BLACKMORE´S NIGHT: Winter Carols – Deluxe Edition [Re-Release][2CD]

Ich geb´s ja zu, ich mag diesen Weihnachtsquatsch, oder genauer die Adventszeit davor. Natürlich hab ich Angst vor „Laaaast Christmas“, „All I Want For Christmas“ und Co. Aber ich fahre gern mit CHRIS REA nachhause durch den Schnee und mag – kitschig hin oder her – diese Musik mit Klingelgedingel und Glöckchen. Das dann aber lieber folkig von MusikerInnen, die statt poppigem Kram eher besinnliche altertümliche Töne anklingen lassen. Ganz vorne stehen da immer noch LOREENA MCKENNITT und das Duo BLACKMORE´S NIGHT. Diese haben 2006 mit „Winter Carols“ ihr Album passend für diese Zeit veröffentlicht. Dieses gibt es nun als Deluxe Edition. Nicht ganz neu, es gab ja auch 2013 und 2017 erweiterte Neuauflagen. Die aktuelle Version wurde im Spätsommer dieses Jahres sorgfältig remastered und enthält mit “Coventry Carol“ einen neuen Song sowie weitere Bonussongs.

BLACKMORE´S NIGHT bringen „Winter Carols“ als neue Deluxe-Edition

Der neue Song „Coventry Carol“ führt besinnlich ins Album, fügt sich gut ein, immer schön typische Ritchie Blackmore-Gitarren, hier natürlich akustisch. Dann greift die Tracklist der 2017er Version und der Winter kann endgültig kommen mit Lebkuchenduft, Kerzenschein, Glühwein, eine erste Schneeflocke, gut dass ich schon Winterreifen drauf hab. Zu lieblich diese Lieder, die mal wie von BLACKMORE´S NIGHT gewohnt im 16. Jahrhundert zuhause sind, aber auch an das frühere Mittelalter und Lagerleben beim Lagerfeuer denken lassen. Viel euphorisches Trallala bei „Deck The Halls“ oder „Hark! The Herald Angels Sing / O Come All Ye Faithful“ mit echtem E-Gitarren-Solo des Musikanten, der mit DEEP PURPLE und RAINBOW den Hard Rock und Metal damals so prägte.

Die echten Weihnachtslieder von Mr. Blackmore und Mrs. Night zappt man erst mal noch weg

Noch schöner die ruhigeren Klänge wie „God Rest Ye Merry Gentlemen“, das zum hebräischen Chanukkafest gehörende „Ma-O-Tzur“ oder später das verträumte „Emmanuel“. Für wahrlich weihnachtliche Liedereien wie „Oh Christmas Tree“ ist es jetzt hier und heute schlichtweg noch zu früh. Man tänzelt und klatscht fröhlich zu „I Saw Three Ships“ mit seiner lieblichen Flöte oder zu „Simple Gifts (Lord Of The Dance)“, wo nur ist der neue Winter-Scotch? „Wish You Were Here“ in der 2021er Fassung ist jetzt keine Überraschung, das bereits auf dem 97er “Shadow Of The Moon”-Album zu finden war und auf dem letzten Album „Nature´s Light“. Was solls, ich mag ihre Version eh viel lieber mit der geschmeidigen Stimme von Candice Night als die piepsige Stimme von Annika Ljungberg vom REDNEX-Original. Dann wird es wieder weihnachtlich, die Single „Christmas Eve“ und der Klassiker „We Wish You A Merry Christmas“ lassen den noch nicht vorhandenen Weihnachtsbaum erstrahlen.

