PSYCHOTIC WALTZ: The God-Shaped Void

PSYCHOTIC WALTZ: The God-Shaped Void

1996, also vor 24 Jahren veröffentlichten PSYCHOTIC WALTZ ihr bisher letztes Studioalbum “Bleeding”. Originalbassist Ward Evans war da schon nicht mehr in der Band und ein Jahr später war es dann vorbei. Es blieben vier allesamt auf ihre Art grandiose Alben, allen voran die beiden in Szenekreisen gottgleich verehrten ersten beiden Werke “A Social Grace” und “Into The Everflow”. Ich bin erst viel später, 2004 mit der Veröffentlichung der beiden Box-Sets mit jeweils zwei der Alben, auf die Band gestoßen. Fasziniert haben PSYCHOTIC WALTZ mich sofort. Besonders das vertrackte, technische aber eben auch hoch emotionale Debüt sowie der mit deutlich kompakteren Songs bestückte Schwanengesang “Bleeding”. Aber letztendlich ist tatsächlich jedes einzelne Album der Band absolut fantastisch und einzigartig, jedes ein eigener Klangkosmos für sich.

Von der Reunion bis zu “A God-Shaped Void” brauchten PSYCHOTIC WALTZ zehn Jahre…

2010 tat sich die Band dann wieder zusammen, nach einiger Zeit war das Original-Line-Up wieder komplett. Es folgten einige Touren und Festivalshows, jede einzelne, bei der ich dabei, war ein Erlebnis. Die Band hatte offensichtlich nichts verlernt und konnte jedes Mal überzeugen, ob im Rahmen der Power Of Metal-Tour, auf großen Open Air Bühnen oder als Headliner im Club. Schon recht früh war auch von neuen Songs die Rede, doch es sollte weitere zehn Jahre dauern, bis das fünfte Album endlich fertiggestellt und veröffentlicht wurde. Die immer mal wieder aufploppenden Facebook Posts darüber, dass es jetzt dann echt wirklich ganz sicher demnächst mal so weit sei, wurden zu einer Art psychologischer Folter. Man verlor so langsam den Glauben, war andererseits aber auch nervös. Konnte diese Band überhaupt noch mal etwas veröffentlichen, was den Vergleich mit ihren ersten vier Alben standhalten würde? Die ersten live dargebotenen Songs stimmten jedenfalls vorsichtig optimistisch.

… aber das Warten auf “The God-Shaped Void” hat sich gelohnt

Und siehe da, alle Sorgen waren umsonst. “The God-Shaped Void” ist ein rundum gelungenes, nein mehr als das, ein großartiges, begeisterndes Werk geworden. Enttäuscht sein können wohl nur Leute, die aus irgendeinem Grund “A Social Grace II” erwartet oder erhofft haben. Genau das ist “The God-Shaped Void” natürlich nicht. Nein, das neue Album klingt exakt wie die logische Fortsetzung der Band-Diskographie, dieses Album hätte nach „Bleeding“ erscheinen können. Die Songs sind kompakt, größtenteils eher im Mid Tempo gehalten. Technische Muskelspiele hat die Band nicht nötig. Diese spezielle PSYCHOTIC WALTZ-Sound, diese magischen, irgendwie sphärischen, abgespaceten Gitarrenläufe sind absolut unverkennbar.

Das Gitarrenduo Dan Rock und Brian McAlpin spielt auch 2020 noch in seiner völlig eigenen Liga. Devon sing eher in mittleren Tonlagen, die extremen Höhen und abgefahrenen Gesangsparts wie auf “A Social Grace” spart er sich, würde er vermutlich auch nicht mehr so hinbekommen wie vor dreißig Jahren. Macht aber überhaupt nichts, denn auch so schafft er es, den Hörer mit seiner Stimme zu verzaubern, zu packen und emotional zu berühren.

