PREDATORS [Filmkritik Kino]

Die Vergewaltigung einer einst respektablen Reihe geht weiter…

Die Vergewaltigung einer einst respektablen Reihe geht weiter. Mit dem ersten “Predator” samt Action-Ikone Arnold Schwarzenegger schuf John McTiernan 1987 nicht nur eine Parabel auf den Vietnam-Konflikt, sondern auch einen wahren Klassiker des 80er Actionkinos. Danach zog es im gelungenen Nachfolger Danny Glover in die Großstadt, bevor knapp anderthalb Dekaden später Paul W. S. Anderson das umstrittene Crossover “Alien Vs. Predator” realisierte. Unterboten wurde dieses zuletzt vom unterirdischen Sequel “Aliens Vs. Predator 2: Requiem”, bevor die Ankündigung eines neuen Predator-Streifens die Hoffnungen der Fans wieder aufflammen ließ.

Kein geringerer als Robert Rodriguez trat als Produzent in Erscheinung und mit Nimród Antal nahm ein Mann auf dem Regiestuhl Platz, der mit “Motel” mindestens einen beachtenswerten Horrorfilm vorzuweisen hat. Ein gutes Team also, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen, aber wie so oft wurde diese Rechnung ohne die Drehbuchautoren gemacht. In der Tat ist “Predators” so katastrophal geschrieben, dabei langatmig und durchweg inkohärent, dass man ernsthaft darüber nachdenken muss, ob dieser Serienneustart nicht noch schwächer ausgefallen ist als der unsägliche “AvP 2”.

“Predators” ist nicht das erhoffte Actionfeuerwerk

Die ohnehin kaum existente Handlung ist dabei schnell zusammengefasst: Ein Haufen verwegener Kriegsveteranen und abgebrühter Berufskrimineller erwacht im freien Fall über einem dicht bewachsenen Dschungelgebiet, abgeworfen von einer ihnen unbekannten Instanz, die sie gnädigerweise vorher mit Fallschirmen ausstattete. In der harten Realität angekommen, raufen sich die Draufgänger zusammen, erkunden die Umgebung und verschaffen sich darüber Sicherheit, was ohnehin schon im Hinterkopf schlummerte: Dieser Planet ist nicht ihr eigener. Schlimmer noch: Sie sind nicht allein, denn das, was sie her gebracht hat, tat das mit einem klaren Ziel vor Augen, nämlich Jagd auf die bewaffnete Truppe zu machen…

Eigentlich unfassbar also, dass die Autoren Alex Litvak und Michael Finch es geschafft haben, das Skript mit so vielen Logikfehlern, Handlungslücken und so viel Stumpfsinn anzureichern, dass man am liebsten vorzeitig den Saal wieder verlassen möchte. Zumal es sich bei “Predators” im Grunde genommen um eine grobe Themaverfehlung handelt, denn das von vielen erhoffte Action-Feuerwerk ist dieser Film ganz bestimmt nicht.

“Predators” nimmt sich selbst bierernst

Die Ausgangssituation ist bekannt, das, was folgt, sowieso. Und trotzdem wird ausführlich jedes Klischee breitgetreten, jeder Stereotyp durchgekaut. Der sympathische Russe Nikolai (Oleg Taktarov), der schießwütige Südamerikaner Cuchillo (Danny Trejo), der wortkarge Yakuza Hanzo (Louis Ozawa Changchien), die toughe Amazone Isabelle (Alice Braga), der unberechenbare Psychopath Stans (Walton Goggins) und natürlich der coole, auf das eigene Überleben fixierte amerikanische Söldner Royce (Adrien Brody). Nichts von alledem wird ausgelassen und zugleich mit einer Ernsthaftigkeit begegnet, die jegliches Augenzwinkern missen lässt. Wo man den Ur-Predator mit jeder Menge Charme und coolen Sprüchen (“If it bleeds, we can kill it.”) einfach gern haben musste, nimmt sich Predators bierernst und sorgt mit gezwungenen Einzeilern höchstens für verdrehte Augen.

Den Schauspielern selbst will ich gar keinen Vorwurf machen. Oscar-Preisträger Adrien Brody spielt seinen Royce zurückgenommen und unterkühlt, verleiht ihm überraschenderweise eine starke physische Präsenz, ist ansonsten jedoch selbstverständlich kaum gefordert. Aber wie soll er seinem profillosen Abziehbild von einem Protagonisten auch Tiefe verleihen? Lawrence Fishburne bewegt sich mit seinem Einsiedler Noland am Rande der Karikatur und der restliche Cast krallt sich bereitwillig an die platten Stereotypen, die der Film ihm hinwirft.

