CALIBAN: Zeitgeister

CALIBAN erfinden sich und eine Auswahl fast vergessener Song-Klassiker neu: mit Härte, Konsequenz, düsterer Atmosphäre und in deutscher Sprache.

Als George Lucas im Jahr 1997 seine ursprüngliche „Star Wars“-Trilogie als überarbeitete Special Editions erneut in die Kinos brachte, waren die Fans vielerorts alles andere als erfreut – die großzügige Nachbearbeitung samt neuer visueller Effekte drohte den Charme der Urfassung zu ersticken. Rund 24 Jahre später gehen CALIBAN ein ähnliches Wagnis ein: „Zeitgeister“ nimmt sieben Stücke – überwiegend aus dem Frühwerk der Band – und verpasst ihnen einen zeitgemäßen Anstrich.

Das Besondere dabei: Fronter Andreas Dörner shoutet dieses Mal komplett in deutscher Sprache. Dafür haben sich CALIBAN Freiheiten genommen. Die aus der Mode gefallenen Metalcore-Hits von einst wurden nach Belieben neu arrangiert, was im Extremfall in generalüberholten Songstrukturen resultiert.

Der düstere Sound steht CALIBAN gut zu Gesicht

Das thrashige „Feuer, zieh‘ mit mir“ trägt etwa deutlich die Handschrift des Originals „Between the Worlds“, kommt aber mit mehr Schwung daher. Die einzelnen Parts greifen besser ineinander und sorgen so für ein insgesamt runderes Erlebnis. „Intoleranz“ wiederum ist anno 2021 ein mörderischer Abriss von einem Song, der CALIBAN so unerbittlich zeigt wie schon lange nicht mehr. Hier zeigt sich die Kluft zum frühen Schaffen der Band mit am deutlichsten: Die rohe Oldschool-Produktion wich einer massiven Soundwand, während die markanten Thrash-Anleihen der Vorlage nahezu komplett gestrichen wurden.

Der düstere Sound steht den Metalcore-Veteranen allerdings gut zu Gesicht. Gleiches gilt für die deutschsprachigen Shouts und Screams, die ein stimmlich gereifter Andreas Dörner auf „Zeitgeister“ scheinbar mühelos abruft. Die Mischung passt also, zumal CALIBAN beim Songwriting nicht den Weg des geringsten Widerstands gewählt haben. Die Balance der einzelnen Stücke ist ausgewogen, Tempowechsel halten etwa „Herz“ spannend, mit Sprechgesang eckt man auch mal bewusst an und potenzielles Futter für künftige Moshpits ist ebenfalls zur Genüge vorhanden.

“Zeitgeister” verzichtet auf Effekthascherei

Zum Abschluss wagt sich die Band mit „nICHts“ auf Neuland vor und gibt einen Ausblick, wie frisches CALIBAN-Material im Jahr 2021 klingen könnte: direkt, eindringlich, humorbefreit und mit einer satten Portion Groove. Dabei bleibt „Zeitgeister“ bis zum Ende überschaubar: Effekthascherei spielt für die fünf Musiker keine Rolle, vielmehr bewahren sie trotz allem die Essenz der ursprünglichen Stücke – und beweisen damit eine Zurückhaltung, die George Lucas vor knapp zweieinhalb Dekaden vermutlich auch gutgetan hätte.

Veröffentlichungstermin: 14.5.2021

Spielzeit: 32:05

Line-Up

Andreas Dörner – Vocals
Denis Schmidt – Guitar
Marc Görtz – Guitar
Marco Schaller – Bass
Patrick Grün – Drums

Produziert von Benjamin Richter

Label: Century Media

Homepage: https://www.calibanmetal.com/
Facebook: https://www.facebook.com/CalibanOfficial

CALIBAN “Zeitgeister” Tracklist

  1. Zeitgeister
  2. Trauma (feat. Matthi von NASTY, ‘Arena Of Concealment’)
  3. Herz (‘I Will Never Let You Down’)
  4. Ausbruch nach Innen (‘Tyranny Of Small Misery’)
  5. Feuer, zieh’ mit mir (‘Between The Worlds’)
  6. Nichts ist für immer (‘All I Gave’)
  7. Intoleranz (‘Intolerance‘) (Video bei YouTube)
  8. Mein Inferno (‚My Little Secret‘)
  9. nICHts (Video bei YouTube)