Power Of Metal Tour 2011 mit NEVERMORE, SYMPHONY X und PSYCHOTIC WALTZ am 26. Februar 2011 in der Turbinenhalle, Oberhausen

Power Of Metal Tour 2011 mit NEVERMORE, SYMPHONY X und PSYCHOTIC WALTZ am 26. Februar 2011 in der Turbinenhalle, Oberhausen

Nun geht das im mehr oder weniger traditionellen Metal auch mit dieser Unsitte der Riesen-Pakete los. Das kannte man bisher eher aus dem extremen Metal-Bereich. Nun ja, die Tatsache, dass die wiedervereinigten PSYCHOTIC WALTZ auf dem Billing standen, war mehr als Grund genug und SYMPHONY X sowie NEVERMORE sind ja live ebenfalls sichere Kandidaten. Na ja, fast…

Warum man aber mit THAUROROD und MERCENARY noch zwei weitere Bands mit auf das Billing packen muss, anstatt den anderen Bands mehr Spielzeit zu geben, will mir nicht in den Kopf. Für die beiden Bands ist es sicher ne schöne Sache, sich so einem großen Publikum präsentieren zu können. Mir und so ziemlich allen, mit denen ich gesprochen habe, wäre ein kleineres Billing mit längeren Spielzeiten aber deutlich lieber gewesen. So spielen PSYCHOTIC WALTZ eine Dreiviertelstunde und die beiden letzten Bands jeweils eine Stunde. Die beiden Opener ließen wir dann konsequenterweise an uns vorüber ziehen und marschierten erst vor die Bühne, als MERCENARY diese verlassen hatten. Bei beiden Bands waren aber schon ordentlich Leute anwesend.

 

Eine Lehrstunde in Sachen Progressive Metal – PSYCHOTIC WALTZ

Um halb zehn war es endlich soweit: PSYCHOTIC WALTZ betraten die Bühne. Für mich, der ich die Band erst 2004 durch die Re-Release-Boxen auf Metalblade für mich entdeckt habe, war schon wuschig, seit die Reunion verkündet wurde. Wie musste es da den Leuten gehen, die die Band noch von früher kannten? Man konnte es an den Reaktionen vieler Anwesender erahnen. Die Band bekam jedenfalls einen mehr als warmen Empfang. Ging schon vereinzelter Jubel durch die Reihen, als während der Umbaupause einzelne Bandmitglieder auf der Bühne erschienen, war der Begrüßungsjubel wirklich verblüffend laut. Ich bin sicher, dass auch die Band selber davon ein wenig überrascht war.

Aber egal, los ging es auf einen dreiviertelstündigen Trip, eine Lehrstunde in Sachen Progressive Metal. Die vier Musiker und der Sänger, das abgefahrene, spacige Gitarrenspiel von Dan Rock und Brian McAlpin, die vertrackten Rhythmen von Norm Leggio und Ward Evans sowie Devons hypnotischer Gesang verschmolzen auf der Bühne zu einer Einheit. Seinen Höhepunkt fand das ganze beim in der Mitte des Sets platzierten Into The Everflow, das zur Massenekstase in den ersten Reihe führte. Man hätte diesen fünf ewig zuhören können.

Power
Setlist PSYCHOTIC WALTZ: Ashes, Spiral Tower, Haze One, Into the Everflow, Morbid, Cold, Halo of Thorns, Nothin

Die Setlist entsprach der aus Stuttgart, nur dass in Oberhausen der Bonus in Form von I Of The Storm entfiel. Die Band berücksichtigte alle vier Alben bis auf Bleeding, von welchem es nur Morbid gab mit je zwei Songs, dazu Spiral Tower vom ASLAN-Demo. Zwei mal gab es kurze Pausen aufgrund technischer Probleme, einmal mit dem Bass von Ward Evans und einmal mit Brian McAlpins Gitarre. Die Wartezeit überspielte Devon allerdings mit unterhaltsamem Geplapper, auch wenn ein weiterer Song natürlich noch besser gewesen wäre. Klar hatte sicherlich jeder einzelne, anwesende PSYCHOTIC WALTZ-Fan noch den einen oder anderen Song-Wunsch, der nicht erfüllt wurde. Einer wünschte sich Hanging On A String, was Devon leider ablehnen musste. Ich hätte mich über Faded und die Gänsehaut-Ballade I Remember gefreut. Aber so bleibt noch etwas, auf das man sich freuen kann, wenn die Band hoffentlich bald als Headliner auf Tour kommt. PSYCHOTIC WALTZ waren an diesem Abend ganz klar das Highlight des Abends, da konnten weder SYMPHONY X noch NEVERMORE mithalten.

