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WOLVES IN THE THRONE ROOM: Crypt Of Ancestral Knowledge [EP]

Dem kitschigen Titel zum Trotz: Schaffen WOLVES IN THE THRONE ROOM es mit „Crypt Of Ancestral Knowledge“ wieder, den Geist der ungezähmten Natur heraufzubeschwören?

Zugegeben, die Faszination an WOLVES IN THE THRONE ROOM hat arg gelitten. „Thrice Woven“ und „Primordial Arcana“ zeigten eine größtenteils zur Selbstkopie und müde gewordene Band, die immer bereitwilliger in der Kitschkiste wühlte. Auch Jahre danach zünden diese Alben nicht wirklich, obwohl sie im Prinzip alles bieten, was die Band ausmacht – außer diese besondere spirituelle Komponente, die den Geschmack des Herbstwaldes authentisch heraufbeschwört. Eine EP mit Namen „Crypt Of Ancestral Knowledge“ lässt wieder ein Klischeefeuerwerk vermuten, aber WOLVES IN THE THRONE ROOM überraschen auf ihrem ersten Kurzformat seit „Malevolent Grain“ und liefern damit ein überraschend komplettes Bild.

Überraschend kompakt und stilistisch breit aufgestellt: „Crypt Of Ancestral Knowledge“ zeigt im Kurzformat die Spannweite von WOLVES IN THE THRONE ROOM.

Aus rasenden Riffs, treibenden Drums, vielschichtigen Vocals und Keyboards der Neunziger, die schon auf „Primordial Arcana“ funktionierten, besteht „Beholden To Clan“. Hier arbeiten WOLVES IN THE THRONE ROOM in weniger als sieben Minuten einige ihrer Stärken heraus, lediglich das repetitive, hypnotische Element kommt zu kurz. Dennoch, das getragene Riff am Ende trägt den Geruch der feuchten Erde und des Herbstwaldes in sich und zeigt die Band so authentisch wie lange nicht. Das mit weniger als fünf Minuten sehr kurze „Twin Mouthed Spring“ funktioniert sogar noch besser. Basierend auf einem exzellenten Riff haben WOLVES IN THE THRONE ROOM hier ein packendes Stück parat, das sich langsam aufbaut und beachtlich in Richtung Epik steigert und sogar Ohrwurmqualitäten besitzt.

Dass WOLVES IN THE THRONE ROOM danach scharf in Richtung Ritual Ambient abbiegen, ist kein irritierender Stilbruch, sondern fühlt sich recht natürlich an. „Initiates Of The White Hart“ passt überraschend gut zu den ersten beiden Songs, baut Spannung auf und trägt große Kraft in sich. Mit reduzierten Drums und dichter Instrumentierung schafft das Trio hier ein spannendes Stück, dessen Melodieführung den einen oder anderen Schauer über den Rücken jagt. „Crown Of Stone“ funktioniert gut als atmosphärisches Outro, bei dem im inneren Auge Nebelschwaden an majestätischen Douglasien vorbeiziehen und der würzige Duft des Waldes transportiert wird – davon abgesehen sind diese drei Minuten eher unspektakulär.

Lange waren WOLVES IN THE THRONE ROOM nicht mehr so gut: „Crypt Of Ancestral Knowledge“ beweist, dass die Black Metal-Band noch Kraft besitzt.

Zwei Black Metal-Tracks und zwei Ambient-Stücke in zwanzig Minuten, ohne fragmentarisch zu wirken, das war WOLVES IN THE THRONE ROOM nicht wirklich zuzutrauen, obwohl sie sich auf „Primordial Arcana“ bereits an kürzeren Stücken – auch teils recht erfolgreich – versuchten. „Crypt Of Ancestral Knowledge“ funktioniert somit sehr gut als geschlossenes Gesamtwerk und stellt WOLVES IN THE THRONE ROOMs beste Arbeit seit „Celestial Lineage“ dar, auch wenn das damalige Level nur teilweise erreicht wird. Ein Schritt in die richtige Richtung ist „Crypt Of Ancestral Knowledge“ aber definitiv und lässt sogar hoffen, dass künftige Alben und EPs dieses Niveau halten können. Und wer weiß, vielleicht wird die US-Band irgendwann wieder zu einem urgewaltigen Naturspektakel.

VÖ: 29. September 2023

Spielzeit: 20:34

Line-Up:
Aaron Weaver – Drums, Acoustic Guitars, Vocals
Nathan Weaver – Vocals, Guitars
Kody Keyworth – Guitars

Label: Relapse Records / Century Media Records / Artemisia Records

WOLVES IN THE THRONE ROOM „Crypt Of Ancestral Knowledge“ Tracklist:

1. Beholden To Clan
2. Twin Mouthed Spring (Official Video bei Youtube)
3. Initiates Of The White Hart
4. Crown Of Stone

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