WOLVES IN THE THRONE ROOM: Primordial Arcana

WOLVES IN THE THRONE ROOM melden sich nach vier Jahren mit ungewohnter Eingängigkeit zurück. Läutet „Primordial Arcana“ den zweiten Frühling für die USBM-Legende ein?

Das Artwork zu „Primordial Arcana“ sieht irgendwie unecht aus. Wie ein CGI-Effekt in einer „Star Trek: Enterprise“-Folge. Und nicht nur hier schwant Böses: Wenn im Vorfeld ein eh schon plakativer Albumtitel wie „Primordial Arcana“ erklärt wird, kommt es mir so vor, als hätten WOLVES IN THE THRONE ROOM irgendwie ihre Relevanz verloren. Vielleicht würde mir das gar nicht auffallen, wäre dies nicht die Band, die mit „Diadem of 12 Stars“, „Two Hunters“ und „Black Cascade“ USBM-Geschichte geschrieben hat. Vier Songs in einer Stunde, die Trancezustände erzeugen konnte, das war es, was mich vor 15 Jahren so sehr faszinierte.

Es knistert immer noch, wenn schon nicht zwischen der Band und mir, dann zumindest gleich zu Beginn des Albums. Zu diesem Geräusch gesellt sich ein leises Summen, bevor sich eine Urgewalt ankündigt. „Mountain Magick“ beginnt mit wütenden Blast Beasts, wirklich soliden Riffs und verloren geglaubtem Furor, bevor es in der Strophe in ein sehr melodisches Black Metal-Riff mündet. Irgendwie werde ich dabei das Gefühl nicht los, dass WOLVES IN THE THRONE ROOM eine Hitsingle schreiben wollten. Und bereits hier zeichnet sich das ab, was „Primordial Arcana“ insgesamt auszeichnet: Melodik statt Trance, Keyboards der Neunziger statt Field Recordings und Ambient-Passagen, ein nach Death Metal schielendes Auge, statt den Punk-Wurzeln treu zu bleiben.

„Primordial Arcana“ zeigt WOLVES IN THE THRONE ROOM mit einer Kurskorrektur in Richtung Relevanz – reicht das für eine Band, die USBM-Geschichte geschrieben hat?

Ist das nun gut oder schlecht? Immerhin haben WOLVES IN THE THRONE ROOM sich somit bis zu einem gewissen Grad neu definiert. Nachdem „Thrice Woven“ sehr halbgar war und nur durch die Auftritte von STEVE VON TILL und ANNA VON HAUSSWOLFF aus der Mittelmäßigkeit gerissen wurde, ist es erfreulich, dass das Trio aus dem US-Nordwesten wieder etwas relevanter klingt. Wirklich verändert haben sich WOLVES IN THE THRONE ROOM dabei nicht, aber eine Kurskorrektur ist es schon. Die Stücke sind kürzer und kommen mehr auf den Punkt, fräsen sich aber dadurch nicht mehr so ins Unterbewusstsein. Wo „Spirit of Lightning“ noch eine recht gelungene Komposition mit einem wiederkehrenden Thema ist, das aber leider beim wiederholten Hören ermüdet, wirken die ersten vier Minuten von „Through Eternal Fields“ erzwungen und austauschbar. Erst gegen Ende, mit subtilen, klaren Chor, stellt sich eine gewisse Epik ein und versöhnt mit dem ansonsten schwachen Stück.

WOLVES IN THE THRONE ROOM kann man mit Sicherheit nicht vorwerfen, dass sie an spielerischem Niveau verloren hätten, oder dass sie sich nicht um Entwicklung bemühen, im Gegenteil: Technisch sind sie auf ihrem bisher höchsten Niveau. Das Material auf „Primordial Arcana“ ist eingängiger und wird vom Gros der Szene sicherlich leichter aufgenommen. Zum Beispiel „Primal Chasm (Gift of Fire)“ – dies ist noch ein Stück, das als Hitsingle durchgehen könnte; hier spielt das Trio seine Stärken souverän aus, aber in eine andere Welt entführt auch dieser Song nicht. Danach wird es etwas epischer und weniger griffig, aber auch „Underworld Aurora“ will nicht so recht zupacken und verliert sich zwischen atmosphärischem und melodischem Black Metal. Mit „Masters Of Rain And Storm“, dem einzigen Stück, das länger als zehn Minuten ist, finden WOLVES IN THE THRONE ROOM immerhin fast wieder zur alten Form zurück. Komplex im Songaufbau, mit viel Dynamik und spannenden Arrangements ist dies klar das Highlight auf „Primordial Arcana“.

„Primordial Arcana“ ist definierter und straffer als „Thrice Woven“ – und doch sind WOLVES IN THE THRONE ROOM nicht in der besten Form ihrer Karriere.

Die finsteren Vorzeichen haben sich nur zum Teil bewahrheitet, und dennoch fehlt WOLVES IN THE THRONE ROOM auf „Primordial Arcana“ im Vergleich zu ihren ersten Alben das Archaische und es mangelt ihnen deutlich an Tiefe. Das zeigt sich auch an dieser Rezension: Ich schreibe über das, was ich höre und nicht das, was ich beim Hören fühle. Und genau das ist die große Schwäche des siebten Albums der USBM-Legenden. Auf der Habenseite geht das Album durch das routinierte Songwriting gut ins Ohr und nutzt sich nicht übermäßig schnell ab. Gelungen ist auch der Einsatz der Neunziger-Keyboards, wie sie seit HULDER, GALDRUM und FORHIST wieder gerne integriert werden und vor allem der ausgewogene Mix, für den sich erstmals Aaron Weaver selbst verantwortlich zeigt.

Vielleicht ist das alles Jammern auf hohem Niveau, aber WOLVES IN THE THRONE ROOM erschaffen anno 2021 nicht mehr dieselbe, entrückte Magie wie damals. Ob es daran liegt, dass ich anspruchsvoller geworden bin, oder ob tatsächlich der Zauber verflogen ist, sei dahin gestellt. Klar ist allerdings auch, dass ich „Primordial Arcana“ mehr schätzen würde, käme es von einer anderen Band mit kleinerer Reputation und mit der ich weniger verbinden würde. Immerhin trugen WOLVES IN THE THRONE ROOM maßgeblich dazu bei, dass ich mich dem Black Metal zuwandte, nachdem ich ihn zuvor als Zirkus abgetan hatte (ich war damals noch jung, okay?). Somit verbleibe ich gerne mit dem Hinweis, dass diese Zeilen vielleicht etwas subjektiver sind als gewöhnlich. Trotzdem reicht es nur für…

4,5 von 7 Devotionalien aus dem Wald

VÖ: 20. August 2021

Spielzeit: 44:35

Line-Up:
Aaron Weaver – Drums, Synths
Nathan Weaver – Vocals, Guitar
Kody Keyworth – Vocals, Guitar

with

Galen Baudhuin – Bass Guitar, Melodic Vocals on „Through Eternal Fields“
Yianna Bekris – Acoustic Guitar on „Masters of Rain and Storm!“

Label: Century Media

WOLVES IN THE THRONE ROOM „Primordial Arcana“ Tracklist:

1. Mountain Magick (Official Video bei Youtube)
2. Spirit of Lightning (Official Visualizer bei Youtube)
3. Through Eternal Fields
4. Primal Chasm (The Gift Of Fire) (Official Video bei Youtube)
5. Underworld Aurora
6. Masters of Rain And Storm
7. Eostre

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