Der Film wird von endlosen Strecken des Leerlaufs dominiert

Der Handlungsaufbau ist, wie bereits erwähnt, sehr unglücklich. Die titelgebenden Predators spielen in der ersten Hälfte des Films überhaupt keine Rolle, stattdessen wird man mit ermüdenden, testosterongeschwängerten  Wort- und Faustgefechten sowie einem Rudel Predator-Hunden hingehalten, wobei Letzteres nicht nur ziemlich enttäuschend eingeführt wird und ohnehin nur als Kanonenfutter dient, sondern zudem keinerlei Daseinsberechtigung besitzt. Die zweite unbekannte Spezies im Bunde, um die der Film zunächst noch ein Mysterium zeichnet, kommt dann gleich mal auf geschätzte fünf Sekunden Leinwandzeit samt riesigem Plotloch. Natürlich erwartet man bei solch einem Film weder ausgefeilte Charaktere noch eine erzähltechnische Meisterleistung, aber eine gewisse Kohärenz sollte gegeben sein.

Aber ist ja egal, solange die Action stimmt! Das mag sein, nur ist das bei Predators leider auch nicht der Fall. Der Film wird dominiert von endlosen Strecken des Leerlaufs, in denen rein gar nichts passiert, nur um dazwischen ziemlich mäßig inszenierte Action-Happen zu streuen, die vorhersehbarer und abgedroschener nicht sein können. Statt spannendem Guerilla-Krieg gibt es einen konstruierten, unspektakulären Schwertkampf; statt aus dem eigentlich ungleichen Kräfteverhältnis der beiden Parteien eine spannende Ausgangsposition zu schaffen, weiß man nach einer Weile nicht mehr, welche der Seiten sich nun dümmer anstellt.

Die Effekte sind zudem durchgehend schwach und fügen sich zu keiner Zeit in die oft ebenfalls erschreckend künstlich wirkende Umgebung ein. Das ist letztlich ohnehin egal, denn Spaß kommt bei der lahmen Umsetzung und dem durchwachsenen Schnitt ohnehin nie auf. Der Gewaltgrad des hierzulande ungeschnitten startenden Films hält sich übrigens im Rahmen und lässt auch wegen der klar erkennbaren CGI-Effekte ohnehin kein Splatterfest zu.

“Sie sind Predators, genau wie wir.”

So lächerlich und sinnfrei dieses Zitat von Filmamazone Isabelle in der deutschen Synchronisation klingt, so treffend spiegelt es den Kern des neuen “Predators” wider. Selbstverliebt, kopflos inszeniert und voller Ungereimtheiten spuckt dieses Werk auf seinen eigenen Namen und bringt es nicht einmal zustande, eine hirnfreie Actionorgie auf die Leinwand zu zaubern. “Predators” fehlt die Seele, fehlen die Ideen, fehlt alles, was einen guten Film ausmacht und wenn einem dann mitten im Finale der dümmste Twist aller Zeiten vorgesetzt wird, dann möchte man die Verantwortlichen am liebsten eigenhändig verprügeln.

Ja, das Fazit könnte nicht eindeutiger sein, denn sogar “Aliens Vs. Predator 2” ist im Vergleich ein kurzweiliges Erlebnis und anstatt Adrien Brodys verzweifeltem Kampf gegen das Skript beizuwohnen, kann ich jedem nur nahe legen, sich mit Arnie im Dschungel von Guatemala zu verabreden. Da gibt es die cooleren Sprüche und die sympathischeren Darsteller. Dort hat man zeitlose Effekte, eine tadellose Inszenierung, einen überzeugenden Spannungsbogen und selbstverständlich keine Zeit zu bluten.

Veröffentlichungstermin: 08.07.2010

Spielzeit: 106 Min.

Line-Up:

FSK: Keine Jugendfreigabe

Regie: Nimród Antal
Drehbuch: Alex Litvak, Michael Finch

Cast:
Adrien Brody – Royce
Topher Grace – Edwin
Alice Braga – Isabelle
Walton Goggins – Stans
Oleg Taktarov – Nikolai
Laurence Fishburne – Noland
Danny Trejo – Cuchillo
Louis Ozawa Changchien – Hanzo
Mahershalalhashbaz Ali – Mombasa

Produziert von Robert Rodriguez
Label: 20th Century Fox

Homepage: http://www.predators-movie.com