TROUBLE: Live in Stockholm

Als Doomer muss man diese DVD haben, da gibt es keine Ausreden. Für ungedoomte Metalheads bleibt die Empfehlung, zumindest mal reinzuschauen, die Mucke von TROUBLE dürfte Euch auch fesseln.

Was muss das für ein Ereignis gewesen sein, als die schwedischen Doom-Götter CANDLEMASS im November 2004 ihre Kollegen TROUBLE aus Amiland anschifften, um gemeinsam mit FORCE OF EVIL ein Konzertereignis zu veranstalten, von dem sicher alle Anwesenden ihren Enkelkindern erzählen werden und das bei allen Doomköpfen, die nicht dabei sein konnten, ein therapieresistentes Trauma hinterlassen haben dürfte. Man kommt irgendwie damit klar, aber manchmal brssightrrrrredissssij … äh ja…

Als therapiebegleitendes Hilfsmittel empfiehlt sich diese DVD, die eben diesen Gig der Chicagoer beinhaltet und schon nach kurzer Einnahme die hartnäckigen Depressionen lindert.
Es erwartet uns eine Setlist, die alle Stationen von TROUBLE abdeckt. Klar dominiert die Hippie-Doom-Phase, die ersten US-Metal-in-Doom-orientierteren Scheiben werden aber auch mit erstaunlich vielen Klassikern gefeiert. Diese fügen sich passend in den aktuellen Bandsound ein, sodass die Songs perfekt harmonieren. Eric Wagner ist hier mit den Vocals zwar merklich überfordert, vor allem Richtung Ende des Sets fordern ihm The skull und der Übersong The tempter einiges ab, die neueren Songs kommen aber recht souverän und Wagners ausdrucksstarke Stimme kommt gut rüber. In erster Linie ist es aber dieser unvergleichliche Groove, der sich durch die Songs zieht und den Körper in rhythmische Aktivitäten versetzt, egal ob bei den hippisken Songs, den alten schweren Doom-Nummern oder Flower-Power-Melodic wie beim immer noch Gänsehaut erzeugenden The misery shows Act. II. Szeneprägende Doom-Monster wie The skull lassen einen in Selbstzweifeln auf die Knie gehen und in tiefste Depression versinken, bei locker-flockigen Hippie-Doomern wie Come touch the sky oder Psychotic reaction möchte man mit Gänseblümchen im Haar die ganze Welt umarmen. Das Gitarrenduo Wartell/Franklin spielt wie immer die meisten Guitarheroes an die Wand, überzeugen nicht durch extravaganteste Leads und hyperaktives Gefiedel, sondern durch himmlische Riffs, packende Grooves, fesselnde melodische Soli und spannende Gitarrenduelle. Natürlich belästigen sie uns auch mit eigenen Soloeinlagen, die sich aber erfreulich kurz halten. Auf ein Bass- oder Drumsolo wird komplett verzichtet, danke! Der Sound (2.0 Stereo, Dolby Digital 5.1, DTS) ist absolut klasse und kraftvoll, wäre nicht hier und da ein Patzer zu hören, würde man kaum an eine reine Liveaufnahme denken. Verfolgt man aber das Spiel der Herren, so scheint da nichts glatt gebügelt zu sein.

Optisch sieht das Ganze etwas anders aus, da nützt auch die saubere Bildtechnik und die einfache, aber effektive Lichtshow nichts: Eric Wagner hält sich ausnahmslos ohne große körperliche Aktivität am Mikro fest, sei es weil man zu viele schwedische Waldkräuter geraucht hat oder um die schicke Pudelfrisur nicht zu zerstören. Neu-Basser Chuck wirkt etwas fremd, bedenkt man aber, dass er sich die Songs ohne große Proben zu Hause draufgepackt hat, sei ihm eine leichte Zurückhaltung verziehen. Zudem er damit eh wenig auffällt, die Musiker untereinander haben kaum Kontakt und man erkennt schon die Bedeutung der Worte im Interview von nun Ex-TROUBLE-Gitarrist Rick Wartell (WET ANIMAL), dass Shows für die Band hauptsächlich ein Job geworden sind. Rick und sein Gegenüber Bruce Franklin, musikalisch eins der großartigsten Gitarrenduos der Metalszene, halten stur Abstand und muckeln vor sich hin. Einzig Sympathiebolzen Ole scheint wirklich seinen Spaß zu haben hinter seinem Schlagzeug, der Rest zockt routiniert und beeindruckend tight sein Set runter, so oft stehen die Herren ja auch nicht mehr gemeinsam auf der Bühne. Auf eben dieser herrscht statt Flower-Power eher disziplinierte Kälte, Blickkontakte untereinander gibt es kaum und wenn tatsächlich mal ein Lächeln ausgetauscht wird, fällt es so auf, dass man fast irritiert ist. Schade, was war das für eine Magie, die diese Band in jungen Jahren live auf der Bühne entfachen konnte. Davon sieht und spürt man auf dieser DVD leider nichts mehr. Ist nett anzuschauen und letztendlich wohl auch die letzte Gelegenheit, diese fast Originalbesetzung live zu sehen, schade dass Ron Holzner (TROUBLE, DEBRIS INC.) die Band nicht vervollständigt hat. Musikalisch ist TROUBLE ein faszinierendes Phänomen, wirklich bestechend ist hier auf dieser DVD aber eben nur die Intensität und Klasse der Songs. Aber die sind es mehr als wert, auch von Nicht-Doomern entdeckt zu werden. Traditionelle Doomer finden hier eh all ihre Erwartungen erfüllt, so dass Live in Stockholm aufgrund der starken Best Of-Setlist mehr wegen der Mucke läuft, die aber ist die Anschaffung der DVD allein schon wert. Wirklich oft gezielt anschauen wird man sich das Programm kaum.

Recht interessant auch das Interview, das CANDLEMASS-Kopf Leif mit TROUBLE gemacht hat. Da kommen hier und da schon die frustreichen Zeiten durch, die die Band durchlaufen hat. Eine kleine Bildergalerie vom Konzert gibt`s noch dazu und Untertitel in Deutsch und Englisch.

Als Doomer muss man diese DVD haben, da gibt es keine Ausreden. Für ungedoomte Metalheads bleibt die Empfehlung, zumindest mal reinzuschauen, die Mucke von TROUBLE dürfte Euch auch fesseln.

Veröffentlichungstermin: 24.03.2006

Spielzeit: 113 min. Min.

Line-Up:
Eric Wagner – Vocals
Rick Wartell – Guitars
Bruce Franklin – Guitar
Chuck Robinson – Bass
Jeff Ole Olson – Drums

Produziert von Magnus af Göthlund
Label: Escapi Music

Homepage: http://www.newtrouble.com

Tracklist:
1. R.I.P.
2. Come touch the sky
3. At the end of my daze
4. Plastic green head
5. Fear
6. Memory´s garden
7. Misery shows (Act II)
8. Psalm 9
9. Run to the light
10. All is forgiven
11. Psychotic reaction
12. The skull
13. Revelation (life or death)
14. The tempter