28 WEEKS LATER [Filmkritik Kino]

28 WEEKS LATER [Filmkritik Kino]

2002 landete Regisseur Danny Boyle mit 28 Days Later, einem Drehbuch aus der Feder von Alex Garland einen Volltreffer. Der intelligent gemachte Horror Schocker überzeugte nicht nur durch brachiale Schockeffekte und literweise Blut, sondern auch und vor allem durch die hintergründige Botschaft: Wozu sind Menschen unter Extrem-Situationen in der Lage? Was könne sich Menschen gegenseitig antun? Nun, fünf Jahre später steht mit 28 Weeks Later die Fortsetzung in den Startlöchern. Diesmal überließ Danny Boyle, der vor kurzem mit Sunshine eher wenig Begeisterung bei mir auslöste, den Regiestuhl dem Spanier Juan Carlos Fresnadillo. Auch das Drehbuch wurde nicht mehr vom Original-Drehbuchschreiber geschrieben, wobei sowohl Boyle als auch Garland daran mitgearbeitet haben.

Die Story des zweiten Teils spielt, wie der Titel es andeutet, ein gutes halbes Jahr nach dem Ausbruch des Wut-Virus in England. Die Vereinten Nationen haben unter der Führung der US-Armee das Virus wie es scheint mehr oder weniger unter Kontrolle gebracht. Der letzte Infizierte ist vor vielen Monaten gestorben und jetzt läuft der Wideraufbau und die Reinigung. Die Leichen der Infizierten werden verbrannt und die Überlebenden in einen abgesperrten Bezirk in London gebracht. Dort lebt auch Don, der den Infizierten entkommen konnte, aber seine Frau wenig heldenhaft zurück gelassen hat. Er nimmt seine beiden Kinder, die ebenfalls überlebt haben, in Empfang und überbringt ihnen die traurige Nachricht vom Tod ihrer Mutter. Seine unrühmliche Rolle hierbei lässt er geflissentlich unter den Tisch fallen. Die Dinge ändern sich, als seine beiden Kinder Andy und Tammy ausbüxen, um zu ihrem alten Haus, mitten im Sperrgebiet zu gehen und dort ein paar persönliche Dinge abzuholen. Sie treffen auf ihre tot geglaubte und ziemlich verstörte Mutter. Diese scheint immun gegen das Virus zu sein, trägt sie es doch in sich, ohne die üblichen Symptome zu zeigen. Dass sie immun ist, heißt natürlich nicht, dass sie nicht in der Lage ist, andere mehr oder weniger versehentlich zu infizieren. Der langen Rede kurzer Sinn: Kurz nachdem Mama gefunden wird ist auch schon der erste Neuinfizierte unterwegs und verbreitet die Seuche wie ein Lauffeuer. Die aufkommende Panik macht es für die Armee nicht wirklich einfacher die Situation unter Kontrolle zu bringen, und somit ändern sich die Befehle recht zügig von Schießt nur auf die Infizierten zu Schießt auf alles, was sich bewegt. Die junge Armee-Ärztin Scarlet versucht in all dem Chaos die beiden Kinder in Sicherheit zu bringen, da sie in ihrer DNA, die eventuell – wie die ihrer Mutter – immun gegen das Virus ist, die einzige Hoffnung gegen das Virus sieht. Unterstützung erhält sie von Doyle, einem Scharfschützen, der im ganzen Chaos auch lieber überleben will, anstatt Befehle zu befolgen.

Der Hintergrund für ein neuerliches Blutbad ist also gelegt. Wie schon der Vorgänger, spart 28 Weeks Later nicht an Blut. Wie es sich für einen guten Zombie-Film gehört, wird ordentlich gemetzelt, auch wenn das Blutvergießen zumindest in der Szene in der Harrold Lost Perrineau mit seinem Helikopter-Rotor ala Braindead durch die Infizierten mäht, schon ein wenig in Richting Fun-Splatter abdriftet. Auch ansonsten geling es den Filmemachern nicht ganz so gut wie beim ersten Teil, den Zuschauer wirksam zu terrorisieren. Klar, auch Teil Zwei hat jede Menge Schock-Momente, reicht aber nicht an den großen Vorgänger heran. Muss er auch gar nicht, denn an sich ist 28 Weeks Later2 ein guter Film und durchaus eine gelungene Fortsetzung. Dieses Mal steht das rücksichtslose Vorgehen der Armee im Fokus. Ob man hier Parallelen zu aktuellem Krieggeschehen ziehen wollte? Man möchte es fast meinen und wenn dann die Kamera beim Besuch des alten Hauses der Familie noch einen Moment auf das NOFX-The War On Errorism-Poster in Tammys Zimmer hält, ist man sich dieser Sache schon ziemlich sicher. Erneut herausragend ist die musikalische Untermalung von John Murphy, der auch schon den Vorgänger soundtrack-technisch veredelte. Alles in allem ist 28 Weeks later also durchaus ein empfehlenswerter Film für Genre-Fans.

Veröffentlichungstermin: 19.07.2007

Spielzeit: 99min Min.

Line-Up:
Robert Carlyle – Don
Rose Byrne – Scarlet
Jeremy Renner – Doyle
Harrold Perrineau – Flynn
Imogen Poots – Tammy
Mackintosh Muggleton – Andy
Catherine McCormack – Alice

Regie:
Juan Carlos Fresnadillo

Drehbuch:
Rowan Joffe, Juan Carlos Fresnadillo, Jesus Olmo, Enrique Lopez Lavigne

Produziert von Danny Boyle & Alex Garland
Label: Fox Atomic

Homepage: http://www.28weekslater-derfilm.de

Markus
Markus ("boxhamster") hat das Magazin 1999 gegründet und kümmert sich um die Technik und die Weiterentwicklung von vampster, schreibt ab und zu Reviews und fotografiert bei Festivals und Konzerten.