LAKE OF TEARS: Forever Autumn

LAKE OF TEARS: Forever Autumn

Warum gerade eine Band wie Lake of Tears es nötig hat, mit „normalem“ Gothic-Attitude zu spielen, versteh ich nicht. Siehe Plattentitel.
Doch das waren schon die Gemeinsamkeiten mit der Nordisch-Deutschen Gothicgesellschaft. Das wird schon beim ersten Blick aufs Cover verdeutlicht. Dieses will genausowenig in das Standard-Gothic-Cliché passen, das Lake of Tears schon mit dem Vorgänger „A crimson cosmos“ hinter sich gelassen haben.

Diese Richtung schlagen Lake of Tears auch mit „Forever Autumn“ ein. Geboten werden wieder Songs, die zu einem Spaziergang im nahen Wald einladen, oder zum Verweilen im roten Meer der untergehenden Sonne stimmen.
Die Musik will so in gar keine der von Musikjournalisten so geschätzten Schubladen passen. Sie ist von Gefühl her, das sie verströmt, im Gothic-Bereich anzusiedeln: Die Songs besitzen allesamt eine gewisse Melancholie, die jedoch im Gegensatz zu anderen Bands aus diesem Genre niemals in Weinerlichkeit oder Mitleidhascherei ausartet. „Nachdenklich“ ist das passende Wort.
Die Lieder basieren dabei meist auf relativ einfachen Schemen, die sich dann entweder mit Paradise Lost (früher, zu rockigeren Zeiten) oder mit Anathema (Alternative 4) vergleichen liessen.

Genau hier liegt einer der beiden Schwachpunkte dieser Platte: Sie weiss wohl mit ihrem Gefühlsreichtum zu überzeugen, nicht aber mit der Struktur der Songs. Diese sind allesamt sehr einfach gehalten, schöne Melodien, aber maximal eine aufs Mal.
Der andere Schwachpunkt ist die Produktion. Während Tiamats „Wildhoney“ (die letzten paar Songs drängen sich als Vergleich auf), produziert von Waldemar Sorychta, ein wahrer Quell an Farben ist, wirkt „Forever Autumn“ dagegen etwas trist. Der Sound ist ziemlich schwächlich. Es will vor allem bei den schnelleren Songs kein richtiger Drive aufkommen.
Aufgrund der Produktion kann man die Platte auch etwa als „Wein aus Plastikbecher“ beschreiben. Die Essenz ist dieselbe, aber das Drumherum ist nicht perfekt.

Wer über diese Schwachpunkte hinwegsehen kann, der lasse sich gesagt sein: Dies ist eine tolle Platte, auch für Lebensfrohe Zeitgenossen, die es einfach einmal geniessen wollen, eine wilde Party mit grossen Gedanken ausklingen zu lassen. Für Melancholiker ist „Forever Autumn“ eh Pflicht.

al

Line-Up:
Daniel Brennare – Vocals, Guitar
Mikael Larsson – Bass
Johan Oudhuis – Drums
Christian Saarinen – Keyboards

Tracks:
1. So fell autumn rain
2. Hold on tight
3. Forever Autumn
4. Pagan wish
5. Otherwheres
6. The Homecoming
7. Come night I reign
8. Demon you / Lily Anne
9. To blossom blue

VÖ: 25.5.1999

Label: Black Mark