WOLVES IN THE THRONE ROOM: Two Hunters

WOLVES IN THE THRONE ROOM: Two Hunters

Ein Gegenbeweis ist oftmals schwer zu erbringen, auch wenn er gar nicht notwendig ist, für manche zumindest. So ist es mit Black Metal schon seit Ewigkeiten. Gut, dass es WOLVES IN THE THRONE ROOM gibt. Denn sie beweisen etwas, das einige schon wussten, andere vehement abstritten. Und zwar, dass im Black Metal unglaublich viel Gefühl liegen kann. Und zwar Gefühl, das etwas gänzlich anderes darstellt als Hass und Misanthropie. Jetzt wird sich der GORGOROTH– oder MARDUK-Fan fragen: Ist das dann überhaupt noch richtiger Black Metal? Und es ist, wie so oft, Auslegungssache.

Im Bereich der Konsequenz ist das US-Amerikanische Trio auf jeden fall authentischer als so manche furchtbar böse Band. Die drei Musiker bilden in den Wäldern von Olympia, Washington eine Kommune und leben gänzlich zur Natur zurück gezogen. Die daraus resultierende Musik ist atemberaubend, echt und wahrhaftig. Schon das großartige Debütalbum Diadem of 12 Stars überzeugte durch die wunderbare Atmosphäre, die liebevoll gestalteten Songs, die pathosfreie Epik und unglaubliche Authenzität. Auf dem zweiten Album des Trios ist es absolut nicht anders, im Gegenteil. Die Band hat zwar ihre Songs verkürzt, aber brutaler sind sie nicht geworden.

Die vier wunderbaren Kompositionen haben alle gänzlich andere Ausrichtungen, passen aber bestens zusammen, könnten ein in vier Kapitel unterteiltes Buch darstellen. Das instrumentale Dia Artio hat einen leichten Intro-Charakter, ist dafür aber viel zu episch. Gitarren und dezente Synthesizer ergeben ein Klangbild, das eigentlich eher Post Rock im Drone-Gewand darstellt. Mit Vastness and Sorrow zeigen WOLVES IN THE THRONE ROOM dann ihr schwarzes Gesicht, gehen dabei aber sehr melodisch zu Werke, was der Musik aber keinesfalls schadet, im Gegenteil. Man verliebt sich sogleich in diesen Song, der mit seinen verschiedensten Facetten ins Hirn des Hörers einbrennt.

Cleansing erzeugt unglaubliche Gänsehaut – leise, als würde die Band nachts im Wald am Lagerfeuer sitzen, gibt es zunächst Folk zu hören. Unterstützt von der großartigen Sängerin Jessica Kenney wird die Musik auf eine weitere Ebene gehievt, bis nach der Hälfte des Songs dieser schier explodiert, wie ein Tier, das vor Jägern flüchtet – es rennt, es keucht, es stöhnt, es leidet. Das 18minütige I Will Lay Down My Bones Among the Rocks and Roots verbindet dann alle großartigen Facetten, die diese Ausnahmeband zu bieten hat in einem gigantischen Epos. Schnelle Black Metal-Raserei, dezent hymnische Ausbrüche, Tiefe und auch leise, akustische Parts, all das zeichnet dieses Finale Furioso aus.

Das Album wirkt am besten, wenn man es nachts im Freien hört, oder um sich nach einem Tag voller Zivilisation in seinen eigenen Ursprung zurück zu ziehen. Das klingt ganz schön verrückt, aber glaubt mir, wenn ihr Two Hunters hört, dann werdet auch ihr euch wünschen, ihr könntet diese Musik leben. WOLVES IN THE THRONE ROOM ist mehr als nur eine Band, sie leben ihre Einstellung. Und genau daraus resultiert dieses Album, fernab von Hass, Religion, Satan, Krieg oder ähnlichen weltlichen Oberflächlichkeiten. Die großartige Performance der Musiker und die wunderbare Produktion, so ehrlich, so naturbelassen, so frei von Technik-Schnickschnack lässt die Musik außerhalb jeglicher Konkurrenz stehen.

Gut möglich, dass dieses Album engstirnigen Black Metallern weniger gut gefällt, als Fans von NEUROSIS, aber auch gut möglich, dass sich einige Schwarzmetaller dadurch wieder auf den wichtigsten aller Werte in diesem Genre besinnen: Individualismus. Das wunderschön aufgemachte Album ist das Genre-Highlight des Jahres und stellt für Fans von ENSLAVED und NACHTMYSTIUM bis hin zu Post Rock und Doom ein absolutes Muss dar. So sehr hat mich, abgesehen vom Debütalbum Diadem of 12 Stars, kein Album dieser Sparte jemals berührt. Unbeschreiblich.

Veröffentlichungstermin: 26. Oktober 2007

Spielzeit: 46:21 Min.

Line-Up:
Rick – Vocals, Guitar
Nathan – Vocals, Guitar
Aaron – Drums

Label: Southern Lord Recordings

Homepage: http://www.wolvesinthethroneroom.com

Email: wolvesinthethroneroom@hotmail.com

Tracklist:
1. Dia Artio
2. Vastness and Sorrow
3. Cleansing
4. I Will Lay Down My Bones Among the Rocks and Roots