Auf der zweiten CD bieten BLACKMORE´S NIGHT keine Überraschungen

Auch die zweite CD bietet wenig Überraschendes, vieles konnte man woanders bereits hören. Mit viel Getröte und Geflöte gibt es die Krönung des Königs. Man hängt die gelungene Weihnachts-EP „Here We Come A-Caroling“ vom letzten Jahr an, „Christmas Eve“ gibt es in der 2013er Version. In dieser poppigeren Inszinierung muss ich immer wieder an CELINE DION denken. Nein nein, positiv gemeint! Große Künstlerin mit großer Stimme! Darüber braucht Candice Night eh nicht nachdenken, ihre angenehme, cremige Stimme verzaubert auf ganz eigene Weise. Wie auch bei den fünf live gespielte Songs des Albums aus der heimischen Minstrel Hall. Auch hier sind das ruhige „Emmanuel“ und das schunkelige „We Three Kings“ die persönlichen Lieblinge.

„Winter Carols“ bietet fröhliche und besinnliche Lieder für die Winter/Weihnachtszeit

So bleibt „Winter Carols“ ein schönes Album, wenn man winterliche Klänge lieber im folkigen und traditionellen Stil mag als im bevorstehenden Radio-Kitsch-Flash. Wer BLACKMORE´S NIGHT eh mag, der feiert die Adventszeit gern mit diesem Album. Es verbreitet eine schöne Atmosphäre für diese Zeit, kommt natürlich für Leute, die zu Weihnachten lieber PARADISE LOST oder WHAM hören, mit zu viel Renaissance/Mittelalter/Folk-Tralala. Die reinen Weihnachtslieder sind noch zu früh, wirken wie Dominosteine und Spekulatius im Supermarkt im September. Die zappe ich halt noch weg. Aber ich kaufe ja auch Nougatzapfen, Lebkuchenherzen und die geliebten Baumstämme erst ab dem ersten Advent. Dazu passt auch wieder der Winter-Scotch. Wer „Winter Carols“ bereits hat und gar dazu die „Here We Come A-Caroling“-EP, der braucht diese Neuauflage wohl eher nicht, auch wenn der transparente neue Sound den Songs gut tut. Dafür kommt die Neuauflage im neuen hübschen Gewand und bringt im Booklet zum ersten Mal auch die Texte mit.

Veröffentlicht am 19.11.2021

Lineup:
Ritchie Blackmore – Guitar, Mandola, Nyckelharpa, Hurdy-Gurdy, Percussion
Candice Night – Vocals, Shawm, Pennywhistle
Pat Regan – Production, Arrangements, Keyboards
Robert Curiano) – Bass
Madeline und Nancy Posner – Harmony Vocals
David Baranowski – Keyboards
Sarah Steiding – Violin
Anton Fig – Drums
Albert Dannemann – Bagpipes, Backing Vocals
Ian Robertson und Jim Manngard – Backing Vocals

Label: earMusic/EDEL

Homepage: https://www.blackmoresnight.com

Mehr im Web: https://www.facebook.com/blackmoresnightofficial

Die Tracklist von “Winter Carols – Deluxe Edition”:

CD 1:
1. Coventry Carol
2. Deck The Halls
3. God Rest Ye Merry Gentlemen
4. Oh Christmas Tree
5. Hark! The Herald Angels Sing / O Come All Ye Faithful (Audio bei YouTube)
6. I Saw Three Ships
7. Winter (Basse Dance)
8. Ding Dong Merrily On High
9. Ma-O-Tzur
10. Good King Wenceslas
11. Simple Gifts (Lord Of The Dance)
12. We Three Kings
13. Wish You Were Here (2021)
14. Emmanuel
15. Christmas Eve
16. We Wish You A Merry Christmas

CD 2:
1. Crowning Of The King
2. Here We Come A-Caroling
3. It Came Upon A Midnight Clear
4. O Little Town Of Bethlehem
5. Silent Night
6. Christmas Eve (2013 Version)
7. Hark! The Herald Angels Sing / O Come All Ye Faithful (Live From Minstrel Hall)
8. Emmanuel (Live From Minstrel Hall)
9. We Three Kings (Live From Minstrel Hall)
10. Ma-O-Tzur (Live From Minstrel Hall)
11. Good King Wenceslas (Live From Minstrel Hall)