DIARY OF DREAMS: O´ Brother Sleep

DIARY OF DREAMS: O´ Brother Sleep

Bei DIARY OF DREAMS handelt es sich um eine der führenden Bands im elektronischen Gothic-Bereich. Auf fünf Alben und eine Best-of-CD – alle übrigens über 70 Minuten lang – kann die 1989 gegründete Band bereits zurückblicken. Doch trotz dieser Fülle an Material und dessen hoher musikalischer Qualität vermochten es DIARY OF DREAMS noch nicht, wie andere Bands, z.B. DAS ICH, szeneübergreifend auch andere Fanschichten außerhalb der Gruftiefraktion für sich einzunehmen. Das mag daran liegen, daß Mastermind Adrian Hates lieber auf vollwertige, eigene Songs Wert legt als auf Publicity-trächtige Kooperationen, wie DAS ICH es mit ATROCITY auf Die Liebe vorgemacht haben. Dabei dürften viele DIARY OF DREAMS-Tracks gerade auch in der Gothic Metal-Ecke ihre Liebhaber finden, da sie im Gegensatz zu den Bayreuther Elektronikern der E-Gitarre öfters mal Einlaß in die komplexen, tiefgründigen Kompositionen gewähren. Zudem besitzt Adrian Hates eine wunderbar tiefe Stimme, deren Timbre einen sofort gefangennimmt und einen dezent an andere hervorragende Sänger wie z.B. Hardy von SCREAM SILENCE oder das Tieftonwunder der DREADFUL SHADOWS erinnert, zugleich aber aus der breiten Masse deutlich heraussticht.

Es gibt also keinen Grund, warum DIARY OF DREAMS nicht auch vielen vampster-Lesern gefallen sollten. Zum Antesten der ganz speziellen DIARY OF DREAMS-Atmosphäre könnte die nun erschienene MCD O´ Brother Sleep dienen, doch obacht: Sehr leicht kann daraus ein Anfixen werden, denn DIARY OF DREAMS lassen einen so schnell nicht wieder los. Verantwortlich dafür ist die einzigartige, mystische Ausstrahlung der Musik, die sich ebenso wie die durchgängige geschmackvolle Covergestaltung wie ein roter Faden durch alle Releases vom Debüt Cholymelan bis eben hin zu O´ Brother Sleep zieht. Die eindringlichen Melodien scheinen mit Krallen bewehrt zu sein, sie setzen sich fest, wecken oftmals tief in einem Schmerz und lassen einen nicht mehr los. Doch Schmerzen können auch schön sein, besonders im Fall der bitter-süßen, aber definitiv nie kitschigen oder selbstmitleidigen Melancholie von DIARY OF DREAMS.

Auf O´ Brother Sleep zeigt sich die Band von ihrer elektronischeren Seite, was damit zusammenhängen mag, daß MCDs im Darkwavebereich oftmals hauptsächlich für die Zappelbuden der Republik gedacht sind und die Tanzbarkeit der vertretenen Tracks daher besonders groß geschrieben wird. Statt ausufernd-monumentaler Werke wie Babylon oder One Of 18 Angels befinden sich auf der MCD also eher EBM-lastige, kurze Versionen zweier neuer Songs, die jedoch dadurch nicht automatisch weniger Tiefgang oder Anspruch besitzen. Vielmehr bieten sie einem die Wahl, zu den hypnotischen Rhythmen sich alle weltlichen Sorgen vom Leib zu tanzen oder sich von den wieder einmal superben Refrains in eine Traumwelt entführen zu lassen, die allerdings nie so weit von der wahren Welt entfernt ist, daß sie mit einer platten Realitätsflucht verwechselt werden könnte. Inwieweit die elektronischere Ausrichtung auch Aufschluß über den Klang des nächsten, für April 2002 angekündigten full-length-Albums Freak Perfume gewährt, ist nicht zu sagen. Hier empfiehlt es sich, abzuwarten. Und das sollte eigentlich mit O´ Brother Sleep als Überbrückung leicht fallen. Allerdings stellt sich bei mir vielmehr verstärkt die Neugier auf und die Sehnsucht nach weiteren Songperlen aus dem Hause DIARY OF DREAMS ein, einer der wenigen Bands, die mit noch keinem Release enttäuscht hat, sondern stets noch zu einer weiteren Steigerung fähig war.

Ich kann daher nur allen von Scheuklappen freien Freunden gepflegter düsterer Klänge nahelegen, sich mit DIARY OF DREAMS, die im übrigen auch live – anders als viele ihrer Kollegen – eine äußerst eindringliche Liveshow auffahren, eingehender zu beschäftigen…es soll nachher nur keiner behaupten, ich hätte nicht vor den Suchtgefahren gewarnt!

Spielzeit: 18:38 Min.

Produziert von Adrian Hates & Dr. Myer
Label: Accession Records

Homepage: http://www.diaryofdreams.de

Tracklist:
O´ Brother Sleep (Sleepwalker Mix)

She

O´ Brother Sleep

She (Demonic Mix)