KEN HENSLEY: Ein bewegtes Leben voll mit Musik

KEN HENSLEY: Ein bewegtes Leben voll mit Musik

Denkt man an klassische Rockbands, dann denkt man unweigerlich auch an URIAH HEEP und ganz klar an deren Mann hinter der mächtigen Orgel oder der Gitarre, KEN HENSLEY. Dieser Mann hat Rockgeschichte erlebt und geschrieben, mit allen Höhen und Tiefen. Zwar gab es immer wieder tolle Soloalben, seit er 1980 URIAH HEEP verlassen hat. Aber mit einem richtigen Paukenschlag meldete sich KEN HENSLEY im letzten Jahr zurück, als unter dem Titel „Blood on the highway…“ sowohl die CD mit der Geschichte eines Rockstars als auch das Buch über sein eigenes Leben erschien. Dass die Story auf der CD sehr parallel zu HENSLEYs eigener Geschichte läuft, das verwundert dann nicht. Abgerundet werden sollen diese Veröffentlichungen durch eine DVD, die Anfang Mai erscheint.

Die Überraschung war aber doch sehr groß, welch ein umgänglicher, freundlicher Typ KEN HENSLEY ist. Mit dem Mann möchte man gern mal beim Sonnenuntergang auf der Terrasse seines Farmhauses sitzen und mit einem Glas feurigem Rioja-Rotwein über seine Tiere, das Leben in Spanien und natürlich über Rockmusik reden. Für einen Trip nach Spanien reichte das Taschengeld nicht, aber auch so wurde es ein informativer Plausch.

 

 

Hi Ken, es ist wohl nicht notwendig zu betonen, welche Ehre es ist, mit einem Mann zu reden, der in Zeiten, als die Rockmusik ihren Durchbruch hatte, ein echter Rockstar war. Nach vielen Jahren, in denen du nicht ganz so offensichtlich in der Rockszene aktiv warst, bist du nun wieder richtig drin im Spiel. Ist es ein gutes Gefühl, wieder voll dabei zu sein im Rock`n´Roll-Zirkus?

Danke für die netten Worte, das Vergnügen ist ganz meinerseits. Ich habe absolut keine Sehnsucht, wieder am „Zirkus“, „Rat Race“ oder wie immer man es heute nennen mag teilzunehmen!
Ich bin glücklich, die Möglichkeit zu haben um Platten zu machen, andere Künstler zu produzieren und gelegentlich Gigs zu spielen. Aber was mich heute am meisten begeistert ist die Tatsache, dass ich mit Hilfe meiner Frau Monica eine wirkliche Balance gefunden habe in meinem Leben. So ist es mir möglich, Spaß an meiner professionellen Arbeit zu haben, diese aber an den Toren meines Hauses auszusperren, damit ich mich dann ganz meiner Frau und meinen geliebten Tieren widmen kann.

Das AlbumcoverDein „Coming back“ wurde im letzten Sommer eingeleitet mit „Blood on the highway… When too many dreams come true“. Es erschien als CD und als Buch mit deiner persönlichen Geschichte. Wie war das, gab es erst die Idee, deine Biographie zu schreiben und dann kam der Gedanke, dies musikalisch umzusetzen? Oder kam erst die CD und dann die Erkenntnis „Hey, der Typ bin ja ich! Dass bring ich zu Papier, damit jeder daran teilhaben kann.

Als der Big Boss meines Labels die erste Version des Buches las, rief er mich an und fragte, ob wir nicht die Story um den Musiker auch auf CD bringen könnten. Ich hab einige Zeit darüber nachgedacht, hab ein paar Sachen geschrieben und sie dann in Alicante aufgenommen. Die Typen kamen von Hamburg rübergeflogen, hörten es sich an und wir machten den Deal in einem Restaurant mit dem Namen „Pondorosa“ am Strand von San Juan.
Der Titel „Blood on the highway“ war der Grundstock eines langfristig ausgelegten Planes, der sich mit dem Release der im Mai erscheinenden Live-DVD erfüllen wird.

Die CD war eine große Überraschung, ein tolles Album mit dem typischen Sound von KEN HENSLEY, sofern man mit deinen Solo-Alben vertraut ist, die du ja seit vielen Jahren immer mal wieder rausbringst. Es ist klassischer Rock auf deine typische Art, aber es passt genau in die aktuelle Zeit und klingt ganz gewiss nicht nach eine trüben Platte eines müden Musikers, der noch schnell ein paar Scheine verdienen will. Es klingt, als wäre sehr viel Leidenschaft in der Musik und der Story.

