caliban-dystopia-album-cover

CALIBAN: Dystopia

CALIBAN bleiben auch mit ihrem 13. Album noch relevant: “Dystopia” ist kein durchgehender Siegeszug, birgt aber genügend Qualitäten und abwechslungsreiche Elemente, um mehr als nur den Moshpit im Live-Setting zu diktieren.

Es ist ja längst kein Einzelfall mehr, dass manch Künstler nach einer gewissen Zeit im Geschäft die anfängliche und jugendliche Wildheit ablegt. Das Ungestüme bleibt auf der Strecke, um wechselnden Prioritäten die nötige Aufmerksamkeit zuteil kommen zu lassen. Doch das muss nicht sein, wie CALIBAN zuletzt gezeigt haben: In deutscher Sprache und mit einer erfrischenden Konsequenz erfand die Metalcore-Band mit „Zeitgeister“ (2021) sich und einige ihrer älteren Stücke neu. Dass „Dystopia“ nun wieder in die vorige Spur zurückwechselt, ist somit zunächst ein kleiner Schock: Wir hatten mit einem noch härteren und vor allem brachialen Werk gerechnet.

Herausgekommen ist mit dem nunmehr 13. Studioalbum irgendetwas dazwischen: Unerbittliche Momente und bitterernste Riffs treffen auf eingängige Vocal-Arrangements – so wie wir das eben aus dem Genre und nicht zuletzt von CALIBAN kennen. Dass sich diese scheinbaren Gegensätze in der Regel gut ergänzen, ist kein Geheimnis und macht aus dem eröffnenden Titeltrack direkt eine Vorzeigenummer: Die tief gestimmten Gitarren graben sich weit ins Erdreich, Frontmann Andi Dörner trifft die richtige Balance aus Wut sowie Aggression und Gastsänger Christoph Wieczorek (ANNISOKAY) setzt dem Stück mit dem Refrain eine ungewohnt glänzende Krone auf.

Man kann sich bei “Dystopia” bildlich vorstellen, wie der Pit im Live-Setting explodieren wird

Auf diesem Niveau geht es erstmal weiter, wenn „Ascent Of The Blessed“ sowie „VirUS“ weiter zwischen catchy Gesangslinien und bitterbösen Instrumentals balancieren. Das Ganze ist auch noch so gut arrangiert, dass sich das gewaltige Organ Marcus Bischoffs (HEAVEN SHALL BURN) in Letzterem geradezu natürlich in den Song integriert. Drummer Patrick Grün diktiert dabei Rhythmus und Breakdowns mit Routine und Umsicht: Man kann sich bildlich vorstellen, wie der Pit im Live-Setting dazu explodieren wird.

„Dystopia“ kommt dank der geballten Erfahrung der fünf Musiker im weiteren Verlauf zwar nicht direkt ins Straucheln, kann die zunächst hochgelegte Messlatte allerdings nicht immer erreichen: Gerade der auf Nummer sicher getrimmte Refrain in „Dragon“ will uns kaum packen, während sich das Schlusskapitel „The World Breaks Everyone“ zu sehr auf seinen Chorus verlässt.

CALIBAN bleiben selbst nach so vielen Jahren im Geschäft noch relevant

Dafür sorgt „Phantom Pain“ mit abwechslungsreicher Gitarrenarbeit zwischen ARCHITECTS und etwas Melodic Harcore für frischen Wind. „Hibernate“ wiederum bricht mit dem üblichen Songwriting-Schema CALIBANs, wohingegen „sWords“ zwischendurch auch mal Richtung HEAVEN SHALL BURN schielt.

Genau das ist es letztendlich auch, was CALIBAN selbst nach so vielen Jahren im Geschäft noch relevant hält: Die grundlegende Marschrichtung mag vorgegeben sein, doch ist die Band nicht zu verbohrt, verschiedene Ansätze und Herangehensweisen umzusetzen. Allein deshalb ist „Dystopia“ in seiner Gesamtheit ein gutes Genre-Werk, welches nicht den Furor von „Zeitgeister“ (2021) mit sich bringt, doch dafür neben dem düsteren Grundtenor mit anderen, zusätzlichen Qualitäten überzeugen kann.

Veröffentlichungstermin: 22.04.2022

Spielzeit: 47:59 (inkl. Bonus-Track)

Line-Up

Andreas Dörner – Vocals
Marc Görtz – Gitarre
Denis Schmidt – Gitarre
Marco Schaller – Bass
Patrick Grün – Schlagzeug

Produziert von Benjamin Richter, Marc Görtz und Callan Orr

Label: Century Media

Homepage: https://www.calibanmetal.com/
Facebook: https://www.facebook.com/CalibanOfficial

CALIBAN “Dystopia” Tracklist

1. Dystopia feat. Christoph Wieczorek (Video bei YouTube)
2. Ascent Of The Blessed (Video bei YouTube)
3. VirUS feat. Marcus Bischoff (Video bei YouTube)
4. Phantom Pain
5. Alien (Video bei YouTube)
6. sWords
7. Darkness I Became
8. Dragon feat. Jonny Davy
9. Hibernate
10. mOther
11. The World Breaks Everyone
______________________________
12. D I V I D E D (Bonus Track)