BLIND GUARDIAN: And Then There Was Silence [MaxiCD]

BLIND GUARDIAN sind zurück und bieten ihren Fans auf einer Maxi-CD alles, was sie ausmacht. Großartig!

Nun, da die Menschen sich ehrfürchtig hochschauend zu den Göttern niederlassen, um Altare zu errichten, nun, da der Klang ferner Galaxien und Zeiten uns erschauern läßt, sprich: nun, da jeder Metaller Europas ehrfürchtig seine Anlage anstarren dürfte, alldieweil „And Then There Was Silence“ darin abgespielt wird, nun ist die Zeit gekommen, die neue Single der Krefelder Bombastfetischisten zu rezensieren. Eine undankbare Aufgabe, ist doch das Urteil längst sicher: Genial. Bombastisch. Großartig. Weiterlesen wäre überflüssig, ist es aber nicht in Anbetracht der Tatsache, daß Informationen erwartet werden. Gut, dem sei entsprochen:

BLIND GUARDIAN haben sich entschlossen, ein etwa 14minütiges, ungemein bombastisches und episches Stück als Single zu veröffentlichen. Das ist mutig, aber die Metalinstitution kann sich das nun einmal erlauben, und im Angesicht dieser großen Musik dämmert mir langsam die Erkenntnis, daß schlechte Songs zu schreiben wohl ein Ding der Unmöglichkeit für Kürsch und Co. darstellt. „And Then There Was Silence“ jedenfalls vereinigt in atemberaubender Art und Weise alles, was BLIND GUARDIAN-Fans lieben: großes technisches Können, anspruchsvolle komplexe Songstruktur, Gänsehautmelodien am laufenden Band, mehrere Mitsingrefrains, wunderschöne ruhige Stellen, mittelalterlich-folkloristisches Flair und über alledem die typischen Bombastharmonien, dargeboten von einem enthusiastischen Chor.

Zwar erscheint beim ersten Hören Hansis Gesang ein wenig künstlich, und die Musik erinnert zunächst mehr an Art-Rock als an Metal, aber nach einigen Durchläufen wird man der wahren Natur gewahr: BLIND GUARDIAN sind sich selbst treu geblieben, die Musik ist immer noch METAL, lediglich der Anspruch ist inzwischen in astronomische Höhen gestiegen – das meine ich nicht in der Hinsicht wie sie beispielsweise EMPEROR praktiziert haben (nämlich progressiv), sondern in der Hinsicht, daß der Bombast, die Melodien, die Chöre und all der andere BLIND GUARDIAN-typische Stoff in immer komplexere Arrangements gepackt werden – das hat wie gesagt nichts mit Progressive Metal zu tun, sondern schlicht und einfach mit gestiegener musikalischer Klasse. Oder anders ausgedrückt: Jeder, der „Imaginations From The Other Side“ oder „Somewhere Far Beyond“ liebt, wird auch „And Then There Was Silence“ lieben, da die Merkmale der Musik immer noch exakt dieselben sind.

Und auch „Harvest Of Sorrow“ wird sein Publikum finden – die Ballade, als Zugabe nach der 14-Minuten-Oper auf dieser Single vertreten, kommt zwar nicht im entferntesten an die früheren Balladen BLIND GUARDIANs heran (dafür ist sie einfach zu poppig und vorhersehbar), vermag in ihrer Simplizität jedoch zu gefallen – wie gesagt, schlechte Songs passen einfach nicht in das Repertoire einer Band, die Meilensteine setzte und offenbar immer noch setzt. Der einzige Schwachpunkt an dieser Maxi, die sich thematisch übrigens mit der griechischen Mythologie auseinandersetzt (in gewohnt trivialer Weise natürlich), ist somit das Cover, das leider diesmal nicht von Andreas Marshall, sondern einer Person namens „Anry“ geschaffen wurde und mir persönlich zu kitschig erscheint.
Wie dem auch sei, „And Then There Was Silence“ kann musikalisch auf voller Linie überzeugen – aber das wißt ihr wahrscheinlich sowieso alle schon, kniend vor der Anlage und mit Tränen in den Augen.

VÖ: 12.11.2001

Spielzeit: 17:49 Min.

Line-Up:
Hansi Kürsch – vocals
Andre Olbrich – guitars
Marcus Siepen – guitars
Thomen Stauch – drums

Gästeliste:
Oliver Holzwarth – bass
Rolf Köhler, Olaf Sendel, Thomas Hackmann – choirs
Matthias Wiesner – keyboards, orchestral effects
Michael Schüren – keyboards

Produziert von Charlie Bauerfeind
Label: Virgin Records

Homepage: http://www.blind-guardian.com

BLIND GUARDIAN: And Then There Was Silence Tracklist

1. And Then There Was Silence
2. Harvest Of Sorrow
Multimedia-Track: Video zu “Born In A Mourning Hall”