Ich schätze diese Worte sehr, aber viel sagen kann ich dazu nicht. Es freut mich, dass du diese Leidenschaft erkennst, die anfangs natürlich von mir ausging, aber letztendlich von allen Beteiligten mitgetragen wurde.

Es ist ja die Story eines Rockstars in den frühen Tagen des Hard Rock. Eine Band gründen, berühmt werden, viel Geld verdienen, Frauen, zu viele Drogen, der persönliche Absturz – die Geschichte deines Lebens. Es ist wie eine Rockoper, beginnt mit hartem, euphorischem Rock und endet sehr melancholisch. Man erkennt gut den Weg deines Lebens bis zum Ende der 70er.

Ich denke, es ist mehr ein Konzeptalbum als eine Rockoper. Ich hasse es, Dinge in klare Schubladen zu packen, das langweilt mich. Daher versuche ich, dass der Zuhörer selbst entscheidet, wo er oder sie es einordnet.

Die 70er waren etwas Besonderes und so kann es nie wieder sein (bedenke: ein Leben ohne Handy, Computer, Internet usw.…) und jeder von uns, der es zu Erfolgen gebracht hat, hat das auch seine eigene, einzigartige Weise gemacht. Wir hatten keine Anweisungen, wie man erfolgreich, reich oder berühmt wird. Wir mussten es selber herausfinden und jeder hat das auf anderen Wegen gemacht. Manche waren da etwas geschickter, andere (wie ich) nicht, aber jedes Schema war einzigartig. „Blood on the highway…“ zeigt die Ereignisse, wie ich sie gesehen habe.

Aber das Album klingt nicht entsprechend altmodisch. Es ist absolut zeitlos und eine ähnliche Story könnte sicher auch heute jedem aktuellen Star passieren, richtig?

Es kann immer wieder so passieren! Es freut mich, dass du das Album als zeitlos bezeichnest, ich empfinde es ebenso. Diese Geschichte wird sich nicht ändern und wird immer ein bedeutender Teil der Rock`n´Roll-Geschichte sein.

War es schwer, die alten Zeiten in die moderne Welt zu transportieren, ohne das nötige „Old Days“ Feeling zu verlieren?

Nein, überhaupt nicht, es war sogar recht einfach!! Wenn du soviel Erfahrung hast wie ich und verantwortungsvoll genug bist, an die Dinge mit klarem Kopf heranzugehen, dann erkennt man die Lektionen aus der Vergangenheit sehr deutlich. Und natürlich bin ich sehr gefestigt durch meinen Glauben an Gott.

Du hast die CD zusammen mit großartigen Musikern gemacht. Die meisten kommen aus deiner neuen Heimat Spanien. Es dürfte für dich nicht schwer gewesen sein, bekannte Musiker für dein Projekt zu finden. Warum hast du dich für diese Leute entschieden? Neue Freunde aus der Nachbarschaft? Ein leichterer Weg, um zusammen zu Proben und Aufzunehmen? Hattet ihr denn ganz normale Proben?

„Bekannte“ Musiker einzubinden ist nicht immer der intelligenteste Weg, damit es ein gutes Arbeiten wird! Sehr oft steht „sehr bekannt“ gleich mit teuer und kompliziert. Ich bevorzuge eine gute kreative Stimmung im Studio und ich habe ein großartiges Team gefunden, mit denen ich absolut gern für Aufnahmen zusammenhänge.
Ich hab die geschriebenen Songs vorgeführt und wir haben auf verschiedenste Weise experimentiert und ihnen Leben gegeben. Es ist eine großartige und sehr lohnenswerte Erfahrung!!

Hensleys Live-Band LIVE FIREWerden sie auch auf Tour an deiner Seite sein?

Nein… sie alle haben andere Beschäftigungen und sie rocken nicht über die Bühne wie es Nordeuropäer machen. Meine Live-Band, LIVE FIRE, kommt aus Norwegen!

Und natürlich gibt es fantastische Stimmen auf „Blood on the highway…„. Warum hast du genau diese ausgewählt?

