NACHTMYSTIUM: Silencing Machine

NACHTMYSTIUM: Silencing Machine

Vorbei der Spaß, den NACHTMYSTIUM uns mit Black Meddle Teil eins und zwei bescherten, aber auch nicht so sehr verwunderlich. Auf der letzten Tour grub die Band aus Chicago tief in der Mottenkiste und spielte vor allem die weniger derben Songs der Alben Instinct: Decay und Demise. Dieser Trend setzt sich auf Silencing Machine fort, es rumpelt an allen Ecken und Enden, neben psychedelischer Wave-Parts, gibt es vermehrt sägende Riffs und flottes Gehacke zu hören. Statt JOY DIVISION suchen sich NACHTMYSTIUM Frühneunziger-Bands aus Norwegen als Vorbilder. Können sich nun die Puristen erleichtert zeigen? Nein, natürlich nicht. NACHTMYSTIUM lassen die Erfahrung, die sie auf den letzten beiden Alben sammelten nicht hinter sich, sondern kommen ein Stück weit mehr in die Eigenständigkeit.

Silencing Machine ist ähnlich gelungen wie Instinct: Decay, hat aber die gleiche rohe Produktion wie Addicts: Black Meddle Part 2, ist so finster wie das Frühwerk, aber nicht so lachhaft wie die ersten Demoaufnahmen. Es stecken viele Jahre der Entwicklung in Silencing Machine, es hat einen schönen Gesamteindruck, ist schmutzig, hässlich, atmosphärisch und sogar irgendwie urban. Die romantische Komponente, die andere urban klingende Kollegen wie TODTGELICHTER oder AMESOEURS parat haben fehlt hier aber gänzlich. Statt Kultur und teurer Restaurants haben NACHTMYSTIUM eher Slums, Heroin und Prostitution für sich gepachtet. So dilettantisch wie LIFELOVERs Auswürfe wird Silencing Machine glücklicherweise auch niemals. Die verkaufsfördernde Mischung aus Sex and Crime wird hier erweitert mit Blasphemie – Blake Judd scheint seinen Lebensstil hier authentisch vertont zu haben.

Silencing Machine ist, und das sollte mittlerweile klar sein, trotz seiner bösartigen Ausrichtung kein reines Black Metal-Album, es gibt zu viele Midtempo-Momente, mit And I Control You, Borrowed Hope And Broken Dreams und Give Me The Grave haben sich ein paar psychedelische Songs eingeschlichen, die das Gesamtbild erweitern. Davon abgesehen haben NACHTMYSTIUM immer wieder ein paar melodiöse Momente parat, wie I Wait In Hell zeigt. Obwohl Silencing Machine recht homogen wirkt, hat es viele Facetten und wirkt nicht zerfahren. Obwohl NACHTMYSTIUMs sechstes Album keine direkten Hits parat hat, gibt es genügend griffige Momente, die schnell hängen bleiben. Und obwohl Dawn Over The Ruins Of Jerusalem, der Titelsong, Decimation, Annihilation und Reduced To Ashes fies und bösartig sind, wirken sie nicht eindimensional. Mit The Lepers Of Destitution und These Rooms In Which We Weep haben Blake Judd und seine mittlerweile erstaunlich konstante Besetzung schließlich auch ein paar schwermütige, epische Songs auf Silencing Machine stehen, so dass es hier viel mehr zu erleben gibt als man auf den ersten Eindruck meinen möchte.

Wem US-Black Metal ein Graus ist, der braucht mit Silencing Machine gar nicht erst anzufangen. Wer zuletzt fand, dass NACHTMYSTIUM von ihrer Basis zu weit weg waren, Experimente grundsätzlich aber in Ordnung findet, der könnte durch diesen einstündigen Ritt in eine sehr menschliche Hölle vielleicht wieder etwas mehr zu seinen Helden finden. Verglichen mit den beiden Vorgängern wirkt Silencing Machine trotzdem wie ein Nachgeben, denn innovativer und mutiger waren diese Alben durchaus. Somit steht Silencing Machine in meiner persönlichen Rangliste knapp hinter dem psychedelischen Duo an. Ich bleibe dabei, NACHTMYSTIUM haben ein wieder ziemlich gutes Album parat, es gehört eindeutig nicht zum Stärksten, was diese schmutzige Brut bisher erschaffen hat.

Veröffentlichungstermin: 27. Juli 2012

Spielzeit: 59:37 Min.

Line-Up:
Blake Judd – Guitars, Vocals
Drew Markuszewski – Guitars
Will Lindsay – Bass
Charlie Fell – Drums
Sanford Parker – Effects, Keyboards

Produziert von Sanford Parker
Label: Century Media Records

Homepage: http://www.facebook.com/OfficialNachtmystium

Tracklist:
1. Dawn Over The Ruins Of Jerusalem
2. Silencing Machine
3. And I Control You
4. The Lepers Of Destitution
5. Borrowed Hope And Broken Dreams
6. I Wait In Hell
7. Decimation, Annihilation
8. Reduced To Ashes
9. Give Me The Grave
10. These Rooms In Which We Weep