MY DYING BRIDE: Macabre Cabaret [EP]

Wie sich die Dinge doch ähneln: Im ersten Halbjahr noch voller Vorfreude nach einem ersten Höreindruck der Single auf das Album “The Ghost Of Orion” gestürzt, dann ernüchtert festgestellt, dass MY DYING BRIDE anno 2020 auf Albumlänge nur mehr ein Schatten ihrer selbst, ein Echo vergangener Großtaten, darstellen. Im zweiten Halbjahr dann die ersten paar Takte von “A Secret Kiss” von der hier nun vorliegenden EP “Macabre Cabaret” gehört und gehofft, dass es wieder aufwärtsgehen würde – nur, um erneut ins tiefe Tal der Enttäuschung geschubst zu werden.

Passt ja irgendwie zum Konzept der Band, möchte man meinen: Täler, Verzweiflung, Gram. Allein, die Social-Media-Präsenz von MY DYING BRIDE zeigt sich seit einiger Zeit als eher lebensfroh orientiertes Musterbeispiel an Verkaufsleidenschaft, was mich als Fan eher irritiert als begeistert und nur noch weiter in ein äußerst unangenehmes Unbehagen stürzt. Dabei kenne und liebe ich die Band doch seit den 90ern als kompromisslos finstere Ode an verlorene und unerfüllte Liebe und die Lust an den damit verbundenen menschlichen Abgründen. “The Light At The End Of The World” und “The Dreadful Hours” blieben unerreicht, aber auch noch zehn Jahre später konnte die Band mich begeistern, mit einer wahnsinnig intensiven Version von “Scarborough Fair” z.B., oder auch mit der brachialen Doom-Walze “A Line Of Deathless Kings”. Das war große Kunst, fernab jeglichen kommerziellen Interesses, mitten hinein ins schwarze Herz.

MY DYING BRIDE machen ihren Job

“Macabre Cabaret” nun ist, leider, auf ganzer Linie schal: Das Titelstück schleppt sich durch exakt zehn Minuten Romantik-Doom von der Stange, und auch “A Secret Kiss” hat außer dem zugegebenermaßen intensiven Gitarren-Intro wenig zu bieten. Immerhin ist hier der Gesang etwas kraftvoller als noch zehn Minuten zuvor, aber er bleibt die größte Achillesferse der aktuellen MY DYING BRIDE: Aaron Stainthorpe klingt nicht mehr leidend, nicht mehr brutal, sondern einfach nur gelangweilt. Die Produktion versucht das durch permanentes Doppeln und ein Verstecken im ohnehin schon laffen Mix gleichzeitig zu kompensieren, was es aber natürlich auch nicht besser macht. Auf dem dritten Stück darf Stainthorpe dann auch noch über schon tausend mal gehörte Synthesizer-Flächen irgendwas über Liebe sprechen, und bei mir drängt sich der Verdacht auf, dass es tatsächlich um etwas ganz anders geht, nämlich darum, seinen Job zu machen – und wenn es etwas ist, dass ich bei dieser Musikrichtung nicht empfinden will, dann das.

Spielzeit: 21:57 Min. (digital)

Veröffentlichung am 20.11.2020 auf Nuclear Blast

MY DINGE BRIDE „Macabre Cabaret“ Tracklist

1. Macabre Cabaret (Video bei YouTube)
2. A Secret Kiss (Lyrics-Video bei YouTube)
3. A Purse Of Gold And Stars