Schon vom Anfang des Projektes an wollten wir mit verschiedenen Stimmen arbeiten, da ich so Tribut zahlen wollte für einige wirklich große Künstler dieser Tage. Außerdem ist es ja die Geschichte, wie ich sie aus meinem Blickwinkel sehe, und es gab damals so tolle Bands, so großartige Künstler, das wollte ich mit soviel wie möglich Klangfarben darstellen.
Jorn Lande (MASTERPLAN, AYREON, AVANTASIA, ALLEN/LANDE) war eine natürliche Entscheidung für mich, mit ihm hatte ich bereits zusammengearbeitet und er kennt sich wirklich aus mit den 70ern, so konnte er den Zeitgeist perfekt übertragen.

JOHN LAWTON (URIAH HEEP, HENSLEY-LAWTON BAND, LUCIFERS FRIEND) war und ist immer noch einer der besten Blues-Sänger, daher habe ich unmittelbar an ihn gedacht. Glenn Hughes (DEEP PURPLE, BLACK SABBATH, IOMMI) und ich hatten schon sehr lange vor, mal etwas zusammen zu machen und dieses Projekt gab uns die Möglichkeit.

Das Schwierigste war, die richtige weibliche Stimme zu finden. Aber ein Freund aus der Schweiz brachte mich mit Eve zusammen, sie lebt dort. Und sie hatte genau die richtige Stimme für „ihren“ Song.

Machte es einen Unterscheid, mit den Herren der alten Garde zu arbeiten im Vergleich zu einem „Up to date“-Künstler wie Jorn Lande? Ist es anders, ob man mit Old School-Sängern arbeitet oder einem modernen und jüngeren Knaben, der in der Hard`n´Heavy-Szene sehr aktiv ist?

Es ist durchaus ein anderes Arbeiten mit älteren oder jüngeren Musikern, aber JORN hat eine Menge Erfahrung und es gab deshalb überhaupt keine Schwierigkeiten. Erfahrung ist wirklich sehr wichtig bei einem seriösen Aufnahmejob, aber weitergehend muss ich sagen, dass wir „reiferen“ Kerle meistens etwas lockerer an die Dinge herangehen!

Nun, Eve Gallagher ist nicht gerade bekannt in der Rockszene. Eine tolle Stimme, eine coole Frau, aber wer ist sie?

Da hast du Recht! Eve´s Background liegt eher im Pop/Disco und sie hat eine Weile mit Boy George zusammen gearbeitet. Aber als ich mich mit ihrer Musik beschäftigt habe, hörte ich diese eine Stimme und ich fragte sie, ob sie den Song singen kann… und sie tat es!

Wie habt ihr das mit den Aufnahmen gemacht? Jeder für ein paar Tage in deinem Studio? Oder hat jeder seinen Part aufgenommen und dir geschickt?

Alles und jeder wurde in unserem Studio hier in Alicante, Spanien aufgenommen. Es war zwar teurer, es auf diese Weise zu machen, aber ich kann mir absolut nicht vorstellen, so etwas per „Remote Control“ zu machen!

Die CD hat viele sehr gute Kritiken gekriegt, bist du zufrieden, wie es läuft? Würdest du etwas ändern, wenn du „Blood on the highway…“ heute noch mal aufnehmen würdest?

Es gibt nur eine Kleinigkeit, die ich ändern würde. Die Reviews waren großartig und das ist ein toller Lohn. Ich hatte noch NIE im Leben eine Scheibe, die so gute Kritiken bekommen hat!

Was war der Punkt, der Auslöser, „Blood on the highway…“ gerade jetzt zu machen? Um zu zeigen „hier bin ich und werde es immer sein“? Ein notwendiger Bruch in deinem Leben um die Vergangenheit hinter dir zu lassen und frei für die Zukunft zu sein?

Ich habe das Buch zu einer Zeit in meinem Leben geschrieben, zu der ich (erfolgreich) einige sehr schwierige psychische, spirituelle und emotionale Zeiten gehen musste und ich fühlte, nun war der richtige Zeitpunkt dafür. Warum es dann auch zu der CD gekommen ist, das habe ich ja anfangs schon beschrieben.

Wenn ich gelegentlich in meinen Texten eine damalige Überzeugung verarbeite, dann habe ich nie das Gefühl, ich müsste eine Art unmusikalisches Statement abgeben. Ich werde angetrieben von der Liebe zu dem, was ich mache und der Tatsache, dass meine Arbeit (oder zumindest das meiste davon) meinen größten musikalischen Kritiker übersteht, und das bin ich selber.

Hensleys Lieblingsspielzeug

Nun, an KEN HENSLEY zu denken heißt, einen Mann hinter seiner riesigen alten Orgel vor Augen zu haben.

