Play, Writing On The Wall oder auch Now and Then (als Gute-Nacht-Lied) nicht weiter ins Gewicht fiel, zumal BLACKMORE´S NIGHT weit mehr als zwei Stunden ohne den geringsten Aussetzer gespielt hatten!

Playlist:

Cartouche

Queen for a Day Part I

Queen for a Day Part II

Under a Violet Moon

Minstrel Hall

Past Time With Good Company

Soldier of Fortune

Mr. Peagram`s Morris and Sword

Diamonds and Rust

Durch den Wald zum Bachhaus (mit Geigensolo)

Keyboardsolo

Home Again

Once in a Million Years

Fires at Midnight

Ghost of a Rose

Wind in the Willows

Mondtanz / Child in Time

Renaissance Faire

The Clock Ticks on

I Still Remember

Zugabe:

Loreley

All for One

Difficult to Cure / Self Portrait

Jutze
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