AVERSIO HUMANITATIS: To Become The Endless Static

Gefangen im weißen Rauschen: AVERSIO HUMANITATIS haben mit „To Become The Endless Static“ ein intensives, boshaft-nihilistisches Black Metal-Album am Puls der Zeit geschaffen.

Als bestünde die gesamte Umgebung aus Fernsehrauschen: Was nach einem Albtraum aus dem Unterbewusstsein von Hunter S. Thompson oder William Burroughs klingt, ist AVERSIO HUMANITATIS‘ Vision über geistigen und körperlichen Verfall. Kommt dieser Verfall vom ganzen Doomscrolling in den sozialen Medien, von zu viel einseitiger Beschäftigung mit dem aktuellen Zustand der Welt? Es würde zur pessimistischen Weltsicht der Black Metal-Band aus Madrid passen. Ihr dissonanter, brutaler mit Death Metal angereicherter Ansatz fühlt sich auch im Jahr 2026 postmodern an, und AVERSIO HUMANITATIS verweigern sich somit den billigen Themen, die das Genre ansonsten häufig bedient.

Auf „To Become The Endless Static“ reichern AVERSIO HUMANITATIS pessimistischen, zeitgenössischen Black Metal mit  dissonantem Death Metal an.

Ohne Vorwarnung prescht „Long Stretch The Shadow“ vor, mit Blast Beats, dissonanten Riffs, die eine klaustrophobische Stimmung ausstrahlen, sowie bitterbösen Vocals, und reduzieren nach anderthalb furiosen Minuten die Geschwindigkeit deutlich und fokussiert sich auf Atmosphäre. „To Become The Endless Static“ steckt dadurch gleich am Anfang das Feld ab. Es wird schnell klar, dass AVERSIO HUMANITATIS ein dichtes Album geschrieben haben, dessen soghafte Energie die Rezipienten in ein schwarzes Loch zu ziehen droht. Trotz Fokus auf Blast Beats und sägenden Gitarren sind die sechs Songs nicht eindimensional: in den meisten Songs gibt es kurze Einschübe, die zumindest ein wenig Luft zum atmen lassen. Meist dominiert aber der Furor. Zwar fühlt sich „Blackened Mold Marrow“ so an, als wäre man in einem Strudel gefangen, der einen hinabzieht, aber die Grundidee des Songs ist so mitreißend, mangelnde Variation über fünf Minuten nicht ermüdet.

Mit „Strange Angle“, dem längsten Stück von „To Become The Endless Static“, bauen AVERSIO HUMANITATIS in der ersten Hälfte eine fast schon absurde Geschwindigkeitssteigerung auf, die dann in sich zusammenfällt und eine kriechende zähe Masse verwandelt. Im Anschluss lassen „The White Noise Is Calling“ und „Collapsing Into The Resonance“ zwischendurch ein wenig Harmonie erahnen, schrauben sich dann wieder in den Wahnsinn, der physisch und psychisch spürbar ist. „To Become The Endless Static“ als Ganzes schafft wie der Vorgänger das Kunststück, depersonalisiert und persönlich zugleich zu wirken. Beklemmung und Raserei werden beinahe real spürbar im Lauf dieser 35 Minuten. Zwischen den Tönen verortet sich ein Nihilismus, der jenseits allen Schmerzes liegt. Das alles ist sehr intensiv, sehr erschöpfend, und so gut die Songs geschrieben und gespielt sind, es kostet etwas Überwindung, dieses Album zu hören. Taucht man aber ein, gibt es kaum einen Weg aus dieser bildgestörten Welt.

Das Eintauchen in „To Become The Endless Static“ kostet Überwindung, aber AVERSIO HUMANITATIS haben ihr Publikum fest im Griff.

AVERSIO HUMANITATIS gehören nicht zu den produktivsten Bands der zeitgenössischen Black- und Death Metal-Szene. „To Become The Endless Static“ erscheint sechs Jahre nach dem zweiten Album „Behold The Silent Dwellers“, die Arbeit und Hingabe, die darin steckt, ist aber spürbar. Die Band aus Madrid lässt sich Zeit im Songwriting und liefert ein kurzes, aber wirkmächtiges Album ab, dessen Komplexität nach und nach erarbeitet werden will. Mit hervorragender instrumentaler Arbeit und einem Sound – von Gitarrist Simon da Silva persönlich – der speziell im Bereich der Gitarren durch Mark und Bein geht, ist dieses Album quasi unschlagbar und muss sich nicht hinter Bands wie MISþYRMING, PANZERFAUST, SPECTRAL WOUND oder SELBST verstecken. Dass „To Become The Endless Static“ mit sechs Songs in 35 Minuten sehr kompakt ist, ist indes kein Nachteil. AVERSIO HUMANITATIS‘ Musik ist so intensiv, dass diese relativ kleine Dosis absolut ausreichend ist, zumal es über die gesamte Spielzeit keine Atempause gibt. Sofern die Hörer*innen durch die tägliche digitale Hölle noch nicht zu genüge im Strudel des Wahnsinns gelandet sind, dieses statische Rauschen gibt ihnen den Rest. Bon voyage.

Wertung: 4,5 von 6 Flimmerkisten

VÖ: 24. April 2026

Spielzeit: 34:30

Line-Up:
A. – Bass & Vocals
S. – Guitars
D. – Guitars
J. – Drums

Label: Debemur Morti Productions

AVERSIO HUMANITATIS „To Become The Endless Static“ Tracklist:

1. Long Stretch The Shadows
2. To Become The Endless Static (Official Video bei Youtube)
3. Blackened Mold Marrow (Official Video bei Youtube)
4. Strange Angles
5. The White Noise Is Calling
6. Collapsing Into The Resonance

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