Arbeitest du in deinem Studio nur mit altem Vintage-Kram und analogem Equipment oder arbeitest du auch bequem mit dem Computer und moderner Hardware?

In unserem Studio haben wir das Beste von Beidem, analog und digital und wir machen von Beidem vollen Gebrauch. Die Instrumente und Stimmen sind 100% echt und wir nutzen dabei eine Menge großartiger digitaler Techniken. Aber wir machen keine Kompromisse und bearbeiten die Aufnahmen, bis sie tot sind. Bei uns sind die Leute ihre eigenen Lautstärkeregler, da braucht man nichts totkomprimieren.

Über KEN HENSLEY zu reden heißt, über seine Hammond B3-Orgel zu reden. Ist sie vergraben in deinem Haus oder schleppt ihr dieses Monster jedes Mal mit, wenn du auftrittst oder irgendwo Musik produzierst?

Wenn ich an einem Projekt arbeite, wo eine Orgel gefragt ist, dann benutze ich schon eine echte Hammond oder Leslie. Entweder ist es eine von meinen, oder sie wird irgendwo geliehen. Keinen Ersatz, keine Kompromisse!

Ich denke mal, ihr habt einige Shows nach dem Release von „Blood on the highway…“ gespielt? Waren sie erfolgreich? Wäre es nicht eine perfekte Story für ein richtiges Musical? Mr. Hensley goes Broadway?

Ha ha, ein großartiger Titel! Wir haben das komplette Album nur ein einziges Mal gespielt, in Hamburg am 22. Mai 2007. Wir haben durchaus darüber gesprochen, es noch mal zu machen, aber es ist ein logistischer Albtraum und sehr teuer! Bei unseren normalen Live-Shows spielen wir etwas die Hälfte der Songs vom Album.
Allerdings diskutieren wir gerade aktuell tatsächlich über eine Bühnenshow als Musical!

Die Release-Show für „Blood on the highway…“ in Hamburg wurde gefilmt und wird am 2. Mai als DVD veröffentlicht. Gibt es nur das Konzert zu sehen? Gibt es Bonusmaterial? Warum muss ich diese DVD kaufen?

Das Konzert bestand aus zwei Teilen. Zuerst „Blood on the highway…“ mit drei der vier Originalsänger und danach meine normale Show mit meiner Band LIVE FIRE. Dazu kommt noch eine Menge Dokumentationen und Interviews. Es ist eine Doppel-DVD, die auch als Blue Ray-Version erscheint. Eines der ersten Live-Konzerte, welches mit diesem brandneuen Format veröffentlicht wird.
Warum sollte jemand diese DVD kaufen? Nun, ich denke ein Grund ist, dass es genau so nie wieder sein wird wie an diesem Abend.

Zeitgleich zum Release dieser DVD wird natürlich auch das Album „Blood on the highway…“ noch mal gepusht und neu aufgelegt. Gibt es Änderungen, Bonusmaterial oder so?

Nein, die CD ist so, wie sie ist (wie wir uns ja vorhin schon einig waren) zeitlos und wird so bleiben. Nur wechselt der Vertrieb zu SPV und wir dachten, es wäre ein prima Zeitpunkt für einen Re-Launch.

Nun, KEN HENSLEY über so viele Jahre zu kennen bedeutet auch, unzählige Songs mit URIAH HEEP und fantastische Solo-Alben erlebt zu haben. Irgendwie werde ich nicht müde, sie mir immer wieder anzuhören. Du brauchst keine abgefahrenen Riffs oder extravagante Melodien, um den Zuhörer zu erreichen – du machst es einfach mit dem Gefühl in deinen Songs. Ist das etwas, was ich lernen kann oder ist es einfach die Erfahrung, die man in mehr als 40 Jahren Musik machen bekommt? Oder ist es einfach das Talent in dir?

Danke für die netten Worte! Das ist eine interessante Frage. Vor Jahren, als es noch keine Geräte gab, um unterwegs aufzunehmen oder zu Komponieren, hatte ich die Angewohnheit, im Flugzeug, im Auto oder wo auch immer Texte zu schreiben. Später habe ich dann beim Soundcheck oder bei den Proben an den Melodien gearbeitet, und genau so schreibe ich immer noch meine Lieder. Mich führen die Lyrics dann zum Rhythmus und den Melodien und ich arbeite solange daran, bis alle drei dann gemeinsam zum Leben erwachen.

