NACHTMYSTIUM: Resilient

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Blake Judd hat so einiges hinter sich. Aus seinem Drogenkonsum hat der NACHMYSTIUM-Mastermind ja nie einen Hehl gemacht. Und so endete das Kapitel NACHTMYSTIUM eher unrühmlich, was sicher nicht an der Qualität des Abschiedswerkes “The World We Left Behind” lag, sondern daran, dass Judd vielen Fans, die bei ihm direkt Merch bestellten, nie die bezahlte Ware lieferte. Inzwischen hat Blake Judd sich für seine Vergehen entschuldigt und wollte wohl auch alles tun um den entstandenen Schaden zu begleichen. In wie fern dies geschehen ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

Eine zweite Chance für Blake Judd – wird er sie nutzen?

Vier Jahre nach der Veröffentlichung des letzten Albums hat Blake Judd NACHTMYSTIUM nun also reaktiviert. Die Frage stellt sich natürlich, ob man einen Menschen mit dieser Vergangenheit noch unterstützen möchte. Ich kann jeden Fan verstehen, der darauf keinen Bock mehr hat. Andererseits bin ich der Meinung, dass (fast) jeder Mensch eine zweite Chance im Leben verdient. Ich denke, dass niemand davor gefeit ist, vom rechten Weg abzukommen und große Scheisse zu bauen. Lupus Lounge scheinen das ähnlich zu sehen und haben sich auf eine Geschäftsbeziehung mit Blake Judd eingelassen. Und dass der Mann musikalisch noch etwas zu sagen hat, das kann man nach dem Anhören dieser EP durchaus feststellen. “Resilient” lässt sich mit ‚unverwüstlich‘ übersetzen. Durchaus ein passender Titel für die Rückkehr eines Menschen, der durch die Hölle der Drogenabhängigkeit gegangen ist. Und so bietet “Resilient” musikalisch deutlich mehr als das hässliche Cover vermuten lässt.

Hinter dem hässlichen Cover zeigt sich Blakes musikalisches Talent

Blake Judd folgt dabei weiter dem Pfad, den er mit den späteren NACHTMYSTIUM-Alben bereits beschritten hat, sprich die schwarzmetallische Basis wird mit Rock und Psychedelic-Kram angereichert. Und was auf “Assassins” bereits so gut funktioniere, klappt auch 2018 noch. Nach dem fiesen Intro geht es mit dem Titelsong los. Das Stück beginnt als schleppende Black Metal-Nummer, um zum Ende in teils wavige, teils post-rockige Gefilde abzudriften. “Silver Lanterns” legt mit einem rotzigen Rock-Riff los, welches dann nahtlos in Black Metal Tremollo-Picking übergeht. Beide geben sich im weiteren Verlauf immer mal wieder die Klinke in die Hand. Zusätzlich lockern ein paar unverzerrte Gitarren und Synthies das ganze zwischendurch auf.

Die erste Hälfte des, bis auf ein wenig Sprechgesang im ersten Teil, komplett instrumentalen “Desert Illumination” ist ein psychedelischer Trip mit Tabla Drums, Akustik-Geklimper und so weiter. In der zweiten Hälfte schlägt das Stück dann um und es gibt Black Metal Riffing zu hören. Kurz vor Schluss kehrt das psychedelische Thema vom Anfang noch einmal zurück und lässt den Song ausklingen. Mir persönlich gibt das Stück eher wenig, dafür ist “Silver Lanterns” für mich ein echtes Highlight. Comeback geglückt? Schauen wir mal. “Resilient” macht definitiv Lust auf mehr und zeigt, dass Blake Judd uns immer noch eine Menge großartiger Musik zu geben hat. Mit seinen bisherigen Sternstunden kann das Material nicht ganz mithalten, gut genug, um auf ein starkes neues Album zu hoffen, ist es allerdings allemal.

Veröffentlichungsdatum: 30.11.2018

Spielzeit: 25:04

Line Up:
Blake Judd – vocals, lead & rhythm guitars
Joel Witte – rhythm guitars
Martin van Valkenstijn – bass, effects, backing vocals
Job Phenex Bos – keyboards, effects

Label: Lupus Lounge

Facebook: https://www.facebook.com/Nachtmystium.Official
Bandcamp: https://nachtmystium2017.bandcamp.com

NACHTMYSTIUM „Resilient“ Tracklist

01. Conversion
02. Resilient
03. Silver Lanterns
04. Desert Illumination

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.