WOLVES IN THE THRONE ROOM: Celestial Lineage

WOLVES IN THE THRONE ROOM: Celestial Lineage

Die Tore der Wälder öffnen sich, und das weiter als zuvor. WOLVES IN THE THRONE ROOM viertes Album Celestial Lineage ist eine Hommage an die ungreifbare Wildnis und seine Geheimnisse. Entschlüsselt wird nichts, die Wahrheit bleibt in den Wäldern verborgen, wenn man Aaron Weaver glauben darf. Die Pagan-Szene wird aber draußen gelassen. Celestial Lineage ist ein Schritt durch die Portale hindurch, in denen wir etwas finden, das substanzieller ist, als das Offensichtliche. WOLVES IN THE THRONE ROOM beginnen Wanderer zwischen den Welten zu sein. Nach drei Black Metal-Alben, die mit Black Cascade den bisherigen Zenith der Band in Sachen Konsequenz und Brutalität markierten, öffnen sich nun neue Möglichkeiten für WOLVES IN THE THRONE ROOM, die einen neuen Ausdruck suchten und um diesen zu erreichen mit Celestial Lineage auf neuem Terrain wandeln.

Zwischen dem typischen Black Metal, der schon die Vorgängeralben auszeichnete und feierlichen, getragenen Momenten, die fernab vom Black Metal liegen, erschaffen WOLVES IN THE THRONE ROOM ein sehr authentisches, warmes und zeremonielles Album, das nur schwer greifbar ist. Hypnose wie zu Black Cascade wird nicht ausgestrahlt, viel mehr möchte man zwischen alten Bäumen schweben, wärmende Sonnenstrahlen des Spätsommers auf der Haut spüren und sich in Klang und dem Bild, das das Auge trifft, endlos verlieren. Celestial Lineage fehlt nur etwas die klare Linie. Nach dem langsam eingeleiteten Opener Thuja Magus Imperium, in dem Jessika Kenney einen außerweltlich schönen Gesangsauftritt hat, legen WOLVES IN THE THRONE ROOM fast schon gezähmt los, liefern ein elegisch-melodisches Stück mit viel Abwechslung, das schließlich wieder sanft endet. Danach wird mal im Ambient zusammen mit Aaron Turner experimentiert (Permanent Changes In Consciousness und Rainbow Illness) oder wie in Woodland Cathedral ein ähnliches Gefühl erschaffen wie auf Dia Artio von Two Hunters, mit dem Unterschied, dass hier eine wundervolle Jessika Kenney so wirkt, als würde sie mit nackten Füßen über den kalten, moosigen Waldboden laufen und wie eine Druidin der Welt selbst Leben einhauchen.

Das klingt furchtbar kitschig, aber so authentisch wie es klingt, wenn sich WOLVES IN THE THRONE ROOM friedlich gehen lassen, wird die Fantasie beflügelt, selbst wenn das Ergebnis dieser Tagträume für Spötter nach Ökohippietum klingen mag. Zwischen den Träumereien jedenfalls zeigen die Wölfe abermals die Zähne. Subterranean Initiation ist eines der krassesten und finstersten Stücke der Band, mit brachialen Blast Beats, schneidenden, boshaften Riffs und wildem Geschrei. Astral Blood führt die Ausrichtung Black Cascade konsequent fort und zählt generell zu den Highlights des Albums. Celestial Lineage endet mit Prayer Of Transformation, dessen Titel Programm ist und welches doomig und poetisch das Album passend ausklingen lässt. Leicht machen es WOLVES IN THE THRONE ROOM ihren Hörern nicht. Statt nach dem unerbittlichen Black Cascade einen Schritt zu Two Hunters zurück zu gehen, wird ein neuer Weg eingeschlagen, den man nur noch teilweise als Black Metal kategorisieren kann. Gerade deshalb heißt es nach dem ersten Genuss des Albums: Dranbleiben. Unbedingt dranbleiben.

Dass diese Reise eine lohnenswerte ist, zeigt sich vor allem dann, wenn sich die einzelnen Puzzleteile zu einem Ganzen zusammen fügen, das wie eine Messe den Hörer der Erde etwas näher bringt. Entsprechend reduziert gehen WOLVES IN THE THRONE ROOM vor: Allein Aaron Weaver und sein Bruder Nathan haben dieses Mal, mit Ausnahme der Gastmusiker ohne einem dritten Bandmitglied ihre Vision in akribischer Arbeit entstehen lassen. Und beiden ließen sich im Entstehungsprozess eine Menge Zeit, weshalb das Album selbst so wirkt, als habe es alle Zeit der Welt, es buhlt nicht um die Gunst des Hörers. Die den Experimenten und vielen eingesetzten analogen Synthesizern geschuldete, dichte Instrumentierung von Celestial Lineage ist unter der abermals sehr warmen und erdigen Produktion von Randall Dunn sehr konzentriert und erschwert das schnelle Verstehen des Albums ein wenig. Vielleicht wird es aber gerade dadurch möglich, tiefer in den Kosmos des Albums einzusteigen.

Celestial Lineage mag nicht zwangsweise das beste Album von WOLVES IN THE THRONE ROOM sein, da es stellenweise etwas unfokussiert klingt, aber es ist ein mutiger Schritt in eine neue Richtung. Ein Portal. Der Klagegesang der Wälder im pazifischen Nordwesten. Eine Reise zum Geist der Erde und zum Mittelpunkt deiner selbst. Die Musik wurde von der jungen Künstlerin Alison Scarpulla optisch einzigartig umgesetzt, die Bilder im Booklet sind ebenso vage, unheimlich und poetisch wie die Musik selbst. Wer WOLVES IN THE THRONE ROOM begleiten will, vom ursprünglichen Black Metal weg, hin zu einer neuen Ausdrucksform, der darf sich auf eine Abenteuerreise gefasst machen. Celestial Lineage ist ein wunderschönes Album, das den Scheideweg, auf dem WOLVES IN THE THRONE ROOM wandeln, mit Würde betritt und die Seele des Hörers nicht mehr frei gibt.

Veröffentlichungstermin: 23. September 2011

Spielzeit: 48:48 Min.

Line-Up:
Aaron Weaver – Drums, Guitar, Percussion, Korg Polysix, Korg Mono/Poly, Field Recordings
Nathan Weaver – Vocals, Guitar, Synthesizer, Broken Mellotron, Field Recordings

Produziert von Randall Dunn und WOLVES IN THE THRONE ROOM

Label: Southern Lord Recordings

Homepage: http://www.wittr.com

Mehr im Netz: http://www.myspace.com/wolvesinthethroneroom

Tracklist:
1. Thuja Magus Imperium
2. Permanent Changes In Consciousness
3. Subterranean Initiation
4. Rainbow Illness
5. Woodland Cathedral
6. Astral Blood
7. Prayer Of Transformation