Meine Mutter und mein Vater waren beide Musiker, aber keiner von ihnen hat selbst komponiert. Ich begann mit einfachen (und manchmal auch albernen) Reimen und lernte zu Spielen, um sie zu Songs zu verarbeiten. Ich wurde beeinflusst von den großen Songwritern jener Zeit wie John Lennon, Paul McCartney, Bob Dylan und so weiter. Dabei hat es mir auch immer Spaß gemacht, die englische Sprache zu erforschen.

Ich persönlich denke, dass jeder einen Song schreiben kann, aber den Punkt zu erreichen, wo ein Song als Klassiker oder einfach ein großartiger Song wird, benötigt viel Übung und Zeit – und nicht viele Menschen haben die erforderliche Zeit, um dies zu erreichen.

Ich sehe mich selbst als einen normalen Menschen mit einer besonderen Gabe. Eine, die ich teilen kann, manchmal mit vielen Menschen.

Hensley auf der Summer Party in NorwegenEs gibt nicht viele Songs in der Geschichte der Rock-Klassiker, die Fans jeder Musik und jeden Alters schadenfrei in kuscheligen Momenten anhören können wie „House of the rising sun“ von den ANIMALS, „Hotel California“ von den EAGLES oder eben deinen Klassiker „Lady in black“, dem wohl größten Hit von URIAH HEEPs fantastischen Album „Salisbury“ von 1971. Bedenkt man, wie viele Babys vielleicht gezeugt wurden, als nebenher dein Song lief – macht dich das stolz?

Gelegentlich erinnere ich mich an die persönliche Bedeutung, die manche Songs für Menschen haben und kürzlich hörte ich, dass „Lady in black“ an einigen englischen Schulen als Lehrobjekt benutzt wird. Das finde ich sehr interessant! Es ist für mich überwältigend, dass so ein simpler Song auch außerhalb des musikalischen Umfeldes seinen Platz findet. Das macht mich sehr glücklich und dankbar!

Für viele Menschen (mich eingeschlossen) ist „Lady in black“ ein Jahrhundertsong. Was braucht deiner Meinung nach ein Song, um ein Klassiker zu werden?

Hm… Nun, ich denke, er muss irgendwie einprägsam sein und den „Test of time“ bestehen. Ich bin nicht ganz sicher, aber „House of the rising sun“, „You´re my world“ (CILLA BLACK) oder „Hey Jude“ (BEATLES), sie alle passen als Klassiker eher in einen zeitgemäßen Rahmen. Wenn einer meiner Songs ebenfalls dieser Kategorie zugeordnet wird, dann ist das für mich eine große Ehre und es fällt mir etwas schwer, das zu glauben.

Im Duett mit dem Schweizer Sänger Daniel Kandlbauer hast du eine neue Version von „Lady in black“ veröffentlicht. Wie kam es dazu? Ist er sehr bekannt? Er ist ein Casting-Star, richtig? Nun, die Version ist ganz nett, aber … sorry… kommt an das Original nicht heran. Aber es führt junge Hörer an diese Form „alter“ Musik heran, das finde ich klasse.

Dani ist sehr groß in der Schweiz und ein wirklich netter Kerl. Das Label Universum fragte mich nach diesem Duett und ich mochte die Idee und die Tatsache, dass unsere Stimmen so gut zusammen passen. Wir haben auch gar nicht versucht, das Original zu erreichen. Viele Leute haben das schon versucht und sind gescheitert. Aber, wie du schon sagst, wenn es den Song einer neuen Generation näher bringt, das kann ja nicht schlecht sein!

Über unsere Myspace-„Freundschaft“ entdeckte ich dein Projekt mit der südafrikanischen Sängerin Toni Rowland. Du hast auf ihrem sehr netten neuen Album „Unfolding“ gespielt und es glaub ich auch produziert. Eine Sängerin aus Südafrika, wie kam es denn zu diesem Kontakt?

Toni´s Manager ist ein alter Freund von mir und er fragte mich, ob ich ihr Album produziere. Es war eine Herausforderung, aber diese Erfahrung hat viel Spaß gemacht und ich kann es kaum erwarten, das fertige Album zu sehen.

Man hat den Eindruck, du verbringst unendlich viel zeit mit tausenden Projekten. Du hast mit den Halbindianern BLACKFOOT gearbeitet, mit W.A.S.P. und CINDERELLA in den 80ern und weitaus mehr in der Vergangenheit ebenso wie heute. Was ist notwendig, damit du auch in meiner Band spielst? 😉

Heute arbeite ich nur noch an der Musik, die mir wirklich gefällt, das ist mein einziges Kriterium. Und ich sage weitaus öfters „No“ als dass ich „Yes“ sage!

