LORD VIGO: Danse De Noir

LORD VIGO: Danse De Noir

Vor zwei Jahren haben LORD VIGO mich mit ihrem dritten Album “Six Must Die” in ihren Bann gezogen. Den kauzigen Epic Doom der Pfälzer muss man einfach lieben. Auf “Six Must Die” befasste sich die Band zumindest im überlangen Titelsong mit Carpenters “The Fog”. Nun hat die Band ein komplettes Konzept-Album geschrieben, bei dem jeder Song eine Erinnerung der Protagonistin repräsentieren. Das kurze Intro “The Voight Kampff Situation” zeigt schon, in welche Richtung es thematisch geht: Der Voight Kampff-Test, mit dessen Hilfe man Androiden beziehungsweise Replikanten erkennen kann, ist doch aus Philip K. Dick’s Roman “Do Androids Dream of Electric Sheep?” und dem Science Fiction-Film “Blade Runner” bekannt. Vom old school Gruselfilm also zum Science Fiction Film Noir. Die Herren haben Geschmack, das muss man schon sagen.

LORD VIGO brauchen auf “Danse De Noir” etwas, um in Fahrt zu kommen

Der auf das Intro folgende Titelsong braucht erstmal eine Weile, um in Gang zu kommen, Gitarren, Orgel und Streicher geben sich ein schleppendes Stelldichein, der Bass knarzt angenehm markant und im Hintergrund gibt es weibliche, gesprochene Passagen und Glockengeläut. Da umschmeicheln schon einige sehr schöne Melodien das Ohr, doch irgendwie warte ich trotzdem die ganze Zeit, dass es endlich mal richtig losgeht. Geht es dann, nach vier Minuten mit einem sehr beherzten Solo, nach dessen Ende der Song dann aber zum ursprünglichen Thema zurückkehrt.

“Danse De Noir” verströmt 80er Jahre Sci Fi-Feeling

Nach einem weiteren Intro kommen LORD VIGO dann zur Sache, und zwar richtig. Zu “The Verge Of Time” hat die Band ein sehr stark von “Blade Runner” inspiriertes, cooles Retro Sci Fi-Video gedreht. Eine perfekte Wahl, denn dieser epische Stampfer dürfte sicher das zugänglichste Stück des Albums sein. Die total nach den Achtzigern klingenden Keyboard-Flächen in den Strophen tragen stark zur Atmosphäre des Stücks bei. Rein klanglich erinnert mich das irgendwie total an “Somewhere In Time” von IRON MAIDEN, wenn auch musikalisch völlig anders. Aber es ist dieses 80er Sci Fi-Feeling, welches auch das beste aller MAIDEN-Alben verströmte. Und dann dieser absolut epische Refrain, bei dem man nur die Faust recken und laut mitgröhlen möchte.

Die Sterne stehen günstig für LORD VIGO

Und jetzt, wo der VIGO-Train rollt, geht es munter weiter. Nach Intro Nummer drei folgt mit “Shoulder Of Orion” ein weiteres episches Stück. Auch hier setzt der prägnante Bass deutliche Akzente, was mir sehr gut gefällt. Nach drei Minuten darf er sogar in einem kurzen Instrumentalpart mit der Gitarre um die Wette frickeln. “And The Planets Will Align” startet mit einer einer simplen Gitarrenharmonie, die in eine hymnische Passage mit Chören übergeht, bevor Meister Clortho das Ruder übernimmt. Die Chöre begleiten uns weiter durch den Song und erinnern irgendwie an eine Science Fiction-Version von BATHORY. Klingt komisch, ist aber so. Hier sind LORD VIGO etwas schneller als bisher unterwegs, was nicht verhindert, dass die Epik auch hier aus allen Fugen quillt. Der Song fühlt sich tatsächlich irgendwie an wie ein Flug durchs Weltall. Mit Pfälzer Epic Doom zu den Sternen!

BATHORY meets NWOBHM meets Epic Doom

Zwischen “And The Planets Will Align” und die ausufernde Schlussviertelstunde hat sich mit dem gerade mal dreieinhalb Minuten langen “Between Despair and Ecstasy” noch ein richtig flotter, breitbeiniger Headbanger mit stampfenden Drums, wild solierenden Gitarren und einem exaltierten Vince Clortho sowie einer Cowbell! Ein echter Hit, den LORD VIGO da hinten versteckt haben. “As Silence Grows Old” paart flotten NWOBHM-Sound mit einem doomigen Refrain und tut dies in gar vortrefflicher Qualität, garniert mit der LORD VIGO eigenen Kauzigkeit. Nach dem ruhigen Start steigert sich das Stück immer weiter seinem Höhepunkt entgegen – um dann ruhig auszuklingen. Die Strophen sind flotte Reminiszenzen an den britischen Metal der frühen Achtziger während der Refrain bei jedem Epic Doomer Glücksgefühle auslösen sollte. Den Abschluss bildet das schleppende “Memento Mori”, bei dem es ein Wiederhören mit der Violine gibt.

“Danse De Noire” ist ein verdammt ambitioniertes Album und ein großartiges dazu. LORD VIGO zeigen hier was man auch in recht eng gesteckten Genregrenzen noch etwas völlig eigenes erschaffen kann. Mir fällt spontan keine Band ein, die ähnlich klingt wie LORD VIGO es tun. Mit “Danse De Noire” untermauern LORD VIGO ihre Stellung als eigenwillige Band, die ihre eigene, faszinierende Variation von Epic Doom Metal geschaffen und hiermit ihr bisher bestes Album abgeliefert hat.

Veröffentlichungsdatum: 10.04.2020

Spielzeit: 44:17

Line Up:
Vinz Clortho -vocals, drums
Tony Scoleri – guitar, bass,
Volguus Zildrohar – guitar, bass

Zuul – live bass
Ivo Shandor – live drums
Nunzio Scoleri – live guitar

Label: High Roller Records

Facebook: https://www.facebook.com/LordVigo666
Bandcamp: https://lordvigo.bandcamp.com/

LORD VIGO „Dance de Noir“ Tracklist

01. The Voight Kampff Situation
02. Danse De Noir
03. Are You Human
04. The Verge Of Time (Video bei YouTube)
05. Fiery The Angels Fell
06. Shoulder Of Orion
07. And Then The Planets Will Align
08. Between Despair And Ecstasy
09. As Silence Grows Old
10. Memento Mori

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.