KEN HENSLEY: Blood on the highway (When too many dreams come true)

KEN HENSLEY: Blood on the highway (When too many dreams come true)

Ein Konzeptalbum über das Leben und Sterben als Rockstar in den wilden 70ern – das glaubhaft hinzukriegen erfordert gute Musiker oder man war selber dabei, aber besser noch beides. KEN HENSLEY bringt beides mit, mit URIAH HEEP hat er Rockgeschichte geschrieben und in den 70ern viele Höhen und Tiefen des Rockstarleben kennen gelernt bzw. viele Stars kommen und gehen gesehen. Seine Geschichte Blood on the highway erzählt zwar von einem erfundenen Rocker, die Story dürfte aber auch reichlich eigene Erlebnisse und die aus seinem direkten Umfeld aufgreifen.

Beim ersten Durchgang, ohne Blick ins aufwendige Infoblatt, fühlt man sich etwas verarscht, denn HENSLEY verarztet haufenweise altbekannte Riffs, vieles klingt geklaut und zu deutlich nach bestimmten Bands des 70er Classic-Rock. Erkennt man, worum es auf Blood on the highway geht, fügt sich das aber in ein passendes Bild. Um die Story vom Beginn, Aufstieg und tiefen Fall dieses Rockstars zu beleben, hat HENSLEY neben guten Musikern vor allem auf hervorragend passende Sänger gesetzt, die der Geschichte Leben einhauchen. Jedem Sänger wird passend zur Stimme der entsprechende Song zugeordnet. So klingt Jorn Lande (JORN, MILLENIUM, MASTERPLAN) überraschend nahe nach David Coverdale und singt Songs im typischen WHITESNAKE-Stil, GLENN HUGHES dagegen werden typische DEEP PURPLE-Songs auf den Leib geschnitten. Das aber nicht so schablonenhaft, wie es sich hier anhört, HENSLEY achtet auf Abwechslung, bringt auch oft Klänge seiner alten Band URIAH HEEP mit ein und verpackt diese Elemente und seine Geschichte in typischen 70er (Hard) Rock, die Songs kommen angenehm altbacken, ohne dabei staubig und ausgelutscht zu klingen. Auch beim Sound hat KEN HENSLEY darauf geachtet, dass er geschickt erdige 70er-Klänge mit modernem Anspruch verbindet. Nahezu jede Band aus der Zeit der großen Rockbands wird mehr oder weniger gezielt zitiert, der besungene Musiker könnte sicher in jeder dieser Bands gefunden werden. Erstaunlich bleibt, wie geschickt KEN HENSLEY diese Bands musikalisch zusammenführt. Ein Anspieltipp ist z.B. We´re on our way, wo man sich als Zuhörer nicht entscheiden kann, ob man nun Whiskey in the yar (THIN LIZZY) oder die Melodie von Lady in black (URIAH HEEP) mitsingen soll, während unerwartet der Refrain von URIAH HEEPs Free me zitiert wird.

Neben der musikalischen Umsetzung sind es natürlich auch die großen Stimmen, die überzeugen. Neben HENSLEY, der selbst natürlich auch zum Mikro greift, begeistert LANDE mit seiner Anpassungsfähigkeit – wie er beim Titelsong stimmlich zwischen FRANK ZAPPA, COVERDALE und FREE-Sänger Paul Rogers agiert ist schon beeindruckend. Den Sex, Drugs and Rock`n´Roll- Lifestile der 70er vertont niemand glaubwürdiger als GLENN HUGHES, Eve Gallagher sorgt mit ihrer sehr an TINA TURNER erinnernden Stimme für Gänsehaut. Selten habe ich bei einem Konzeptalbum so deutlich einen Film vor Augen gesehen, diese Story bietet sich geradezu an für einen Film oder als Musical. Eine erste Vorführung in Hamburg gab es im Mai bereits.

Das oft missbrauchte Lob Ganz großes Kino passt hier perfekt, Blood on the highway ist eine Zeitreise und führt uns fast bildlich durch die wilden großen Zeiten der Rockmusik.

Veröffentlichungstermin: 25.05.2007

Spielzeit: 53:14 Min.

Line-Up:
Ken Hensley – Vocals (9, 12, 13), Dobro
Jorn Lande – Vocals (1, 2, 3, 4, 10)
Glenn Hughes – Vocals (11, 14)
Eve Gallagher – Vocals (7)
John Lawton – Vocals (6)
Rafa Raposo – Guitar
Dani Saiz – Guitar
Antonio Molto – Saxophon
John Smithson – Bass
Tommy Lopez – Drums
The Alicante Symphony – Streicher

Produziert von Ken Hensley
Label: Politur Records

Homepage: http://www.ken-hensley.com

Tracklist:
1. (This is) Just the beginning
2. We´re on our way
3. Blood on the highway
4. You´ve got it
5. Doom (Scene 1)
6. It won´t last
7. Think twice
8. Doom (Scene 2)
9. There comes a time
10. Okay (this house is down)
11. What you gonna do
12. Postscript
13. I did it all
14. The last dance

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.