Immer an Musik arbeitend – bist du ein Workaholic? Brauchst du die Kohle? Ist es immer noch die Leidenschaft, Musik zu erschaffen?

Ich liebe Musik und ich habe mein ganzes Leben hart daran gearbeitet, um mein Leben mit Musik verbringen zu können. Das wird sich niemals ändern! Das ist meine Gabe und meine Berufung und ich bin so dankbar für jeden neuen Tag, den ich das leben kann.

Die ganze Zeit eigene Musik zu erschaffen – ist da überhaupt noch Zeit, aktuelle Musik zu hören? Gibt es neue Bands oder Künstler, die du magst?

Was immer du mit „aktueller“ Musik meinen magst, wenn du das meinst, was so im Radio läuft – dafür verschwende ich nicht meine Zeit! Ich mag „Songs“, und ich höre heute absolut keine guten Songs mehr.

Aber meine Lieblingsband ist aktuell MAKS & THE MINOR, eine junge Band aus Hamburg, die ich letztes Jahr produziert habe. Großartige Musiker, großartige Songs und reichlich hervorragender Entschlossenheit. Ich denke, sie können ganz groß werden und jeder in der Welt sollte sie anchecken.

Hier läuft gerade dein Soloalbum „From time to time“ von 1994 mit JOHN WETTON (URIAH HEEP, ASIA, KING CRIMSON). Hörst du selbst manchmal deine alten Scheiben? Welches gefällt dir heute am Besten, abgesehen von „Blood on the highway…„?

Ich höre mir meine eigene Musik sehr selten an, aber mein Favorit ist „Blood on the highway…„, sorry!

Vor kurzem hab ich mir mal wieder einige Platten von dir angehört. Es ist eigentlich egal, ob man nun frühe HEEP-Sachen hört, deine Soloalben oder nun „Blood on the highway…„, man erkennt sofort, dass es von dir ist.

Wie ich schon sagte, Musik ist die wichtigste Sache in meinem Leben und der eigene Stil, den du nennst, entstand halt durch das Schreiben und Produzieren von Musik über all die viele Jahre.

Lass uns etwas über Kenneth William David Hensley reden. Heutzutage lassen viele One-Night-Sensations die dicken Stars heraushängen, man kommt schwer in Kontakt und sie spielen gern das „Ich bin Star, du nur Schreiber“-Spiel. Mit dir lief das ganz locker, du warst freundlich, cool und unkompliziert. Du warst mal ein „echter“ Star, verhältst dich aber eher wie ein Kumpel aus der Nachbarschaft, mit dem man gern ne Grillparty schmeißt oder mal ein Tässchen Tee oder Glas roten Wein trinkt.
Liegt es daran, dass du einfach reifer bist? Spielst du einfach businessgerecht „Mr. Niceguy“? Oder stimmt der Eindruck, dass du einfach ein netter Typ bist mit dem herz am rechten Fleck?

Der kleine Ken HensleyIch bin gut aufgewachsen und meine Eltern haben mir früh beigebracht, wie wichtig es ist, sich angemessen zu verhalten. Ich hatte eine exzellente Erziehung und war gut in der Schule und im Sport. Dann bin ich reich und berühmt geworden, bekam Drogenprobleme und den absoluten Absturz, verlor viele Freunde und zerstörte viele persönliche und professionelle Beziehungen.

Ich nahm eine Auszeit, um wieder mein wahres Ich zu entdecken, was allerdings locker 20 Jahre gebraucht hat. Aber ich bin durchaus dankbar für die harten Lektionen, die ich lernen musste.

Wenn du sagst, ich sei „freundlich, cool und unkompliziert“, dann habe ich mir wohl etwas ganz wichtiges bewahrt… vielen Dank!

Worüber ich mich total aufgeregt habe: Anfang Januar lief bei RTL mal wieder eine dieser Chart-Shows, bei der du „Lady in black“ performt hast. Als du dann kurz dein Buch „Blood on the highway…“ vorstellen wolltest, wurdest du harsch abgewürgt, während total belanglose „Stars“ dort ihr uninteressantes Gelaber von sich geben konnten. Ist das nicht hart, wenn man so abgefertigt wird? Ich als Fan empfand das als eine totale Unverschämtheit.