Den Anfang von SYMPHONY X haben wir verpasst, fanden uns aber im Laufe des Konzertes vor der Bühne ein. Die Amis widerlegten wieder einmal jedes Klischee über Prog Metal-Bands, die live nur doof in der Gegend rum stehen. Gerade Russel Allen machte richtig Dampf auf der Bühne und sang nebenbei absolut erstklassig, während Michael Romeo an der Gitarre mit krachenden Riffs und rasanten Soli brillierte. Man konzentrierte sich auf die härteren Songs der letzten Alben und auch die vorgestellten Songs vom kommenden Album Iconoclast dengelten ordentlich auf die zwölf. Der Band ist es offensichtlich ernst mit der härteren Ausrichtung. Russel Allen konnte vor allem bei Paradise Lost glänzen, welches seinem melodischen Gesang mehr Platz zur Entfaltung gab als die meisten anderen Songs des Abends. Klar, ich stimme Jutze dahingehend zu, dass SYMPHONY X nicht die Einzigartigkeit einer Band wie PSYCHOTIC WALTZ haben, und auch mir hat der voran gegangene Auftritt deutlich mehr gegeben als der von SYMPHONY X. Dennoch muss man der Band einfach attestieren, in ihrem Genre sowohl auf Platte als auch live eine der fähigsten Truppen zu sein.

Was danach folgte wird für mich persönlich in die Geschichte eingehen. Und zwar als der schlechteste Auftritt, den ich je von NEVERMORE gesehen habe. Ganz ehrlich, als ich am Sonntag nach dem Konzert erfahren habe, dass die Band am Freitag in Stuttgart beim Tourauftakt nicht gespielt hat und PSYCHOTIC WALTZ sowie SYMPHONY X dafür einen Song mehr zum besten gegeben haben, dachte ich mir nur: Glück gehabt, Stuttgart. Erst mal vorab: Ich liebe NEVERMORE und habe die Jungs bisher für eine der besten Live-Bands überhaupt gehalten. Auch die beiden Auftritte, die ich letztes Jahr genießen durfte, waren trotz kleiner Ärgernisse (lahmes Publikum auf dem RHF und kranker WARREL DANE auf dem BYH) stark. Soviel also dazu.

Power
Hatten in Oberhausen keinen guten Tag und eine ziemlich langweilige Setlist – NEVERMORE

Nun also zurück zum Auftritt in Oberhausen. Als Ersatz für Jim Sheppard, der sich noch von einer gelungenen Gehirn-OP erholt, griff Dagna Silesia in die vier Saiten. Die war hübsch anzusehen und machte spielerisch alles richtig, konnte vom Stageacting allerdings die Lücke nicht füllen, die Sheppard hinterlassen hat. An ihr lag es aber nicht, dass NEVERMORE an diesem Abend bei mir keinen Blumentopf gewannen. Erstmal spielte sich JEFF LOOMIS bei den ersten Songs einen Scheiss zusammen, dass es wirklich nicht mehr schön war. Ein Freund von mir – seines Zeichens selber Gitarrist – mutmaßte, dass irgendwas mit der Technik nicht stimmte. Kann also auch daran gelegen haben. Dies besserte sich aber nach zwei Songs und danach war dahingehend alles im Lack. Aber auch WARREL DANE war heute nicht gerade in der Form seines Lebens. Er musste bei einigen Gesangspassagen deutlich die Handbremse anziehen und vergaß bei einem Song auch noch einen Teil des Textes. Wenn zwei solche Pfeiler des NEVERMORE-Sounds nicht rund laufen wird es halt schwierig.

Den Rest haben NEVERMORE mir dann mit der Setlist gegeben, was zugegebenermaßen als einziger der drei Punkte höchst subjektiv ist. Und dass man in einer Stunde bei sieben veröffentlichten Alben nicht jeden glücklich machen kann, ist auch klar. Was macht man also? Man tut einfach so, als hätte es die ersten drei Alben sowie die EP nie gegeben, und spielt ausschließlich Songs aus der Zeit ab Dead Heart In A Dead World. Da erschien die Ansage von WARREL DANE, dass Dreaming Neon Black sein Lieblingsalbum sei, irgendwie arg zynisch. Los ging es mit Moonrise (Through Mirrors Of Death) und The Termination Proclamation vom aktuellen Album. Und so ging es weiter. Mit Your Poison Throne folgte so ziemlich der schlechteste Songs auf The Obsidian Conspiracy. Die nervigen Rise-Chöre gehen immer noch überhaupt nicht. Und auch bei den Songs der anderen Alben zeigten NEVERMORE sich völlig kalkulierbar. Born, The River Dragon Has Come, Narcosynthesis, das unvermeidliche The Heart Collector und so weiter. Überraschungen? Genau so wie Songs älteren Datums Fehlanzeige. Trotz der unbestrittenen Klasse der gespielten Songs – sieht man Poison Throne und dem ebenfalls eher mittelprächtigen Termination Proclamation mal ab – war die Setlist wie eben auch der gesamte Auftritt eine einzige Enttäuschung und ich war froh, als ich es nach der Zugabe Inside Four Walls endlich hinter mir hatte.

Setlist NEVERMORE:
Moonrise (Through Mirrors Of Death)
The Termination Proclamation
Your Poison Throne
Born
The Heart Collector
Emptiness Unobstructed
The River Dragon Has Come
This Godless Endeavor
Narcosynthesis
Enemies of Reality

Inside Four Walls

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.