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ERIC WAGNER: In The Lonely Light Of Mourning

Kann oder sollte man ein Review schreiben, wenn einem ERIC WAGNER persönlich etwas bedeutet hat und er nicht nur der Sänger war von THE SKULL, TROUBLE und seinen eigenen Sachen wie bei BLACKFINGER, LID oder bei PROBOT? Ich dachte, ich kann das nicht, aber heute ist Eric´s Geburtstag, er wäre heute 63 geworden. Ich denke an die Begegnungen, Gespräche, Nörgeleien und sogar fröhliches Lachen. Bekanntlich starb Eric am 23. August letzten Jahres an einer Lungenentzündung durch den Covid-Infekt. Vorher arbeitete er an seinem Soloalbum, das nach den ersten Hörschnipseln und was Eric dazu erzählte ein eher ruhiges, introvertiertes Album zu werden schien. Aber nein, das hier ist ein klares „Best Of Eric“. Es ist eine musikalische Rückschau auf sein Leben als eine der prägendsten Stimmen im Doom. Eigen und besonders, wie auch Wagner selbst. Ein interessanter, durchaus auch mal unbequemer Mann, der seinen Platz im Herzen seiner Fans sicher hat, noch mehr bei seinen Mitmusikern. Diese haben ihn auch hier beim Album „In The Lonely Light Of Mourning“ unterstützt und nachträglich daran gearbeitet, damit es der Welt zugänglich wird und ERIC WAGNER ein würdiges Denkmal setzt.

Viele Freunde haben ERIC WAGNERs Soloalbum „In The Lonely Light Of Mourning“ zum „Best Of Eric“ gemacht

Unterstützt haben ihn Freunde wie natürlich Ron Holzner (THE SKULL, EARTHEN GRAVE, TROUBLE) am Bass, Chuck Robinson (BLACKFINGER, TROUBLE, THIS TORTURED SOUL) an der Gitarre sowie David Snyder (BLACKFINGER, TROUBLE) an Drums und Gitarre, welcher die Songs gemeinsam mit Eric zusammenbraute. Und das alles per Mail und Telefon, David lebt weit weg in West-Virginia. Dazu griffen noch Timm Reeves (LID), Sean McAlister (TROUBLE) und Matt Cross (BLACKFINGER, TREASURE CAT) in die tiefen Saiten. Soli gab es von Lothar Keller (THE SKULL, SACRED DAWN, DIVINITY COMPROMESED), Victor Griffin (PENTAGRAM, PLACE OF SKULLS, DEATH ROW) und gleich mehrfach von Doug Hakes (BLACKFINGER). Brian Gaona, auch schon bei BLACKFINGER zu hören, lässt sein Cello traurig singen. Eine große musikalische Familie, welche die Bedeutung und Achtung für Eric widerspiegelt. Genau so hat er sich das Album gewünscht, ein echtes Familienprojekt mit Freunden und Wegbegleitern, und das ist es auch geworden. Wonach das Ganze dann klingt, nun ja, das geben die Namen schon vor. Und alle zusammen legen das Fundament für die geliebte Stimme von ERIC WAGNER und seine wie immer tiefgehenden Lyrics.

All die Bands, für die ERIC WAGNER mit seiner Stimme steht, finden sich auf „In The Lonely Light Of Mourning“ wieder

Kann ein Basslauf traurig machen? Ja, wenn er so gespielt wird wie von Ron als Einleitung zum Opener „Rest In Peace“. Der Song wird dann zum schweren, zähen Doomer und erinnert an die ganz frühen TROUBLE, da auch an „Run To The Light“-Zeiten. Passend nimmt er zum Ende hin dezent Fahrt auf, bleibt aber ein erdrückender Doomer. Danach haut „Maybe Tomorrow“ den catchy Groove der mittleren Wagner-TROUBLE raus, da tanzt man sofort durch die Bude und wünscht sich, diesen Moment vor der Bühne erleben zu dürfen. Die schweren, nachdenklichen, tiefgehenden Lyrics gepaart mit Musik, die trotz ihrer doomigen Grundstimmung positive Vibes mit sich trägt – eben das, wofür wir TROUBLE, THE SKULL und BLACKFINGER so sehr lieben. Lothar Keller liefert das Solo, wie man es von ihm bei THE SKULL gewohnt ist. In die gleiche Ecke zielt „Isolation“, das aber durchaus auch zu BLACKFINGER gepasst hätte. Ein zarter Einbruch, wunderschön!