Hey… nimm so was nicht so ernst! Da wird halt alles zusammen geschnitten und was man da sah war nicht das, was tatsächlich passierte! So was interessiert mich nicht mehr und so solltest du das auch sehen. Wir haben genug andere Möglichkeiten, um Spaß zu haben!

Ok, zurück zu deiner Story. Erinnerst du dich auch heute noch an die Gefühle, als dir bewusst wurde, dass du URIAH HEEP verlassen musst, dein „Baby“ verlieren wirst, in eine ungewisse Zukunft starten musst? Sind diese Gefühle immer noch da, oder ist das nur ein Schatten aus der Vergangenheit?

Ich hatte nie Angst, ein Risiko einzugehen und ich kann dir sagen, dass ich damals ganz genau wusste, dass es Zeit ist, aufzuhören! Ich hatte keine Ahnung, wie und wo es weitergeht, aber ich wusste, dass es genau jetzt aufhören musste. Ich bereue diesen Schritt auch nicht und bin absolut glücklich, wo ich nun stehe. Aber es war ein langer, langer Weg von dort bis zum Hier.

Waren die Gefühle und Emotionen greifbar für dich oder war es ein Ausbruch von vergessenen und verdrängten Gefühlen, als du dann am Buch „Blood on the highway…“ gearbeitet hast? Das Buch ist eine gute Möglichkeit, viel über KEN HENSLEY zu erfahren. Ich musste es zweimal lesen, um all die Orte und Personen zuzuordnen. War es nicht schwer, all diese guten und schlechten Zeiten nach so langer Zeit wieder abzurufen?

Es war nicht schwer, sich an Ereignisse, Leute und andere Dinge zu erinnern. Aber es war ein interessanter Prozess zu versuchen, heute diese Momente wieder aufleben zu lassen. Eine eindeutige Rekonstruktion der alten Ereignisse kriegt man selten zu 100% hin, aber ich hab mein Bestes gegeben und dabei versucht, niemanden zu beleidigen. Das betraf vor allem viele Publishers, mit denen ich zu tun hatte. Schwierig war es manchmal, die Ereignisse neu zu durchleben, um sie so genau wie möglich wiederzugeben.

Es war keine große emotionale Erfahrung, aber ich hab viel Zeit damit verbracht, mir alte Bilder anzuschauen, die ich schon ewig nicht mehr gesehen hatte.

Hast du deine Geschichte jemandem erzählt und er hat sie aufgeschrieben oder hast du sie allein mit deinen Erinnerungen selbst aufgeschrieben?

Das meiste hab ich selber aus meinen Erinnerungen heraus aufgeschrieben. Matthias Penzel kam dann dazu und hat noch mehr Einzelheiten aus mir herausgekitzelt.

Es geht natürlich um dein Leben, aber es passt auch zu vielen anderen Rockstars von damals. Hat man da noch Kontakte untereinander oder geht jeder seine eigenen Wege?

Das ist weitestgehend Vergangenheit und ich habe hart daran gearbeitet, meinen eigenen Weg zu gehen. Die Vergangenheit ist da, aber nur als ein Zeugnis seiner selbst.

Beschäftigt man sich mir deinen Texten, dann hat man das Gefühl, du warst immer auf der Suche nach irgendwas, nach einem „besseren Weg“, ein besseres Leben, nach was auch immer… Hast du gefunden, wonach du gesucht hast? Du bist jetzt ein Christ, welche Rolle spielte das, um aus dem Chaos, Drogensumpf und dunklen Zeiten herauszufinden?

Ich war auf der Suche und bin es irgendwo immer noch. Mein Glaube an Jesus ist nun eine bedeutende Grundlage in meinem Leben und er hat tatsächlich eine entscheidende Rolle bei allem in und um mein Leben geführt, seit ich 1993 zu ihm fand! Manchmal muss uns Gott halt einen Tritt verpassen, damit wir auf ihn aufmerksam werden.

Nun, es ist egal, ob man in deine ruhigeren oder rockigeren Songs hört, es ist immer eine leicht melancholische Schwingung in deiner Stimme. Bist du eher ein Party-Animal oder doch eher ein introvertierter oder gefühlsbetonter Mensch?

Ich bin nichts davon! Ich bin ein ganz gewöhnlicher Typ mit eine besonderen Gabe mit der Möglichkeit, diese preiszugeben. Mein Leben ist wundervoll… nicht einfach, aber wundervoll.