PSYCHOTIC WALTZ entführen uns in die unendlichen Weiten des Prog Metal

Schon der Opener, das als erster Song vorab veröffentlichte “Devils And Angels”, nimmt uns mit auf einen Trip in die unendlich weiten Galaxien des PSYCHOTIC WALTZ-Sounds. Sphärische Synthies leiten den Song ein, ganz vorsichtig gesellt sich Devons Querflöte, Riffs, drums, Chöre und dann geht es los auf die Reise. Devons hypnotischer Gesang gleitet sanft aus den Boxen, begleitet von Rhythmusgitarre und Schlagzeug, die wie ein Zahnrad ins andere greifen. “Back To Black”, das mit knapp unter vier Minuten kürzeste Stück des Albums, ist gleichzeitig die direkteste Nummer. Ein einfaches, effektives Riff und ein ebenfalls simpel gehaltener, für WALTZ-VErhältnisse schon aggressiver Refrain. Ein guter Song aber wohl auch das unauffälligste Stück auf “The God-Shaped Void”. “The Fallen” startet als zerbrechliche Ballade und steigert sich im weiteren Verlauf zu einem intensiven Stück mit Streicherbegleitung. Ein Song, der unter die Haut geht.

“While The Spider Spins” wurde,wenn ich mich recht entsinne, bereits auf der 2017er Tour zum Besten gegeben. Das Stück, das sich mit der Abhängigkeit von digitalen Medien auseinandersetzt, ist für mich das Highlight eines an starken Songs nicht armen Albums. Alleine die fast schon singenden Gitarren im Intro, dann der einsetzende Gesang von Devon – so einfach kann Gänsehaut sein. Dann dieser ellenlange Gitarrenpart nach etwa vier Minuten. Zum Niederknien!

“Here in my cell
Down in my shell
I hold in my hand a hi-def window to my life
I’m a modern man

Here in my cell i can choose my addiction
While the spiders spin”

Ein Song, bei dem man einfach nur die Augen schließen und sich mitnehmen lassen möchte. An Nummer zwei steht für mich “Sisters Of The Dawn”. Das längste Stück des Albums zeigt die Band erneut in absoluter Hochform. Eine ruppige Strophe, ein packender, hymnischer Refrain und erneut Gitarren die nicht von dieser Welt zu sein scheinen sowie erneut Devon in Bestform, mitreißend in jeder Stimmlage.

PSYCHOTIC WALTZ sind wieder da, so gut wie eh und je!

Das Fazit zu diesem musikalischen Kleinod kann nur lauten, dass PSYCHOTIC WALTZ ohne Frage immer noch voll im Saft sehen. Ja, es hat verdammt lange gedauert, bis dieses Album endlich fertig war aber das Warten hat sich gelohnt. Nicht zu einer Sekunde macht sich Enttäuschung breit. Das ist genau das Album, welches man nach “Bleeding” erwarten konnte und gleichzeitig haben PSYCHOTIC WALTZ zumindest meine Erwartungen noch übertroffen. Das “The God-Shaped Void” auf der einen Seite eben wie die logische Fortsetzung der Band-Diskographie klingt, trotz der langen Zeit seit dem letzten Album aber kein bisschen altmodisch oder anachronistisch, sondern durchaus zeitgemäß zeigt nur, wie weit PSYCHOTIC WALTZ ihrer Zeit damals voraus waren.

Veröffentlichungsdatum: 14.02.2020

Spielzeit: 52:54 (ohne Bonustrack)

Line Up:
Devon Graves – vocals
Dan Rock – guitars & keyboards
Brian McAlpin – guitars
Ward Evans – bass
Norman Leggio – drums

Label: InsideOut Music

Bandhomepage: http://psychoticwaltz.com
Facebook: https://www.facebook.com/PsychoticWaltzOfficial

PSYCHOTIC WALTZ – “The God-Shaped Void” Tracklist

1. Devils And Angels (06:29) (Lyrics-Video bei YouTube)
2. Stranded (04:49)
3. Back To Black (03:52)
4. All The Bad Men (03:59) (Video bei YouTube)
5. The Fallen (05:49)
6. While The Spiders Spin (05:49)
7. Pull The String (04:54)
8. Demystified (05:12)
9. Season Of The Swarm (05:57) *** Bonus Track
10. Sisters Of The Dawn (06:41)
11. In The Silence (05:16)

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.