Vor allem TROUBLE und THE SKULL klingen überall durch

Tränen, sorry… „If You Lost It All“, Eric hatte erzählt, wie wichtig der Song für ihn ist. Hier mit dem traurigen Cello von Brian Gaona begleitet kann man nur in tiefe Traurigkeit verfallen. Die Vocals nicht perfekt, weil vielleicht nicht die geplante Endfassung. Aber voller Emotionen und tief berührend. Aber ja, „Strain Theory“ pustet kurz alles weg. Ein fetter Groove, ein pumpender Bass, man swingt unweigerlich mit. Klar erinnert das an THE SKULL. Wie hatte Basser Ron mir mal so treffend erzählt: „Ich will diesen Flow, wo die Leute sich bewegen müssen, wenn wir den Song spielen, sie anfangen im Takt zu schaukeln“. Eben das passiert hier, allerdings mit Timm Reeves an den tiefen Saiten und Eric liefert die passenden vertrauten Vocals. Dann wird wieder tief in die Doom-Kiste gegriffen, „Walk With Me To The Sun“ klingt, als hätte es auf der „One For The Road“-EP stehen sollen.

„In The Lonely Light Of Mourning“ geht nicht ohne Emotionen

Auch den Titeltrack „In The Lonely Light Of Mourning“ werde ich nie emotionsfrei hören können. Mit „Manic Frustration“ haben mir TROUBLE 1992 das Leben gerettet, darüber hatten wir geredet, als Eric von seinem Soloalbum, dem Titeltrack und dessen Bedeutung erzählt hatte. Ein tieftrauriger Song, für manche eine Doom-Ballade, für wenige ganz besonders. Dazu ein wunderschönes Solo von Victor Griffin, bevor die letzten Zeilen die nächste Träne rauszieht. Ebenso das schöne Lyrics-Video mit all den Bildern, die einen als Fan seit den allerersten TROUBLE-Demos begleiten. „Wish You Well“ reißt einen gnadenlos raus aus den melancholischen Gedanken, der Schlusstrack geht voll nach vorne, was wäre das für ein Fest gewesen, dazu vor der Bühne durchzudrehen. Was in dieser Form nie mehr möglich sein wird. Aber es wird zumindest zwei Shows geben am 18. Juni in Chicago und am 17. August beim MIDWEST METAL ANTHEM zur Erinnerung an Eric. Manager Mike Smith, Ron und Co. arbeiten daran und haben bereits passende Wegbegleiter gefunden, um Eric und seine Musik würdevoll zu feiern.

Dieses Vermächtnis dieses tollen, einzigartigen Sängers sollte einen festen Platz haben auf dem Altar der ERIC WAGNER-Fans

Chicago ist nicht gerade um die Ecke, aber als Doomer und Freund düsterer Hard`n´Heavy-Klänge sollte man auf jeden Fall „In The Lonely Light Of Mourning“ haben und den Doom-Helden feiern. Es gibt genau das, was man von ERIC WAGNER kennt quer durch seine musikalische Vergangenheit. Als Fan oder gar Freund von Eric gibt es gar keinen Grund, etwas zu sagen. Dieses Vermächtnis dieses tollen, charismatischen Sängers und besonderen, interessanten Menschen sollte einen festen Platz haben auf dem Altar der ERIC WAGNER/TROUBLE/THE SKULL-Fans. Zudem hatte Eric für das Album ein wunderschönes Foto ausgewählt von Katrina/Bloodagraphy beim MALTA DOOM METAL Festival 2018, wo ich Eric das leider letzte mal face to face begegnet bin. Und obwohl mich Erics Soloalbum bei jedem Durchgang tief traurig macht, lässt es mich doch aufschauen und hält eine Kerze am Brennen, die so wohl nur Eric in tiefer Dunkelheit zu entflammen weiß. Auch um Eric´s Familie zu unterstützen sollte man zu CD oder Vinyl greifen oder sich „In The Lonely Light Of Mourning“ über bandcamp sichern!

Veröffentlicht am 04.03.2022

Spielzeit: 36:53 Min.

Lineup:
Eric Wagner – Vocals
Chuck Robinson – Guitar
Ron Holzner – Bass
David Snyder – Drums, Guitars
Lothar Keller – Solo (2)
Victor Griffin – Solo (7)
Doug Hakes – Solo (5,6,8)
Sean McAlister – Bass (3)
Timm Reeves – Bass (4,5)
Matt Cross – Bass (6)
Brian Gaona – Cello (4)

Label: Cruz Del Sur

Mehr im Web: https://www.facebook.com/ericwagner411

Die Tracklist von “In The Lonely Light Of Mourning”:

1. Rest In Peace
2. Maybe Tomorow
3. Isolation
4. If You Lost It All
5. Strain Theory
6. Walk With Me To The Sun
7. In The Lonely Light Of Mourning (Video bei YouTube)
8. Wish You Well