Nach vielen wilden und harten Zeiten in St. Louis, U.S.A. lebst du nun in Spanien. War das nicht krass, dieser Unterschied?

Yep, aber es war überhaupt nicht schwer!

Kein Interesse, eines schönen Tages wieder zurück nach England zu gehen? Ok, das Wetter in Spanien ist natürlich besser! 😉

Ich hab es versucht, 2001 wieder in England zu sein nach 19 Jahren in den USA. England ist kalt, nass und teuer. Da bin ich lieber hier in Spanien und wenn mir danach ist, kann ich mich ins Flugzeug setzen und meine Familie in England besuchen.

Du hast ein einzigartiges Gesicht und bist in den USA und natürlich in den USA sehr bekannt. Ist das in Spanien auch so oder kannst du unerkannt am Strand spazieren gehen oder in einer Bar sitzen?

Weder URIAH HEEP noch ich selber war jemals so groß in Spanien, ich kann hier ganz privat leben. Und der Ort, an dem wir leben, ist sehr abgelegen, daher haben wir dort Frieden und Gelassenheit, es ist entzückend!

Leidenschaftlicher MusikerWas passiert im Leben von Mr. HENSLEY, wenn es nicht um Musik geht? Womit verbringst du diese freie Zeit?

Es ist immer Musik um mich herum, selbst im Schlaf und morgens liebe ich es, den Vögeln zuzuhören beim Singen, wie nur sie es können!

Aber es gefällt mir, auf meiner Farm zu arbeiten… meistens nur die Tiere füttern und saubermachen. Das ist mein WIRKLICHES Leben!

Du bist in der Lage, eine komplexe Hammond-Orgel zu bedienen. Kannst du auch eine schmackhafte Malzeit zubereiten oder dein Haus selber anzustreichen?

Nein… so was überlasse ich lieber den Leuten, die so was können!

Reden wir wieder über Musik: Band aus den goldenen Jahren des Rock wie LED ZEPPELIN oder DEEP PURPLE haben bis heute ihren Stempel hinterlassen im Sound des Rock bis Heavy Metal. Bezogen auf die frühen URIAH HEEP-Platten, die extravagante Art des Keyboardspiels, die sehr melodischen Vocals, die episch ausgelegten Songs – ich denke, URIAH HEEP war die erste Progressive-Metal-Band. Stimmst du da zu?

Ich bin mir nicht sicher, wie ich den Begriff „Progressive“ zuordnen soll, aber wenn du damit meinst „experimentell“, dann stimme ich dir zu.

Ok, wir sitzen hier mit ein paar jungen Musikern im Garten, sie wollen gern alle Stars werden, Myspace ist ihnen wichtiger als die Schule und jeder von ihnen ist in der Lage, seine Musik am PC aufzunehmen, nur ein paar Mausklicks und fertig ist ein Lied. Was würdest du zu diesen jungen Träumern sagen, die gar nicht wissen, was echte Rockmusik ausmacht?

Lern wie man ein Instrument spielt und spiele es, weil du liebst, es zu spielen. Und vielleicht wird daraus eine große Sache. Wenn nicht, dann hast du halt ein großartiges Hobby, das du mit deinen Freunden teilen kannst.

Natürlich kannst du die Fragen nach URIAH HEEP nicht mehr hören, aber es war halt ein wichtiger Punkt in deinem Leben.
Heute ist es üblich, dass sich alle möglichen bis unnötigen Bands reformieren, oft mit nur einem Originalmitglied, um noch mal ein paar Scheine abzugreifen. Für dich kommt so was nicht in Frage, richtig?

Zum einen ist es wegen David (Byron, 1985 verstorben) und Gary (Thain, 1975 verstorben) ja nicht mehr möglich, eine echte Reunion zu machen. Und zudem hasse ich es, Schritte zurück zu gehen!

Verfolgst du die Laufbahn von den heutigen URIAH HEEP, hörst du dir ihre CD an?

NEIN!

Tja, es fällt mir schwer, hier aufzuhören. Es gibt noch tausend Fragen, aber du bist ein viel beschäftigter Mann. Und wer mehr von dir erfahren möchte, der/die sollte sich dein Buch „Blood on the highway…“ besorgen.
Vielen Dank, dass du mir soviel Zeit gegönnt hast für dieses Interview.

Ebenfalls vielen Dank, gerne doch!

 

(Fotos: Ken Hensley)

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.