OPETH: Damnation

OPETH: Damnation

Mikael Akerfeldt hat ja vor Jahren schon gesagt, OPETH musikalisch zu limitieren sei extrem schwer, schließlich sind die Einflüsse der vier sympathischen Schweden sehr mannigfaltiger Natur und Kreativität war eh noch nie das Problem der Band. Fast nie. Meiner Meinung nach steuerten sie mit Blackwater Park ein wenig in eine Sackgasse, doch die Pläne des Meister Akerfeldt bewiesen, dass es doch einen Weg nach draußen gibt. Der führte zunächst zu Deliverance, dem vielleicht bisher härtestem Werk OPETHs, das sich brutal aus der Sackgasse prügelte. Kompromisslos und wütend. Zeitgleich war der Plan, was mit der neu gefundenen Freiheit angestellt wird schon in vollem Gange. Ein Alter Ego musste her.

Auf dem siebten Studioalbum machen OPETH das, was ihnen viel bedeutet: Ruhige und dunkle Rockmusik, verwurzelt in den siebziger Jahren. Im Endeffekt ist es nicht neu, was die schwedischen Durchstarter hier präsentieren, denn die akustischen Passagen sind seit jeher ein Markenzeichen von ihnen. Es liegt mehr an der Kompromisslosigkeit, mit der OPETH voranschreiten. Doch das Material ist nicht nur neu, wie sich eingeschworene Fans sicherlich bald bewusst werden. Death Whispered a Lullaby kommt von seinen Harmonien her wohl aus der Morningrise-Ära, während Closure ein stark nach der Blackwater Park-Phase klingt und nebenbei noch ein starkes orientalisches Thema beinhaltet. Hope Leaves klingt frisch und unverbraucht, während Ending Credits als Instrumental ein wirklich wunderschöner und bewegender Song ist, der sich ins Gehirn einbrennt, als wäre er schon immer da gewesen.

Doch es sind nur kleine Erinnerungen, die an jene Tage wach werden, an denen man das jeweils aktuelle Album halb tot gehört hat, denn Damnation ist ein geschlossenes und kompaktes Werk, das kompakteste in der Laufbahn OPETHs noch dazu: Die Spielzeit von 43 Minuten ist gerade richtig um schön abzuschalten, die Seele baumeln zu lassen und – ganz wichtig – nicht depressiv zu werden. Auf diesem Album sind nämlich nicht nur die ruhigsten Songs, sondern auch die dunkelsten Songs von OPETH ever enthalten.

Hier steht die Technik nicht so sehr im Vordergrund, wie auf ihren anderen Alben, doch anspruchsvoll ist die Musik immer noch. Gerade Mikael Akerfeldt gibt hier mit seinem Gesang eine wahre Meisterleistung ab, gefühlvoll und Gänsehaut erzeugend. Das wichtigste Instrument ist an diesem Werk jedoch die Gitarre, die Spielereien sind dezent, aber deutlich vorhanden, wunderschöne Soli und akustisches Picking bahnen den Weg durch die acht großartigen Songs. Daneben spielen Martin Lopez und Martin Mendez an den Drums und Bass vielleicht nicht ihre virtuose Meisterleistung, aber sie unterstützen Akerfeldt in seinem kreativen Alleingang blendend. Ebenso PORCUPINE TREE-Mainman und langjähriger Freund der Band Steve Wilson, der Keyboardflächen (zum ersten Mal in der Geschichte OPETHs!) beisteuert und nichts unversucht lässt, um OPETH in ihrem Befreiungsschlag zur Seite zu stehen.

Damnation ist das ideale Album für alle, die auch die ruhige Seite der Band mögen und mit anderer entspannter Musik auch durchaus mal was anfangen können. Sicherlich ist dieses Album nicht für jede Stimmung geeignet und vielleicht wird es auch weniger oft im Player rotieren, als Alben, die euch bei der Bewältigung des Alltags helfen. Doch das ein wenig nihilistische Damnation ist ganz und gar nicht weniger wert, als diese Scheiben, im Gegenteil.

VÖ: 14. April 2003

Spielzeit: 43:16 Min.

Line-Up:
Mikael Akerfeldt – Guitars, Vocals

Peter Lindgren – Guitars

Martin Lopez – Bass

Martin Mendez – Drums

Produziert von Steve Wilson
Label: Music for Nations

Homepage: http://www.opeth.com

Tracklist:
1. Windowpane

2. In My Time of Need

3. Death Whispered a Lullaby

4. Closure

5. Hope Leaves

6. To Rid the Disease

7. Ending Credits

8. Weakness