NACHTMYSTIUM: The World We Left Behind

NACHTMYSTIUM: The World We Left Behind
Eigentlich sollte es dieses Review nicht geben, denn bereits am 13. November letzten Jahres gab der Kopf der Band, Blake Judd, die Auflösung NACHTMYSTIUMs bekannt. Dass es nun dennoch noch einmal frisches Material posthum auf die Ohren gibt, ist einzig der Tatsache zu verdanken, dass die Band kurz vor ihrer Trennung noch einmal die Studios für eine finale Session enterte. Doch anscheinend war das Endresultat nicht zufriedenstellend, sodass im Laufe des Jahres weitere Studioaufenthalte folgten und sich der Release verzögerte. Nach einem Jahr des Wartens erscheint nun der gereifte Schwanengesang The World We Left Behind, der für die recht lange Entstehungszeit überraschend homogen daher kommt.
Dass NACHTMYSTIUM ursprünglich als beinharte Schrammelkapelle anfingen, hört man am ehesten noch in der repetitiven Einleitung Intrusion. Doch The World We Left Behind ist bei weiten keine Rückbesinnung auf alte Tage, sondern entpuppt sich viel mehr als logischer nächster Schritt. Im Grunde kombiniert man Elemente aus dem recht schroffen Silencing Machine und dem experimentelleren Addicts, ohne dabei deren Extreme auszuloten. Dass man trotz allem nicht zwischen den Stühlen sitzt, ist dem eindringlichen Songwriting zu verdanken. 
 
Der rockige Vorabsong Voyager fasst die LP stimmungsmäßig gut zusammen. Durch den Großteil des Albums zieht sich eine gewisse Schwermütigkeit und Weltverdrossenheit, was für einen musikalischen Schlussstrich nicht unpassend ist, aber durch das gemäßigte Tempo auch etwas Aggressivität missen lässt. Der Titeltrack und In The Abscence of Existence schlagen in die gleiche Kerbe, setzen dabei aber vermehrt auf Keyboardsounds zur Untermalung, was den Songs einen epischen Anstrich verpasst. Und dieser steht NACHTMYSTIUM nicht mal schlecht, phasenweise erinnern Melodieführung und Instrumentierung an die Genialität AGALLOCHs. Besonders im abschließenden Epitaph For A Dying Star, bei dem Akustik-Gitarren ins Soundgewand eingefügt werden, offenbaren sich einige positive Parallelen.
 
Doch NACHTMYSTIUM können auf The World We Left Behind auch weniger verträglich. Den unumstrittenen psychedelischen Höhepunkt liefern die Herren nämlich mit Tear You Down ab, indem mit jedem Durchlauf die Intensität des paralysierenden Main-Riffs gesteigert wird bis es zur endgültigen Eruption kommt. Dabei scheint der Gitarrenton direkt von Instinct: Decay übernommen worden zu sein, was eigentlich schon genug Grund zur Freude bedeutet. Neben Into The Endless Abyss ist dies auch noch der einzige Song auf dem Album, der auf Blast-Beats zurückgreift und die Handbremse lockert.
NACHTMYSTIUM liefern ein ausgewogenes letztes Album, das in der Summe gutes bis sehr gutes Songmaterial bietet, aber dem der Überraschungseffekt von Black Meddle I & II bzw. Instinct: Decay abhanden gekommen ist. Persönlich halte ich den Schritt, die Band zu Grabe zu tragen, für nachvollziehbar, nachdem sich bereits eine gewisse Stagnation mit Silencing Machine abzeichnete. Es gibt Bands, die sich ab diesem Punkt noch jahrelang mit Selbstzitaten schmücken. NACHTMYSTIUM gehören glücklicherweise nicht dazu, denn dies würde dem experimentellen Grundgedanken der Band nicht gerecht.

Veröffentlichungstermin: 04.08.2014

Spielzeit: 54:44 Min.

Line-Up:

Blake Judd – Vocals, Guitars, Keyboards, Percussion 
John Porada – Bass 
Sam Shroyer – Drums 
Dustin Drenk – Keyboards 
Scare Crow – Guitars 

Label: Century Media Records
Mehr im Netz: https://www.facebook.com/OfficialNachtmystium?fref=ts

Tracklist:

1. Intrusion   
2. Fireheart  
3. Voyager  
4. Into the Endless Abyss  
5. In the Abscense of Existence  
6. The World We Left Behind  
7. Tear You Down  
8. On the Other Side  
9. Epitaph for a Dying Star