OPETH: The Roundhouse Tapes [DVD]

OPETH: The Roundhouse Tapes [DVD]

Mit fast einem Jahr Verspätung hat es die DVD zum zugehörigen Livealbum The Roundhouse Tapes nun doch noch in die Regale geschafft. Dass der aufgezeichnete Auftritt von OPETH nun schon knapp zwei Jahre zurückliegt und in der Zwischenzeit sogar ein weiteres Studioalbum erschienen ist, soll da nicht stören, denn schlechter als heute war die Ausnahmeband damals bestimmt nicht.

Vielmehr zeigt sich die Progressive-Death-Metal-Combo bei ihrer Vorstellung im Londoner Roundhouse, welches im Übrigen eine einmalige Atmosphäre zu bieten hat, von ihrer besten Seite. Nach einem kurzen filmischen Vorspann, der eindrucksvoll zeigt, wie wundervoll das englische Volk Warteschlangen bilden kann, blendet der Mitschnitt auch schon auf das eigentliche Konzert über, das ohne großes Intro oder ausgefallenen Schnickschnack mit When von My Arms, Your Hearse beginnt. Ein Umstand, der zugleich auch bezeichnend für den kompletten Gig ist: Der geneigte Fan bekommt nichts anderes als OPETH pur. Kein großes Drumherum, keine spektakulären Bühnenaufbauten oder besonders beeindruckende Lichttechnik. Im Hintergrund laufen zwar ein paar Projektionen, aber der Fokus liegt eindeutig auf der Band selbst. Was zunächst vielleicht langweilig klingt, ist in Wahrheit die große Stärke von The Roundhouse Tapes. Obwohl, oder gerade weil so wenig Show geboten wird, schaffen es die Schweden mühelos, den Zuschauer an den Bildschirm zu fesseln. Der Grund dafür liegt neben der tadellosen musikalischen Leistung, die in feinstem Surround wiedergegeben wird, vor allem an der Ausstrahlung der einzelnen Musiker. Insbesondere Frontmann und Sänger Mikael Åkerfeldt hat Charisma, fesselt mit seiner unglaublichen Stimme und unterhält zwischen den Songs mit seiner stoischen und von trockenem Humor geprägten Art.

Das Roundhouse scheint mit seiner beeindruckenden Architektur zudem die perfekte Umgebung für OPETH zu sein. Die Atmosphäre der Halle wird von den Kameras gut eingefangen, während in ruhigen Songpassagen Schwarz-Weiß-Filter oder verschiedene Stilisierungen den fast schon rituellen Charakter des Live-Dokuments zusätzlich hervorheben. Durch diesen Kniff wird die Dynamik der Musik zugleich auch auf das Visuelle übertragen. Gleichwohl wirkt sich das auf den Schnitt aus, der zwar insgesamt in Ordnung geht, aber hin und wieder doch ins Hektische abdriftet. An der Songauswahl selbst gibt es wenig zu meckern. Das neun Stücke umfassende und gut 100 Minuten dauernde Set berücksichtigt mit Ausnahme von Deliverance jede LP der Schweden. Neben neuerem Material wie dem fantastischen Ghost Of Perdition gibt es mit The Night And The Silent Water und Under The Weeping Moon auch zwei ganz alte Kompositionen zu hören. Ein bunter Querschnitt also, der im Klassiker Demon Of The Fall gleichermaßen seinen Höhepunkt wie sein Ende findet und das Fanherz höchstens mit dem Wunsch nach einem weiteren Song zurücklässt. Aber andererseits gibt es keinen schöneren Schlusspunkt als eben diesen einen Titel, oder?

So überzeugend das Herzstück der DVD geworden ist, so enttäuschend gestaltet sich das Bonusmaterial. Neben einem inhaltlich belanglosen Bandinterview, dem verzichtbaren Soundcheck und einer Fotogalerie, gibt es noch knapp 16 Minuten lang Fan-Interviews zu begutachten, die sich jedoch bereits nach kurzer Zeit als ermüdende Geduldsprobe herausstellen. Ein wenig mehr Mühe hätte man sich für die Extras-Sektion schon geben können, denn die wirkt extrem eilig und lieblos zusammengeschustert. Dabei dürfte doch Zeitdruck eigentlich das Letzte gewesen sein, was dieser Veröffentlichung im Weg gestanden war.

Im Gesamtbild ist The Roundhouse Tapes für Anhänger der Band allein wegen des Konzert-Mitschnitts eine lohnende Anschaffung. Daran gibt es nämlich trotz spartanischer Lichtshow und mitunter schnellen Schnitten nichts auszusetzen. Da kann man dann auch gerne über das schlechte Bonusmaterial hinwegsehen, denn im Grunde zählt ja doch nur eins: Die Performance auf der Bühne und die stimmt bei OPETH wie eh und je.

Veröffentlichungstermin: 31.10.2008

Spielzeit: 148 Min. Min.

Line-Up:
Mikael Åkerfeldt: Vocals, Guitar
Peter Lindgren: Guitar
Per Wiberg: Keyboards, Backing Vocals
Martin Mendez: Bass
Martin Axenrot: Drums

Produziert von Jens Bogren und Mikael Åkerfeldt
Label: Peaceville Records

Homepage: http://www.opeth.com

MySpace: http://www.myspace.com/opeth

Tracklist:
Bildformat: 16:9
Ton: Stereo, Dolby Surround 4.0, DTS 5.1

Konzert – ca. 103 (109) Min.
Band-Interview – ca. 12 Min.
Fan-Interview – ca. 16 Min.
Soundcheck – ca. 11 Min.
Bildergalerie

Tracklist:
01. When
02. Ghost Of Perdition
03. Under The Weeping Moon
04. Bleak
05. Face Of Melinda
06. The Night And The Silent Water
07. Windowpane
08. Blackwater Park
09. Demon Of The Fall

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.