ENTOMBED: Serpents Saints

ENTOMBED: Serpents Saints

Schon mal auf einem Festival im besoffenen Kopf eine Pilzpfanne runter geschlungen und ca. 15 Minuten später gekotzt? Nicht schön, kann ich euch sagen. Wirklich eine intensive Erfahrung von Röcheln, Bröckchen, halben Pilzen im Kehlkopf, erbärmlichem Husten und Todesangst. Und trotzdem muss ich bei der neuen Platte der Death´n´Roll-Erfinder ENTOMBED an diese unschöne Episode in meinem Leben denken. Denn der Spaß, den meine Kumpels hatten, mich bei dieser Aktion zu beobachten, entspricht ungefähr dem, den man mit dieser Platte hat. Ein schwerer, räudiger, knarziger, ungehobelter und fieser Bastard ohne jegliche Schönheit und Leichtigkeit. Er nimmt dir die Luft und das Licht und trotzdem kann man nicht davon lassen. Denn manchmal ist es genau das, was man will: Dem Tod auf die Schippe springen, auf den Stiel pinkeln und lachend wieder runterhüpfen. und das ist es, was ENTOMBED auf dieser Platte zelebrieren. Dunkel, primitiv und böse. Kurz: Einen herrliche Platte!
Schon auf der When in Sodom-EP hatte sich angedeutet, dass das Schrumpfen der Bandbesetzung auch eine Reduktion der musikalischen Ausrichtung zur Folge haben könnte, die aber in diesem Fall zu größerer Schlagkraft geführt hat. Als Viererbande reduzieren die Schweden das Songwriting und Arrangement auf das nötigste und tödlichste. Und mit dem wieder gerne genutzten Gaspedal entstehen dann schnelle, punkig-angehauchte Death-Black-Geschosse wie Masters of Death oder Mid-Tempo-Brecher wie Amok bis hin zu langsameren und wunderbar schweren Epen wie das geniale When in Sodom. Gekleidet in eine sehr roughe und fast undergroundige Produktion, die aber noch genug Kraft und Brillianz besitzt, um nicht unterproduziert zu wirken, hat das Album eine starke Intensität und löst ein herrlich kribbelndes Gefühl der Bedrohung und des Dunklen aus. Vorbei sind die Tage der unzugänglichen Schwere von Retaliation oder der Rockigkeit von Uprising und alles Unentschlossenen dazwischen. Die Band definiert Death-Metal neu und benötigt dafür noch nicht mal Tonnen von Blastbeats, sondern nur geile Riffs und viel Hass. Denn was bei dem so angesagten Karnickel-Fick-Geschreddere manchmal untergeht, steht bei diesem Album im Vordergrund: Das Böse. Weniger im satanistischen Sinne, obwohl dem Gehörnten in nahezu jedem Song gehuldigt wird, sondern im musikalischen Sinne. Die Lieder zischen nicht in einem Crescendo von Tönen am Ohr vorbei und hinterlassen nur einen vagen Eindruck von Brutalität und technischer Perfektion, wie z. B. bei NILE oder NECROPHAGIST, die trotz alledem ihre eigenen, unschlagbaren Qualitäten haben, sondern graben sich tief in die Psyche des Hörers und berühren dort genau den dunklen Punkt, der gefangen nimmt und süchtig macht. Insofern gelingt ENTOMBED mit dieser Platte für den Bereich Death-Metal genau das, was SATYRICON mit Now, Diabolical! im Black-Metal bewiesen haben: Man braucht das ganze Extrem-Hart/Schnell/Wasauchimmer-Gespiele-Brimborium nicht, um extreme Musik zu machen. Sondern man kann auch mit ganz einfachen Mitteln eine extrem böse und vor allem extrem geniale Platte machen. Und wer genau das will, braucht diese Platte. Basta. Und Hände weg von Pilzpfannen beim Saufen! Spaghetti rutschen einfach viel besser…

Veröffentlichungstermin: 25.06.2007

Spielzeit: 41.31 Min.

Line-Up:
LG Petrov – Vocals
Alex Hellid – Guitars
Nico Elgstrand – Bass
Olle Dahlstedt – Drums
Label: Candlelight Records

Homepage: http://www.entombed.org

Tracklist:
1. Serpents Saints
2. Masters of Death
3. Thy Kingdom Coma
4. Amok
5. Warfare Plague Famine Death
6. In the Blood
7. The Dead, the Dying, and the dying to be dead
8. Ministry
9. When in Sodom
10. The Ten Commandments